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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Joen hängt dem vierfältigen Glauben an. Nach ihren Maßstäben lebt sie in Blasphemie«, wandte dy Cabon mit bestürzter Miene ein. »Doch ein schlechter Gläubiger der Vierfältigkeit ist noch lange kein guter Quintarier. Sie kann nicht einmal genug von Theologie verstehen, um auch nur einen Elementargeist zu kontrollieren, geschweige denn eine ganze Armee von Dämonen.«

»Allerdings nicht«, hauchte Ista.

Der Catti-Dämon redete weiter: »Ihre angeleinten Dämonen bedeuteten ihr bald mehr als nur eine Hilfe für Sordso: Sie wurden zu ihrer Freude, zu ihrem Glück. Endlich konnte sie ihrem Willen Geltung verschaffen und Gehorsam erlangen! Man folgte eiligst ihren Befehlen und lächelte auch noch dabei! Die Angehörigen ihrer Familie waren nicht die Letzten, sondern die Ersten, die sie unter ihren Willen zwang — ausgenommen Sordso.«

Wieder änderten sich die Stimme des Dämons und seine Sprechweise. »Sie hat mich ihrem Dämon ausgeliefert, als ich mich weigerte, einen quintarischen Bastard-Lord zu heiraten. Ihre Augen leuchteten vor Triumph, als sie es tat. Alles, alles muss genau so gemacht werden, wie sie es sagt, immer und überall, und bis in die kleinste Einzelheit. Nur für Sordso gilt das nicht, ihr goldenes Küken. Oh, wie mein Herz lacht, selbst noch in diesem lebenden Tod, wo ich weiß, dass sie schließlich auch meinen Bruder Sordso übernommen hat.« Cattis — Umerues — Lippen verzogen sich zu einem Grinsen. »Ich habe ihn gewarnt, sich ihr zu widersetzen. Hat er zugehört? Natürlich nicht. Ha!«

»Cattilara meinte, du wurdest ausgeschickt, um Porifors zum Übertritt zu bewegen«, sagte Ista zu dem Dämon. »Daher auch die Einbeziehung der Kurtisane, nehme ich an …«

Illvins Gesichtsausdruck, auf der anderen Seite des Bettes, ließ vieles vermuten. Erinnerung spiegelte sich darin, aber auch Bedauern und Grauen. Ista fragte sich, ob diese halb verdauten Seelen im Laufe der Zeit alle in einer Persönlichkeit aufgingen oder für immer getrennt blieben.

»Wen solltet Ihr nach dem Befehl Eurer Mutter verführen? Illvin? Arhys?«, fragte Ista. »Oder beide?«

Ein versonnenes Lächeln zeigte sich auf den Umerue-Lippen. »Lord Illvin. Auf den ersten Blick war er hübsch. Aber dann haben wir Arhys gesehen. Warum den Zweitbesten wählen, den stellvertretenden Befehlshaber, mit all den verwickelten Intrigen zu Revolte und Machtergreifung, die folgen würden, wenn wir einfacher und angenehmer Porifors von der Spitze her in Besitz nehmen konnten?« Auf Ibranisch fügte sie hinzu: »Lord Arhys, ja«, und: »Arhys. Hm.« Dann, seufzend und ohne erkennbare Sprache: »Ah.«

»Wie es scheint, war die Entscheidung einstimmig«, murmelte Illvin trocken. »Das Dienstmädchen, die Prinzessin, die Kurtisane und ohne Zweifel auch der Gelehrte. Alle Feuer und Flamme, seit sie ihn das erste Mal gesehen haben. Ich frage mich, ob der Vogel vielleicht auch weiblich war? Dann wäre er gewiss auf seinem Finger gelandet. Und so wurde Joens Plan durcheinander gebracht von einer noch älteren Magie als der der Dämonen.« Er runzelte die Stirn, halb belustigt, halb schwermütig. »Zu meinem Glück.« Einen Augenblick drang seine tiefe Erschöpfung fast bis zur Oberfläche vor, als würde das Gewicht der ganzen Welt auf ihm lasten; dann funkelten seine dunklen Augen, und er richtete sich auf. »Wie wurde dieser Oberdämon aus seiner langen Gefangenschaft befreit? Ihr habt gesagt, Ihr wüsstet darüber Bescheid, Majestät?«

»Zumindest kann ich es erraten. Das ist der Zeitpunkt, erkennt Ihr das nicht? Vor drei Jahren, am Tag der Tochter, wurde der Todesfluch des Goldenen Heerführers von Chalion genommen, und von meiner Familie. All seine verstreuten, pervertierten Gottesgaben wurden eingesammelt und von den Göttern zurückgenommen, durch ihren auserwählten Heiligen. Und wenn an diesem Tag alles zurückgenommen wurde, so auch die Macht, die den Dämon eingekerkert hielt.«

Illvin tauschte einen Blick mit dy Cabon. Der Geistliche nickte nachdenklich.

