Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Von Offenburg aus wird General Caulaincourt seine Patrouillen auf Ettenheim ausdehnen, bis General Ordener dort eingetroffen sein wird. Beide werden einander unterstützen. Gleichzeitig wird der Divisionsgeneral dreihundert Kavalleristen bei Kehl über den Rhein setzen lassen, zusammen mit vier leichten Artilleriegeschützen, und er wird einen Posten leichte Kavallerie nach Willstätt schicken, dem Verbindungspunkt zwischen den zwei Routen.
Die Generäle werden auf äußerste Disziplin achten und darauf, dass die Truppen den Bewohnern nicht zur Last fallen; zu diesem Zweck werden Sie sie mit zwölftausend Francs ausstatten.
Sollten sie ihre Aufgabe nicht erfüllen können und die Hoffnung hegen, nach drei oder vier Tagen Aufenthalt und Patrouillen Erfolg zu haben, sind sie hiermit ermächtigt, so zu handeln.
Sie werden den Amtmännern der beiden Städte bekannt geben, dass diese sich großem Ungemach aussetzen werden, wenn sie weiterhin den Feinden Frankreichs Unterschlupf gewähren.
Sie werden anordnen, dass der Kommandant von Neu-Breisach hundert Mann mit zwei Kanonen auf dem rechten Rheinufer Position beziehen lässt.
Die Posten von Kehl werden ebenso wie die am rechten Rheinufer abgezogen, sobald die beiden Detachements zurückgekehrt sein werden.
General Caulaincourt wird ungefähr dreißig Gendarmen bei sich haben; im Übrigen werden sich General Caulaincourt, General Ordener und der Divisionsgeneral miteinander beraten und die Veränderungen vornehmen, die ihnen die Umstände geraten erscheinen lassen.
Sollten in Ettenheim weder Dumouriez noch der Herzog von Enghien vorzufinden sein, wird man durch einen Sonderkurier vom Stand der Dinge Bericht erstatten.
Sie werden anordnen, dass der Postmeister von Kehl und andere Personen, die über Obiges Mitteilung machen könnten, festzunehmen sind.
BONAPARTE
Kaum hatte er dieses Dokument unterzeichnet, wurde ihm der Citoyen Chateaubriand angekündigt.
Wie gesagt war Monsieur de Chateaubriand gleichen Alters mit Bonaparte – beide waren damals fünfunddreißig Jahre alt. Beide waren klein, beinahe von gleicher Größe. Bonaparte hielt sich aufrecht und reckte den Kopf, Monsieur de Chateaubriand, der ohne seine schlechte Körperhaltung größer gewesen wäre, zog den Kopf zwischen die Schultern, eine Marotte, die, wenn man seinen Erinnerungen Glauben schenken will, bei Nachfahren kriegerischer Familien, deren Ahnen lange Zeit dem Militär angehörten, äußerst verbreitet ist.
Alle, welche die Ehre hatten, Monsieur de Chateaubriand zu kennen, werden, dafür lege ich die Hand ins Feuer, mit mir darin übereinstimmen, dass sie einem vergleichbaren Hochmut niemals begegnet sind – mit Ausnahme Bonapartes.
Der Hochmut des Verfassers des Geistes des Christentums überlebte alles: den Verlust seines Vermögens, den Verlust der politischen Ämter und literarischen Ehren, die er bekleidet hatte. Und in diesem Augenblick des Triumphs muss sein Hochmut unfassbar gewesen sein.
Bonaparte wiederum trennte nur mehr ein Schritt von der höchsten gesellschaftlichen Stellung, die ein Mensch erreichen kann, und sein Hochmut erlaubte keinen Vergleich zwischen ihm und anderen, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Leviathan und Behemoth fanden sich einander von Angesicht zu Angesicht gegenüber.
»Wohlan, Monsieur de Chateaubriand«, sagte Bonaparte und trat auf ihn zu, »Sie sehen, dass ich Sie nicht vergessen habe.«
»Ich danke Ihnen, Citoyen Erster Konsul. Sie haben verstanden, dass es Menschen gibt, die nur an dem Platz, der ihnen gebührt, etwas taugen.«
»Anders gesagt«, sagte Bonaparte, »habe ich mich der Worte Cäsars erinnert: ›Lieber der Erste in einem Dorf sein als Zweiter in Rom.‹ Ich nehme an«, fuhr er fort, »dass es für Sie bei meinem verehrten Onkel nicht allzu vergnüglich war zwischen dem kleinkrämerischen Gezänk des Kardinals, dem vornehmtuerischen Bramarbasieren des Bischofs von Châlons und den unvermeidbaren Eiertänzen des baldigen Bischofs von Marokko.«
»Sie meinen Abbé Guillon«, sagte Chateaubriand.
