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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Ihr Finger kam zur Ruhe. »Ich dachte es mir! Badri war vier Tage vor seiner Erkrankung draußen bei der Ausgrabung.«

Sie wandte sich zum Stationsarzt. »Wir müssen sofort eine Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Ausgrabungsstätte bilden«, sagte sie zu ihm. »Beschaffen Sie uns die Genehmigung der Gesundheitsbehörde. Geben Sie als Begründung an, daß wir möglicherweise den Ursprungsort des Virus gefunden haben.« Sie drückte eine Taste und ließ die Namensliste weiter über den Bildschirm scrollen, folgte dem Namen mit dem Finger, gab ein anderes Signal ein und lehnte sich zurück, ohne den Blick vom Bildschirm zu wenden. »Wir hatten vier Primärinfektionen ohne positive Verbindung mit Badri. Zwei von ihnen waren vier Tage vor ihrer Erkrankung an der Ausgrabungsstätte. Ein anderer war drei Tage vorher dort.«

»Der Erreger ist in der Ausgrabung?« fragte Dunworthy.

»Ja.« Sie schenkte ihm ein halb belustigtes, halb klägliches Lächeln. »Ich fürchte, Gilchrist hatte doch recht. Der Erreger kam tatsächlich aus der Vergangenheit. Aus dem Sarkophag des Ritters.«

»Kivrin war am Ausgrabungsort«, sagte er.

Nun blickte sie ihn verständnislos an. »Wann?«

»Am 19. Dezember, dem Sonntag vor der Absetzoperation.«

»Sind Sie sicher?«

»Sie sagte es mir, bevor sie durchging. Sie wollte, daß ihre Hände authentisch aussähen.«

»Ach du lieber Gott«, sagte sie. »Wenn sie vier Tage vor dem Absetzen dem Virus ausgesetzt war, hatte sie ihre T-Zellen-Verstärkung noch nicht. Der Erreger konnte also Gelegenheit gehabt haben, sich zu vermehren und ihren Organismus zu überschwemmen. Es ist möglich, daß sie daran erkrankt ist.«

Dunworthy ergriff sie beim Arm. »Aber das kann nicht geschehen sein, Mary! Das Netz hätte sie nicht durchgelassen, wenn eine Gefahr bestanden hätte, daß sie die Zeitgenossen am Absetzort infizieren würde.«

»Wen sollte sie infizieren?« entgegnete Mary. »Wenn der Erreger aus dem Sarkophag des Ritters kam, wenn er 1318 daran starb, gab es niemanden zu infizieren. Die Zeitgenossen hatten die Krankheit bereits hinter sich. Sie waren immunisiert.« Sie stand auf und ging hinaus zu Montoya. »Arbeitete Kivrin am oder beim Sarkophag, als sie am Ausgrabungsort war?«

»Ich weiß nicht«, sagte Montoya. »Ich war nicht dort. Ich hatte eine Besprechung mit Gilchrist.«

»Wer würde es wissen? Wer war an dem Tag sonst noch dort?«

»Niemand. Alle waren in die Weihnachtsferien gegangen.«

»Woher wußte sie, was sie zu tun hatte?«

»Die freiwilligen Helfer hinterließen einander Notizen am Schwarzen Brett, wenn sie gingen.«

»Wer war an dem betreffenden Morgen dort?« fragte Mary.

»Badri«, sagte Dunworthy und machte sich auf den Weg zur Isolierstation.

Er marschierte ohne Aufenthalt in Badris Krankenzimmer. Die Schwester, mit den geschwollenen Füßen auf der Konsole überrascht, rief: »Sie können ohne Schutzkleidung nicht hinein!« und wollte ihm nach, aber er war schon drinnen.

Badri lag halb sitzend auf Kissen gestützt. Er sah sehr bleich aus, als hätte die Krankheit alle Farbe aus seiner Haut gebleicht, und schwach, doch blickte er auf, als Dunworthy hereinplatzte und ohne Vorrede zu sprechen begann.

»Hat Kivrin am Sarkophag des Ritters gearbeitet?«

»Kivrin?« Seine Stimme war beinahe zu schwach, um hörbar zu sein.

Die Schwester stieß die Tür auf. »Mr. Dunworthy, es ist Ihnen nicht erlaubt, ohne Schutzkleidung hier…«

»Am Sonntag«, sagte Dunworthy, »sollten Sie ihr eine Botschaft hinterlassen und notiert haben, was zu tun war. Haben Sie ihr gesagt, daß sie am Sarkophag arbeiten solle?«

»Mr. Dunworthy, Sie setzen sich der Ansteckungsgefahr aus!« sagte die Schwester.

