Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
»Was ist mit der Sicht eines Zauberers?«
»Da bin ich mir nicht sicher. Foix schien nichts dergleichen zu besitzen, bevor ich meine mit ihm geteilt habe. Aber sein Dämon ist noch unerfahren.«
»Huh.« Einen Moment lang stand er da, wirkte zunehmend nachdenklich. »Kommt hier rüber.« Er nahm sie bei der Hand und zog sie zur Westseite des Turmes, von wo aus man den Walnusshain sehen konnte. »Glaubt Ihr, Ihr könnt eine ausführliche Auflistung aller Zauberer von Joen geben? In ihrem Lager, von hier aus?«
Ista blinzelte. »Ich weiß es nicht, ich könnte es versuchen.«
Graue Schatten umspielten die Wurzeln der Bäume, obwohl ihre Wipfel noch immer goldgrün erstrahlten im Licht der untergehenden Sonne. Lagerfeuer funkelten zwischen den Zweigen und den blassen Schemen der zahlreichen Zelte. Die Stimmen der Menschen trugen weit genug, dass sie auf den Mauern noch gehört werden konnten, obwohl man nicht mehr zu verstehen vermochte, was sie auf Roknarisch sagten. Auf der entfernten Seite des Hains erglühte die Ansammlung der großen grünen Zelte mit den bunten Wimpeln dank der Lampen im Innern wie bunte Laternen.
Ista atmete tief durch und ordnete ihre Gedanken. Sie griff mit ihren Sinnen aus, schloss die Augen. Wenn sie Joen oder Sordso von hier aus spüren konnte — konnten diese sie dann auch spüren? Und wenn Joen sie spüren konnte … sie atmete ein weiteres Mal durch und drängte diesen beängstigenden Gedanken beiseite. Entschlossen streckte sie ihre Seele wieder aus.
Mehr als fünfhundert schwache Seelenlichter bewegten sich wie Glühwürmchen zwischen den Bäumen: die jokonischen Soldaten und die Marketender, die ihren üblichen Aufgaben nachgingen. Eine kleine Anzahl Seelen glühte in einem viel heftigeren, unruhigeren Licht. Ja, da waren auch die Leinen, die Schlangen. Sie zuckten von diesen verstreuten Wirbeln aus durch die Luft und liefen alle in einem einzigen dunklen, beunruhigenden Punkt zusammen. Während sie noch zusah, kreuzte sich eine der Linien mit einer anderen, während die Menschen, die daran hingen, sich bewegten. Wie zwei Stränge aus substanzlosem Garn gingen sie durch einander hindurch und verwirrten sich nicht.
»Ja, ich kann sie sehen«, sagte sie Illvin. »Einige sind in Joens Nähe versammelt, andere im ganzen Lager verteilt.« Sie bewegte die Lippen, während sie zählte. »Sechs halten sich bei den Kommandozelten auf, zwölf sind entlang des Saums des Waldes aufgestellt, Porifors gegenüber. Achtzehn insgesamt.«
Sie blinzelte kurz und wandte sich halb um, blickte zum Fluss hinab und auf das zweite Lager der Jokoner, das die Stadt belagerte. Ein weiteres Mal schloss sie die Augen. Dann drehte sie sich vollends herum und wandte sich dem Biwak des dritten Heerzuges zu, der sich entlang der Anhöhe östlich der Burg aufgestellt hatte, die Straße nach Oby abschnitt und den Oberlauf des Flusses kontrollierte. »Alle Zauberer befinden sich im Hauptlager bei Joen. Ich sehe keine Bänder zu den beiden anderen Lagern. Ja, natürlich. Sie möchte all ihre Zauberer so gut im Auge behalten wie möglich.«
Ista vollendete ihre Drehung und öffnete die Augen wieder. »Die meisten Zauberer scheinen in Zelten untergebracht zu sein. Einer steht unter einem Baum und blickt hierhin.« Seinen materiellen Körper konnte sie durch die Zweige hindurch nicht sehen, aber sie konnte genau sagen, welcher Baum es war.
