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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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Dennoch waren diese ungeheuren Weiten nicht völlig leer. Zunächst sah man nur einen Körper — doch das lag daran, dass die voreingestellte Vergrößerung zu hoch war, um die Dopplung zu zeigen. Das zweite Objekt befand sich in der Richtung, in die der Kuipergürtel zeigte; sein Schwerkraftsog hatte den an sich kugelförmigen Halo derart verformt. Nur damit verriet es seine Existenz, denn zu sehen war es mit bloßem Auge nicht, es sei denn, man käme auf eine Million Kilometer heran — und dann hätte man mit Sicherheit andere Sorgen, als es zu betrachten.

»Sie werden davon gehört haben«, sagte Sylveste. »Auch wenn es bisher nicht allzu viel Aufmerksamkeit erregt haben mag.«

»Es ist ein Neutronenstern«, sagte Hegazi.

»Gut. Wissen Sie noch etwas darüber?«

»Nur, dass er einen Begleiter hat«, sagte Sajaki. »Was aber an sich nicht ungewöhnlich ist.«

»Eigentlich nicht, nein. Viele Neutronensterne haben Planeten — angeblich die kondensierten Reste verdampfter Binärsterne. Möglicherweise blieb der Planet auch aus irgendeinem Grund verschont, als bei der Supernova-Explosion eines schwereren Sterns der Pulsar entstand.« Sylveste schüttelte den Kopf. »Trotzdem nicht ungewöhnlich, nein. Warum also — die Frage ist berechtigt — interessiere ich mich dafür?«

»Eine vernünftige Frage«, sagte Hegazi.

»Weil etwas daran merkwürdig ist.« Sylveste vergrößerte das Bild, bis der Planet, der auf seiner Bahn unnatürlich schnell um den Neutronenstern raste, deutlich zu erkennen war.

»Dieser Planet war für die Amarantin von außergewöhnlicher Bedeutung. Je näher man dem Ereignis kommt — der Sonnenfackel, die sie auslöschte —, desto häufiger taucht er auf den Fundstücken der Spätphase auf.«

Das hatte eingeschlagen. Die Drohung, das Schiff zu zerstören, hatte den Selbsterhaltungstrieb angesprochen, doch jetzt waren die Ultras auf intellektueller Ebene gefesselt. Sylveste hatte nie bezweifelt, dass er hier leichter Gehör finden würde als bei den Kolonisten. Sajakis Mannschaft sah die Dinge ohnehin schon von der kosmischen Warte.

»Was steckt dahinter?«, fragte Sajaki.

»Ich weiß es nicht. Aber Sie werden mir helfen, es herauszufinden.«

»Sie glauben, auf dem Planeten könnte etwas zu finden sein?«

»Oder in seinem Innern. Um das zu ergründen, müssen wir sehr viel näher heran, nicht wahr?«

»Es könnte eine Falle sein«, sagte Pascale. »Ich denke, wir sollten diese Möglichkeit nicht ausschließen — besonders, wenn Dan den Zeitablauf richtig beurteilt.«

»Was hat das mit dem Zeitablauf zu tun?«, fragte Sajaki.

Sylveste legte die Fingerspitzen dachförmig aneinander.

»Ich habe den Verdacht — nein, es ist kein Verdacht, sondern eine Schlussfolgerung —, dass die Amarantin in ihrer Entwicklung irgendwann so weit kamen, dass sie in den Weltraum aufbrachen.«

»Nach allem, was ich auf Resurgam erfahren habe«, sagte Sajaki, »liefern die Fossilien dafür keine Anhaltspunkte.«

»Aber das wäre doch ganz normal, nicht wahr? Technische Produkte sind naturgemäß weniger haltbar als Erzeugnisse aus primitiveren Epochen. Keramik hält sich. Mikroschaltkreise zerfallen zu Staub. Außerdem brauchte man eine Technik, die unserer heutigen in etwa vergleichbar ist, um die Stadt unter dem Obelisken zu vergraben. Wenn die Amarantin dazu fähig waren, spricht absolut nichts mehr dagegen, dass sie auch bis an die Grenzen ihres Sonnensystems fliegen konnten — vielleicht sogar in den interstellaren Raum.«

»Sie glauben doch nicht etwa, die Amarantin hätten andere Sonnensysteme erreicht?«

»Ich schließe es jedenfalls nicht aus.«

Sajaki lächelte. »Und wo sind sie dann? Ich kann mir vorstellen, dass eine technisch hochentwickelte Zivilisation spurlos verschwindet, aber nicht, wenn sie sich über viele Welten ausgebreitet hatte. Dann hätten sie doch etwas zurückgelassen.«

»Vielleicht haben sie das ja getan.«

»Die Welt um den Neutronenstern? Sie glauben, dort finden Sie die Antwort auf Ihre Fragen?«

