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Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen. Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse. Deshalb startet die „SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten. Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden? Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Zweieinhalb Stunden! Das war sehr wenig.

Melnikow blickte verstohlen zu Wtorow hinüber. Der junge Ingenieur hing an der gegenüberliegenden Wand, von der bereits deutlich spurbaren Schwerkraft dagegengepreßt. Sein Gesicht verriet Konzentration, die Augen waren geschlossen. Aber das regellose Öffnen und Schließen der Türen und das Aufflammen und Erlöschen des Lichts dauerte immer noch an.

Allerdings erfolgte es nicht mehr so häufig wie zu Anfang. Anscheinend kam doch allmählich Ordnung in Wtorows Gedanken.

So verging etwa eine Stunde.

Nach Melnikows ’Berechnungen betrug die Geschwindigkeit des Raumschiffes bereits fünfzig Kilometer in der Sekunde oder sogar noch mehr. Genau konnte er es nicht ausrechnen, da er nicht wußte, mit welcher Geschwindigkeit der Sturz auf die Venus begonnen hatte. Er war jedoch überzeugt, daß sie fünfundzwanzig Kilometer in der Sekunde nicht überstiegen hatte.

Die Entfernung bis zur Venus war ebenfalls nur annähernd bekannt.

Beeil dich! hätte er seinem Kameraden am liebsten zugerufen, aber er schwieg.

Jetzt wurden die Wände nicht mehr undurchsichtig. Licht und Dunkelheit wechselten nicht mehr miteinander ab. Nur die eine Tür öffnete sich noch hin und wieder. Wahrscheinlich stellte Wtorow sich vor, wie er den Raum betrat, im Sessel Platz nahm und dem Schiff Befehl gab, um neunzig Grad zu wenden. Melnikow staunte immer wieder über die verblüffende Empfindlichkeit der Apparate. Eine ans Wunderbare grenzende Technik!

Wie schade, wenn sie, die als Modell für künftige Konstruktionen dienen könnte, verlorenginge.

Wahrscheinlich ist auf der Arsena Material über gedankengesteuerte Apparate zu finden, dachte Melnikow. Die Phaetonen haben ganz bestimmt Aufzeichnungen darüber hinterlassen.

Trotzdem, die in diesem Raumschiff konzentrierten Apparate sind ganz etwas anderes. Kann man sie doch auseinandernehmen und genau untersuchen, feststellen, wie sie zusammengesetzt sind.

Melnikows Ungeduld wuchs ständig. Wtorow rührte sich nicht. Auch die letzte Tür öffnete sich nun nicht mehr. War er etwa eingeschlafen?

„Versuchen wir’s, Boris Nikolajewitsch.“

„Ja, natürlich!“ Melnikow hätte nicht so hastig antworten sollen, doch er hielt es nicht mehr aus. „Gehen wir.“ Das Gehen fiel nicht schwer, da das Raumschiff ganz allmählich seinen „Boden“ der Venus zugekehrt hatte. Die Automatik der Phaetonen arbeitete nach wie vor höchst vernünftig.

Aber auch der zweite Versuch Wtorows endete mit einem volligen Fiasko. Kaum hatte er auf dem Sessel Platz genommen, schleuderte ihn ein heftiger Stoß wieder herunter. Melnikow fiel vom Steg. Infolge der inzwischen gesteigerten Geschwindigkeit waren die Stürze diesmal bedeutend schmerzhafter. Sie trugen erhebliche Prellungen davon.

Wtorow war mit seinen Nerven am Ende. Er saß auf der durchsichtigen Wand, als schwebe er im luftleeren Raum, hatte die Hände vors Gesicht geschlagen und weinte.

Jetzt ist alles aus! dachte Melnikow. Früher als in einer halben Stunde hat er sich bestimmt nicht wieder beruhigt. Und dann ist es schon zu spät.

Er versuchte nicht, den Freund zu trösten. Mochte er sich ausweinen, wenn die Tränen die nervöse Spannung der letzten Stunden lösten. Manchem halfen Tränen.

Melnikow blickte nach unten, wie weit war es noch bis zur Venus? Eine Stunde? Aber welche Bedeutung hatte das noch?

Je eher sie in die Atmosphäre gelangten, desto besser! Das Unheil war nicht mehr abzuwenden.

Noch eine Stunde bis zum Tode!

Melnikow versetzte sich in Gedanken auf die Erde. Olga, der einzige Mensch, der ihm nahestand, tauchte wie leibhaftig vor ihm auf. Er sah ihr liebes, vertrautes Lächeln.

Verzeih mir, Olga!

Es ist unsere Pflicht!

Die Minuten verrannen.

Immer schneller raste der „Phaetone“ auf die Venus zu.