Mary kam herein, ein Paar Gummihandschuhe überziehend. »Sie dürfen ohne Schutzkleidung nicht hier in der Station sein, James.«

»Ich habe es ihm zweimal gesagt, Dr. Ahrens«, sagte die Schwester, »aber er stürmte vorbei, ohne auf mich zu hören…«

»Haben Sie Kivrin am Ausgrabungsort eine Nachricht hinterlassen, daß sie am Sarkophag arbeiten solle?« drängte Dunworthy.

Badri nickte matt.

»Dann war sie dem Virus ausgesetzt«, sagte Dunworthy zu Mary. »Am Sonntag. Vier Tage vor dem Absetzen.«

»Gott, nein!« hauchte Mary.

»Was ist? Was ist passiert?« fragte Badri und stützte sich mit beiden Armen im Bett auf. »Wo ist Kivrin?« Er blickte von Mary zu Dunworthy. »Sie zogen sie heraus, nicht? Als Sie merkten, was geschehen war? Haben Sie sie nicht herausgeholt?«

»Was soll geschehen sein?« fragte Mary. »Wovon reden Sie?«

»Sie müssen sie herausgeholt haben«, sagte Badri. »Sie ist nicht im Jahr 1320. Sie ist im Jahr 1348.«

25

»Unmöglich«, sagte Dunworthy.

»Was sagen Sie da, 1348?« sagte Mary verwirrt. »Das kann nicht sein. Das ist das Jahr des Schwarzen Todes.«

Sie kann nicht in 1348 angekommen sein, dachte Dunworthy. Alle Koordinaten waren richtig, Badri hatte die Verschiebung als minimal bezeichnet, und Andrews gesagt, die maximale Verschiebung betrage fünf Jahre.

»1348?« sagte Mary. Er sah sie zu den Kontrollanzeigen an der Wand blicken, als ob sie hoffte, daß er noch an Wahnvorstellungen leide. »Sind Sie sicher?«

Badri nickte. »Ich wußte, daß etwas nicht stimmte, sobald ich die Verschiebung sah…«

»Es konnte nicht genug Verschiebung gegeben haben, daß sie 1348 durchkam«, unterbrach ihn Dunworthy. »Ich habe von Andrews die Parameter überprüfen lassen. Er sagte, die maximale Verschiebung betrage nur fünf Jahre.«

Badri schüttelte den Kopf. »Es war nicht die Verschiebung«, sagte er mit gequälter Miene. »Die machte nur vier Stunden aus. Sie war zu klein. Die minimale Verschiebung bei Ferndistanz-Operationen dieser Art sollte mindestens achtundvierzig Stunden ausmachen.«

Die Verschiebung war nicht zu groß gewesen, sondern zu klein. Dunworthy hatte Andrews nicht nach der minimalen Verschiebung gefragt, nur nach der maximalen.

»Ich weiß nicht, was passierte«, sagte Badri. »Ich hatte solche Kopfschmerzen. Die ganze Zeit, während ich das Netz einstellte, hatte ich diese rasenden Kopfschmerzen.«

»Das war das Virus«, sagte Mary. »Kopfschmerzen und Desorientierung sind die ersten Symptome.« Sie ließ sich auf den Stuhl neben dem Bett sinken und schüttelte benommen den Kopf. »1348!«

1348. Sein Verstand weigerte sich, dies hinzunehmen. Er hatte sich Sorgen gemacht, daß Kivrin das Virus eingefangen haben könnte, er hatte eine zu große Verschiebung befürchtet, und unterdessen war sie die ganze Zeit im Jahr 1348. Die Pest hatte Oxford 1348 erreicht. Um die Weihnachtszeit.

»Als ich sah, wie geringfügig die Verschiebung war, dachte ich mir, daß etwas nicht stimmen könne«, sagte Badri. »Also rief ich die Koordinaten ab…«

»Sie sagten, Sie hätten Puhalskis Koordinaten überprüft!« sagte Dunworthy in anklagendem Ton.

»Er ist Lehrling. Er hatte noch nie eine Ferndistanz-Operation selbständig durchgeführt. Und Gilchrist konnte die Arbeit des Technikers natürlich nicht kontrollieren. Ich versuchte es Ihnen zu sagen. War sie nicht am Absetzort?« Er sah Dunworthy an. »Warum haben Sie sie nicht herausgeholt?«

»Wir wußten es nicht«, sagte Mary, noch immer wie betäubt auf dem Stuhl sitzend. »Sie waren nicht imstande, uns etwas zu sagen. Sie redeten unzusammenhängendes Zeug, waren im Fieberwahn.«

»Die Seuche tötete fünfzig Millionen Menschen«, sagte Dunworthy. »Sie tötete halb Europa.«

»James«, sagte Mary.

»Ich versuchte es Ihnen zu sagen«, sagte Badri. »Darum kam ich, es Ihnen zu sagen. Damit wir sie herausholen könnten, bevor sie den Absetzort verließ.«

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