Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Allerdings duften Orangenblüten so lieblich.«
»Es gibt viel zu viele Eisenbahnen«, meinte Mrs. Mering. »So viele braucht man doch gar nicht.«
Baine gelang es schließlich, alles und jeden in den Zug und ein geräumigeres Abteil zu verfrachten, und ab ging es mit uns nach Coventry. Nach ein paar Minuten kam ein neuer Schaffer, diesmal jünger und verhältnismäßig gutaussehend, den Gang entlang und lochte unsere Fahrkarten. Tossie, nur mit ihrer Aussteuer beschäftigt, sah nicht einmal hoch. Wie waren wir eigentlich auf die Idee gekommen, daß sie, wenn wir in Coventry angekommen waren, Mr. C überhaupt bemerken würde, so vertieft, wie sie mit Terence in ihre Hochzeitspläne war? Wie waren wir darauf gekommen, daß sie des Bischofs Vogeltränke überhaupt bemerken würde?
Sie würde. Sie mußte einfach. Der Ausflug nach Coventry hatte ihr Leben verändert und ihre Urururenkelin dazu inspiriert, das unsrige miserabel zu machen.
Baine erschien nach einiger Zeit, breitete Servietten auf unserem Schoß aus und servierte ein köstliches Mittagessen, das sicher jeden von uns erfreute, außer vielleicht Baine selbst, der annähernd hundertmal zwischen der ersten und zweiten Klasse hin- und herlief, um uns kaltes Roastbeef, Gurkensandwichs und Mrs. Mering ihre anderen Handschuhe, ihre Nähschere und den Fahrplan zu bringen, obwohl sich keiner vorstellen konnte, was sie damit wollte.
Terence schaute aus dem Fenster und verkündete, es klare sich auf und er könne Coventry schon sehen, und noch bevor Jane und Baine Zeit hatten, alles einzusammeln und Mrs. Merings Kniedecke zusammenzufalten, standen wir schon auf dem Bahnsteig in Coventry und warteten, daß Baine das Gepäck entladen und uns eine Kutsche besorgen würde. Der Himmel hatte sich nicht aufgeklart und sah auch nicht aus, als würde er es demnächst tun. Ein feiner Nebel lag in der Luft, und die Silhouette der Stadt war grau und verschwommen. Terence hatte sich ein für die Situation passendes Gedicht überlegt und deklamierte es. »›Ich wartete auf einen Zug in Coventry‹«, zitierte er. »›Stadt der drei Türme‹…«[64] Verdutzt hielt er inne. »Wo sind sie denn? Ich sehe nur zwei.«
Ich schaute in die Richtung, in die er wies. Eins, zwei und eine große schachtelartige Konstruktion hob sich gegen den grauen Himmel ab.
»Der Turm von St. Michael wird gerade repariert«, erklärte Baine, halb unter einem Riesenberg Schals und Decken begraben. »Der Gepäckträger informierte mich darüber, daß die Kirche momentan gerade von Grund auf restauriert wird.«
»Das erklärt, warum Lady Godiva gerade jetzt mit uns Kontakt aufgenommen hat«, sagte Mrs. Mering. »Ihre Ruhe ist offenbar gestört worden.«
Der feine Nebel wurde zum Nieseln, was Tossie zu einem Schreichen veranlaßte. »Mein Reisekleid!«
Baine erschien wieder und spannte Schirme auf. »Ich habe eine geschlossene Kutsche bestellt, Madam«, sagte er zu Mrs. Mering und reichte mir und Terence die Schirme, damit wir sie über die Damen hielten.
Jane wurde mit dem Picknickkorb, den Decken und Schals in eine Mietdroschke verfrachtet. Sie sollte uns an der Kirche treffen. Wir kutschierten in die Innenstadt. Die Pferdehufe klapperten auf dem Kopfsteinpflaster der engen Gassen, deren alte Fachwerkhäuser sich über die Straße beugten. Ein Gasthof im Tudorstil mit einem im Wind schaukelnden bemalten Wirtshausschild, kleine Backsteinläden, die Bänder und Fahrräder verkauften, noch schmalere Häuser mit Sprossenfenstern und hohen Schornsteinen. Das alte Coventry. All das würde in der Novembernacht 1940 in Schutt und Asche versinken, mitsamt der Kathedrale, aber man konnte es sich nur schwer vorstellen, wenn man die dampfenden, nassen Straßen entlangkutschierte.
Der Kutscher zügelte die Pferde an der Ecke St. Mary’s Street, der Straße, die Probst Howard und seine kleine Gruppe mit Kerzenleuchter und Kreuzen und der Regimentsfahne, die sie aus der brennenden Kathedrale gerettet hatten, entlangmarschiert war.
»Kunnetwiter wengde wesch’is sporrn«, sagte der Kutscher in einem unverständlichen Dialekt.
»Er sagt, die Straße zur Kirche ist gesperrt«, erklärte Baine. »Er kann nicht weiterfahren.«
Ich beugte mich vor. »Sagen Sie ihm, er soll zurückfahren bis zur Little Park Street. Dann kommen wir an den Westtüren der Kirche an.«
Baine tat, wie ich geheißen. Der Fahrer schüttelte den Kopf und sagte etwas abermals Unverständliches, wendete aber die Pferde und kutschierte uns zurück zur Earl Street.
»Oh, ich spüre die Geister schon«, sagte Mrs. Mering und krampfte ihre Hände an den Busen. »Etwas wird geschehen. Ich weiß es genau.«
Wir fuhren die Little Park Street zur Kirche hoch. Ich konnte den Turm am Ende der Straße erkennen, und es war kein Wunder, daß wir ihn vom Bahnhof aus nicht hatten erkennen können. Ein hölzernes Gerüst verbarg sein oberes Drittel, und abgesehen davon, daß es grauer Stoff war und kein blaues Plastik, sah er genauso aus, wie ich ihn letzte Woche vom Fußgängereingang beim Mertoncoliege aus gesehen hatte. Lady Schrapnell war authentischer, als sie selbst wußte.
Der Haufen roter Steine und Sand auf dem Kirchplatz sah auch genauso aus, und ich befürchtete schon, der Zugang zur Kirche sei gänzlich blockiert, aber das stimmte nicht. Der Kutscher konnte die Droschke direkt vor das Westportal fahren. Ein großes, handgeschriebenes Schild prangte auf ihm. »Der Kirchenvorsteher von Iffley muß hier gewesen sein«, sagte ich, und dann erkannte ich, was darauf stand:
Vom 1. Juni bis 31. Juli
wegen Reparaturarbeiten geschlossen!
19. Kapitel
»Das Herz ist sein eigenes Verhängnis.«