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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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Nach einem Einkaufsbummel am Vormittag und einem anschließenden Ausflug an den Strand hat meine Mutter darauf bestanden, dass wir den Tag in einer Bar ausklingen lassen. Also haben wir Bob vor dem Fernseher zurückgelassen und sitzen in der Nobelbar des teuersten Hotels von Savannah. Ich bin beim zweiten Cosmopolitan, meine Mutter beim dritten und gibt mir weitere Einblicke in das fragile Ego der Männer. Ich finde das Ganze reichlich befremdlich.

»Weißt du, Ana, die Männer glauben immer, alles, was aus dem Mund einer Frau kommt, ist automatisch ein Problem, das gelöst werden muss. Ihnen kommt nicht einmal ansatzweise in den Sinn, dass wir nur gern eine Weile herumdiskutieren und das Ganze dann wieder vergessen. Bei Männern muss immer irgendetwas passieren.«

»Mom, wieso erzählst du mir das?«, frage ich mit mühsam verhohlener Gereiztheit. Sie geht mir schon den ganzen Tag mit ihren Weisheiten auf die Nerven.

»Schatz, du klingst, als wärst du völlig durcheinander. Du hast nie einen Jungen mit nach Hause gebracht. Nicht mal in Vegas hattest du einen Freund. Eine Zeit lang dachte ich, mit diesem Typ aus dem College, diesem José, könnte sich etwas entwickeln.«

»Mom, José ist nur ein Freund von mir.«

»Das weiß ich ja, Schatz, aber ich habe das Gefühl, dass du mir etwas verschweigst.« Mütterliche Besorgnis zeichnet sich auf ihrer Miene ab.

»Ich brauchte nur etwas Abstand von Christian, um in Ruhe über alles nachzudenken, mehr nicht. Er neigt dazu, mich zu erdrücken.«

»Erdrücken?«

»Ja. Trotzdem vermisse ich ihn.« Ich runzle die Stirn.

Ich habe den ganzen Tag nichts von Christian gehört. Keine Mails, gar nichts. Es juckt mich in den Fingern, ihn anzurufen, um zu hören, ob alles in Ordnung ist. Meine größte Angst ist, dass er einen Autounfall gehabt haben könnte; meine zweitgrößte, dass Mrs. Robinson erneut ihre gierigen Krallen in sein Fleisch gegraben hat. Natürlich ist das idiotisch, aber wenn es um Mrs. Robinson geht, verlässt mich jede Vernunft.

»Schatz, ich muss mal auf die Toilette.«

Sie verschwindet, was mir Gelegenheit gibt, die Nachrichten auf meinem BlackBerry zu checken – was ich den ganzen Tag über in regelmäßigen Abständen getan habe. Und siehe da, endlich eine Nachricht von Christian!

Von: Christian Grey

Betreff: Essen mit Freunden

Datum: 1. Juni 2011, 21:40 Uhr EST

An: Anastasia Steele

Ja, ich habe tatsächlich mit Mrs. Robinson zu Abend gegessen. Und sie ist nur eine alte Freundin, Anastasia.

Ich freue mich, dich bald wiederzusehen.

CHRISTIAN GREY

CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

Er war also doch mit ihr essen. Meine Kopfhaut prickelt, als das Adrenalin durch meine Adern rauscht. Ich bin stocksauer. All meine schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Wie konnte er so etwas tun? Kaum bin ich zwei Tage weg, rennt er los und trifft sich mit diesem elenden Miststück.

Von: Anastasia Steele

Betreff: Essen mit ALTEN Freunden

Datum: 1. Juni 2011, 21:42 Uhr EST

An: Christian Grey

Sie ist nicht nur irgendeine alte Freundin.

Hat sie etwa einen neuen knackigen Jungen gefunden, den sie sich einverleiben kann?

Bist du ihr inzwischen zu alt?

Ist das der Grund, weshalb ihr nicht mehr zusammen seid?

Gerade als meine Mutter zurückkommt, drücke ich auf »Senden«.

»Du bist ja so blass, Ana. Was ist los?«

Ich schüttle den Kopf.

»Gar nichts. Lass uns noch etwas bestellen«, erwidere ich starrköpfig.

