In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
»Ich verstehe«, sagte der Alte langsam. »Das habe ich nicht gewusst.« Er klang, als würde er sich über sich selbst ärgern. »Ihr müsst viel Zeit mit den Seanchanern verbringen. Kennt Ihr auch die Hochlady Suroth? Ich muss schon sagen, ich hatte keine Ahnung, dass Ihr solch weit reichende Verbindungen habt.«
»Wenn ich kann, verbringe ich Zeit mit den Soldaten in Schenken«, erwiderte Mat mürrisch. Wenn Tylin ihn ließ. Licht, er hätte genauso gut verheiratet sein können! »Suroth weiß nicht, dass es mich gibt.« Und er hoffte inständig, dass das auch so blieb.
Die drei Seanchaner waren bereits außer Sicht, ihre Pferde hatte man in die Ställe geführt, aber mehrere Dutzend Sul'dam verschafften ihren Domäne den abendlichen Auslauf und führten sie in einem großen Kreis über den gepflasterten Hof. Fast die Hälfte der grau gekleideten Domäne waren dunkelhäutige Frauen, die nun auf den Schmuck verzichten mussten, den sie als Windsucherinnen getragen hatten. Im Palast und auch überall sonst gab es noch mehr von ihnen; die Seanchaner hatten auf den Schiffen des Meervolks, die ihnen nicht entkommen waren, eine reiche Ernte eingefahren. Die meisten Gesichter zeigten mürrische Resignation oder steinerne Mienen, aber sieben oder acht von ihnen starrten verloren und verwirrt ins Leere, da sie es noch immer nicht glauben konnten. Jede dieser Frauen wurde von einer in Seanchan geborenen Damane begleitet, die ihr die Hand hielt oder einen Arm um sie gelegt hatte und ihr unter den anerkennenden Blicken der Frauen, die zu ihren silbernen Kragen gehörende Armbänder trugen, lächernd zuflüsterte. Ein paar der benommenen Frauen klammerten sich so verzweifelt an die sie begleitende Domäne, als hielten sie Rettungsringe. Es hätte ausgereicht, um Mat frösteln zu lassen, hätten dafür nicht schon seine feuchten Kleider gesorgt.
Er versuchte, Noal schnell über den Hof zu führen, aber der Kreis brachte eine Damane in seine Nähe, die weder Seanchanerin noch eine Atha'an Miere war. Sie war mit einer fülligen Sul'dam mit grauen Haaren verbunden, die olivfarbene Haut hatte und als Altaranerin und Mutter durchgegangen wäre. Der Art und Weise nach zu urteilen, wie sie ihren Schützling ansah, war sie eine strenge Mutter mit einem möglicherweise widerspenstigen Kind. Teslyn Baradon war nach anderthalb Monaten seanchanischer Gefangenschaft dicker geworden, doch ihr altersloses Gesicht sah noch immer so aus, als würden ihre drei Mahlzeiten des Tages nur aus Brombeeren bestehen. Andererseits ging sie friedlich an ihrer Leine, gehorchte den gemurmelten Anweisungen der Sul'dam, ohne zu zögern, und blieb nur stehen, um sich tief vor ihm und Noal zu verbeugen. Aber einen Augenblick lang blitzte in ihren dunkeln Augen tiefer, auf ihn gemünzter Hass auf, bevor sie und die Sul'dam ihre Runde auf dem Stallhof fortführten. Friedlich, gehorsam. Er hatte auf genau diesem Stallhof miterlebt, wie man Damane wegen irgendwelchen Kleinigkeiten so lange mit Ruten geschlagen hatte, bis sie schrien. Teslyn war unter ihnen gewesen. Sie hatte ihm nie etwas Gutes getan, manchmal vielleicht sogar etwas Schlechtes, aber er hätte ihr niemals ein solches Schicksal gewünscht.
»Besser als tot zu sein, schätze ich«, murmelte er und ging weiter. Teslyn war eine harte Frau, die vermutlich jeden Augenblick mit Fluchtplänen beschäftigt war, aber Härte brachte einen auch nur bis zu einem gewissen Punkt. Die Herrin der Schiffe und ihre Meisterin der Klingen waren ohne einen Schrei von sich zu geben am Pfahl gestorben, aber es hatte sie nicht gerettet.
»Glaubt Ihr das wirklich?«, fragte Noal gedankenverloren und fummelte wieder an seinem Bündel herum. Seine verkrüppelten Hände waren mit dem Messer recht geschickt umgegangen, aber bei allem anderen schienen sie unbeholfen zu sein.
