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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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Ista schnaubte bitter. »Ich habe Euch nicht mit einem Kuss geweckt. Ich habe nur den Fluss Eures Seelenfeuers unterbrochen und neu ausgerichtet, so wie ich es später bei Cattilara getan habe. Der Kuss war einfach nur … Wollust.«

Er verzog die Lippen zu einem leichten Lächeln. »Hattet Ihr nicht gesagt, es war ein Traum gewesen?«

Oh. Das hatte sie. Seine Mundwinkel hoben sich noch weiter, provozierend. »Eine dumme Eingebung«, sagte sie.

»Kommt schon, ich hielt es für einen hervorragenden Einfall. Ihr unterschätzt Euch, meine Dame.«

Ista errötete. »Ich fürchte, ich habe keine Begabung für …«, sie schluckte, »Liebeleien. Als ich noch jung war, war ich zu dumm. Jetzt bin ich zu alt, zu uninteressant.« Zu dumm, dann zu verrückt, dann zu uninteressant, dann zu spät. »Ich bin einfach nicht dafür geeignet.«

»Wirklich?« Er wandte sich um, lehnte sich gegen die Zinnen und nahm mit dem Ausdruck größter Neugier ihre Hand in die seinen. Mit einem rußverschmierten Finger fuhr er die Schmutzlinien auf ihrer Handfläche nach. »Weshalb nicht? Man hält mich für klug. Ich sollte es herausfinden können, wenn ich mich der Angelegenheit ein wenig widme. Ich könnte einen Grundriss der Burg Ista zeichnen, die Verteidigung erkunden …«

»Die Schwächen finden?« Entschlossen zog sie die Hand zurück.

»Meinetwegen, wenn ich mich ihr längere Zeit widme.«

»Lord Illvin, dies ist nicht die richtige Zeit und nicht der richtige Ort für solche Dinge!«

»Wahrhaftig. Ich bin so müde, ich kann kaum noch stehen.«

Es folgte ein Augenblick Schweigen.

Seine Lippen hoben sich und ließen die Zähne kurz aufblitzen. »Ha! Eure Mundwinkel haben sich bewegt. Ich habe es gesehen!«

»Haben sie nicht.« Jetzt taten sie es. Ista konnte es nicht unterdrücken, als sie sich an den Vogel in seinem Nest erinnerte.

»Noch besser — sie schmunzelt!«

»Tue ich nicht

»Die Dichter sagen, das Lächeln der Damen macht Hoffnung, doch ich gebe mich auch mit einem täglichen Schmunzeln zufrieden.« Irgendwie massierte sein Daumen schon wieder ihre Handfläche, fuhr die kleinen Muskelstränge entlang. Es fühlte sich wunderbar an. Sie wünschte sich, er würde ihre Schultern massieren, ihre Füße, ihren Hals, alles an ihr, was schmerzte. Und es schmerzte alles.

»Hattet Ihr nicht gesagt, Arhys wäre der große Verführer in Eurer Familie?« Sie versuchte, die Kraft aufzubringen, ihre Hand ein weiteres Mal zurückzuziehen, schaffte es aber nicht.

»Keineswegs. Er hat in seinem ganzen Leben noch nie eine Frau verführt. Sie haben sich alle von selbst aus dem Hinterhalt auf ihn geworfen. Nicht ohne Grund, kann ich Euch versichern.« Er lächelte kurz. »So ist das, wenn man der Übungspartner des besten Schwertkämpfers in Caribastos ist. Ich habe immer verloren. Doch wenn ich jemals dem drittbesten Schwertkämpfer in Caribastos begegne, dann dürfte der ein großes Problem haben. Arhys war stets besser, in allem, was wir angefangen haben. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Sache gibt, die ich kann, er aber nicht.«

Die Handmassage war schuld. Sie lullte Ista ein. Unbedacht sagte sie: »Was?«

»Mich in Euch verlieben, süße Ista.«

Sie sprang zurück. Dieses Kosewort hatte sie schon einmal gehört, doch nicht von diesen Lippen. »Nennt mich nicht so.«

»Bittere Ista?« Er runzelte die Stirn. »Verschrobene Ista? Ärgerliche, mürrische, muffelige Ista?«

Sie schnaubte. Er entspannte sich und lächelte wieder. »Nun, ohne Zweifel kann ich lernen, meinen Wortschatz anzupassen.«

»Lord Illvin, seid doch ernst.«

»Gewiss«, sagte er sofort. »Wie Ihr befehlt, Majestät.« Er verbeugte sich leicht. »Ich bin alt genug, um vieles zu bedauern. Meinen Anteil an Fehlern habe ich gemacht. Manche …«, er verzog das Gesicht, »… waren schrecklich, wie Ihr sehr wohl wisst. Doch es sind die einfachen, kleinen Dinge — die Küsse, die ich nie gegeben habe, und die Liebe, von der ich niemals sprach, weil nicht der richtige Zeitpunkt war oder nicht der richtige Ort, und dann keine Gelegenheit mehr. Das sind überraschend scharfe Kümmernisse, angesichts ihrer Größe. Ich denke, heute Nacht können wir unsere Gelegenheiten schwinden sehen. Also sollte ich von den Dingen, die ich zu bedauern habe, zumindest eins noch auskosten …«

