Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Humbug! Fahre nirgendwo hin. Bleibe hier und verteidige die Linien!«
»Dann fahren wir eben ohne dich«, sagte sie. »Den Geistern muß unbedingt gehorcht werden. Baine, wann geht der nächste Zug nach Coventry?«
»Neun Uhr vier, Madame«, erwiderte Baine wie aus der Pistole geschossen.
»Ausgezeichnet«, sagte Mrs. Mering und drehte dem Colonel den Rücken zu. »Machen Sie die Kutsche für viertel nach acht bereit. Um halb neun fahren wir zum Bahnhof.«
Baine war rechtzeitig bereit, aber wir nicht. Und um halb zehn auch nicht. Und um zehn ebensowenig. Glücklicherweise fuhren um neun Uhr neunundvierzig, zehn Uhr siebzehn und elf Uhr fünf auch noch Züge, welche Baine, das wandelnde Kursbuch, bei jeder Verzögerung, die eintrat, prompt herunterratterte.
Und an Verzögerungen gab es einiges. Mrs. Mering erklärte, durch die morgendliche Aufregung fühle sie sich ganz schwach, und sie könne nicht fahren, ohne vorher ein stärkendes Frühstück bestehend aus Blutwurst, Kedgeree und gefüllter Hühnerleber gegessen zu haben. Tossie konnte ihre lavendelfarbenen Handschuhe nicht finden, und Jane brachte den falschen Schal. »Nein, nein, der Kaschmirschal ist zu warm für Juni«, meinte Mrs. Mering. »Holen Sie den Schal mit dem Schottenmuster, den aus Dunfermline.«
»Wir werden Mr. C verpassen«, sagte Verity, die in der Halle wartete, während Mrs. Mering zum wiederholten Male den Hut wechselte.
»Nein, bestimmt nicht«, sagte ich. »In einer halben Stunde brechen wir auf und erreichen noch den Zug um elf Uhr sechsundzwanzig. Das Tagebuch sagte nichts über die Uhrzeit. Beruhigen Sie sich.«
Verity nickte. »Ich habe über des Bischofs Vogeltränke nachgedacht«, sagte sie. »Was, wenn jemand etwas darin verbarg, um jemand anderen davon abzuhalten, es zu stehlen? Und zurückkam, um es wieder zu entfernen, aber keine Zeit dazu hatte und deshalb einfach das ganze Ding mitnahm?« Sie schaute die Treppe hoch. »Wozu um alles in der Welt brauchen die so lange? Es ist beinahe elf Uhr.«
Tossie kam die Stufen heruntergetrippelt, in lavendelfarbenen Handschuhen und einem Potpourri fliederfarbener Rüschen. Sie schaute aus der Haustür.
»Es sieht nach Regen aus«, sagte sie stirnrunzelnd zu Mrs. Mering, die auch gerade die Treppe herunterkam. »Wenn es regnet, werden wir gar nichts besichtigen können. Vielleicht sollten wir bis morgen warten, Mama.«
»Nein!« sagte Verity entschieden. »Vielleicht will Lady Godiva uns etwas äußerst Wichtiges mitteilen.«
»Es sieht nach Regen aus«, bestätigte Mrs. Mering. »Hat Baine die Schirme eingepackt?«
»Ja«, sagte ich. Ebenso die Reiseführer, den Picknickkorb, das Riechsalz, eine Spirituslampe, Mrs. Merings Stickerei, Tossies Roman, Terences Tennyson-Ausgabe, einige Hefte des wöchentlichen Spiritismus-Magazins »Das Licht« und eine Anzahl Reisedecken, was er alles so gut verstaute, daß in den zwei Kutschen auch noch Raum für Fahrgäste blieb, obwohl es wahrscheinlich besser war, daß Professor Peddick sich entschieden hatte, bei Colonel Mering zu bleiben.
»Ich möchte einige Dinge über die Schlacht von Thermopylae mit ihm diskutieren«, sagte er zu Mrs. Mering.
»Na gut. Passen Sie aber auf, daß er bei Regen nicht draußen bleibt«, sagte sie, ihrem Gatten gegenüber offenbar wieder etwas versöhnlicher gestimmt. »Er holt sich sonst den Tod.«
Terence brachte Cyril herbei und hievte ihn aufs Trittbrett.
»Mr. St. Trewes«, sagte Mrs. Mering in wagnerianischem Ton. »Sie wollen doch nicht etwa diese Kreatur mitnehmen!«
Terence hielt inne, so daß Cyrils Hinterbeine in der Luft baumelten. »Cyril ist der perfekte Gentleman, wenn’s um Bahnfahren geht«, erklärte er. »Er war schon überall mit der Bahn — London, Sussex, Oxford. Er liebt es nämlich, aus dem Fenster zu schauen, nach Katzen und allem möglichen. Und er kam immer ausgezeichnet mit den Schaffnern aus.«
Aber nicht mit Mrs. Mering.