Mat sah ihn stirnrunzelnd an. Nein, er war sich nicht sicher, ob er es glaubte. Die silbernen A'dam schienen zu sehr dem unsichtbaren Kragen zu ähneln, den Tylin ihm angelegt hatte. Andererseits konnte Tylin ihn den Rest seines Lebens unter dem Kinn kitzeln, wenn ihn das vom Pfahl fern hielt. Licht, er wünschte sich, die verdammten Würfel in seinem Kopf würden endlich aufhören zu rollen und die Sache zu Ende bringen! Nein, das war eine Lüge. Seit er endlich begriffen hatte, was die Würfel bedeuteten, hatte er sich gewünscht, sie würden nie mehr aufhören zu rollen.
Der Raum, den sich Chel Vanin und die Rotwaffen teilten, lag nicht weit von den Ställen entfernt, ein langes, weiß verputztes Gemach mit niedriger Decke und zu vielen Betten für jene, die überlebt hatten. Vanin, ein kahl werdender Fleischberg, lag hemdsärmlig auf einem von ihnen, ein aufgeschlagenes Buch auf der Brust. Mat war überrascht, dass der Mann lesen konnte. Vanin spuckte durch eine Zahnlücke und musterte Mats schlamm verschmierte Kleidung. »Habt Ihr Euch wieder geprügelt?«, fragte er. »Ich schätze, ihr wird das nicht gefallen.« Er stand nicht auf. Von ein paar überraschenden Ausnahmen abgesehen betrachtete sich Vanin jedem Lord und jeder Lady ebenbürtig.
»Ärger, Lord Mat?«, knurrte Harnan und sprang auf. Er war ein robuster Mann, physisch gesehen und vom Temperament her, aber er biss die Zähne zusammen, was den unbeholfen auf seine Wange tätowierten Falken sich verziehen ließ. »Entschuldigt, aber Ihr seid nicht in der Verfassung dafür. Sagt uns, wie er aussieht, und wir kümmern uns um ihn.«
Drei weitere Männer versammelten sich mit eifrigen Mienen hinter ihm, zwei von ihnen griffen nach ihren Mänteln, während sie noch damit beschäftigt waren, sich das Hemd in die Hose zu stecken. Metwyn, ein jungenhaft aussehender Cairhiener, der zehn Jahre älter als Mat war, griff stattdessen nach dem Schwert, das am Fußende seines Bettes stand, und zog die Klinge ein Stück aus der Scheide, um ihre Schneide zu überprüfen. Von ihnen allen konnte er am besten mit dem Schwert umgehen, sogar sehr gut, obwohl Gorderan ihm darin sehr nahe kam — auch wenn er wie ein Schmied aussah. Gorderan war nicht einmal annähernd so langsam, wie ihn seine breiten Schultern wirken ließen. Ein Dutzend Rotwaffen waren Mat nach Ebou Dar gefolgt, davon waren acht gestorben. Der Rest saß hier im Palast fest, wo sie weder Schankmädchen in den Hintern kneifen noch in Kämpfe wegen Würfelspielen geraten und bis zum Umfallen trinken konnten, wie sie es getan hätten, wenn sie in einem Gasthaus gewohnt und gewusst hätten, dass der Wirt im letzteren Fall dafür sorgen würde, dass man sie nach oben in ihre Betten trug, wenn auch vermutlich mit erleichtertem Geldbeutel.
»Noal kann euch besser als ich erzählen, was passiert ist«, erwiderte Mat und schob sich den Hut in den Nacken. »Er wird bei euch schlafen. Er hat mir heute Abend das Leben gerettet.«
Das rief entsetzte Ausrufe und lautstarken Beifall für Noal hervor, ganz zu schweigen von überschwänglichen Hieben auf den Rücken, die den alten Burschen beinahe von den Füßen holten. Vanin ging sogar so weit, die Stelle, an der er gerade las, mit einem fetten Finger zu markieren und sich auf den Rand seiner dünnen Matratze zu setzen.
Nachdem Noal sein Bündel auf ein freies Bett geworfen hatte, erzählte er die Geschichte mit ausgiebigen Gesten, spielte seine Rolle herab und machte sich sogar zu so etwas wie einem Tölpel, der im Schlamm ausrutschte und den Gholam anstarrte, während Mat wie ein Held kämpfte. Harnan und die Rotwaffen lachten herzlich, da sie wussten, was er damit bezweckte, und es guthießen, dass er ihren Hauptmann nicht schlecht aussehen lassen wollte, aber ihr Gelächter erstarb, als er dazu kam, wie Mats Angreifer in einem winzigen Loch in der Wand verschwand. Er schilderte auch das sehr anschaulich. Vanin legte sein Buch weg und spuckte erneut durch die Zähne aus. Der Gholam hatte ihn und Harnan im Rahad halb tot zurückgelassen. Halb tot, weil er hinter einem anderen her gewesen war.