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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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»Sie haben wohl nicht sehr viel mitbekommen?«

»Ich hatte Sie etwas gefragt, Khouri.«

Khouri war näher getreten. Der Raum fuhr neben dem Bett einen robusten Stuhl für sie aus. »Sudjic«, sagte sie.

»Sie hat versucht, Sie zu töten, als wir auf Resurgam waren — das wissen Sie doch noch?«

»Eigentlich nicht.«

»Wir waren hinunter geflogen, um Sylveste an Bord zu holen.«

Volyova schwieg einen Moment. Bei dem Namen klirrte es in ihrem Kopf, als sei ein Skalpell zu Boden gefallen. »Sylveste, ja richtig. Ich weiß noch, dass wir ihn abholen sollten. Hat es denn geklappt? Hat Sajaki bekommen, was er wollte?«

Khouri überlegte. »Ja und nein«, sagte sie dann.

»Und Sudjic?«

»Sudjic wollte Sie töten — Nagornys wegen.«

»Man kann es einfach nicht allen recht machen.«

»Ich glaube, sie hätte immer irgendeinen Vorwand gefunden. Sie wollte mich übrigens mit hineinziehen.«

»Und?«

»Ich habe sie getötet.«

»Wenn ich mich nicht irre, heißt das, Sie haben mir schon wieder das Leben gerettet.« Volyova hob zum ersten Mal den Kopf vom Kissen; es fiel ihr so schwer, als sei er mit Gummiseilen am Bett festgebunden. »Sie sollten damit aufhören, Khouri, sonst wird es noch zur Gewohnheit. Aber wenn wir einen weiteren Todesfall hatten… müssen Sie damit rechnen, dass Sajaki Fragen stellt.« Eine Warnung wie diese hätte jeder Vorgesetzte gegenüber einem Untergebenen aussprechen können. Mehr wagte sie im Moment nicht zu sagen. Bis jetzt verriet — für jemanden, der mithörte — noch nichts, dass Volyova mehr über Khouri wusste als die anderen Triumvirn.

Aber die Warnung war ernst gemeint. Zuerst eine Tote im Trainingssaal… dann eine zweite auf Resurgam. In beiden Fällen war Khouri nicht der Anlass gewesen, aber für Volyova war schon ihre Anwesenheit verdächtig, und Sajaki würde erst recht misstrauisch werden. Wenn er sich darauf beschränkte, ihr Fragen zu stellen, wäre das übrigens noch eine eher milde Form des Verhörs. Der Triumvir könnte sich auch zu einer Folterung entschließen… oder gar zu einem gefährlichen Trawl im Tiefengedächtnis. Selbst wenn er Khouri dabei nicht das Gehirn verschmorte, könnte er zumindest in Erfahrung bringen, dass sie ein Infiltrator war, der sich an Bord geschmuggelt hatte, um die Weltraumgeschütze zu stehlen. Als Nächstes würde er sicher wissen wollen, wie viel Volyova von alledem bekannt war. Und wenn er es dann für aussichtsreich hielt, auch Volyova einem Trawl zu unterziehen…

Dazu darf es nicht kommen, dachte sie.

Sobald sie wieder auf den Beinen war, musste sie mit Khouri den Spinnenraum aufsuchen. Dort konnten sie offen sprechen. Im Moment war es sinnlos, über Dinge nachzugrübeln, die sie doch nicht ändern konnte.

»Wie ging es dann weiter?«, fragte sie.

»Nachdem Sudjic den Löffel abgegeben hatte? Sie werden es nicht für möglich halten, aber es lief alles nach Plan. Sylveste musste immer noch an Bord gebracht werden und Sajaki und ich waren unverletzt geblieben.«

Das hieß, dass sich Sylveste jetzt irgendwo auf dem Schiff aufhielt. »Dann hat Sajaki doch bekommen, was er wollte?«

»Nein«, sagte Khouri vorsichtig. »Das dachte er nur. Die Wirklichkeit war ein klein wenig anders.«

In der folgenden Stunde schilderte sie Volyova, was geschehen war, seit man Sylveste zum zweiten Mal auf das Lichtschiff gebracht hatte. Was sie sagte, war auf dem ganzen Schiff bekannt; sie konnte es Volyova unbedenklich erzählen, ohne Ärger mit Sajaki fürchten zu müssen. Volyova wiederum vergaß nie, dass Khouri die Ereignisse so darstellte, wie sie sie erlebt hatte. Ihr Bericht war gefärbt und nicht unbedingt vollständig oder in allen Punkten glaubwürdig. Gewisse politische Untertöne hätte sie sicher nicht mitbekommen; die hörte man nur heraus, wenn man seit Jahren an Bord war. Letzten Endes war es dennoch eher unwahrscheinlich, dass sie wissentlich oder nicht größere Teile der Wahrheit ausgespart hatte. Und was Volyova erfahren hatte, klang ganz und gar nicht gut.

»Sie glauben, er hat gelogen?«, fragte Khouri.

