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Der Graf von Sainte-Hermine

Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:

Hector de Sainte-Hermine sitzt zwischen den Stühlen: Er hat geschworen, seine Familie zu rächen, die von der Französischen Revolution ausgelöscht wurde, doch irgendwie begeistert ihn dieser Napoleon Bonaparte auch, der Frankreich nun mit großem Enthusiasmus regiert. Seine Zerrissenheit führt ihn in die entlegensten Ecken der Welt, als Freibeuter, Abenteurer und schließlich als Waffengefährte Napoleons in die Schlacht von Trafalgar. Der letzte und unvollendete Roman von Alexandre Dumas wartet mit allem auf, was man vom Großmeister der Mantel-und-Degen-Geschichten erwartet: Rasante Kampfszenarien und romantisch-sehnsüchtigen Liebesgeschichten wechseln sich ab mit politischen und philosophischen Ausführungen. Erst 1990 wurde die Manuskripte des als Fortsetzungsroman angelegten Buchs entdeckt, der französische Forscher Claude Schopp puzzelte die Einzelteile zusammen. Er versah die Erzählung dann auch mit einem Anhang, der dem scheinbar auf ewig unvollendeten Roman doch noch ein würdiges Ende setzt. Spannender Lesestoff, der bald verfilmt werden dürfte - wahrscheinlich mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle.
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
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Der Vorsitzende des Gerichts, General Hulin, hatte eine ungewöhnliche militärische Laufbahn hinter sich. Er war Schweizer, 1758 in Genf geboren, und wie alle Genfer zum Uhrmacher ausgebildet. Der Marquis von Conflans, von seiner Körpergröße und seinem hübschen Gesicht eingenommen, hatte ihn zu seinem Leibjäger gemacht. Als bei der Erstürmung der Bastille die ersten Schüsse fielen, war er in seinem prachtvollen bestickten Anzug herbeigelaufen, und man hatte ihn für einen General gehalten. Er hatte diesen Irrtum nicht korrigiert, hatte sich an die Spitze eines Pelotons besonders Mutiger gestellt und war als einer der Ersten in den Hof des königlichen Kerkers eingezogen. Seitdem trug er den Titel eines Obersten, den ihm niemand streitig machte, und vor Kurzem erst hatte er sein Generalspatent erhalten. Der Mut, den er bezeigt hatte, war umso erstaunlicher, als er sich nach beendetem Kampf sofort auf die Seite des Gouverneurs de Launay geschlagen und diesen so lange wie möglich verteidigt hatte, bis er selbst unter dem Ansturm der Gegner zusammenbrach; er hatte, wie man weiß, nicht verhindern können, dass der arme Offizier in Stücke gerissen wurde.

Vielleicht war er der Menschlichkeit wegen, die er damals bezeigt hatte, zum Vorsitzenden des Tribunals ernannt worden, das über den Herzog von Enghien zu richten hatte.

Der Herzog wurde von ihm nochmals mit aller nur erdenklichen Rücksicht verhört, doch für ein Kriegstribunal gab es nur eines zu tun: den Herzog, falls für unschuldig befunden, aus Vincennes zu entfernen, für schuldig befunden aber der Urteilsvollstreckung zuzuführen.

Hier nun der Wortlaut des Urteils:

1. Das Tribunal erklärt Louis-Antoine-Henri de Bourbon, Herzog von Enghien, einstimmig für schuldig, bewaffnet gegen die Französische Republik gekämpft zu haben;

2. einstimmig für schuldig, seine Dienste der englischen Regierung angeboten zu haben, der Feindin des französischen Volkes;

3. einstimmig für schuldig, Spitzel besagter englischer Regierung empfangen und mit Empfehlungen versehen zu haben, ihnen dazu verholfen zu haben, in Frankreich Erkundungen zu betreiben, und mit ihnen gegen die innere und äußere Sicherheit des Staates konspiriert zu haben;

4. einstimmig für schuldig, sich an die Spitze einer Zusammenrottung französischer Emigranten und anderer Subjekte im Sold Englands begeben zu haben, die sich an Frankreichs Grenzen in Freiburg und Baden gebildet hat;

5. einstimmig für schuldig, in Straßburg Spionage betrieben zu haben, um die benachbarten Departements in Aufruhr zu versetzen und eine Diversion zu bewirken, die England nützen würde;

6. einstimmig für schuldig, Helfershelfer und Komplize der Verschwörung zu sein, die von den Engländern gegen das Leben des Ersten Konsuls angestiftet wurde, verbunden mit dem Vorhaben, im Falle des Gelingens der Verschwörung Frankreich zu betreten.

Nach dem Verhör stellte der Vorsitzende die letzte Frage nach der Strafe. Diese Frage wurde wie erwartet beantwortet, und einstimmig verurteilte das Militärtribunal Louis-Antoine-Henri de Bourbon, Herzog von Enghien, zum Tode für die Verbrechen der Spionage, der Verständigung mit den Feinden der Republik und der Attentate auf die innere und äußere Sicherheit des Staates.

Ein befremdlicher Nebenumstand war, dass die Mitglieder des Tribunals sich anfangs nicht zurechtgefunden hatten, weil keinem von ihnen mitgeteilt worden war, in welcher Sache man sie zusammengerufen hatte. Einer von ihnen hatte über eine Stunde auf Einlass warten müssen. Ein anderer hatte aufgrund des Befehls, sich unverzüglich nach Vincennes zu begeben, angenommen, er sei verhaftet, und hatte gefragt, wohin er sich zu wenden habe, um seine Haft anzutreten.

