Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Erschrocken wandte Foix ein: »Majestät, Lord Arhys würde das nicht wollen!«
»Still«, beschied Ista ihm kühl. »Kein anderer hier wird Euch diese Wahl lassen, Cattilara.«
»Ihr könnt so etwas nicht hinter seinem Rücken tun!«, sagte Foix.
»Ich trage die Verantwortung für dieses Ritual. Das ist jetzt Frauensache, Foix. Schweigt jetzt. Cattilara …« Ista holte tief Luft. »Ihr seid Witwe und werdet es sein, doch die Trauer, die Ihr den Rest Eures Lebens mit Euch tragt, wird unterschiedlich sein, je nachdem, welche Entscheidung Ihr heute Nacht trefft.«
»Wie könnte es besser sein?«, knurrte Cattilara. Tränen strömten ihr aus den Augen. »Ohne Arhys ist alles nichts mehr wert.«
»Ich sagte nicht besser. Ich sagte unterschiedlich. Ihr könnt den Teil annehmen, der Euch zugewiesen ist, oder Euch zurücklehnen und übergangen werden. Wenn Ihr nicht Euren Teil beitragt und er scheitert, werdet Ihr niemals wissen, ob Ihr einen Beitrag hättet leisten können. Wenn Ihr Euren Teil beitragt und er dennoch fällt, werdet Ihr auch das wissen.
Arhys hätte Euch vor dieser Entscheidung bewahrt, wie ein Vater sein geliebtes Kind schützen würde. Darin täuscht er sich. Ich gebe Euch die Wahl, die einer Frau ansteht, hier, im letztmöglichen Augenblick. Er möchte Euch in dieser Nacht Schmerz ersparen. Ich denke an die Nächte während der nächsten zwanzig Jahre. Genau genommen gibt es keine richtige oder falsche Entscheidung. Doch die Zeit, Eure Entscheidungen zu überdenken, rinnt davon wie Porifors Wasser.«
»Ihr denkt, er wird in diesem Kampf den Tod finden«, klagte Cattilara.
»Er ist bereits seit drei Monaten tot. Ich kämpfe nicht gegen seinen Tod an, sondern gegen seine Verdammnis. Und diesen Kampf habe ich verloren. Während meines Lebens habe ich zwei Göttern in die Augen geblickt, und es hat mich versengt, sodass es beinahe nichts mehr gibt in der Welt des Stofflichen, das mir Angst machen kann. Doch davor habe ich Angst. Ich habe Angst um ihn. In dieser Nacht steht er am Rande des wahren Todes, des endgültigen Todes, und niemand ist da, um ihn von diesem Abgrund zurückzuziehen. Nicht einmal die Götter können ihn retten, wenn er jetzt stürzt.«
»Eure Wahl ist gar keine. Es ist immer nur Tod.«
»Nein, ein Tod in ganz unterschiedlicher Weise. Ihr hattet mehr von ihm als jede andere lebende Frau. Nun dreht das Rad sich weiter. Seid gewiss, eines Tages wird es sich auch für Euch drehen. In dieser Hinsicht sind alle gleich. Er geht zuerst, aber nicht als Einziger. Nicht einmal allein, denn ich nehme an, er wird eine große jokonische Begleitung bekommen.«
»Das wird er, wenn ich etwas dazu beitragen kann«, grollte Foix.
»Ja. Glaubt Ihr, keiner von ihnen wird ebenso geliebt wie Arhys? Ihr habt Gelegenheit, Arhys in Würde gehen zu lassen, mit klarem Geist, ungehindert und zielgerichtet wie das Schwert, das sein Symbol ist. Ich werde Euch nicht erlauben, ihn gequält und enttäuscht vorzuschicken, verwirrt und traurig.«
Cattilara knurrte: »Weshalb sollte ich ihn dem Tod ausliefern — oder den Göttern, oder Euch, oder irgendjemanden? Er gehört mir. Mein ganzes Leben ist das seine.«
»Dann werdet Ihr tatsächlich leer und ausgehöhlt sein, wenn er fort ist.«
»Ich kann nichts für dieses Unglück! Hätten einfach alle getan, was ich wollte, hätte das alles abgewendet werden können. Alle sind gegen mich …«
Sämtliche Speisen auf dem Tablett waren verzehrt. Seufzend berührte Ista die Verengung und ließ den Kanal wieder weiter werden. Fluchend sank Cattilara zurück. Das Seelenfeuer aus Cattilaras Herz floss langsam und unstet, doch es würde für die nächsten Stunden ausreichen.
