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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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»Zweitliebste?«

»Ja. Meine liebste habe ich dir ja heute Morgen schon verraten.«

Mein Blick gleitet über sein atemberaubendes Profil, während ich mir das Hirn zermartere.

»Mich mit Ihnen zu vergnügen, Miss Steele. Das steht ganz oben auf meiner Liste. Auf jede erdenkliche Art und Weise.«

Oh.

»Das hat auf der Liste meiner perversen Freizeitbeschäftigungen auch einen der obersten Plätze«, murmle ich und werde rot.

»Freut mich zu hören.«

»Wir fahren also zu einem Flugplatz?«

Er grinst. »Wir gehen segelfliegen.«

Ich erinnere mich, dass er schon einmal von seiner Leidenschaft gesprochen hat.

»Wir werden die Dämmerung verjagen, Anastasia.« Er wendet sich mir zu, während die Stimme aus dem GPS eindringlich mahnt, nach rechts abzubiegen. Schließlich hält er vor einem großen weißen Industriegebäude mit einem Schild: BRUNS-WICK SEGELFLUGSCHULE.

»Bist du bereit?«, fragt er und stellt den Motor aus.

»Und du fliegst?«

»Ja.«

»Ja! Bitte«, sage ich, ohne eine Sekunde zu zögern. Grinsend beugt er sich herüber und küsst mich.

»Noch eine Premiere, Miss Steele«, sagt er und steigt aus dem Wagen.

Premiere? Was für eine Premiere? Dass er zum ersten Mal selbst ein Segelflugzeug fliegt? Das kann nicht sein. Er hat erwähnt, dass er es schon früher getan hat. Er tritt um den Wagen herum und öffnet mir die Tür. Mittlerweile hat der Horizont eine beigegraue Färbung angenommen, mit vereinzelten, wie von Kinderhand gezeichneten Wölkchen. Nicht mehr lange bis Tagesanbruch.

Christian nimmt meine Hand und führt mich um das Gebäude herum zu einem breiten, asphaltierten Rollfeld, auf dem diverse Flugzeuge stehen. Neben einem von ihnen warten Taylor und ein wild aussehender Typ mit kahl rasiertem Schädel.

Taylor! Macht Christian eigentlich irgendeinen Schritt ohne ihn? Ich strahle ihn an, woraufhin er freundlich lächelt.

»Mr. Grey, das ist Mark Benson, der Pilot Ihres Schleppflugzeugs«, stellt Taylor den Kahlköpfigen vor. Christian und Benson schütteln einander die Hand und beginnen, über Wind, Flugrichtungen und andere technische Details zu fachsimpeln.

»Hallo, Taylor«, sage ich schüchtern.

»Miss Steele.« Er nickt mir zu. »Ana«, korrigiert er sich. »Er war in den letzten Tagen nur schwer zu ertragen. Bloß gut, dass wir endlich hier sind«, sagt er mit Verschwörermiene.

Ach ja? Wieso? Wohl kaum meinetwegen! Das sind ja ganz neue Töne. Heute ist offenbar der Tag der großen Enthüllungen. Scheinbar ist tatsächlich irgendetwas im Trinkwasser von Savannah, das die Männer redselig macht.

»Komm, Anastasia.« Christian streckt die Hand nach mir aus.

»Bis dann.« Ich lächle Taylor zu, der zackig salutiert, ehe er sich auf den Weg zurück zum Parkplatz macht.

»Mr. Benson, das ist meine Freundin, Anastasia Steele.«

»Freut mich«, sage ich und gebe ihm die Hand.

Benson strahlt mich an. »Gleichfalls«, sagt er mit einem unüberhörbar britischen Akzent.

Ich spüre, wie ich ganz aufgeregt werde. Segelfliegen! Wow. Wir folgen Mark Benson zur Startbahn, während die Männer sich weiter unterhalten. Nach allem, was ich heraushöre, werden wir mit einer Blanik L-23 fliegen, die offenbar mehr taugt als die L-13, obwohl man darüber geteilter Meinung sein kann. Benson wird uns mit einer Piper Pawnee auf Flughöhe schleppen.

Er fliegt seit fünf Jahren Spornradflugzeuge. Für mich sind all das böhmische Dörfer, aber Christian so zu sehen, unübersehbar voll in seinem Element, ist eine wahre Freude.

Das Flugzeug selbst ist schnittig, mit orangefarbenen Streifen an der Seite; es besitzt ein Cockpit mit zwei hintereinander angeordneten Sitzen und ist mit einem weißen Kabel mit einer Ein-Propeller-Maschine verbunden. Benson klappt eine große Plexiglaskuppel auf und tritt beiseite, um uns ins Cockpit steigen zu lassen.

»Als Erstes müssen wir den Fallschirm anlegen«, sagt er.

Fallschirm!

»Das übernehme ich.« Christian nimmt ihm das Geschirr aus der Hand.

