Die Goldhändlerin
- Автор: Lorentz Iny
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:
Autorin
Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
»Gebt mir Euer Ehrenwort, dass das Geld in die Hände Ihrer Majestäten kommt. Orlando wird sich daran halten.«
Lea nickte dem Herzog kurz zu. »Mein Wort habt Ihr. Ich werde alles daransetzen, das Gold in die Hände des Königspaars gelangen zu lassen. Könnt Ihr mir nun sagen, was Ihr über Baramosta wisst? Befindet er sich noch in Freiheit?«
»Freiheit ist nicht ganz das richtige Wort. Er versteckt sich noch immer im Kloster San Juan de Bereja, aber seine Häscher liegen keine tausend Schritt entfernt auf der Lauer.«
Lea bohrte nach. »Wo genau befindet sich das Kloster, und wie kann man ihn von dort wegholen?«
»Das Kloster liegt etwa zehn Leguas nordwestlich von Alicante in der Nähe der Stadt Almansa. Gewöhnt Euch besser an den Sattel, denn Ihr werdet einige Tage reiten müssen, um dorthin zu kommen. Wie Ihr Baramosta von dort wegbringt, bleibt Eurer Findigkeit überlassen. Wenn Ihr Glück habt, hilft Euch Jose Albanez, der Abt des Klosters, dabei.«
Lea sah Medicaneli an, dass er zu keinen weiteren Auskünften bereit war, obwohl er sicher viel mehr wusste. Sie fragte ihn auch nicht, denn sie erinnerte sich an
Orlandos Rat, von seinen spanischen Gewährsleuten nicht zu viel zu erwarten.
Medicaneli schien ihr anzusehen, dass sie nicht ganz zufrieden war. »Um Euren Wissensdurst zu stillen, will ich Euch noch mitteilen, dass Capitano Ristellis Schiff vor kurzem in den Hafen von Alicante eingelaufen ist. Es hat unterwegs im Sturm gelitten und wird daher mindestens vier Wochen in Alicante bleiben müssen. Bis dorthin solltet Ihr Euer Vorhaben abgeschlossen haben.«
Lea ärgerte sich erneut über den unverhohlenen Spott in seiner Stimme und musste sich zwingen, freundlich zu bleiben. »Ich danke Euch für diese Botschaft, Euer Gnaden.«
Sie stellte sich in den Steigbügeln auf und verbeugte sich geziert, verlor dabei jedoch das Gleichgewicht und konnte sich nur mit Mühe auf der Stute halten.
Medicaneli gluckste vor Vergnügen, wurde aber schnell wieder ernst. »Lasst Euch dabei aber nicht von meinem Freund Montoya erwischen, Saint Jacques. Er wäre sonst versucht, Euch als Waffe gegen mich einzusetzen.«
Lea verstand den Mann immer weniger. Wenn der Herzog Angst hatte, dass ein Feind die Situation ausnützen und ihm schaden könnte, sollte er doch alles tun, um der Sache ein Ende zu machen. Sie kam jedoch nicht dazu, ihm das zu sagen, denn Medicaneli trieb sein Pferd an, und sie hatte alle Hände voll zu tun, sich auf dem ihren zu halten. Erst als Santa Fee vor ihnen auftauchte, nahm er das Tempo zurück und wies lächelnd auf die Stute.
»Ihr werdet ein Pferd brauchen, Saint Jacques. Erlaubt mir, Euch Cereza zur Verfügung zu stellen. Mich würde allerdings interessieren, wie Ihr das Feldlager verlassen wollt, ohne dass Herr de Grovius Einspruch erhebt?«
Lea tätschelte den Hals der Stute und betete stumm, dass das Geschöpf seine Geduld mit ihr auch dann nicht verlieren würde, wenn sie allein unterwegs waren. »Ich danke Euer Gnaden für Eure Großzügigkeit. Was Mijn-heer van Grovius' Erlaubnis zu einem Abstecher nach Alicante betrifft, so dürfte sie zu erhalten sein, denn er weiß bereits, dass ich den dortigen Repräsentanten meines Bankhauses aufsuchen muss.«
»Dann tut das aber auch, und vergesst es nicht.« Der Herzog lüpfte lächelnd den Hut und ritt sichtlich gut gelaunt auf sein Quartier zu. Während er abstieg, berichtete er den Höflingen, die sich um ihn sammelten, mit weithin hallender Stimme von dem Angriff der kastilischen Arke-busiere und dem feigen Rückzug der Mauren.
