Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Bitte die anderen, ein kurzes Stück vorauszugehen und auf uns zu warten. Erkläre ihnen, daß es nicht lange dauern wird.
Sie zögerte und sah dann Stresa und Triss an. »Ich brauche einen Moment mit Garth allein. Wartet weiter vorn auf uns. Bitte.«
Sie sahen sie wortlos an und nickten dann widerwillig, zuerst Triss, dessen hageres Gesicht ausdruckslos blieb, und dann Stresa mit hellsichtigem Mißtrauen.
»Nehmt Faun mit«, setzte sie noch schnell hinzu, nahm den Baumschreier von seinem Ausguck auf ihrer Schulter herab und netzte ihn sanft auf den Boden.
Stresa fauchte das kleine Wesen an, so daß es unter die Bäume floh. Er sah sie mit traurigen, wissenden Augen an. »Rufe uns – Hrrrrr –, Wren von den Elfen, wenn du uns brauchst.«
Als sie gegangen waren und das Geräusch ihrer Schritte verklungen war, sah Wren Garth erneut an. Den Stab hielt sie dabei fest in beiden Händen. »Was willst du mir noch sagen?«
Der große Mann winkte sie zu sich. Hab keine Angst. Hier. Setz dich neben mich. Hör mir einen Moment zu, und unterbrich mich nicht.
Sie tat, wie ihr geheißen, kniete sich nahe genug neben ihn, daß ihr Bein seinen Körper berührte. Sie konnte die Hitze seines Fiebers spüren. Nebel und schwaches Licht ließen ihn zu einem gräulichen Schatten werden, die Welt um sie herum war verschwommen und träge vor Hitze.
Sie legte den Ruhkstab neben sich ab, und Garth begann mit seinen großen Händen mit ihr zu sprechen.
Irgend etwas geschieht mit mir. Innerlich. Es ist das Gift des Wisteron, denke ich. Es kriecht durch mich hindurch wie ein Lebewesen, ein Feuer, das verbrennt und schwächt. Ich kann spüren, wie es umherschleicht und mich verändert. Es ist ein böses Gefühl.
»Ich werde deine Wunden erneut auswaschen und neu verbinden.«
Nein, Wren. Was jetzt geschieht, liegt jenseits davon, jenseits von allem, was du tun könntest. Das Gift ist längst in meinem Kreislauf, überall in mir.
Sie atmete hastig und besorgt. »Wenn du zu schwach bist, werden wir dich tragen.«
Zuerst war ich schwach, aber die Schwäche vergeht. Ich werde jetzt wieder kräftiger. Aber die Kraft ist nicht meine eigene.
Sie sah ihn an, verstand ihn nicht wirklich, war aber gleichzeitig doch erschreckt. Sie schüttelte den Kopf. »Was sagst du da?«
Er sah sie mit grimmiger Entschlossenheit an, seine dunklen Augen glänzten hart, sein Gesicht zeigte Kanten und Flächen, als sei es in Stein gemeißelt. Der Wisteron war ein Schattenwesen. Wie die Drakuls. Erinnerst du dich an Eowen?
Sie erschauerte, schrak zurück und versuchte aufzustehen. Er ergriff sie, hielt sie fest und sah sie unverwandt an. Sieh mich an.
Sie versuchte es und konnte es doch nicht. Sie sah ihn und sah ihn gleichzeitig nicht. Sie war sich seines Gesichts bewußt, konnte aber nicht die Farben und Schattierungen, die darinnen lagen, erkennen, als wenn dies bedeutet hätte, die gefürchtete Wahrheit offenzulegen. »Laß mich los!«
Dann brach alles in ihr zusammen, und sie begann zu weinen. Sie weinte lautlos, und nur das Heben und Senken ihrer Schultern verriet sie. Sie schloß die Augen vor dem Ansturm der Gefühle in ihr, vor dem Entsetzen der Welt um sie herum, vor dem furchtbaren Preis, der offenbar schon wieder von ihr gefordert wurde. Sie sah Garth vor sich, wie sie ihn immer vor sich sah – das dunkle Vertrauen und die Kraft, die von seinem Gesicht ausstrahlte, das Lächeln, das er ausschließlich ihr schenkte, seine Weisheit, seine Freundschaft und seine Liebe.
»Ich kann dich nicht verlieren«, flüsterte sie und machte sich nicht mehr die Mühe, ihm Zeichen zu machen. Ihre Worte waren nur ein Murmeln. »Ich kann es nicht!«
Seine Hände ließen sie los, und sie öffnete die Augen. Sieh mich an.
Sie atmete tief ein und tat es.
Schau mir in die Augen.
Sie tat es. Sie sah hinab in die Seele ihres ältesten und vertrautesten Freundes. Ein böses, rotes Glühen leuchtete ihr entgegen.
Es beginnt bereits, signalisierte er.
Sie schüttelte in wilder Abwehr den Kopf.