Ista meinte grüblerisch: »Ich frage mich, ob Joen ihren Dämon schon zwei Dekaden früher erhalten hätte, wären Arvol, Ias und ich erfolgreich gewesen und hätten den Fluch bereits vor zwanzig Jahren aufgehoben. Und wer hätte dann die Vorherrschaft über Joens Körper gehabt?«

Dy Cabon schaute mit einem Ausdruck verhaltener theologischer Neugier auf Cattilara hinunter. »Ich frage mich, ob nicht derselbe roknarische Hexenmeister auch für den früheren Ausbruch von ungeformten Dämonen verantwortlich war, der Chalion zu Fonsas Zeiten heimsuchte …« Dann schüttelte er den Kopf, ließ sich nicht mehr durch historische Mutmaßungen ablenken. Immerhin standen sie derzeit einem Ausbruch gegenüber, der sehr viel drängender war.

Warum erzählt die Kreatur uns das alles?, fragte sich Ista. Um Furcht und Verwirrung in dieser kleinen Versammlung zu verbreiten? Um seine eigene Sorge auf andere zu übertragen? Sie schaute zu ihren Gefährten, sah Foix’ Gelassenheit, dy Cabons Nachdenklichkeit, Illvins kluge Aufmerksamkeit. Wenn das der Plan war, funktionierte er nicht. Aber vielleicht hatte der Dämon einfach nur so viel Menschlichkeit geraubt, dass er nun Gefallen daran fand, vor einer aufmerksamen Zuhörerschaft sein Leid zu klagen. Oder er suchte Verbündete, als letzte Möglichkeit, wo alle Hoffnung auf Flucht verloren war — seiner einzelgängerischen Natur zum Trotz.

Die Tür öffnete sich. Erschrocken fuhr Ista herum. Lord Arhys trat ein und nickte ihr respektvoll zu. Sie sah erleichtert, dass er wieder seine Rüstung trug. Hinter ihm kamen Dienstmägde mit Speisen ins Gemach, ein willkommener Anblick; dann folgte Goram, sichtlich erholt. Er brachte Illvins Kleidung, Waffen und Panzerung.

Umgehend machten Istas Begleiter sich über die Speisen her. Arhys trat an die Bettkante und schaute mit düsterer Miene auf seine Frau. Der Dämon erwiderte den Blick, sagte aber nichts. Ista hoffte, es möge nicht Cattilaras Sehnsucht sein, die sich in seinen Augen spiegelte, und fragte sich, ob ihre Augen genauso ausgesehen hatten, als sie Arhys angeschaut hatte.

»Ist sie wach?« Ratlos spannte Arhys die Hand. »Wie kann ich dann …«

»Cattilara schläft«, ließ Ista ihn wissen. »Wir haben den Dämon zu ihrem Mund gelassen, auf dass er reden kann. Was er auch getan hat.«

»Was ist da draußen aufmarschiert, Arhys?«, wollte Illvin wissen. Abwechselnd schluckte er in Brot gehüllte Fleischstücke und kalten Tee, während er von seinem Knecht angezogen wurde.

»Tausendfünfhundert Jokoner — fünfhundert je Zug —, schätzen die beiden Kundschafter, die zurückgekehrt sind. Da der Belagerungsring um Porifors nun geschlossen ist, habe ich die Hoffnung auf das andere Dutzend Kundschafter aufgegeben. So viele habe ich noch nie verloren.«

»Was ist mit Belagerungsmaschinen?«, fragte Illvin mit vollem Mund. Er stieß den Fuß in einen seiner Stiefel, der ihm vom knienden Goram hingehalten wurde.

»Es wurden keine erwähnt. Versorgungswagen, ja. Aber mehr nicht.«

»Hm.«

Arhys schaute zu Ista hinüber. Sie wusste nicht, was für einen Ausdruck er auf ihrem Gesicht las, doch er versuchte, sie zu beruhigen: »Porifors hat schon früher Belagerungen durchgestanden, Majestät. Die Mauern der Stadt sind ebenfalls gesichert. Zweihundert meiner eigenen Männer sind dort unten, und die Hälfte der Männer in der Stadt sind ehemalige Soldaten. Es gibt Tunnel zwischen uns, um Verstärkung auszutauschen. Fünfzehn Jahre ist es jetzt her — nicht wahr, Illvin? —, dass der Fuchs von Ibra uns mit dreitausend Mann angegriffen hat. Wir haben ihnen einen halben Monat lang standgehalten, bis dy Caribastos und dy Tolnoxo — der Vater des heutigen Herzogs — uns entsetzten.«

»Ich glaube nicht, dass die Jokoner diesmal Belagerungsmaschinen gegen uns einsetzen wollen«, merkte Illvin an. »Ich denke eher, sie werden es mit Zauberern versuchen.« Er gab seinen Bruder eine ungeschminkte Zusammenfassung der Aussage des Dämons. Während er sprach, kämmte Goram — bleich, aber entschlossen — sein Haar zurück und band es im Nacken zu einem festen Knoten. Dann schüttelte er das Kettenhemd aus und richtete es zum Anziehen.

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