»Hm«, sagte Illvin und blickte über die Schulter. »Kann Foix sagen, was was ist? Wer ein Zauberer ist und wer nicht?«
»O ja. Jetzt kann er es. Mit mir zusammen sah er die Zauber aufleuchten, als die Tassen zerbrochen sind — und dann wieder, als wir auf der Mauer standen und es weiterging.« Misstrauisch schaute sie über die Schulter zurück in Illvins angespanntes, verschlossenes Gesicht. Seine Augen blickten nachdenklich. Er schien irgendeiner Vorstellung nachzugehen, die ihm keine große Freude bereitete. »Woran denkt Ihr?«
»Ich denke … dass Eurer Aussage nach Arhys anscheinend immun ist gegen Zauberei, aber dass die Zauberer nicht immun sind gegen Stahl. Wie Cattilara an der unglücklichen Umerue bewiesen hat. Wenn Arhys sie in einen Nahkampf verwickeln könnte, und nur sie, und wenn er den anderen tausendfünfhundert Jokonern rund um Porifors irgendwie aus dem Weg gehen könnte …« Er holte Luft und wirbelte herum. »Liss.«
Sie fuhr hoch. »Lord Illvin?«
»Such meinen Bruder und frag ihn, ob er zu uns heraufkommen kann. Hol auch Foix, wenn er sich auffinden lässt.«
Sie nickte, ein wenig überrascht, und eilte die Wendeltreppe des Turmes hinunter. Illvin starrte über das Lager von Fürst Sordso und Fürstin Joen hinweg, als müsse er sich jede Einzelheit einprägen. Ista stützte sich an seiner Seite auf die Brüstung und musterte sein Profil, das plötzlich abwesend wirkte.
Er erwiderte ihren Blick und lächelte entschuldigend. »Ein Gedanke beschäftigt mich. Ich fürchte, Ihr werdet feststellen, dass ich sehr leicht abzulenken bin.«
So würde sie ihn nicht beschreiben, aber sie erwiderte sein Lächeln kurz und versuchte, ihn zu bestärken.
Allzu bald erklangen Schritte auf der Treppe. Arhys trat in das leuchtende Zwielicht heraus, gefolgt von Liss und Foix. Im Augenblick sah er kaum mehr nach einer Leiche aus als irgendein anderer in Porifors, doch seinem Gesicht fehlte der übliche Schweißfilm. Foix’ Gelassenheit verbarg eine tiefe Erschöpfung. Den ganzen Nachmittag hatte er sich ungeschickt bemüht, überall in der Burg die Auswirkungen der Zauberei rückgängig zu machen, doch mit wenig Erfolg. Dy Cabon hatte den Versuch von vornherein für aussichtslos erklärt, aus verschiedenen theologischen Gründen, denen keiner zuhörte, und doch hatte er selbst um Foix’ Hilfe gebeten, als er sich mit den steigenden Anforderungen durch die Kranken konfrontiert sah.
»Arhys, komm her«, sagte Illvin. »Schau dir das an.« Sein Bruder schloss sich ihm an der westlichen Brüstung an. »Die fünf Götter wissen, dass wir uns mit dem Gelände hier auskennen. Königin Ista sagt, dass in Joens Rudel insgesamt nur achtzehn Zauberer sind. Ein Dutzend von ihnen befindet sich an der Vorderseite des Lagers, hier …«, seine Hand beschrieb einen Bogen, »sechs weitere in den Kommandozelten, ein sehr viel besser bewachter Bereich, wie ich fürchte. Mit einem großen Kreis können wir sie alle erwischen, wenn wir schnell genug sind. Wie viele Zauberer, glaubst du, kannst du mit der Klinge herausschneiden?«
Arhys hob die Brauen. »So viele ich erreichen kann, nehme ich an. Aber ich bezweifle, dass sie einfach nur herumstehen und warten, während wir auf sie zu galoppieren. Sobald sie auf die Idee kommen, unsere Pferde zu Fall zu bringen, sind wir auf unsere Füße angewiesen.«
»Was ist, wenn wir bei Dunkelheit angreifen? Du hast gesagt, dass du inzwischen im Dunkeln besser sehen kannst als andere Menschen.«
»Hm.« Arhys musterte den Hain genauer.
»Majestät.« Illvin wandte sich ihr eindringlich zu. »Was geschieht, wenn ein angeleinter Zauberer erschlagen wird?«
Ista runzelte die Stirn. »Ihr habt es selbst gesehen. Der Dämon springt zum nächsten Wirt, den er erreichen kann, und alles, was er schon von der Seele geschluckt hat, nimmt er mit sich. Der Körper stirbt. Was das Schicksal der verbliebenen Teile der Seele des Zauberers ist, das weiß ich nicht.«
»Noch etwas …«, sagte Illvin, und Erregung lag in seiner Stimme. »Die Leine zerreißt. Oder zumindest … Cattilaras Dämon hat sich bei Umerues Tod ihrer Kontrolle entzogen. Mehr noch: Im selben Moment wurde aus dem freien Dämon ein aufsässiger Feind Joens, entschlossen, so schnell wie möglich vor ihr zu fliehen. Wie viele Dämonen müssen wir aus Joens Schlachtordnung herauslösen — worauf sie sich auf unvorbereitete Wirte stürzen, oder sich sogar gegen ihre frühere Meisterin wenden —, ehe sie zu einem ungeordneten Rückzug gezwungen ist?«
»Wenn sie nicht noch weitere Dämonen in Reserve hält, die sie anspannen kann wie frische Pferde«, merkte Arhys an.