Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
Wortlos öffnete er sein Portefeuille und begann, zwischen den Papieren darin zu suchen. Fouché blickte ihm über die Schulter, deutete mit dem Finger auf einen Bogen und sagte: »Das ist es.«
Bonaparte betrachtete mit unverhohlenem Erstaunen den Mann, der besser als die anderen mit dem Inhalt ihrer Portefeuilles vertraut war.
Das Protokoll enthielt die gravierendsten Aussagen. Le Ridant gestand eine Verschwörung, behauptete, ein Prinz stehe an der Spitze des Komplotts, sei bereits in Paris gewesen und werde aller Wahrscheinlichkeit nach wiederkommen. Außerdem habe er bei Georges einen jungen Mann von zweiunddreißig Jahren gesehen, wohlerzogen, elegant gekleidet, Gegenstand allgemeiner Ehrerbietung, vor dem jedermann, sogar Pichegru, den Hut gezogen habe.
Bonaparte gebot Réal innezuhalten. »Genug, meine Herren, genug!«, sagte er. »Es steht außer Frage, dass der junge Mann, dem die Verschwörer so viel Ehrerbietung bezeigen, keiner der Prinzen aus London sein kann, denn die Klippe von Biville wurde einen ganzen Monat lang von Savary bewacht. Es kann sich nur um den Herzog von Enghien handeln, der in achtundvierzig Stunden von Ettenheim nach Paris kam und im gleichen Zeitraum von Paris nach Ettenheim zurückkehrte, nachdem er sich kurz mit seinen Komplizen beraten hatte. Das gesamte Vorhaben wird unstreitig immer klarer«, fuhr er fort. »Der Graf von Artois sollte mit Pichegru über die Normandie kommen, der Herzog von Enghien mit Dumouriez aus dem Elsass. Als Vorhut für ihre Rückkehr nach Frankreich wollten die Bourbonen zwei der berühmtesten Generäle der Republik einsetzen. Man rufe die Obersten Ordener und Caulaincourt.«
Begreiflicherweise wagte niemand mehr, sich den Plänen des Ersten Konsuls unmittelbar oder auch nur indirekt zu widersetzen, nachdem er seine Meinung so unumwunden ausgesprochen hatte.
Konsul Lebrun erhob einige unbestimmte Einwendungen, denn er fürchtete die Reaktionen, die Bonapartes Durchgreifen in Europa hervorrufen musste. Cambacérès appellierte abermals an die Großmut des Ersten Konsuls und bat um Milde, obwohl Bonaparte ihm so hässlich über den Mund gefahren war, doch dieser erwiderte lediglich: »Lassen Sie es gut sein, ich weiß, was Sie so sprechen macht, es ist Ihre Ergebenheit, und dafür danke ich Ihnen; aber ich werde mich nicht ermorden lassen, ohne mich zu wehren; ich werde all diese Leute das Zittern lehren und ihnen beibringen, Ruhe zu geben.«
Das Gefühl, das in diesem Augenblick in Bonapartes Geist vorherrschte, war weder Besorgnis noch Rachsucht, sondern die Entschlossenheit, ganz Frankreich zu zeigen, dass das Blut der Bourbonen, das ihren Parteigängern heilig war, für ihn nicht heiliger war als das jeder anderen Persönlichkeit der Republik.
»Aber«, fragte Cambacérès, »zu welcher Entscheidung sind Sie nun gelangt?«
»Das ist recht einfach«, sagte Bonaparte, »zu der, den Herzog von Enghien auszuheben und die Sache zu beenden.«
Man schritt zur Abstimmung. Cambacérès wagte als Einziger, bis zuletzt seinen Widerstand aufrechtzuerhalten.
Nachdem der Beschluss von dem versammelten Staatsrat gefasst worden war und Bonaparte somit nicht allein die Verantwortung dafür trug, ließ er die Obersten Ordener und Caulaincourt hereinholen, die im Vorzimmer warteten.
Oberst Ordener sollte zum Rheinufer aufbrechen und dreihundert Dragoner, mehrere Brigaden Gendarmen und einige Pontoniere mitnehmen, versehen mit Lebensmitteln für vier Tage und mit einem Geldbetrag von dreißigtausend Francs, damit er und seine Begleitung auf keinen Fall der Bevölkerung zur Last fielen. Sie sollten den Rhein bei Rheinau überschreiten, direkten Weges nach Ettenheim marschieren, die Ortschaft umstellen und den Herzog von Enghien mitsamt allen Emigranten in seiner Begleitung, insbesondere Dumouriez, gefangen nehmen.
