Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:

Oblomow
1 ... 109 110 111 112 113 114 115 116 117 ... 150
Перейти на страницу:

»Die Oblomowerei!« flüsterte er, erfaßte dann ihre Hand, wollte sie küssen, konnte aber nicht, sondern preßte sie nur fest an die Lippen, und heiße Tränen tropften auf ihre Finger herab. Ohne den Kopf zu erheben und ihr das Gesicht zuzuwenden, wandte er sich um und ging.

Zwölftes Kapitel

Gott weiß, wo er den ganzen Tag herumirrte und was er tat; er kehrte aber spät des Nachts nach Hause zurück. Die Hausfrau hörte zuerst das Klopfen am Tor und das Bellen des Hundes und weckte Anissja und Sachar vom Schlaf auf, indem sie ihnen mitteilte, der Herr wäre zurückgekehrt.

Ilja Iljitsch bemerkte fast gar nicht, wie Sachar ihn auskleidete, ihm die Stiefel auszog und ihm den Schlafrock umwarf.

»Was ist das?« fragte er nur, den Schlafrock anblickend.

»Die Hausfrau hat ihn heute gebracht; sie hat den Schlafrock gewaschen und geflickt«, sagte Sachar.

Oblomow blieb im Lehnstuhle sitzen. Alles um ihn herum versenkte sich in Schlaf und Finsternis. Er saß, sich auf den Arm stützend, da, ohne das Dunkel zu bemerken und das Schlagen der Uhr zu hören. Sein Verstand ging in einem Chaos von formlosen, unklaren Gedanken unter, die wie die Wolken am Himmel ziellos und zusammenhanglos vorüberzogen - er hielt keinen einzigen auf. Sein Herz war tot; darin hatte für einige Zeit jedes Leben aufgehört.

Die Rückkehr zum Leben, zur regelmäßigen Betätigung des sich ansammelnden Andranges von Lebenskräften ging langsam vor sich. Der Schlag war sehr grausam gewesen, und Oblomow fühlte weder seinen Körper noch Müdigkeit oder sonst irgend etwas. Er konnte vierundzwanzig Stunden wie ein Stein daliegen oder ebensolange gehen, fahren und sich wie eine Maschine bewegen. Entweder lernt es der Mensch nach und nach, auf mühevollem Pfad sich dem Schicksal zu fügen - und dann nimmt der Organismus langsam und allmählich alle seine Funktionen wieder auf - oder das Unglück knickt den Menschen und er erhebt sich nicht mehr - je nachdem das Unglück und der Mensch ist. Oblomow konnte sich nicht erinnern, wo er saß und ob er überhaupt saß; er schaute mechanisch vor sich hin und bemerkte nicht, wie der Morgen zu dämmern begann; er hörte und wußte nichts davon, daß der trockene Husten der Großmutter ertönte, daß der Hausbesorger auf dem Hof Holz zerkleinerte, daß man im Hause zu klopfen und zu lärmen begann, er sah und sah zugleich nicht, wie die Hausfrau und Akulina auf den Markt gingen, wie das Paket am Zaun vorüberhuschte. Weder die Hähne noch das Hundegebell und das Knarren des Tores konnten ihn aus seiner Erstarrung aufrütteln. Die Tassen klapperten und der Samowar zischte.

Endlich gegen zehn Uhr öffnete Sachar mit dem Präsentierbrett die Tür in Oblomows Zimmer, schlug dann nach seiner Gewohnheit mit dem Fuß aus, um die Tür zu schließen, zielte wie gewöhnlich fehl, hielt aber das Brett auf; er hatte darin doch eine gewisse Übung erlangt, außerdem wußte er, daß Anissja ihn hinter der Tür beobachtete und sowie er etwas fallen ließ, sofort hereinspringen und ihn verlegen machen würde. Er hatte glücklich das Bett erreicht, indem er den Bart an das Brett schmiegte und es fest umarmt hielt; aber als er gerade die Schalen auf den Tisch neben dem Bett stellen und den Herrn aufwecken wollte, bemerkte er, daß das Bett unberührt und der Herr nicht darin war! Er fuhr zurück, die Schale kollerte auf die Erde und die Zuckerdose folgte ihr. Er begann die Gegenstände in der Luft aufzufangen, wiegte dabei das Brett und ließ das übrige fallen. Es gelang ihm nur ein Löffelchen auf dem Brett zurückzubehalten.

