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Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]

Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:

Drei Jahre sind in Chalion vergangen, seit Königinwitwe Ista dy Boacia vom Fluch des Wahnsinns befreit wurde, der sie auf dem Stammsitz ihrer Familie gefangen hielt. Doch ihre neu entdeckte Freiheit ist nicht unbeschwert. Ehemann, Eltern und Sohn sind gestorben, und die Tochter lebt meilenweit entfernt am Königshof zu Cardegoss. Somit bleibt Ista allein mit ihren Schuldgefühlen und Geheimnissen — denn sie weiß, was ihr Land an den Rand des Abgrunds führte! Auf der Suche nach Absolution tritt Ista eine Pilgerfahrt an, den Göttern zur Buße und Abbitte. Aber auf sie wartet eine neue Gefahr, die größer ist, als sie ahnen kann: Erneut wird Chalion bedroht, und diesmal von einem heimtückischen Bösen, das nur Ista aufzuhalten vermag…
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»Wenn diese Wahnsinnige Joen tatsächlich ein Dutzend oder mehr Zauberer an Leinen herbeizerrt«, schloss Illvin und schlüpfte in die Rüstung, »kannst du sicher sein, dass sie diese Zauberer auch gegen uns einsetzen will — wenn nicht aus Rache für ihre verlorene Tochter, so doch als Schlag gegen ganz Chalion, um den Angriffsplan Marschall dy Palliars gegen Borasnen zu Fall zu bringen. Ein frühzeitiger und harter Schlag. Und wenn er erfolgreich ist, wird ein Vorstoß nach Nord-Mittelchalion folgen, noch bevor Iselles und Bergons Streitmacht richtig versammelt ist. Jedenfalls würde ich es so anfangen, wäre ich an Stelle der Jokoner. Ich meine, wenn ich nur verrückt wäre, aber nicht dumm

Arhys grinste. »Wie Sordsos Führungsoffiziere derzeit?«

»Zur Mithilfe bereit«, meinte Ista düster. »Einmütig.«

Illvin verzog das Gesicht. Auf Gorams stummes Klopfen hin streckte er den Unterarm aus, und der Knecht schnallte die Armschiene fest.

»Arhys«, fuhr Ista drängend fort. »Trotz Eures merkwürdigen Zustands verfügt Ihr nicht über das zweite Gesicht, oder?«

»Ich habe nichts von dem, was Ihr beschreibt, Majestät. Wenn überhaupt, sehe ich schlechter als zuvor. Nicht verschwommen oder verdunkelt, doch die Farben verschwinden.

Allerdings scheine ich im Dunkeln besser zu sehen als früher. Beinahe ebenso gut wie am Tag.«

»Also habt Ihr nichts von Fürst Sordsos magischem Angriff bemerkt, als ihr auf der Straße aneinander geraten seid?«

»Nein … was habt Ihr gesehen?«

»Das intensive Strahlen, als das ich dämonischen Zauber mit dem inneren Auge wahrnehme. Eine Art sengender Blitz. Sordso jedenfalls hatte offensichtlich erwartet, dass es wie ein sengender Blitz wirken würde. Doch es ging durch Euch hindurch, ohne Schaden anzurichten, als wärt Ihr gar nicht vorhanden.«

Sie schauten beide zu dy Cabon, der unsicher die riesigen Hände öffnete. »In gewisser Hinsicht ist er auch gar nicht vorhanden. Nicht so, wie eine lebende Seele, oder wie ein Dämon. Die wahren verlorenen Geister sind von allen Wirklichkeiten geschieden, sowohl von der Welt der Materie wie auch von der des Geistes.«

»Also ist er gefeit gegen Zauberei?«, setzte Ista an. »Und doch ist es Zauberei, die ihn jetzt erhält. Hochwürden, das verstehe ich nicht.«

»Ich werde darüber nachdenken …«

Plötzlich erschien ein wirres Durcheinander violetter Lichtlinien überall im Raum; das Licht loderte auf und verging. Foix zuckte zusammen. Einen Augenblick später tat das auch jeder andere, als Gefäße mit Tee oder Wein oder Waschwasser umkippten oder zerbrachen oder splitterten. Illvins Tonbecher zerbarst ihm in der Hand, gerade als er ihn an die Lippen hob, und er sprang zurück, um Spritzer auf seinem graugoldenen Wappenrock zu vermeiden.

»Wie es scheint, sind Joens Zauberer nun in Stellung«, stellte Ista tonlos fest.

Mit vor Bestürzung weit aufgerissenen Augen schwang Foix herum. In seinem Innern hatte der Bärenschatten sich aufgerichtet, schien zu tief in der Kehle zu grollen. »Was soll das? Eine Warnung? Wenn sie so etwas tun können, warum lassen sie dann nicht unsere Leiber aufplatzen, oder unsere Kopie, und bringen es zu Ende?«

Dy Cabon hob zitternd die Hand. »Entlaufene Dämonen können nicht unmittelbar töten …«

»Der Todesdämon des Bastards kann es«, wandte Ista ein. »Ich habe es erlebt.«

»Das ist ein ganz besonderer Fall. Die Dämonen, die in die Welt des Stofflichen geflohen sind … nun, sie könnten vielleicht unmittelbar töten, aber … der Tod öffnet ein Portal zu den Göttern. Ob die Seele dieses Portal dann durchschreitet, ist eine Frage der Entscheidung, doch in diesem Augenblick steht das Tor in beide Richtung offen. Und der Dämon könnte wieder eingefangen werden.«

»Aber sie springen davon, wenn ihr Wirt getötet wird …«, bemerkte Foix.