»Wenn ich das so genau wüsste, bräuchte ich nicht hinzufliegen. Ich will es herausfinden, das ist alles, und deshalb bitte ich Sie, mich hinzubringen.« Sylveste stützte das Kinn auf die Fingerspitzen. »Sie fliegen mich möglichst nahe an den Planeten heran und sorgen gleichzeitig für meinen Schutz. Notfalls müssen Sie mir eben gestatten, die schmutzigeren Tricks, die dieses Schiff bietet, zum Einsatz zu bringen.«

Hegazi war fasziniert und entsetzt zugleich. »Sie glauben, wir könnten dort auf etwas stoßen — wofür wir die Waffen brauchen?«

»Vorsicht kann nicht schaden, oder?«

Sajaki wandte sich an den zweiten Triumvir. Für einen Moment schienen die beiden allein auf der Brücke zu sein. Sie verständigten sich zunächst so schnell wie zwei Maschinen, nur mit einem flackernden Blick. Dann erst sprachen sie, als wollten sie auch Sylveste zugänglich machen, was sie eben erörtert hatten. »Was er über den Fremdkörper in seinen Augen sagte — ist das möglich? Ich meine, wir wissen, welche technischen Möglichkeiten Resurgam hat. Könnte man vor Ablauf unseres Ultimatums ein solches Implantat eingesetzt haben?«

Hegazi ließ sich Zeit mit der Antwort. »Ich glaube, wir sollten die Möglichkeit ernsthaft in Erwägung ziehen, Yuuji-san.«

Volyova — oder der größte Teil von ihr — war im Aufwachraum der Krankenstation zu sich gekommen. Man brauchte ihr nicht zu sagen, dass sie über viele Stunden bewusstlos gewesen war. Wenn sie in sich hineinhorchte, hatte sie das Gefühl, jahrhundertelang in einem tiefen Traum befangen gewesen zu sein, und daran erkannte sie, wie schwer ihre Verletzungen und wie langwierig ihre Genesung gewesen sein mussten. Manchmal hatte man zwar schon nach einem kurzen Nickerchen den Eindruck, ein ganzes Leben geträumt zu haben, aber ihre Träume waren so lang und so vollgepackt mit Ereignissen wie eine breit ausgewalzte Saga aus prätechnischer Zeit. Es war, als hätte sie im Fieberwahn viele verstaubte, aber unsterbliche Geschichtenbände durchlebt.

Dennoch war ihr nur wenig in Erinnerung geblieben. Zuerst war sie auf diesem Schiff gewesen und dann war — irgendwo anders, aber wo, war ihr noch nicht klar — etwas Schreckliches geschehen. Nur der Lärm, die blinde Wut waren ihr noch gegenwärtig — aber was hatten sie zu bedeuten? Und wo war sie gewesen?

Ganz schwach — zunächst hielt sie es noch für einen Teil ihres Traums — stieg ein Bild von Resurgam vor ihr auf. Und dann kehrten die Ereignisse langsam zurück, nicht wie eine Flutwelle oder wie ein Erdrutsch, sondern wie eine träge schmatzende Schlamm-Masse: die Eingeweide der Vergangenheit. Sie hatten nicht einmal so viel Anstand, in chronologischer Reihenfolge aufzutreten. Doch als sie die einzelnen Episoden zu ihrer Zufriedenheit geordnet hatte, hörte sie erstaunt, wie jemand aus dem Orbit mit ihrer Stimme der wartenden Welt da unten ein Ultimatum nach dem anderen verkündete. Dann kam das Warten im Sturm und schließlich diese schreckliche Hitze und danach eine ebenso schreckliche Kälte im Magen. Sie sah, wie Sudjic sich über sie beugte und Schmerzen austeilte.

Die Tür ging auf; Ana Khouri trat ein — allein.

»Sie sind wach«, sagte sie. »Das dachte ich mir. Ich hatte das System angewiesen, mich zu benachrichtigen, wenn Ihre Neuralaktivität jene Stufe erreichte, die mit bewusstem Denken gleichgesetzt wird. Schön, Sie wieder unter den Lebenden zu haben, Ilia. Leute mit gesundem Verstand sind derzeit Mangelware.«

»Wie lange…?« Volyova brach ab — die Worte klangen abgehackt und undeutlich — und fing noch einmal an. »Wie lange bin ich schon hier? Und wo sind wir jetzt?«

»Der Angriff erfolgte vor zehn Tagen, Ilia. Und wir sind… dazu komme ich später. Es ist eine lange Geschichte. Wie fühlen Sie sich?«

»Ich habe schon Schlimmeres erlebt.« Warum sage ich das, fragte sie sich. Sie konnte sich nicht erinnern, sich jemals so elend gefühlt zu haben wie jetzt. Aber die Umstände verlangten eben eine solche Antwort. »Was für ein Angriff?«

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