»Ein Eisenbahnabteil ist kein Aufenthaltsort für ein Tier«, sagte sie.
»Und ich habe mein neues Reisekleid an.« Tossie strich mit einem lavendelfarbenen Handschuh über die Rüschen.
»Er wird furchtbar enttäuscht sein.« Terence setzte Cyril zögernd wieder auf den Boden.
»Unsinn!« sagte Mrs. Mering. »Hunde haben keine Gefühle.«
»Mach dir nichts draus, Cyril«, sagte Professor Peddick. »Du kannst mit mir zum Fischteich kommen. Ich habe Hunde schon immer außerordentlich gern gemocht. Wie Maud, meine Nichte, auch. Füttert sie sogar bei Tisch mit Essen.« Die beiden trabten davon.
»Steigen Sie ein, Mr. St. Trewes«, bat Mrs. Mering. »Sonst verpassen wir Ihretwegen noch den Zug. Baine, haben Sie mein Lorgnon eingepackt?«
Um halb elf brachen wir endlich zum Bahnhof auf. »Denken Sie dran«, sagte Verity, als ich ihr in die Kutsche half, »in Tossies Tagebuch stand nur ›während des Ausflugs nach Coventry‹. Wann genau, erwähnte sie nicht. Mr. C kann also auch jemand im Zug oder auf dem Bahnsteig sein.«
Wir erreichten den Bahnhof um elf Uhr neun. Der Zug war gerade abgefahren, was insofern kein Problem war, da wir sowieso fast zehn Minuten brauchten, um alles und jeden aus der Kutsche auszuladen. Als wir auf dem Bahnsteig ankamen, lag er verlassen.
»Ich verstehe überhaupt nicht, warum der Zug nicht auf uns warten konnte!« sagte Mrs. Mering. »Ein paar Minuten früher oder später macht doch keinen Unterschied! Wie rücksichtslos!«
»Ich weiß, es wird regnen, und der Regen wird mein neues Kleid ruinieren«, jammerte Tossie mit einem Blick zum Himmel. »Oh, Terence, ich hoffe nur, es regnet nicht an unserem Hochzeitstag.«
»›Oh, festlicher Tag, so klar, so schön‹«, zitierte Terence pflichtbewußt, doch irgendwie abwesend und schaute in Richtung Muching Ends. »Hoffentlich bringt Professor Peddick Cyril ins Haus, wenn es zu regnen beginnt.«
»Ich hoffe, sie kommen nicht auf die Idee, bei diesem Wetter angeln zu gehen«, sagte Mrs. Mering. »Wo doch Mesiel so empfindlich auf der Brust ist. Im Frühjahr holte er sich eine fürchterliche Erkältung und lag zwei Wochen lang mit einem schrecklichen Husten im Bett! Der Arzt sagte, es war ein Wunder, daß er keine Lungenentzündung bekam. Mr. Henry, schauen Sie doch mal, ob Sie schon etwas von dem Zug sehen.«
Ich ging zum entfernten Ende des Bahnsteigs. Als ich zurückkam, hatte sich Verity etwas abseits von den anderen gestellt. »Ich denke gerade über des Bischofs Vogeltränke nach«, sagte sie. »In Der Mondstein wurde der Edelstein von jemandem entwendet, der gar nicht wußte, daß er der Dieb war. Er schlafwandelte und steckte den Stein irgendwo hinein, und dort stahl ihn eine andere Person. Was, wenn die Person, die des Bischofs Vogeltränke…«
»Schlafwandelte? In der Kathedrale von Coventry?«
»Nein. Nicht wußte, daß sie ein Verbrechen beging.«
»Wie oft genau sind Sie in der letzten Woche gesprungen?« fragte ich.
Baine erschien, einen Gepäckträger im Schlepptau, der mindestens achtzig Jahre alt war, und fing zusammen mit ihm und dem Stallburschen an, unser Gepäck an den Bahnsteigrand zu schaffen. Verity schaute nachdenklich auf den Gepäckträger.
»Vergessen Sie’s«, sagte ich. »Sie war über fünfzig Jahre mit ihm verheiratet. Dazu müßte der da ja einhundertzwanzig Jahre alt werden.«
»Sehen Sie schon etwas vom Zug, Mr. Henry?« fragte Mrs. Mering.
»Ich fürchte, nein.« Ich ging zu ihr.
»Wo bleibt er denn?« fragte sie. »Ich hoffe, es ist kein schlechtes Omen, daß wir so spät dran sind. Mr. Henry, sind die Kutschen schon fortgefahren?«