Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Aber dieser Satjortij hat ein großes Gut verwaltet«, fuhr er fort, »der Gutsbesitzer hat ihn nur deswegen fortgeschickt, weil er stottert. Ich werde ihm die Vollmacht und die Pläne übergeben; er wird das Material zum Bau des Hauses besorgen, wird die Abgaben einheben, das Getreide verkaufen, das Geld bringen und dann ... Wie froh bin ich, liebe Oljga«, sagte er, ihre Hand küssend, »daß ich dich nicht zu verlassen brauche. Ich hätte die Trennung nicht ertragen; allein, ohne dich auf dem Gut zu sein ... wie entsetzlich! Wir müssen aber jetzt sehr vorsichtig sein ...«
Sie blickte ihn groß an und wartete.
»Ja«, begann er langsam, fast stotternd, »wir müssen uns selten sehen; gestern wurde bei uns wieder geklatscht, und sogar in der Wohnung der Hausfrau ... und ich will das nicht haben ... Sowie alles erledigt ist, wird der Bevollmächtigte den Bau anordnen und mir das Geld bringen ... das alles wird kaum ein Jahr dauern ... dann gibt es keine Trennung mehr, wir sagen alles der Tante, und ... und ...«
Er blickte Oljga an; sie war ohnmächtig geworden. Ihr Kopf hatte sich zur Seite geneigt, zwischen den bläulichen Lippen schauten die Zähne hervor. Er hatte im Übermaß der Freude nicht bemerkt, daß Oljga bei den Worten: »Sowie alles erledigt ist, wird der Bevollmächtigte den Bau anordnen«, erbleicht war und den Schluß des Satzes nicht gehört hatte.
»Oljga! ... Mein Gott, ihr ist übel!« sagte er und zog die Klingel.
»Dem Fräulein ist übel«, sagte er zur herbeilaufenden Katja. »Schnell Wasser! ... Äther ...«
»O Gott! Das Fräulein war den ganzen Morgen so lustig ... Was ist nur geschehen?« flüsterte Katja, vom Tisch der Tante Äther bringend und mit einem Glas Wasser hin und her laufend.
Oljga kam zu sich, stand mit Katjas und Oblomows Hilfe vom Sessel auf und ging wankend in ihr Schlafzimmer.
»Es wird vorübergehen«, sagte sie mit schwacher Stimme, »es sind nur die Nerven; ich habe heute nacht schlecht geschlafen, Katja, mach die Tür zu, warten Sie auf mich, sowie es mir besser geht, komme ich heraus.«
Oblomow blieb allein, legte das Ohr an die Tür, er konnte aber weder etwas sehen noch hören. Er ging nach einer halben Stunde durch den Korridor ins Mägdezimmer und fragte Katja, was mit dem Fräulein sei.
»Nichts«, sagte Katja, »sie hat sich hingelegt und mich hinausgeschickt; ich bin später hineingegangen und habe sie auf dem Lehnstuhl sitzen sehen.«
Oblomow ging wieder in den Salon, lauschte an der Tür; es war nichts zu hören. Er klopfte leise mit dem Finger, erhielt aber keine Antwort. Er setzte sich hin und vertiefte sich in seine Gedanken. Er dachte an vieles in diesen anderthalb Stunden, in seinen Gedanken veränderte sich viel, und er faßte viele neue Entschlüsse. Endlich blieb er dabei, daß er selbst mit dem Bevollmächtigten aufs Gut fahren würde, nachdem er bei der Tante die Einwilligung zur Hochzeit erbeten und sich dann mit Oljga hatte trauen lassen; er würde Iwan Gerassimitsch das Suchen einer Wohnung übergeben und sich sogar ein wenig Geld ausborgen ... um die Hochzeit zu arrangieren. Man könnte diese Schuld mit der Einnahme für das Getreide begleichen. Warum war er denn so mutlos gewesen? Ach Gott, wie alles sich innerhalb einer Minute verändern kann! Und dort auf dem Gut wird er mit dem Bevollmächtigten die Abgaben verteilen; ja, und dann schreibt er an Stolz; dieser wird ihm das nötige Geld geben, er wird herkommen und Oblomowka auf die erdenklich beste Weise einrichten; er wird überall Straßen bahnen, Brücken bauen und Schulen einrichten ... Und er wird mit Oljga dort leben! ... O Gott! Da war es ja, das Glück! Daß ihm das alles nicht früher eingefallen war!