»Ist ja schließlich deine Lieblingsbeschäftigung«, bemerke ich trocken.

»Du hast ja keine Ahnung, wie gern ich das tue. Du musst einfach nur reinsteigen.«

Eine Hand auf seine Schulter gestützt, trete ich zwischen die Gurte, woraufhin er den Fallschirm nach oben zieht, so dass ich sie mir über die Schultern streifen kann. Beherzt lässt er die Verschlüsse einrasten und zieht die Gurte stramm.

»So«, sagt er sanft, doch das Funkeln in seinen Augen lässt keinen Zweifel daran, was hinter seiner Stirn vorgeht. »Hast du deinen Haargummi noch?«

Ich nicke.

»Soll ich sie zusammenbinden?«

»Ja.«

Eilig gehorche ich.

»Gut. Und jetzt rein mit dir«, erklärt er im Befehlston.

Ich mache Anstalten, auf den hinteren Sitz zu klettern.

»Nein, auf den vorderen. Der Pilot sitzt hinten.«

»Aber kannst du so überhaupt etwas sehen?«

»Mehr als genug.« Er grinst.

Ich kann mich nicht erinnern, ihn jemals so glücklich gesehen zu haben – trotz seines Befehlstons. Ich klettere in die Maschine und lasse mich in den weichen Ledersitz sinken, der sich als erstaunlich bequem entpuppt. Christian beugt sich über mich, zieht das Geschirr über meine Schultern, dann greift er zwischen meine Beine, um den unteren Teil des Gurts herauszuziehen, schiebt ihn in den Verschluss und lässt ihn einrasten, ehe er die restlichen Gurte festzurrt.

»Hm. Gleich zweimal an einem Morgen. Ich bin ein echter Glückspilz«, sagt er leise und gibt mir einen Kuss. »Es wird nicht allzu lange dauern. Zwanzig Minuten, höchstens eine halbe Stunde. Um diese Uhrzeit ist die Thermik nicht besonders gut, der Ausblick aber absolut sensationell. Ich hoffe, du hast keine Angst.«

»Nein, ich bin nur aufgeregt«, erwidere ich und strahle ihn an.

Wieso um alles in der Welt grinse ich so dämlich?, frage ich mich, denn in Wahrheit macht sich ein Teil von mir vor Angst in die Hose. Und meine innere Göttin kauert längst mit einer Decke über dem Kopf unterm Sofa.

»Gut.« Er grinst ebenfalls, streicht mir ein letztes Mal über die Wange und verschwindet.

Ich spüre ein Rumpeln, als er hinter mir auf seinen Sitz klettert. Natürlich hat er die Gurte so festgezurrt, dass ich mich nicht umdrehen kann … typisch. Uns trennt nur ein kleines Stück vom Boden. Unmittelbar vor mir befindet sich ein Armaturenbrett mit diversen runden Anzeigen, Schaltern und Hebeln, von denen ich allerdings schön die Finger lasse.

Mark Benson erscheint neben mir und überprüft ein letztes Mal meine Gurte und den Cockpitboden, wo sich, soweit ich weiß, der Ballast befindet.

»Okay, alles bestens. Ist das Ihr erstes Mal?«, fragt er.

»Ja.«

»Sie werden begeistert sein.«

»Danke, Mr. Benson.«

»Sagen Sie ruhig Mark zu mir.« Er wendet sich an Christian. »Okay?«

»Ja. Los geht’s.«

Ich bin nur froh, dass ich aufs Frühstück verzichtet habe. Meine Aufregung wächst mit jeder Sekunde, und ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Magen die Mischung aus Essen, Anspannung und der Tatsache, dass ich gleich keinen Boden mehr unter den Füßen haben werde, sonderlich gut verkraftet hätte. Wieder einmal lege ich mein Schicksal in die erfahrenen Hände dieses Mannes. Mark schließt das Cockpit, geht zu seinem Schleppflugzeug und steigt ein.

Der Einzelpropeller der Piper erwacht zum Leben, und mein nervöser Magen macht sich für einen kurzen Moment selbstständig. O Mann … jetzt gibt es kein Zurück mehr. Marks Maschine setzt sich in Bewegung, bis Zug auf das weiße Kabel kommt. Mit einem Ruck werden wir nach vorn gerissen. Los geht’s. Stimmen dringen aus dem Funkgerät neben mir. Ich glaube, das ist Mark, der mit dem Tower kommuniziert – allerdings verstehe ich kein Wort von dem, was er sagt. Die Piper gewinnt an Geschwindigkeit. Wir ebenso. Wir holpern über den Asphalt. Die Schleppmaschine ist immer noch am Boden. Meine Güte, fliegen wir eigentlich jemals los? In diesem Augenblick löst sich mein Magen aus meiner Kehle und sackt im freien Fall abwärts. Wir fliegen!

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