»Was das für ein Unglück ist!« sagte er, indem er zusah, wie Anissja Zuckerstücke, Scherben und Brot aufhob. »Wo ist denn der Herr?«

Und der Herr saß im Lehnstuhle und war ganz fahl im Gesicht. Sachar blickte ihn mit weit offenem Munde an.

»Warum sind Sie die ganze Nacht im Lehnstuhl geblieben und haben sich gar nicht niedergelegt, IIja Iljitsch?« fragte er.

Oblomow wandte ihm langsam den Kopf zu, blickte Sachar, den ausgeschütteten Kaffee und den auf dem Teppich herumliegenden Zucker zerstreut an.

»Und warum hast du die Schale zerschlagen?« sagte er und trat ans Fenster.

Der Schnee fiel in großen Flocken herab und deckte die Erde ganz zu.

»Schnee, Schnee, Schnee«, sagte er, sinnlos den Schnee anblickend, der den Zaun, das Gitter und die Beete im Gemüsegarten mit einer dichten Schicht bedeckt hatte. »Er hat alles verschüttet!« flüsterte er dann verzweifelt, legte sich aufs Bett und fiel in einen bleiernen, nicht erquickenden Schlaf. Es war schon Mittag vorbei, als ihn das Knarren der Tür, die in die Zimmer der Hausfrau führte, aufweckte; in der Tür erschien ein nackter Arm und eine Hand mit einem Teller; auf dem Teller dampfte eine Piroge,

»Heute ist Sonntag«, sprach eine freundliche Stimme, »wir haben Pirogen gebacken, wünschen Sie nicht zu kosten?«

Doch er antwortete nichts; er hatte Fieber.

Vierter Teil

Erstes Kapitel

Seit Ilja Iljitschs Krankheit war ein Jahr vergangen. Dieses Jahr hatte an verschiedenen Enden der Erde viele Veränderungen verursacht; es brachte das eine Land in Aufruhr und beruhigte ein zweites; hier war ein strahlendes Gestirn der Welt untergegangen und dort leuchtete ein neues auf; da hatte man ein neues Welträtsel entdeckt, und dort zerfielen Häuser und Generationen zu Staub. Wo das alte Leben aufhörte, drang wie junges Grün ein neues hervor ... Und auch auf der Wiborgskajastraße im Hause der Witwe Pschenizin, wo die Tage und Nächte friedlich dahinflossen, ohne stürmische und plötzliche Veränderungen in das monotone Leben zu bringen, indem die vier Jahreszeiten ihre Funktionen wie im vergangenen Jahr wiederholten, blieb das Leben doch nicht stehen und veränderte sich in seinen Äußerungen, doch die Veränderungen gingen so langsam und allmählich vor sich, wie die geologischen Neubildungen unsres Planeten; hier versinkt langsam ein Berg, dort spült das Meer ganze Jahrhunderte lang Schlamm heran oder tritt vom Ufer zurück und bildet neue Erdstriche.

Ilja Iljitsch war genesen. Der Bevollmächtigte Satjortij hatte sich aufs Gut begeben und das für den Verkauf des Getreides eingetroffene Geld geschickt, wonach Oblomow ihm das Reisegeld, die täglichen Ausgaben ersetzte und eine Vergütung für die Mühe bestimmte. Was die Abgaben betraf, schrieb Satjortij, es sei unmöglich, das Geld einzusammeln, da die Bauern zum Teil verarmt und zum Teil sich in verschiedene Gegenden zerstreut hätten; es sei unbekannt, wo sie sich befänden, und er ziehe überall eifrig Erkundigungen danach ein. Bezüglich der Straßen und der Brücken schrieb er, daß das noch Zeit hätte, daß die Bauern es vorzögen, über den Berg und den Graben in den Marktflecken zu gelangen, wenn sie nur nicht an der neuen Straße und den Brücken arbeiten müßten. Das Geld und die Nachrichten stellten Oblomow mit einem Wort vollkommen zufrieden, er sah keine Notwendigkeit selbst hinzureisen und war in dieser Beziehung bis zum nächsten Jahr beruhigt. Der Bevollmächtigte ordnete auch den Bau des Hauses an; nachdem er mit Hilfe des Gouvernementsarchitekten die Quantität des nötigen Materials bestimmt hatte, ließ er an den Dorfschulzen den Befehl ergehen, mit Beginn des Frühjahrs Holz herbeizuschaffen, und baute einen Schuppen für die Ziegelsteine, so daß Oblomow im Frühjahr nur hinzureisen und den Bau in seiner Anwesenheit beginnen zu lassen hatte. Man hatte Aussichten, um diese Zeit die Abgaben einzusammeln, und außerdem wurde beschlossen, das Gut zu verpfänden, so daß man also die nötigen Mittel haben würde.