Er beugte sich näher zu ihr. Fasziniert ließ sie es zu. Irgendwie hatte sein langer Arm den Weg um ihre schmerzende Schulter gefunden. Er zog sie zu sich heran. Er war ziemlich groß, stellte sie fest. Wenn sie nicht den Kopf in den Nacken legte, würde ihre Nase gegen sein Brustbein gedrückt. Sie blickte hinauf.

Seine Lippen schmeckten nach Ruß, salzigem Schweiß und dem längsten Tag ihres Lebens. Und nach Pferdefleisch, aber zumindest war es frisches Pferdefleisch. Seine dunklen Augen glitzerten unter den gesenkten Augenlidern, als ihre Arme sich um seinen narbigen Oberkörper legten und zu sich heranzogen. Was hatte sie dy Cabon zugefaucht — oben imitieren, was unten begehrt wird?

Einige Minuten später — zu viele? Zu wenige? — hob er den Kopf wieder und schob sie ein wenig von sich, als wolle er sie ansehen, ohne schielen zu müssen. Sein leichtes Lächeln war nun frei von jeder Ironie, aber nicht frei von Befriedigung. Sie blinzelte und trat zurück.

Liss saß auf der gegenüberliegenden Seite der Plattform, mit überkreuzten Beinen gegen die Brüstung gelehnt, und starrte offenen Mundes zu ihnen empor. Die beiden Soldaten taten nicht einmal mehr so, als würden sie die Jokoner beobachten. Sie zeigten den gebannten Gesichtsausdruck von Zuschauern, die ein beängstigendes Schauspiel verfolgten und froh waren, nichts damit zu tun zu haben — einen verheerenden Großbrand zum Beispiel, oder den vordersten Mann auf einer Sturmleiter.

Illvin murmelte: »Zeit ist, wo man sie sich nimmt. Sie wartet nicht auf einen.«

»Das ist wahr«, flüsterte Ista.

Eines musste sie seiner Liebelei lassen: Die Steine hatten als Lösung für ihre Notlage viel von ihrem Reiz verloren. Das war auch ohne Zweifel seine Absicht gewesen.

Ein dunkelvioletter Lichtstrahl blitzte vor ihrem inneren Auge auf, und Ista drehte den Kopf in die Richtung, in die er zielte. Von irgendwo unten erklang ein empörter Schrei. Sie seufzte, zu erschöpft, um dem nachzugehen. »Ich habe nicht einmal mehr Lust, nachzuschauen.«

Bei dem Schrei war Illvins Kopf ebenfalls herumgefahren. Doch offenbar teilte er ihren Überdruss an Schrecken, denn auch er beugte sich nicht weiter hinab. Dann aber schaute er zu ihr zurück, und seine Augen wurden schmal. »Ihr habt Euch herumgedreht, bevor wir etwas gehört haben«, stellte er fest.

»Ja. Ich sehe die Angriffe der Zauberer als Lichtstrahlen vor meinem inneren Auge. Wie Blitze, die von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel fliegen, oder wie dahinrasende Brandpfeile. Nur vom Sehen her kann ich allerdings nicht sagen, was sie bewirken. Sie alle sehen für mich ziemlich gleich aus.«

»Könnt Ihr denn nur vom Sehen her Zauberer von gewöhnlichen Menschen unterscheiden? Ich kann das nicht.«

»O ja! Sowohl Cattilaras Dämon wie auch der von Foix erscheinen mir als Gestalten aus Schatten und Licht innerhalb ihrer eigenen Seelen, die wiederum, da sie beide lebende Menschen sind, von ihren Körpern begrenzt werden. Foix’ Dämon besitzt noch immer die Form eines Bären. Arhys’ ausgebleichte Seele schleift ein wenig hinter ihm her, als müsse sie sich anstrengen, mit ihm Schritt zu halten.«

»Aus welcher Entfernung könnt Ihr sagen, ob es sich bei einer bestimmten Person um einen Zauberer handelt?«

Sie zuckte die Achseln. »So weit ich sehen kann, nehme ich an. Nein, weiter … mein inneres Auge kann die Umrisse von Seelen durch Materie hindurch wahrnehmen, wenn ich mich darauf konzentriere und vielleicht die äußeren Augen schließe, um die Ablenkung zu vermindern. Zelte, Mauern, Körper … das alles ist für die Götter durchsichtig, und für die Sicht, die sie verleihen.«

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