Unterdessen sollte sich ein zweites Detachement unter Oberst Caulaincourt, verstärkt durch einige Artilleriegeschütze, über Kehl nach Offenburg begeben und dort warten, bis der Herzog französisches Territorium erreichte. Sobald der Oberst diese Nachricht erhalten hatte, sollte er den Markgrafen von Baden aufsuchen und ihm eine Note überreichen, die erklärte, was man soeben getan hatte.
Es war acht Uhr. Bonaparte entließ den versammelten Staatsrat, und als fürchte er, sich eines Besseren zu besinnen, befahl er den zwei Obersten, denen ihre Mission den Titel General verlieh, noch am selben Abend aufzubrechen.
Als Bonaparte allein war, zeigte seine Miene einen Ausdruck des Triumphs; die Tat, die für ihn ein Gegenstand ständiger Reue sein musste, war sie erst vollbracht, flößte ihm in dem Augenblick, in dem sie beschlossen war, nur das Gefühl befriedigter Eitelkeit ein; sein Blut war dem von Prinzen und Königen gleich, da niemand, nicht einmal ein gekrönter Prinz, das Recht hatte, es zu vergießen.
Er sah auf die Uhr, die ein Viertel nach acht anzeigte. Monsieur de Méneval, sein neuer Sekretär, Bourriennes Nachfolger, der dieser befremdlichen Sitzung beigewohnt hatte, war geblieben für den Fall, dass der Erste Konsul Befehle für ihn hatte.
Bonaparte trat zu dem Tisch, an dem sein Sekretär saß, berührte die Tischplatte mit einem ausgestreckten Finger und sagte schroff: »Schreiben Sie!«
Der Erste Konsul an den Kriegsminister,
Paris, 19. Ventôse des Jahres XII (10. März 1804)
Citoyen General, haben Sie die Güte, General Ordener, den ich zu diesem Zweck zu Ihrer Verfügung stelle, zu befehlen, sich heute Nacht zum Dienst nach Straßburg zu begeben; er wird dort unter fremdem Namen logieren und beim Divisionsgeneral vorstellig werden.
Der Zweck seiner Mission ist es, sich nach Ettenheim zu begeben, die Stadt zu umzingeln und den Herzog von Enghien, Dumouriez, einen englischen Obersten und jedes weitere Individuum auszuheben, das sich bei ihnen befinden mag. Der Divisionsgeneral, der Quartiermeister der Gendarmerie, die Ettenheim ausgekundschaftet hat, und der Polizeikommissar werden ihm alle erforderlichen Auskünfte erteilen.
Sie werden General Ordener anweisen, aus Schlettstadt dreihundert Mann des sechsundzwanzigsten Dragonerregiments ausrücken zu lassen, die sich nach Rheinau begeben, wo sie um acht Uhr abends eintreffen.
Der Divisionskommandant wird elf Pontoniere nach Rheinau entsenden, die ebenfalls um acht Uhr abends eintreffen und zu diesem Zweck die Eilpost oder Pferde der leichten Artillerie nehmen werden, unabhängig von der Rheinfähre. Man wird Sorge getragen haben, dass vier oder fünf große Schiffe vorhanden sind, mit denen dreihundert Pferde auf einmal übergesetzt werden können.
Die Truppen werden sich mit Brot für vier Tage und mit genügend Munition versorgen. Der Divisionsgeneral wird ihnen einen Hauptmann oder einen Offizier mitgeben, einen Gendarmerieleutnant und drei oder vier Gendarmeriebrigaden. Hat General Ordener den Rhein überquert, wird er Ettenheim aufsuchen und sich dort zum Haus des Herzogs und dem Haus Dumouriez’ begeben. Sobald diese Expedition beendet ist, wird er nach Straßburg zurückkehren.
In Lunéville wird General Ordener anordnen, dass sich der Karabinieroffizier, der die Ersatzkompanie in Ettenheim befehligte, auf Posten nach Straßburg begibt, wo er seine Ordres erwartet.
In Straßburg wird General Ordener unter höchster Geheimhaltung zwei zivile oder militärische Polizeispitzel losschicken, nachdem er mit ihnen vereinbart hat, wo sie sich ihm anschließen werden.
Sie werden Ordre geben, dass sich am selben Tag zur selben Zeit zweihundert Mann des sechsundzwanzigsten Dragonerregiments unter dem Befehl General Caulaincourts nach Offenburg aufmachen, um die Stadt zu umzingeln und die Baronin von Reich festzunehmen, sofern sie nicht schon in Straßburg gefasst wurde, sowie weitere Agenten der englischen Regierung, über welche der Präfekt des Departements Bas-Rhin, der sich zur Zeit in Straßburg befindet, ihm Auskunft erteilen wird.