Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Der Jokoner befeuchtete die Lippen und räusperte sich. »Ich komme unter dem Schutz der Parlamentärsflagge von Fürst Sordso zu Burg Porifors«, begann er in lautem, klarem Ibranisch. Er hielt den Schaft mit dem blauen Wimpel so, wie ein Mann einen Schild halten würde, und drückte das Ende ein wenig fester in den trockenen Boden zu seinen Füßen. Es galt als sehr unhöflich, einen Boten zu erschießen — die Art von Vergehen, die einem Offizier später kühlen Tadel von Kameraden und Befehlshabern einbrachte. Viel zu spät allerdings, aus der Sicht des Boten, um noch als Trost empfunden zu werden. »Dies sind die Forderungen des Fürsten von Jokona …«
»Stört es Euch nicht, Viergläubiger«, unterbrach Arhys ihn mit weithin hörbarer Stimme, »dass Euer Fürst zu einem dämonenbesessenen Zauberer geworden ist? Solltet Ihr als gläubiger Mann ihn nicht eher verbrennen anstatt ihm zu gehorchen?«
Die Wachen zeigten keine Regung. Ista fragte sich, ob sie eigens wegen ihrer fehlenden ibranischen Sprachkenntnisse ausgewählt worden waren. Doch der Ausdruck, der kurz auf dem Gesicht des Unterhändlers erschien, ließ erahnen, dass Arhys’ Worte ihn getroffen hatten. Dennoch gab er scharf zurück: »Man sagt, Ihr wärt schon seit drei Monaten tot. Stört es Eure Leute nicht, dass sie einem wandelnden Leichnam folgen?«
»Kaum«, sagte Arhys. Er achtete nicht auf das leise Murmeln seiner Bogenschützen, die hinter ihm versammelt standen. Die Blicke, die sie tauschten, drückten die verschiedensten Empfindungen aus: Unglauben und Unruhe, Furcht und Begreifen. »Ich denke allerdings, dass es für Euch ein Problem darstellen könnte. Denn wie wollt Ihr mich töten? Selbst ein Zauberer dürfte da vor Schwierigkeiten stehen.«
Mit sichtlicher Mühe zwang sich der Unterhändler dazu, wieder seine ursprünglich vorbereitete Rede vorzutragen. »Dies sind die Bedingungen des Fürsten von Jokona: Ihr werdet die Königinwitwe Ista unverzüglich ausliefern, als Faustpfand für die weitere Zusammenarbeit. Alle Offiziere und Soldaten Eurer Garnison werden die Waffen niederlegen und vor den Toren der Burg kapitulieren. Dann sollen Eure Leben verschont werden.«
»Damit wir als Dämonenfutter zusammengetrieben werden?«, murmelte dy Cabon, der ein Stück weit entfernt auf dem Wehrgang kauerte und zwischen zwei Zinnen hindurchspähte. Unwillkürlich dachte Ista, dass dies ein sehr viel gnädigeres Schicksal wäre, als ein Geistlicher des Bastards für gewöhnlich erwarten konnte, wenn er in einem solchen Konflikt in die Hände der aufgebrachten viergläubigen Truppen fiel.
»Nun kommt, Jokoner. Soll ich auf Euch herunterspucken?«, fragte Arhys.
»Bitte spart Euch den Speichel, Lord Arhys. Ich habe gehört, solche Flüssigkeiten werden bald schwer zu finden sein — auf Eurer Seite der Mauer.«
Lord Illvin erschien gerade hinter der Brüstung und bekam diese Aussage noch mit. Er lächelte säuerlich. Mit einem raschen Blick über Istas Kopf hinweg erfasste er die feindliche Aufstellung. Arhys sah zu ihm hinab. Illvin lehnte seine Schulter gegen die Mauer unterhalb der Füße seines Bruders und schaute auf den Innenhof. Mit gedämpfter Stimme, damit die Jokoner nichts davon hören konnten, berichtete er: »Sie haben beide Zisternen erwischt. Sie sind durchlöchert wie Siebe. Ich habe Männer abgestellt, und sie schöpfen mit jedem unversehrten Gefäß, das sie auftreiben können. Außerdem versuchen sie, die Zisternen mit Segeltuch einzufassen, damit sie nicht so schnell leer laufen. Aber das nützt nicht viel.«
»In Ordnung«, murmelte Arhys, hob die Stimme wieder und sagte zu dem Unterhändler: »Wir lehnen Eure Bedingungen selbstverständlich ab.«
Der Jokoner nahm diese Antwort mit grimmiger Befriedigung entgegen. Offenbar hatte er nichts anderes erwartet. »Fürst Sordso und Fürstinnenwitwe Joen erweisen Euch eine unverdiente Gnade. Sie gewähren Euch einen Tag, um Eure Haltung zu überdenken. Morgen werde ich zurückkehren und Eure neue Antwort hören. Außer natürlich, Ihr sendet früher nach uns.« Er verneigte sich und wich langsam zurück, nur unzureichend gedeckt von seinen beiden Wachen. Erst nachdem er schon ein gutes Stück entfernt war, wagte er der Burg den Rücken zuzuwenden.