»Sie kennen seine Geschichte«, erwiderte Bonaparte. »Nachdem er sich die Namensähnlichkeit mit dem Lyoner Eidverweigerer zunutze gemacht hat, gibt er vor, er sei dem Massaker im Carmes-Gefängnis wie durch ein Wunder entkommen, nachdem er in La Force Madame de Lamballe die Beichte abgenommen hatte. Kein Wort davon ist wahr... Womit haben Sie sich die Zeit vertrieben?«
»Ich lebte mit den Toten, soviel ich konnte. Ich tat alles, was die Fremden tun, die nach Rom gehen, um dort zu träumen. Rom selbst ist ein Traum, den man im Mondschein erleben muss: Von der Piazza Trinitá dei Monti erscheinen die fernen Gebäude wie Skizzen eines Malers oder wie von Bord eines Schiffes aus gesehene umnebelte Meeresgestade. Das Gestirn der Nacht, dieser Himmelskörper, den man für eine untergegangene Welt halten könnte, warf seine bleichen Strahlen auf die Einöden Roms. Er erleuchtete die menschenleeren Straßen, die Winkel, die Plätze, die Gärten, in denen niemand weilte, die Klöster, die so stumm und unbewohnt wirkten wie die Säulengänge des Kolosseums.
Ich fragte mich, was sich zu solcher Stunde an diesen Stätten vor achtzehn Jahrhunderten ereignet haben mochte. Welche Menschen überquerten hier den Schatten jenes Obelisken, der nun nicht mehr auf ägyptischen Wüstensand fiel? Nicht nur das antike Italien, auch das Italien des Mittelalters ist verschwunden. Dennoch ist die Ewige Stadt von den Spuren beider Italien geprägt. Wenn das moderne Rom seinen Petersdom und seine Meisterwerke vorweist, stellt ihm das antike Rom sein Pantheon und seine Ruinen entgegen; wenn jenes seine Konsuln vom Kapitol herabsteigen lässt, bringt dieses seine Päpste aus dem Vatikan herbei; der Tiber trennt diese in denselben Staub gebettete Pracht: Das heidnische Rom versinkt immer tiefer in seinen Gräbern, und das christliche Rom steigt allmählich in seine Katakomben zurück.«
Bonaparte hatte dieser poetischen Beschreibung Roms mit verträumter Miene gelauscht; seine Ohren hatten vernommen, was der Dichter sagte, doch sein Blick richtete sich ganz augenscheinlich in weitere Ferne.
»Monsieur«, sagte er, »begäbe ich mich nach Rom, insbesondere als Mitglied der französischen Gesandtschaft, sähe ich in Rom etwas anderes als die Stadt Cäsars, Diokletians oder Gregors VII.; ich sähe in ihr nicht allein die Erbin von sechstausend Jahren Geschichte, die Mutter der römischen Welt, anders gesagt: des größten Weltreiches, das es jemals gab, sondern ich sähe in ihr vor allen anderen Dingen die Königin des Mittelmeerraums, dieses großartigen, unvergleichlichen, von der Vorsehung geschenkten Gebiets, geprägt von den Zivilisationen aller Zeiten und Garant der Einheit aller Länder, dieses Spiegels, in dem sich Marseille, Venedig, Korinth, Athen, Konstantinopel, Smyrna, Alexandria, Kyrene, Karthago und Cadiz spiegeln durften und um das herum die drei Teile der Alten Welt Europa, Afrika und Asien aneinandergrenzen.
Dank dieser Stadt könnte derjenige, der über Rom und Italien gebietet, sich in jede Richtung und an jeden Ort begeben: über die Rhône in das Herz Frankreichs, über den Eridanos in das Herz Italiens, über die Meerenge von Gibraltar in den Senegal, zum Kap der Guten Hoffnung, in die beiden Amerikas, über die Dardanellen in das Marmarameer, zum Bosporus, zum Pontos Euxeinos, das heißt in das Land der Tataren, über das Rote Meer nach Indien, Tibet, Afrika, zum pazifischen Ozean, anders gesagt zur Unendlichkeit, über den Nil nach Ägypten, nach Theben, Memphis, Elephantine, nach Äthiopien, in die Wüste, anders gesagt, in das Unbekannte. In Erwartung künftiger Größe, die jene Cäsars oder Karls des Großen vielleicht übertreffen wird, wuchs die heidnische Welt um dieses Meer. Die Christenheit hat sie für einen Augenblick umarmt. Alexander, Hannibal, Cäsar wurden an ihrem Rand geboren. Vielleicht wird man eines Tages sagen: ›Bonaparte wurde mitten darin geboren!‹ Mailands Echo lautet ›Karl der Große‹, das von Tunis lautet ›Sankt Ludwig‹. Die Invasionen der Araber haben sich am einen Ufer des Meeres ereignet, die Kreuzzüge am anderen. Seit dreitausend Jahren erhellt die Zivilisation diesen Raum. Und seit achtzehn Jahrhunderten beherrscht ihn der Kalvarienberg!