Es wurde ihm plötzlich so leicht und froh ums Herz; er begann aus einer Ecke in die andere zu gehen, schnalzte sogar leise mit den Fingern, schrie vor Freude fast auf, trat an Oljgas Tür heran und rief sie leise mit fröhlicher Stimme:
»Oljga, Oljga! Was ich Ihnen mitzuteilen habe«, sagte er, die Lippen an die Tür haltend, »das erwarten Sie keinesfalls zu hören ...«
Er beschloß sogar, jetzt noch nicht von ihr fortzugehen, sondern auf die Tante zu warten. »Wir werden ihr noch heute alles sagen, und ich werde von hier als Bräutigam fortgehen ...«
Die Tür öffnete sich leise, und darin erschien Oljga; er blickte sie an, und ihm sank plötzlich der Mut; seine Freude entschwand; Oljga erschien ein wenig gealtert. Sie war bleich, doch ihre Augen leuchteten; in den zusammengepreßten Lippen, in jedem Zug zitterte gespanntes, innerliches Leben, das mit gewaltsamer Ruhe und Unbeweglichkeit wie mit Eis gefesselt war. Er las in ihrem Blick einen Entschluß, er wußte noch nicht, was für einen, aber das Herz klopfte ihm wie noch nie. Solche Augenblicke waren in seinem Leben noch nicht vorgekommen.
»Höre, Oljga! Sieh mich nicht so an. Mir wird angst!« sagte er. »Ich habe mir alles überlegt. Man muß die Sache ganz anders einrichten ...« fuhr er fort, die Stimme immer mehr senkend, sich unterbrechend und in diesen ihm neuen Ausdruck ihrer Augen, Lippen und beredten Brauen einzudringen versuchend. »Ich habe beschlossen, mit dem Bevollmächtigten zusammen auf das Gut zu reisen ... um dort ...« schloß er kaum hörbar.
Sie schwieg und blickte ihn starr wie ein Gespenst an. Er ahnte dunkel, welchen Urteilsspruch er zu erwarten hatte, griff nach seinem Hut, zögerte aber, sie zu fragen. Er fürchtete sich, den verhängnisvollen und vielleicht unwiderruflichen Entschluß zu hören. Endlich beherrschte er sich.
»Habe ich recht verstanden? ...« fragte er sie mit veränderter Stimme.
Sie nickte langsam und sanft mit dem Kopf, als Zeichen der Zustimmung.
Er hatte ihren Gedanken zwar schon erraten; er erbleichte aber und blieb vor ihr stehen. Sie war etwas ermattet, erschien aber so ruhig und reglos wie eine steinerne Statue. Das war jene übernatürliche Ruhe, wenn ein fester Vorsatz oder ein verletztes Gefühl dem Menschen plötzlich die ganze Kraft gibt, sich an sich zu halten, aber nur für einen Augenblick. Sie erinnerte an einen Verwundeten, der die Wunde mit der Hand zudrückt, um das Nötigste zu Ende zu sprechen und dann zu sterben.
»Du wirst mich hassen?« fragte er.
»Wofür?« sagte sie leise.
»Für alles, was ich mit dir getan habe ...«
»Was hast du getan?«
»Ich habe dich geliebt. Das ist eine Beleidigung.«
Sie lächelte mitleidig.
»Dafür«, sagte er mit gesenktem Kopf, »daß du dich geirrt hast ... Vielleicht wirst du mir verzeihen, wenn du dich daran erinnerst, daß ich dich gewarnt habe, du würdest dich schämen und bereuen ...«
»Ich bereue nicht. Mir ist nur so weh, so weh ums Herz ...« sagte sie und hielt inne, um Atem zu holen.
»Um so schlimmer für mich!« antwortete Oblomow. »Doch ich habe es verdient. Warum quälst du dich aber so?«
»Ich war zu stolz«, sagte sie, »ich bin gestraft, ich habe von meiner Kraft zuviel erwartet - das war mein Irrtum, nicht das, was du gefürchtet hast. Ich habe nicht von der ersten Jugend und von Schönheit geträumt, ich dachte, ich würde dich beleben, du würdest noch für mich leben können - und du bist schon längst gestorben. - Ich habe diesen Irrtum nicht vorausgesehen, ich habe immer gewartet und gehofft ... und jetzt! ...« sprach sie seufzend und mit Mühe zu Ende.
Sie schwieg und setzte sich.
»Ich kann nicht stehen; meine Beine zittern mir. Ein Stein würde bei dem, was ich getan habe, lebendig werden«, sprach sie mit zerschlagener Stimme weiter. »Jetzt mache ich nichts mehr, keinen Schritt, ich gehe nicht einmal mehr in den Sommergarten. Es ist alles umsonst - du bist gestorben! Du stimmst mir bei, Ilja?« fügte sie dann nach einem Schweigen hinzu. »Du wirst mir nie vorwerfen, ich hätte dich aus Stolz oder wegen einer Laune verlassen!«
Er schüttelte verneinend den Kopf.
»Bist du davon überzeugt, daß uns nichts geblieben ist, gar keine Hoffnung?«
»Ja«, sagte er, »es ist wahr ... Aber vielleicht ...« fügte er dann unschlüssig hinzu, »in einem Jahr ...« Er hatte nicht den Mut, seinem Glücke einen endgültigen Schlag zu versetzen.