2.
Es war leichter, das Kriegslager zu verlassen, als Lea erwartet hatte. Frans van Grovius, der mittlerweile fast täglich an die königliche Tafel geladen wurde, hörte nicht einmal richtig zu, als sie ihm erklärte, nach Alicante reisen zu müssen, sondern wünschte ihr nur uninteressiert gute Reise und ließ sie stehen. Erleichtert machte sie sich auf den Weg in ihr Quartier, als ihr einfiel, dass sie ihre Abreise ja auch noch ihren Freunden plausibel machen musste. Das, dachte sie, würde um einiges schwieriger werden. Sie hatte das Zelt, das sie mit de Poleur, da la Massoulet und von Kandern teilte, jedoch noch nicht erreicht, als ihr Thibaut freudestrahlend entgegeneilte.
»Schön, dass du kommst, Leon. Es gibt wunderbare Neuigkeiten.«
»Haben die Mauren sich ergeben?«, fragte Lea spöttisch. De Poleur schüttelte lachend den Kopf. »Das noch nicht. Aber unser spanischer Freund Raul de Llorza hat uns auf das Gut seiner Familie eingeladen. Es liegt etwas nördlich von Albacete am Rio Jucar, In der Nähe soll es Menschen geben, die ihre Häuser in die Bergwände hineingegraben haben. Kannst du dir das vorstellen?«
Lea konnte sich derzeit überhaupt nichts vorstellen, und sie kannte auch keinen Raul de Llorza. De Poleur war ein Meister darin, neue Bekanntschaften zu schließen, das wusste sie, aber dennoch fragte sie sich, aus welchem Grund einer der bis zum Übermaß stolzen und zurückhaltenden spanischen Edelleute den jungen Burgunder und sie zu sich nach Hause einlud. Als sie ihre Verwunderung äußerte, schlug de Poleur ihr grinsend auf die Schulter.
»Natürlich sind nicht nur wir beide eingeladen. De la Massoulet und von Kandern kommen natürlich mit. Van Haalen wäre auch gerne dabei, aber van Grovius will nicht auf seine Dienste verzichten. Morgen früh geht's los. Du hast ja jetzt deine Cereza. Das Stutchen ist gerade das Richtige für einen Stubenhocker wie dich, der lieber Gulden und Dukaten zählt, als einen herzhaften Ritt zu wagen.«
Lea war nicht beleidigt, denn seine Freundschaft zu ihr oder besser gesagt zu Leon de Saint Jacques war tief und ehrlich. Es war die Art, wie de Poleur sich Luft machen musste, denn hier im Feldlager lungerte er genauso beschäftigungslos herum wie im Monasterio San Isidro, und so war er außer sich vor Freude, endlich mehr von dem sagenumwobenen Land sehen zu können, in dem sie sich befanden.
Leas Begeisterung hielt sich eher in Grenzen. »Ich weiß nicht, ob ich mit Euch kommen kann. Ich muss dringend nach Alicante reisen.«
De Poleur wischte diesen Einwand mit einer weit ausholenden Geste beiseite. »Ich weiß, ich weiß! Bankiersgeschäfte gehen für deinereinen ja vor. Aber unser Freund de Llorza hat schon gesagt, das sei kein Problem. Wir haben bis Murcia den gleichen Weg, und du solltest nachkommen, wenn du deinen Auftrag erledigt hast.«
Lea stellten sich die Haare auf. Wie konnte dieser Raul de Llorza von ihrer Absicht wissen, nach Alicante zu reiten? Steckte Montoya dahinter? Hatte er sie entlarvt und wollte sie auf diese Weise unauffällig in die Hand bekommen? Sie schalt sich wegen ihres Kleinmuts. Wahrscheinlich hatte der Herzog von Medicaneli unauffällig eingegriffen, um ihr auf diese Weise weiterzuhelfen. Auf jeden Fall lenkte die Einladung auf die Güter der Familie de Llorza Neugierige von ihrem Ausflug nach Alicante ab, dachte sie zufrieden.
Als sie kurz darauf im Zelt die Karte von Spanien aufschlug, die Orlando ihr mitgegeben hatte, presste sie die Hand auf den Mund, um einen Freudenruf zu unterdrücken. Don Raul de Llorzas Gut lag keine zehn Leguas vom Monasterio San Juan de Bereja entfernt. Unauffälliger als in der Begleitung des ihr jetzt noch unbekannten Edelmanns hätte sie nicht in die Nähe ihres Ziels gelangen können.