Ich kann es nicht zulassen, Wren. Aber ich kann es nicht allein tun. Nicht das und dabei wirklich sicher sein. Du wirst mir helfen müssen, jetzt loszulassen.
»Nein.«
Seine Hand glitt zu seinem Gürtel hinab und zog das lange Messer hervor, und dessen rasiermesserscharfe Klinge glitzerte im Halblicht. Sie erschauerte und wich zurück, aber er ergriff ihr Handgelenk und zwang den Griff des Messers in ihre Hand.
Seine Hände machten beständig schnelle Zeichen. Es bleibt uns keine Zeit mehr. Was wir gehabt haben, war gut. Ich bedaure keinen Augenblick davon. Ich bin stolz auf dich, Wren. Du bist meine Kraft, meine Weisheit, mein Können, meine Erfahrung, mein Leben, alles, was ich bin, das Beste von mir. Und dennoch bist du eine eigenständige Persönlichkeit, in jeder Beziehung anders. Du bist, was du sein solltest – eine Fahrende, die zur Königin der Elfen wurde. Ich kann dir nichts mehr geben. Das ist ein guter Zeitpunkt, sich zu verabschieden.
Wren konnte nicht atmen. Sie konnte nicht klar sehen. »Das kannst du nicht von mir verlangen! Das kannst du nicht!«
Ich muß es. Es ist niemand sonst da. Bei niemandem sonst könnte ich mich darauf verlassen, daß er es richtig macht.
»Nein!« Sie ließ das Messer fallen, als hätte sie sich die Haut verbrannt. »Ich wäre lieber selbst tot!« sagte sie schluchzend.
Er griff nach dem Messer und legte es behutsam erneut in ihre Hand. Sie schüttelte wieder und wieder den Kopf und lehnte ab, was er von ihr verlangte. Er berührte sie und zog ihren Blick erneut auf sich. Er zitterte jetzt, vielleicht wegen der Kälte, aber vielleicht auch wegen mehr. Das rote Glühen war jetzt viel deutlicher, viel stärker.
Ich entgleite, Wren. Ich werde aus mir selbst heraus gestohlen, Du mußt dich beeilen. Tu es schnell. Laß mich nicht zu einem... Er konnte den Satz nicht beenden, und selbst seine großen, starken Hände zitterten jetzt. Du kannst es tun. Wir haben es oft genug geübt. Ich kann mir selbst nicht vertrauen. Ich könnte...
Wrens Muskeln waren so angespannt, daß sie sich kaum bewegen konnte. Sie schaute über ihre Schulter zurück, dachte daran, Stresa oder Triss zurückzurufen. Sie suchte verzweifelt nach irgend jemandem. Aber es gab niemanden, der ihr helfen konnte. Es blieb nichts, was irgend jemand anders tun konnte.
Sie wandte sich rasch wieder um. »Es gibt doch sicher ein Gegenmittel?« Ihre Worte verrieten ihre Panik. »Ich werde Stresa fragen! Er wird es wissen! Ich werde ihn zurückholen!«
Garths große Hände unterbrachen sie. Stresa kennt die Wahrheit bereits. Du hast es selbst in seinen Augen gesehen. Es gibt nichts, was er tun kann. Es gab niemals etwas. Laß es sein. Hilf mir. Nimm das Messer und gebrauche es.
»Nein!«
Du mußt.
»Nein!«
Seine Hand fuhr plötzlich hoch, als wolle er sie schlagen, und sie reagierte instinktiv, indem sie abblockte, die Hand mit dem Messer hob und erstarrte. Die Schneide war noch Zentimeter von seiner Brust entfernt. Ihre Blicke verbanden sich. Einen Moment lang wurde alles in Wren fortgeschwemmt, außer der furchtbaren Erkenntnis, was sie zu tun hatte. Die Wahrheit lahmte sie. Sie atmete ein und hielt die Luft an.
Schnell, Wren... Sie bewegte sich nicht. Er nahm ihre Hand und senkte sie langsam, bis die Messerklinge an seiner Tunika, an seiner Brust ruhte. Tu es.
Ihr Kopf bewegte sich langsam von einer Seite zur anderen, beständig von einer Seite zur anderen, eine kaum wahrnehmbare Bewegung.
Wren, hilf mir.
Sie schaute auf ihn hinab, sah tief in seine Augen und sah das rote Glühen, das ihn überwältigte, vor dem in ihm anwachsendes Entsetzen aufstieg. Sie erinnerte sich daran, wie sie als Kind neben ihm gestanden hatte, als sie das erste Mal zu den Fahrenden gekommen war und kaum bis an sein Knie gereicht hatte. Sie erinnerte sich an die Zeit, als sie zehn Jahre alt war, gertenschlank und zäh wie Leder, und wie sie gerannt war, um ihn im Wald zu fangen. Sie erinnerte sich an immer neue, endlose Spiele, die alle ihrer Ausbildung dienten.