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In den Klauen des Winters

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In den Klauen des Winters
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»Anscheinend ist das Ding aus irgendeinem Grund hinter mir her«, sagte Mat leichthin, als der Alte geendet hatte und sich scheinbar erschöpft auf sein Bett sinken ließ. »Vermutlich hat es irgendwann einmal mit mir Würfel gespielt, auch wenn ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Solange ihr ihm und mir nicht in die Quere kommt, hat keiner von euch etwas zu befürchten.« Er grinste und versuchte, einen Witz daraus zu machen, aber keiner von ihnen lächelte auch nur. »Wie dem auch sei, ich werde euch morgen früh Gold geben. Ihr werdet auf dem ersten Schiff nach Illian eine Passage buchen und Olver mitnehmen. Thom und Juilin auch, falls sie mitgehen wollen.« Er vermutete, dass der Diebefänger auf jeden Fall wollte. »Und natürlich Nerim und Lopin.« Er hatte sich daran gewöhnt, dass die beiden Diener sich um ihn kümmerten, aber eigentlich brauchte er sie hier nicht. »Talmanes muss mittlerweile in der Nähe von Caemlyn sein. Ihr dürftet keine großen Schwierigkeiten haben, ihn zu finden.« Wenn sie weg waren, würde er mit Tylin allein sein. Licht, lieber würde er sich wieder dem Gholam stellen!

Harnan und die anderen drei Rotwaffen tauschten Blicke aus, Fergin kratzte sich am Kopf, als würde er nicht genau verstehen. Vielleicht tat er es tatsächlich nicht. Der knochige Mann war ein guter Soldat — nicht der beste, das nicht, aber gut genug —, aber er war nicht der hellste, wenn es um andere Dinge ging.

»Das wäre nicht richtig«, sagte Harnan schließlich. »Lord Talmanes würde uns das Fell gerben, wenn wir ohne Euch zurückkommen.« Die anderen drei nickten. Das konnte Fergin verstehen.

»Und Ihr, Vanin?«, fragte Mat.

Der fette Mann zuckte mit den Schultern. »Wenn ich diesen Jungen von Riselle fortbringe, wird er mich im Schlaf wie eine Forelle ausweiden. An seiner Stelle würde ich das Gleiche tun. Wie dem auch sei, ich habe hier Zeit zum Lesen. Dazu habe ich als Hufschmied nicht oft Gelegenheit.« Das war eines der Handwerke, die er augenblicklich ausübte. Das andere war Stallknecht. In Wahrheit war er Pferdedieb und Wilderer, und zwar der beste in zwei Ländern und vermutlich noch viel mehr.

»Ihr seid alle verrückt«, sagte Mat stirnrunzelnd. »Nur weil er mich will, heißt das nicht, dass er euch nicht tötet, wenn ihr ihm in die Quere kommt. Das Angebot bleibt bestehen. Jedermann, der zur Besinnung kommt, kann gehen.«

»Ich habe schon Männer wie Euch gesehen«, sagte Noal plötzlich. Der nach vorn gebeugte Mann war das gestaltgewordene Bild von Alter und Erschöpfung, aber seine funkelnden Augen musterten Mat eindringlich. »Einige Männer haben eine Ausstrahlung, die andere Männer dazu bringt, ihnen überallhin zu folgen. Einige führen in die Vernichtung, andere zum Ruhm. Ich könnte mir vorstellen, dass Euer Name in die Geschichtsbücher Einzug halten wird.«

Harnan sah so verwirrt wie Fergin aus. Vanin spuckte aus, legte sich wieder hin und öffnete das Buch.

»Wenn mich mein Glück verlässt, dann vielleicht«, murmelte Mat. Er wusste, was dazu nötig war, um in die Geschichtsbücher aufgenommen zu werden. Dabei konnte ein Mann leicht sein Leben verlieren.

»Ihr solltet besser ein Bad nehmen, bevor sie Euch sieht«, sagte Fergin plötzlich. »Der ganze Dreck wird ihr eine Klette unter den Sattel schieben.«

Wütend riss sich Mat den Hut vom Kopf und stolzierte wortlos weg. Das heißt, er stolzierte, so gut es ging, wenn man an einem Stab hinken musste. Bevor sich hinter ihm die Tür schloss, hörte er, wie Noal anfing, die Geschichte zu erzählen, wie er einmal auf einem Schiff des Meervolks gesegelt war und gelernt hatte, in Salzwasser zu baden. Zumindest fing sie so an.

Er wollte sich sauber machen, bevor Tylin ihn zu Gesicht bekam — das wollte er wirklich —, aber als er durch die Korridore hinkte, in denen die geblümten Wandteppiche hingen, die Ebou Dari wegen der Jahreszeit, an die sie erinnerten, Sommerteppiche nannten, schlugen ihm vier der in die grünen und weißen Livreen des Palasts gekleideten Diener und nicht weniger als sieben Dienerinnen vor, doch besser ein Bad zu nehmen und die Kleider zu wechseln, bevor die Königin ihn so sah; sie boten ihm sogar an, ein Bad einzulassen und frische Sachen zu holen, ohne dass sie davon erfuhr. Sie wussten nicht alles über Tylin und ihn, wofür er dem Licht dankte — allein Tylin und er kannten die schlimmsten Einzelheiten —, aber sie wussten verdammt noch mal zu viel. Schlimmer noch, jeder verfluchte Diener des verfluchten Tarasin-Palasts hieß es gut. Zum einen war Tylin die Königin und konnte, soweit es sie betraf, tun, wozu sie Lust hatte. Davon abgesehen waren ihre Nerven zum Zerreißen gespannt, seit die Seanchaner die Stadt erobert hatten, und wenn ein geschrubbter und in hübsche, saubere Spitzenrüschen gekleideter Mat Cauthon sie davon abhielt, ihnen wegen Nichtigkeiten die Nasen abzureißen, dann würden sie ihn auch hinter den Ohren waschen und wie ein Geschenk in Spitze einwickeln!