»Was den heißen Staub angeht?« Volyova deutete ein Achselzucken an. »Durchaus möglich. Zugegeben, Remilliod hat der Kolonie heißen Staub verkauft — den Beweis dafür haben wir gesehen —, aber mit dem Zeug umzugehen ist kein Kinderspiel. Und wenn sie bis nach dem Angriff auf Phoenix gewartet hatten, was ich für wahrscheinlich halte, blieb ihnen nicht viel Zeit, um es ihm in die Augen einzusetzen. Andererseits — kann man nicht einfach davon ausgehen, dass er lügt. Das Risiko wäre zu groß. Und wenn man versucht, den heißen Staub mit einem Fernscan zu orten, riskiert man eine Explosion… Damit steckt Sajaki in einem echten Dilemma. Er kann nicht davon ausgehen, dass Sylveste nicht die Wahrheit sagt. Er muss sich auf sein Wort verlassen, sonst setzt er alles aufs Spiel. Wenn er ihm glaubt, bleibt das Risiko gerade noch berechenbar.«

»Sie betrachten Sylvestes Ansinnen als berechenbares Risiko?«

Volyova schnalzte mit der Zunge. Die Forderungen waren wirklich erstaunlich. Sie war in ihrem ganzen Leben einer potenziell fremden Kultur, einer Welt, die potenziell so außerhalb ihrer Erfahrung lag, noch nie so nahe gekommen. Sicher konnte man daraus einiges lernen — Lektionen über Lektionen. Sylveste hätte sich die Drohung eigentlich sparen können…

»Wie kann er uns nur einen so verlockenden Köder unter die Nase halten?«, fragte sie. »Dieser Neutronenstern fasziniert mich, seit wir in das System eingetreten sind, wussten Sie das? Ich hatte beim Anflug ganz in der Nähe etwas entdeckt — eine schwache Neutrinoquelle. Sie scheint um den Planeten zu kreisen, der seinerseits den Neutronenstern umkreist.«

»Was könnte die Neutrinos erzeugen?«

»Vieles — aber Neutrinos dieser Energie? Da fallen mir nur Maschinen ein. Technisch sehr hoch entwickelte Maschinen.«

»Die von den Amarantin zurückgelassen wurden?«

»Das wäre doch eine Möglichkeit?« Volyova rang sich ein Lächeln ab. Sie hatte genau den gleichen Gedanken gehabt, aber sie durfte ihre Wünsche nicht so offen aussprechen. »Wenn wir erst dort sind, lässt sich das sicher herausfinden.«

Neutrinos sind fermionische Elementarteilchen, Leptonen. Sie treten je nach den nuklearen Reaktionen bei ihrer Entstehung in drei Formen oder Flavours auf: als Elektronen, Mu- oder Tau-Neutrinos. Aber Neutrinos haben Masse — weil sie sich knapp unter Lichtgeschwindigkeit bewegen — und wechseln im Flug die Flavours. Als die Schiffssensoren die Neutrinos auffingen, traten sie in einer Mischung von drei möglichen Flavour-Zuständen auf, die schwer voneinander zu trennen waren. Aber je mehr sich der Abstand zum Neutronenstern und damit die Zeit verringerte, in der die Neutrinos von ihrem Anfangszustand in andere Zustände oszillieren konnten, desto mehr wurde die Flavour-Mischung von einem Neutrino-Typ beherrscht. Auch das Energiespektrum war leichter zu bestimmen und die zeitabhängigen Schwankungen in der Stärke der Quelle ließen sich sehr viel besser verfolgen und interpretieren. Als sich Schiff und Neutronenstern einander auf ein Fünftel AE — etwa zwanzig Millionen Kilometer — angenähert hatten, konnte Volyova schon sehr viel klarer erkennen, was den stetigen Teilchenstrom verursachte, der vom schwersten Neutrino-Flavour, dem Tau-Neutrino dominiert wurde.

Es war eine Entdeckung, die sie sehr beunruhigte.

Aber sie beschloss zu warten, bis sie noch näher kamen, bevor sie dem Rest der Besatzung ihre Befürchtungen mitteilte. Immerhin standen immer noch alle unter Sylvestes Einfluss; und dass sie sein Handeln mit ihren Sorgen entscheidend beeinflussen konnte, war nicht anzunehmen.

Khouri gewöhnte sich allmählich an den Tod.

Störend an Volyovas Simulationen fand sie unter anderem, dass sie unweigerlich über den Punkt hinausgingen, wo jeder reale Beobachter entweder tot oder zumindest so schwer verletzt gewesen wäre, dass er die folgenden Ereignisse nicht mehr hätte verfolgen und erst recht nicht hätte beeinflussen können. So war es auch diesmal. Eine nicht näher definierte Waffe von beliebig großer Zerstörungskraft war von Cerberus auf das Lichtschiff zugerast und hatte es einfach in Stücke gerissen. Nichts hätte diesen Angriff überlebt, aber Khouris körperloses Bewusstsein blieb hartnäckig an Ort und Stelle und sah den scharfkantigen Trümmern nach, die im rosigen Schein ihrer eigenen ionisierten Eingeweide träge davontrieben. Vermutlich war das Volyovas Art, Salz in die Wunden zu streuen.

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