Nicht nur die erwartete Antwort — offenbar sogar das gewünschte Ergebnis.
»Was geschieht nun?«, fragte dy Cabon besorgt. »Ein Angriff? Werden sie tatsächlich einen Tag warten?«
»So weit würde ich ihnen nicht vertrauen«, befand Arhys und sprang wieder zurück auf den Wehrgang.
»Ein Angriff«, sagte Ista. »Aber bestimmt nicht durch ihre Truppen. Ich würde alles darauf setzen, dass Joen gern mit ihren neuen Schoßtieren herumspielen wird. Porifors ist die erste Gelegenheit, ihre Schar von Zauberern im offenen Kampf zu prüfen. Wenn die Ergebnisse sie zufrieden stellen …« Eine purpurne Linie, diesmal nur eine einzige, blitzte vor Istas innerem Auge auf.
Entlang des Wehrgangs rissen die meisten der gespannten Bogensehnen gleichzeitig. Einige Männer schrien auf, als sie von zurückschnellenden Sehnen getroffen wurden. Eine gespannte Armbrust wurde ausgelöst, und ihr Bolzen traf den Oberschenkel des am nächsten stehenden Mannes. Der schrie auf und stürzte rücklings von der Mauer, prallte auf die Steine im Innenhof und blieb reglos liegen. Sein entsetzter Kamerad starrte auf die Armbrust und schleuderte sie von sich, als hätte sie in seinen Händen zu brennen begonnen. Dann beeilte er sich, zu seinem gestürzten Gefährten zu gelangen.
Ein weiterer, noch dunklerer Blitz zuckte vorüber.
»Was jetzt?«, murmelte Foix beunruhigt und starrte die Reihe der entsetzten Bogenschützen entlang. Einige von ihnen zogen bereits Ersatzsehnen unter ihren Gürteln hervor und stellten fest, dass diese in ihren Händen zerfielen.
Einige Augenblicke später stieg über den Dächern im Innern der Burg eine Rauchwolke auf.
»Ein Feuer in den Ställen«, stellte Illvin fest. Seine ungerührte Stimme stand im Widerspruch zu seinem plötzlichen Sprung nach vorn. »Foix, ich brauche Eure Hilfe, bitte.« Er eilte die Treppen hinunter, wobei seine langen Beine drei Stufen auf einmal nahmen.
Nun fängt es richtig an, dachte Ista. Ihr Magen verkrampfte sich.
Liss’ Augen waren weit aufgerissen. »Majestät, kann ich mit ihnen gehen?«, keuchte sie.
»Ja, geh nur«, entließ Ista sie. Liss stürzte davon. Man würde jede hilfreiche Hand gebrauchen …
Und was ist mit mir?
Schließlich wandte sie sich von der Mauer ab.
Arhys lief hinter ihr her und rief: »Herrin, wollt Ihr nach Cattilara sehen?«
»Natürlich.« Immerhin eine Art von Aufgabe. Oder vielleicht wollte Arhys als umsichtiger Befehlshaber auch nur allen überflüssigen Ballast sicher an einem Ort untergebracht wissen.
Ista fand Cattilaras Damen aufgelöst vor. Sie sorgte dafür, dass sie sich zumindest auf das Maß einer gut unterdrückten Hysterie beruhigten. Cattilara lag unverändert da, abgesehen von einem bereits deutlich sichtbaren Einsinken des weichen Gewebes an ihrem Gesicht — schon spannte sich dort die Haut über den Knochen. Das Leuchten des Dämons in ihr war dicht zusammengeballt. Offensichtlich versuchte er im Augenblick nicht, um die Vorherrschaft zu kämpfen. Voller Unbehagen stieß Ista den Atem aus, stellte aber sicher, dass das Seelenfeuer weiterhin ungehindert zu Arhys floss.
Während des endlosen Nachmittags unternahm Ista regelmäßige Erkundungsgänge von den Gemächern der Gräfin aus, um den Auswirkungen der verschiedenen Wellen an Zauberlicht nachzugehen, die durch ihre Wahrnehmung zuckten. Nur der erste große Angriff auf die Wasservorräte schien sorgsam aufeinander abgestimmt; danach wurde die Attacke ungeordnet fortgeführt, wie sich auch an den Folgen zeigte. Die Pferde, die man aus den Ställen gerettet hatte, waren in den Sternenhof getrieben worden und liefen dort frei herum. Aufgeregt sprangen sie durcheinander und rissen dabei eine Galerie herab. Ein Wespennest stürzte mit hinunter, und drei Männer starben schreiend, röchelnd und zuckend an den Stichen. Weitere Männer wurden von den durchgehenden Pferden umgerannt und verletzt.