»Schlamm?«, sagte er zu einer hübschen, lächelnden Dienerin, die ihre Röcke zum Hofknicks raffte. Ein Funkeln lag in ihren dunklen Augen, und der tiefe Ausschnitt ihres Oberteils stellte eine ordentliche Portion eines Busens zur Schau, der selbst Riselles hätte Konkurrenz machen können. An einem anderen Tag hätte er sich etwas Zeit genommen, um sich an dem Anblick zu erfreuen. »Schlamm? Was für Schlamm!« Ihr Mund klappte auf, sie vergaß, sich wieder aufzurichten, und starrte ihm mit gebeugten Knien nach, wie er davonhinkte.

Juilin Sandar kam schnell um eine Ecke gebogen und wäre beinahe mit ihm zusammengestoßen. Der Diebefänger aus Tairen sprang mit einem unterdrückten Fluch zurück, sein dunkelhäutiges Gesicht verfärbte sich grau, bis er erkannte, wer ihn da fast umgerannt hätte. Dann murmelte er eine Entschuldigung und setzte sich wieder eilig in Bewegung.

»Hat Thom dich mit in sein Irrsinnsunternehmen reingezogen, Juilin?«, fragte Mat. Juilin und Thom teilten sich irgendwo bei den Dienstbotenquartieren einen Raum, und er hatte keinen Grund, sich hier aufzuhalten. Mit dem dunklen tairenischen Mantel, der über die Stiefel ging, fiel Juilin unter dem Personal auf wie eine Ente in einem Hühnerstall. Suroth war sehr streng in solchen Dingen, strenger als Tylin. Mat fiel nur ein Grund ein, die Angelegenheit, in die Thom und Beslan verwickelt waren. »Nein, sag es mir nicht. Ich habe Harnan und den anderen ein Angebot gemacht und es gilt auch für dich. Wenn du gehen willst, gebe ich dir das nötige Geld.«

Tatsächlich machte Juilin nicht im Mindesten den Eindruck, als wollte er ihm etwas sagen. Der Diebefänger steckte die Daumen in den Gürtel und erwiderte Mats Blick ungerührt. »Was haben Harnan und die anderen gesagt? Und was hat es mit Thoms Unternehmung auf sich, die du für irrsinnig hältst? Das sind ein paar Dächer, auf denen er sich doch wohl besser auskennt als du und ich.«

»Der Gholam ist noch immer in Ebou Dar, Juilin.« Thom wusste, dass er das Spiel der Häuser beherrschte, und er liebte es, seine Nase in die Politik zu stecken. »Das Ding hat vor wenigen Stunden versucht, mich umzubringen.«

Juilin grunzte, als hätte er einen Schlag in die Magengrube bekommen, und er fuhr sich mit der Hand durch das kurz geschnittene schwarze Haar. »Ich habe trotzdem einen Grund, noch etwas länger zu bleiben«, sagte er. Sein Auftreten veränderte sich, nun drückte es etwas Stures und Abwehrendes und irgendwie Schuldiges aus. Mat hatte noch nie gesehen, dass er den Frauen nachstieg, aber wenn ein Mann so aussah, konnte das nur eines bedeuten.

»Nimm sie mit«, sagte er. »Und wenn sie nicht will, nun, du wirst noch keine Stunde in Tear sein, dann hast du schon auf jedem Knie eine Neue sitzen. So ist das mit den Frauen, Juilin. Wenn die eine nein sagt, gibt es immer eine andere, die ja sagen wird.«

Ein Diener mit dem Arm voller Leinenhandtücher eilte vorbei und starrte Mats schlammverkrustetes Erscheinungsbild erstaunt an, aber Juilin bezog das auf sich, riss die Daumen aus dem Gürtel und versuchte, eine etwas demütigere Haltung anzunehmen. Ohne großen Erfolg. Zwar schlief Thom bei der Dienerschaft, aber er hatte es von Anfang an geschafft, es so aussehen zu lassen, als wäre das seine Entscheidung gewesen, eine Exzentrizität, daher fand es niemand seltsam, ihn hier oben in diesem Stockwerk zu sehen, wie er vielleicht in Riselles Gemächer schlüpfte, in denen einst Mat gewohnt hatte. Juilin hatte viel Mühe darauf verwendet, deutlich zu machen, dass er ein Diebefänger war; er hatte so vielen mit Vorsicht zu genießenden kleinen Adligen und selbstzufriedenen Kaufleuten in die Augen geschaut, um klarzustellen, dass er genauso gut war wie sie, dass jeder im Palast wusste, wer und was er war. Und wo er sich aufzuhalten hatte, und zwar im Erdgeschoss.

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