Sie runzelt die Stirn, sagt jedoch nichts, sondern gibt einem der Kellner ein Zeichen – »noch eine Runde«. Er nickt. Wieder checke ich den BlackBerry.

Von: Christian Grey

Betreff: Vorsicht …

Datum: 1. Juni 2011, 21:45 Uhr EST

An: Anastasia Steele

Das möchte ich nicht per Mail mit dir besprechen. Wie viele Cosmos willst du eigentlich noch trinken?

CHRISTIAN GREY

CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.

Verdammte Scheiße, er ist hier!

DREIUNDZWANZIG

Nervös sehe ich mich in der Bar um, kann ihn aber nirgendwo entdecken.

»Was ist los, Ana, du siehst aus, als hättest du ein Gespenst gesehen.«

»Christian. Er ist hier.«

Ich habe versäumt, meiner Mutter von Christians Stalking-Neigungen zu erzählen.

Da ist er. Ich sehe ihn. Mein Herz macht einen Satz und beginnt zu hämmern, als er auf uns zukommt. Er ist tatsächlich hier – meinetwegen. Meine innere Göttin springt jubelnd von ihrem Sofa auf. Er bahnt sich einen Weg durch die Gäste. Im Schein der Halogenspots schimmert sein Haar in einem satten Kupferton. Seine grauen Augen funkeln – vor Wut? Vorfreude? Sein Mund ist zu einer schmalen Linie zusammengepresst, sein Kiefer angespannt. Oje … bitte nicht. Ich bin stinksauer auf ihn. Aber vor meiner Mutter?

Inzwischen steht er in seinem gewohnten Outfit aus Jeans und weißem Hemd vor unserem Tisch.

»Hi«, krächze ich und versuche vergeblich, mir nicht anmerken zu lassen, wie schockiert und erschrocken ich über sein Auftauchen bin.

»Hi«, sagt er, beugt sich vor und küsst mich zu meiner Verblüffung auf die Wange.

»Christian, das ist meine Mutter Carla.« Zum Glück lassen mich wenigstens meine Manieren nicht im Stich.

Er wendet sich meiner Mutter zu. »Mrs. Adams, es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen.«

Woher kennt er ihren Nachnamen? Er schenkt ihr sein bewährtes Strahlelächeln, dessen Charme sich niemand entziehen kann. Sie hat keine Chance. Ihre Kinnlade schlägt förmlich auf der Tischplatte auf. Liebe Güte, reiß dich gefälligst zusammen, Mom. Sie ergreift seine ausgestreckte Hand und schüttelt sie. Bisher ist noch kein Wort über ihre Lippen gekommen. Oh, der spontane Komplettverlust meines Sprachvermögens ist also genetisch bedingt. Das wusste ich ja gar nicht.

»Christian«, stammelt sie schließlich atemlos.

Er lächelt wissend, und seine grauen Augen funkeln. Ich beobachte das Szenario mit zusammengekniffenen Augen.

»Was machst du denn hier?« Meine Frage klingt spröder als beabsichtigt. Sein Lächeln verfliegt, und ein reservierter Ausdruck tritt auf seine Züge. Natürlich bin ich völlig aus dem Häuschen vor Freude, weil er hier ist, aber immer noch viel zu verblüfft, um es mir anmerken zu lassen, außerdem brodelt meine Wut wegen dieser Sache mit Mrs. Robinson nach wie vor direkt unter der Oberfläche. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll – ihn anschreien oder mich in seine Arme werfen  – ich glaube, keines davon würde ihm sonderlich gefallen –, außerdem würde mich interessieren, wie lange er uns schon beobachtet. Außerdem ist mir nicht ganz wohl beim Gedanken an die letzte Mail, die ich ihm geschrieben habe.

»Ich bin hergekommen, weil ich dich sehen wollte, ganz einfach.« Er mustert mich ausdruckslos. Was denkt er wohl gerade? »Ich wohne hier im Hotel.«

»Du wohnst hier?«, quieke ich mit einer Stimme wie eine Zehntklässlerin auf Amphetaminen.

»Na ja, du sagtest doch gestern, du wünschst dir, dass ich hier wäre.« Er hält inne und sieht mich abwartend an. »Und wir wollen doch, dass Sie zufrieden sind, Miss Steele.« Kein Fünkchen Humor liegt in seiner Stimme.

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