Ilja Iljitsch war nach der Krankheit lange Zeit düster, versenkte sich stundenlang in krankhaftes Brüten, beantwortete manchmal Sachars Fragen nicht und bemerkte nicht, wie er die Schalen zu Boden fallen ließ oder den Tisch nicht abstaubte, und die Hausfrau, die an den Feiertagen mit einer Piroge erschien, traf ihn weinend an. Dann wurde der quälende Schmerz nach und nach durch stumme Gleichgültigkeit abgelöst. Ilja Iljitsch sah stundenlang zu, wie der Schnee herabfiel, auf dem Hof und auf der Straße Haufen bildete, wie er die Höfe, die Hühnerställe, die Hundehütte, das Gärtchen, die Beete des Gemüsegartens zudeckte, wie die Zaunpflöcke zu Pyramiden wurden, wie alles erstarb und sich mit einem Leichentuch bedeckte. Er hörte lange Zeit dem Knarren der Kaffeemühle, dem Zerren an der Kette und dem Bellen des Hundes, dem Stiefelputzen Sachars und dem gleichmäßigen Ticken des Pendels zu. Zu ihm kam wie früher die Hausfrau herein und riet ihm, etwas zu kaufen, oder lud ihn ein, von ihren Speisen zu kosten; die Kinder liefen zu ihm ins Zimmer; er sprach gleichgültig und freundlich mit der Mutter, gab den Kindern Aufgaben auf, hörte ihrem Lesen zu und lächelte träge und matt, wenn sie plauderten. Doch der Berg verschwand allmählich, das Meer trat von dem Ufer zurück oder netzte es mit seiner Flut, und Oblomow nahm nach und nach sein früheres normales Leben wieder auf. Der Herbst, der Sommer und der Winter vergingen eintönig und langweilig. Doch Oblomow wartete wieder auf den Frühling und träumte von einer Reise aufs Gut. Im März wurden Lerchen gebacken, im April nahm man bei ihm die Doppelfenster heraus und teilte mit, die Newa sei aufgetaut und der Frühling habe begonnen. Er spazierte im Garten herum. Dann begann man das Gemüse zu pflanzen; es kamen verschiedene Feiertage: Pfingsten, der Semik und der Erste Mai; das alles war aus den Birken und Kränzen, mit denen die Häuser geschmückt wurden, zu ersehen; man trank im Wald Tee. In den ersten Sommertagen begann man im Hause von zwei großen bevorstehenden Ereignissen zu sprechen, vom Namenstage des Bruders, dem Iwantage, und vom Iljatage, dem Namenstage Oblomows; das waren zwei wichtige Tage. Und wenn es der Hausfrau gelang, ein schönes Stück Kalbsbraten auf dem Markt zu sehen oder zu kaufen, oder wenn ihr eine Piroge besonders gut geriet, sagte sie: »Ach, wenn mir ein solcher Kalbsbraten und eine solche Piroge am Iwan- oder Iljatage geriete!« Man begann von dem jährlich am Eliasfreitag in Aussicht genommenen Spaziergang zu den Pulvermühlen und vom Fest auf dem Smolensker Friedhof in Kolpino zu sprechen. Unter den Fenstern ertönte wieder das laute Gackern der Gluckhenne und das Piepsen der neuen Küchleingeneration; man backte wieder Pirogen mit jungen Hühnern und frischen Pilzen, aß frischgesalzene Gurken; bald kam die Beerenzeit. »Das Gekröse ist jetzt nicht mehr gut«, sagte die Hausfrau zu Oblomow. »Man hat gestern für zwei ganz kleine Portionen siebzig Kopeken verlangt, dafür gibt es frischen Lachs; man könnte jetzt jeden Tag Betensuppe kochen.«

1 ... 109 110 111 112 113 114 115 116 117 ... 150
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)