»Ja, aber wenn man mit Zauberei tötet, entsteht eine Verbindung zwischen dem Zauberer und seinem Opfer. Die Anstrengung und Nachwirkungen sollen auch den Zauberer sehr in Mitleidenschaft ziehen.« Nachdenklich hielt er inne. »Wenn natürlich der Zauberer seine Magie benutzt, um Euer Pferd von einer Klippe springen zu lassen, oder wenn er auf eine andere indirekte Weise Euren Tod bewirkt, ist er dieser Gefahr nicht ausgesetzt.«

Ein keuchender Krieger in grauem und goldenem Wappenrock stürmte durch die Tür. »Lord Arhys! Ein jokonischer Unterhändler ist am Tor und fordert Verhandlungen.«

Arhys sog den Atem zwischen den Zähnen ein. »Also tatsächlich eine Warnung. Nun, damit haben sie meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Illvin, Foix, dy Cabon, Majestät … wollt Ihr mich begleiten? Ich brauche Euer Sehvermögen und Euren Rat. Aber haltet Euch hinter den Zinnen in Deckung und außer Sicht, so gut Ihr es vermögt.«

»Ja.« Ista verharrte kurz, löste die Verengung an Cattilaras Hals und stellte sicher, dass der Dämon ruhig blieb. Foix sah ihr schweigend zu, bezog dann schützend Stellung neben Istas Schulter. Liss war in Arhys’ Aufzählung nicht genannt worden, stand aber trotzdem auf, mit gekreuzten Armen und hochgezogenen Schultern, als wolle sie sich klein machen und nicht auflallen.

Illvin schritt hinter Arhys zur Tür. Plötzlich hielt er an und fluchte. »Die Zisternen!«

Arhys wandte den Kopf. Die beiden sahen einander an. Illvin klopfte seinem Bruder auf die Schulter. »Ich sehe nach und treffe dich am Tor.«

»Beeil dich, Illvin.« Arhys bedeutete allen, ihm zu folgen. Illvin wandte sich auf der Galerie zur Seite und lief los.

22

Sie überquerten den blumengeschmückten Innenhof und stiegen hinter Arhys die Treppe hinauf. Über dem Tor gab es eine vorspringende Brüstung. Arhys schob sich an den Armbrustschützen vorbei, die entlang des Wehrgangs standen, stieg auf die Spitze der Zinnen und starrte von dort breitbeinig hinunter. Ista spähte zwischen den ausgezackten Steinen hindurch.

Zur Rechten beschrieb die Straße eine Biegung nach Oby, und dort schlugen die Jokoner ihr Lager auf, in einem Hain aus Walnussbäumen, gerade außerhalb der Schussweite von Armbrüsten oder Katapulten. Zelte wurden aufgestellt und Koppeln zum Festmachen der Pferde vorbereitet. Auf der entfernt liegenden Seite des Haines stellten Diener einige besonders große Zelte aus grünem Tuch auf. Mehrere dieser Männer trugen die Gewänder der Sänftenträger. Zur Linken im Tal rückte eine weitere Kolonne entlang des Flusses vor und bedrohte die Stadtmauern. Dahinter trieb ein Trupp Soldaten geplünderte Schafe und Vieh in die Arme ihrer Marketender — das künftige Abendessen.

Ansonsten wirkte die Landschaft trügerisch friedlich — menschenleer, hoffte Ista. Nur ein paar Scheunen oder weit entfernte Nebengebäude schienen in Flammen zu stehen, vermutlich Schauplätze eines kurzen, verzweifelten Widerstands. Der Feind hatte die Felder nicht oder noch nicht in Brand gesteckt. Gingen sie etwa davon aus, diese Gegend bis zur Erntezeit fest in ihrem Besitz zu haben? Der dritte Heerzug bezog vermutlich Stellung hinter der Burg, entlang der Anhöhe.

Die Zugbrücke war hochgezogen, die Tore der Burg geschlossen. Auf der anderen Seite der tiefen, wasserlosen Kluft, die unterhalb des Walles verlief, stand der Unterhändler der Jokoner, barhäuptig. Ein blauer Wimpel bezeichnete sein Amt und hing in der Nachmittagshitze schlaff vom Speer herab, den er in der Hand hielt. Flankiert wurde der Mann von zwei angespannten Wachen, die meergrüne Wappenröcke über ihre Rüstung trugen.

Als der Unterhändler nach oben blickte, holte Ista scharf Luft. Es war der Offizier, der in dem aus Rauma zurückweichenden Stoßtrupp als Dolmetscher gedient hatte. War seine neue Verpflichtung eine Belohnung oder eine Strafe? Er bemerkte Ista nicht, denn sie stand halb hinter der Mauerkrone verborgen. Doch daran, wie seine Augen sich beunruhigt weiteten, war deutlich zu erkennen, dass er Arhys als den schwertschwingenden Verrückten erkannte, der ihm in jener Schlucht beinahe den Kopf abgeschlagen hätte. Arhys’ versteinerte Miene ließ keinen Schluss darauf zu, ob er dieses Erkennen erwiderte.

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