Die beiden Männer schwiegen. Der eine wußte, was sie erwartete, der andere ahnte die Wahrheit noch nicht.

Allmählich beruhigte sich Wtorow.

„Entschuldigen Sie, Boris Nikolajewitsch“, sagte er. „Ich werde mir Mühe geben, daß das nicht noch mal passiert.“

„Es mußte so kommen, Gennadi. Die nervliche Anspannung sucht nach Entladung. Ich verstehe dich und verurteile dich nicht.“

„Ich ruhe mich jetzt ein bißchen aus und versuche es dann noch einmal. Es muß doch klappen. Schließlich bin ich mit den Türen und Wänden auch fertig geworden.“ Er blickte nach unten. „Wir haben uns der Venus schon ganz schön genähert!

Wieviel Zeit haben wir noch zur Verfügung?“

„Noch genug“, erwiderte Melnikow ruhig. „Der Schein trügt.

Ruh dich ein, zwei Stunden aus. Gehen wir in die benachbarte Abteilung. Und laß die Wände wieder undurchsichtig werden.

Der Ausblick aufs All hat mich müde gemacht.“ Er braucht nicht zu sehen, daß die Venus schon ganz nahe ist, fügte er in Gedanken hinzu. Ein plötzlicher Tod ist nicht schrecklich. So bleibt wenigstens einem von uns das Warten erspart.

Hinter ihnen „überzog“ sich die fünfeckige Öffnung wieder mit Metall. Das vielfarbige Pult der Phaetonen, das einzige, was sie noch retten konnte, blieb zurück.

Melnikow ermunterte Wtorow zu keinem neuen Versuch. Es war zwecklos. Der Ingenieur hatte wohl das Zeug zu einem echten Kosmonauten, aber im Augenblick… im Augenblick war er eben doch noch keiner.

Die gelbgrauen Wände trennten sie nun von der Außenwelt.

Weder Sonne noch Venus war mehr zu sehen.

Melnikow lag mit geschlossenen Augen in der Hängematte.

Jetzt… in wenigen Sekunden … Schneller doch, schneller!

Jeder Nerv an ihm war zum Zerreißen gespannt Was dann geschah, hielt er zunächst für den Anfang vom Ende. Bis zu seinem Tode, einem natürlichen Tode auf der Erde, erinnerte sich dieser Mann, den so leicht nichts erschüttern konnte, nur mit Grauen an den schrecklichen Augenblick.

Plötzlich riß die Hängematte unter Melnikows Last, und er flog zu Boden. Wtoraw erging es genauso. Beide kollerten zur Wand.

War das der Aufprall auf die Atmosphäre der Venus?

Oder…

Gleich darauf entrang sich ein tiefer Seufzer der Erleichterung Melnikows Brust. Er hatte begriffen, was geschehen war.

Sie waren dem Leben wiedergegeben.

„Gerettet, Gennadi! Das Raumschiff wendet. Die Automatik hat selbsttätig gehandelt. Hörst du, Gennadi?“ Wtorow schwieg.

Das Raumschiff bog steil zur Seite ab. Die Schwerkraft stieg auf über das Doppelte an.

Gerettet? Eine Erkenntnis dämmerte Wtorow. Das bedeutete doch…

Er sah seinen Kameraden an. Ja, so war es.

„Ich danke Ihnen, Boris Nikolajewitsch! Bis an mein Lebensende werde ich Ihre Großmut nicht vergessen. Sie wollten, daß ich nichts ahnte.“

„Nehmen wir’s an“, erwiderte Melnikow. „Was hätte ich schon davon gehabt, wenn wir uns zu zweit gequält hätten?

Dein ruhiges Gesicht hat auch mir geholfen. Ich habe es nur meinetwegen getan.“

„Das ist nicht wahr.“

„Nehmen wir auch das an. Aber ist es nicht ganz egal? Irgendwann wirst du genauso handeln, und wir sind quitt. Mach doch die Wand wieder durchsichtig.“ Die überstandene Aufregung hinderte Wtorow, sich zu konzentrieren. Es verging eine ganze Weile, bevor es ihm gelang, die Bitte zu erfüllen.

Die Venus befand sich nach wie vor unter ihnen, aber nicht senkrecht, sondern etwas seitlich. Das Raumschiff war noch nicht ganz auf den neuen Kurs eingeschwenkt. Doch die Männer sahen, daß sie sich vom Planeten entfernten, und das war die Hauptsache.

„Wenn niemand am Pult sitzt“, sagte Melnikow, „steuert der Autopilot das Raumschiff. Da die Venus in gefährliche Nahe gerückt war, hat er selbständig abgedreht. Der Apparat ist sehr klug konstruiert.“

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