Was das Begehren des Herzogs nach einer Audienz bei Bonaparte betraf, erbot sich ein Mitglied des Tribunals an, es der Regierung zu übermitteln.

Das Tribunal stimmte zu, doch ein Uniformierter, der hinter dem Sessel des Vorsitzenden gewartet hatte und offenbar den Ersten Konsul vertrat, erklärte, dieses Begehren sei nicht angebracht; das Tribunal vertagte die Entscheidung und behielt sich vor, nach Verkündung des Urteilsspruchs darauf zurückzukommen.

Nach ergangenem Urteil griff General Hulin zur Feder, um Bonaparte das Begehren des Herzogs von Enghien mitzuteilen.

»Was tun Sie da?«, fragte ihn derjenige, der das Begehren als nicht angebracht bezeichnet hatte.

»Ich schreibe an den Ersten Konsul«, erwiderte Hulin, »um ihm den Wunsch des Tribunals und des Verurteilten mitzuteilen.«

»Ihre Arbeit ist getan«, sagte der andere und nahm Hulin die Feder aus der Hand. »Alles Weitere ist meine Sache.«

Nachdem Savary (denn um ihn handelte es sich) der Urteilsverkündung beigewohnt hatte, begab er sich zu den Elitegendarmen auf dem Platz vor dem Schloss.

Der befehlshabende Offizier kam mit Tränen in den Augen zu ihm und sagte, er habe Befehl, einen Pfahl aufzustellen, damit das Urteil des Militärtribunals vollzogen werden könne.

»Dann tun Sie es«, sagte Savary.

»Aber wo soll ich das tun?«

Und wahrhaftig waren die Gemüsebauern aus der Umgebung von Paris schon unterwegs zu den verschiedenen Märkten.

Der Offizier untersuchte die Örtlichkeiten und entschied sich für den Festungsgraben als sichersten Ort.

Nachdem die Sitzung des Tribunals beendet war, ging der Herzog in sein Zimmer zurück, legte sich zu Bett und schlief ein.

Er lag in tiefem Schlaf, als man ihn weckte. Sein Urteil sollte verlesen und vollstreckt werden. Da das Urteil am Ort der Exekution zu verlesen war, forderte man den Herzog auf, sich anzukleiden und mitzukommen.

Er ahnte so wenig, dass man ihn in den Tod führte, dass er im Hinuntersteigen der Treppe zum Festungsgraben fragte: »Wohin gehen wir?«

Als er die Kälte von unten heraufsteigen spürte, drückte er die Hand des Kommandanten, der die Laterne trug, und fragte im Flüsterton: »Will man mich etwa in ein Verlies werfen?«

Schon bald wurde ihm alles klar, ohne dass jemand ein Wort sagen musste.

Im Licht der Laterne, die Harel hielt, wurde ihm das Urteil verkündet. Er hörte unbewegt zu. Dann nahm er einen Brief aus der Tasche, den er zweifellos in Vorausahnung des Kommenden geschrieben hatte. Dieser Brief enthielt eine Locke seines Haars und einen goldenen Ring. Er übergab ihn Leutnant Noirot, demjenigen der Offiziere, mit dem er seit seiner Ankunft in Vincennes am meisten zu tun gehabt hatte und der ihm am freundlichsten erschienen war.

Der Kommandant, der den Schießbefehl geben sollte, fragte den Herzog, ob er bereit sei niederzuknien.

»Wozu?«, fragte der Herzog.

»Um zu sterben.«

»Ein Bourbone«, erwiderte der Herzog von Enghien, »kniet vor niemandem nieder als vor Gott.«

Die Soldaten traten einige Schritte zurück, und dabei wurde die Grube sichtbar.

Im gleichen Augenblick lief der kleine Hund des Herzogs, der ihn von Ettenheim bis hierher begleitet hatte, herbei und sprang unter Freudengebell zwischen seinen Beinen umher.

Der Fürst bückte sich, um ihn zu streicheln, und als er sah, dass die Soldaten anlegten, sagte er: »Kümmern Sie sich um meinen armen Fidèle, das ist alles, was ich verlange«, und dann richtete er sich auf: »Ich bin bereit, meine Herren, tun Sie Ihre Pflicht!«

Die vier Befehle: »Macht euch bereit!«, »Erhebt das Gewehr«, »Legt an!« und »Feuer!« ertönten in schneller Folge; Schüsse hallten wider, und der Herzog fiel zu Boden.

Man legte ihn angekleidet in die im Voraus ausgehobene Grube, und in wenigen Augenblicken war der Leichnam mit Erde bedeckt und die Soldaten traten die Erde fest, um die Spuren im Rasen zu verwischen.

Kaum war das Urteil gesprochen, wollten die Mitglieder des Tribunals Vincennes so schnell wie möglich verlassen. Jeder rief nach seinem Wagen, doch da am Ausgang des Schlosses ein Durcheinander entstanden war, konnte keiner derjenigen, die am Tod des unglücklichen Fürsten mitgewirkt hatten, den Ort verlassen, bevor die Gewehrschüsse ertönten, die verkündeten, dass alles zu Ende war.

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