»Ich hätte ihr gern Gelegenheit gegeben, sich zu verabschieden«, sagte Ista traurig. »Lord Illvins Bemerkungen über die zurückgehaltenen Küsse und unausgesprochenen Worte lasten schwer auf meiner Seele.«
Mit entsetztem Gesicht wandte Foix ein: »Was sie zu sagen hat, sollte in Lord Arhys’ Gegenwart besser unausgesprochen bleiben.«
»Das denke ich auch. Fünf Götter, warum nur wurde ich an diesen Hof gerufen? Geht, Foix. Sucht so viel Ruhe, wie Ihr bekommen könnt. Das ist jetzt Eure vordringlichste Pflicht.«
»Jawohl, Majestät.« Er blickte zu Liss hinüber. »Kommst du runter, um uns zu verabschieden? Später?«
»Ja«, flüsterte Liss.
Foix setzte zum Sprechen an, doch ausnahmsweise schien seine Kehle ihm den Dienst zu verweigern. Stattdessen nickte er nur dankbar, verbeugte sich und ging.
Schließlich legte sich auch Ista für einige Stunden in ihren Gemächern nieder. Sie sehnte sich nach einem traumlosen Schlummer, fürchtete sich vor den Träumen. Doch letztendlich döste sie nur, beunruhigt von gelegentlichen schmerzerfüllten Lauten, die durch ihr Fenstergitter hereindrangen, aus einer Burg, die sich rings um sie her scheinbar in Auflösung befand. Nach einer Weile kam Liss, um sie zu wecken. Ein Kerzenstumpf in einem Messinghalter, dessen Glasschirm irgendwo in Scherben lag, erleuchtete ihr erschöpftes Gesicht. Ista war bereits wach und angezogen. Die triste Trauerkleidung wirkte allmählich schmutzig und abgetragen, doch das schwarze Kleid passte zu ihrer Stimmung und zu den Schatten dieser Stunde.
Als Ista durch die Tür auf die Galerie trat, folgte Liss ihr und hielt das schwache Licht in die Höhe. Ista trat drei Stufen die leeren Treppen hinab und hielt an. Ihr stockte der Atem.
Ein hoch gewachsener, düsterer Mann stand zwei Stufen unter ihr, sodass sein Gesicht mit dem ihren auf derselben Höhe war. Sie standen in genau der gleichen Haltung, in der sie vor einer halben Ewigkeit den toten Arhys geküsst und herausgefordert hatte. Das Gesicht und die Umrisse des Mannes wirkten verschwommen. Sie fand, dass er Arhys ein wenig ähnlich sah, ein wenig aber auch Arvol und noch ähnlicher ihrem eigenen toten Vater. Ias, so dachte sie, sah er gar nicht ähnlich.
Er war wie ein Offizier von Porifors gekleidet, in ein Kettenhemd und einen grauen und goldenen Wappenrock. Doch seine Rüstung schimmerte, und der Wappenrock war glatt und saß perfekt; seine Stickerei war strahlend wie Feuer. Sein Haar und sein Bart waren grau, so kurz geschnitten wie bei Arhys, sauber und ordentlich. Das unruhige Kerzenlicht spiegelte sich nicht in seinem ihr zugewandten Gesicht, ebensowenig in den endlosen Tiefen seiner Augen. Stattdessen leuchteten diese Augen mit ihrem eigenen Licht.
Ista schluckte, hob ihr Kinn. Drückte die Knie durch. »Euch habe ich hier nicht erwartet.«
Der Wintervater bedachte sie mit einem ernsten Nicken. »Alle Götter sind auf sämtlichen Schlachtfeldern zugegen. Welche Eltern würden nicht besorgt an der Tür warten, wieder und wieder hinaus auf die Straße blicken, wenn ihr Kind nach einer langen und gefahrvollen Reise zu Hause zurückerwartet wird? Du selbst hast an dieser Tür gewartet, sowohl erfolgreich, wie auch vergebens. Vervielfache diesen Schmerz um das Tausendfache und bedauere mich, süße Ista. Denn ich habe ein Kind mit einer prachtvollen Seele, doch es ist sehr spät und hat sich auf dem Weg verirrt.«
Der tiefe Nachhall seiner Stimme schien ihren Brustkorb vibrieren zu lassen, ließ ihre Knochen klappern. Sie konnte kaum atmen. Tränen trübten ihr den Blick. »Ich weiß, Herr«, flüsterte sie.
»Meine rufende Stimme kann ihn nicht erreichen. Er kann das Licht in meinem Fenster nicht sehen, denn er ist von mir getrennt, blind und taub und unsicher auf den Beinen. Niemand ist da, der seine Hand ergreift und ihn führen kann. Und doch magst du ihn in seiner Finsternis berühren. Und ich kann dich in der deinen berühren. Nimm also dieses Garn und führe ihn durch das Labyrinth, das ich nicht betreten kann.«