Nachtasyl
- Автор: Горький Максим
- Язык: немецкий
- Переводчик: August Scholz
- Жанр: Прочая поэзия
Электронная книга - «Nachtasyl». Краткое содержание книги:
Pepeclass="underline" Bestie! Rühmst dich noch deiner Roheit!
Wassilissa: Ich rühme mich nicht - nur die Wahrheit sag ich. Denk dran, Wasja, schon zweimal hast du wegen meines Alten gesessen … wegen seiner Habgier … Wie 'ne Wanze hat er sich an mir festgesogen … vier Jahre schon saugt er an mir! Einen solchen Mann zu haben! Und auch Natascha quält er, verhöhnt sie, nennt sie eine Bettlerin! Das reine Gift ist er - für uns alle …
Pepeclass="underline" Wie schlau du das ausgeheckt hast …
Wassilissa: Ausgeheckt? Was ich sage, ist doch ganz klar … nur ein Dummkopf kann nicht begreifen, was sich will … Kostylew tritt behutsam ein und schleicht leise vorwärts.
Pepel zu Wassilissa: Na … geh schon!
Wassilissa: Überleg dir's! Sieht ihren Mann. Was gibt's? Bist mir wohl nachgeschlichen? Pepel springt auf und blickt Kostylew wild an.
Kostylew: Jawohl … ich bin's … ich bin's … Und ihr seid hier ganz allein? Ah, ah … habt 'n bißchen geplaudert? Stampft plötzlich mit den Füßen auf und kreischt laut. Zu Wassilissa. Wasjka … Du Bettlerin! Du gemeines Luder! Erschrickt vor seinem eigenen Geschrei, dem nur lautloses Schweigen antwortet. Verzeih mir, o Herr … Schon wieder hast du mich zur Sünde verleitet, Wassilissa … Ich suche dich überall … Quiekend. 's ist Zeit zum Schlafengehen! Hast kein Öl ins Lämpchen gegossen … ach, du! Bettlerin, Schlumpe … Streckt ihr drohend die zitternden Fäuste entgegen. Wassilissa geht langsam nach der Tür zum Hausflur und sieht sich dabei nach Pepel um.
Pepel zu Kostylew: Du! Geh deiner Wege … scher dich …
Kostylew schreit: Ich bin hier der Herr! Scher dich selbst hinaus, verstanden? Spitzbube du?
Pepel dumpf: Geh deiner Wege, Mischka …
Kostylew: Wag's nicht! Sonst soll … sonst will ich … Pepel faßt ihn am Kragen und schüttelt ihn. Von Ofen her hört man lautes Geräusch und vernehmliches Gähnen. Pepel läßt Kostylew los; dieser läuft schreiend zur Tür hinaus, in den Hausflur.
Pepel springt auf die Pritsche: Wer ist da … wer ist auf dem Ofen?
Luka streckt den Kopf vor: Was gibt's?
Pepeclass="underline" Du bist es?
Luka gelassen: Ich bin's … ich selbst … Ach, Herr Jesus Christus!
Pepel schließt die Tür zum Hausflur, sucht den Riegel und findet ihn nicht: Ach, zum Teufel … kriech runter, Alter!
Luka: Gleich will ich … runterkriechen …
Pepel barsch: Warum bist du auf den Ofen geklettert?
Luka: Wohin sollt ich sonst gehen?
Pepeclass="underline" Du bist doch in den Hausflur gegangen?
Luka:: 's war mir im Hausflur zu kalt, Brüderchen … bin ein alter Mann …
Pepeclass="underline" Hast du … gehört?
Luka: Freilich hab ich gehört! Wie sollt ich nicht hören? Bin doch nicht taub! Ach, Junge, du hast Glück … wirklich Glück hast du !
Pepel mißtrauisch: Was für Glück?
Luka: Na, daß ich auf'n Ofen geklettert bin … das war dein Glück …
Pepeclass="underline" Warum hast du so herumgepoltert?
Luka: Weil mir da so heiß wurde … zu deinem Glück, mein Sohn … Und dann dacht ich: Wenn der Junge nur keine Dummheit macht … und den Alten erwürgt …
Pepeclass="underline" Ja-a … ich hätt's fertiggebracht … ich hasse ihn …
Luka: 's wär gar kein Wunder … Nichts leichter, als das … Kommt häufig vor, solch eine Dummheit …
Pepel lächelnd: Hm? Hast auch schon mal … solch eine Dummheit gemacht? …
Luka: Hör, mein Junge, was ich dir sage: dieses Weib, das halte dir vom Leibe! Um keinen Preis laß sie dir nahe kommen … Ihren Mann wird sie sich schon selbst vom Leibe schaffen … noch geschickter, als du es könntest, ja! Hör nicht auf das Satansweib! Sieh mich an: Ganz kahlköpfig bin ich … Und wovon? Einzig und allein von den Weibern … Hab ihrer vielleicht mehr gekannt, dieser Weiber, als ich Haare auf dem Kopfe hatte … Und diese Wassilissa … ist schlimmer als die Pest …
Pepeclass="underline" Ich weiß nicht … soll ich dir danken, oder … hast auch du …
Luka: Rede nicht weiter! Tu, was ich dir sage! Hast du hier ein Mädel, das dir gefällt - dann nimm's bei der Hand, und marsch alle beide, fort von hier! Nur weg, recht weit weg …
Pepel düster: Man kennt sich nicht aus in den Menschen! Wer gut ist, wer Böse … nichts läßt sich mit Bestimmtheit sagen! …
Luka: Was ist da viel zu sagen? Der Mensch lebt bald so, bald so … wie sein Herz gestimmt ist, so lebt er …heut ist er gut, morgen böse. Und wenn jenes Mädchen dir wirklich am Herzen liegt - dann zieh mit ihr fort, abgemacht … Oder geh allein … Bist jung, hast noch Zeit genug, dir ein Weib zu nehmen …
Pepel faßt ihn an der Schulter: Nein, sag doch - warum du das alles …
Luka: Wart! Laß mich los … will nach der Anna sehn … sie hat so geröchelt … Tritt an Annas Lager, schlägt den Vorhang zurück, blickt die Daliegende an und berührt sie mit der Hand. Pepel beobachtet ihn mit nachdenklicher, unsicherer Miene. Jesus Christus, Allgütiger! Nimm die Seele deiner eben verstorbenen Magd Anna in Frieden zu dir …
Pepel leise: Ist sie tot? Reckt sich empor und blickt, ohne näher zu treten, nach Annas Lager.
Luka leise: Geendet ist ihre Qual! Und wo ist denn ihr Mann?
Pepeclass="underline" In der Schenke jedenfalls …
Luka: Man muß es ihm sagen …
Pepel zusammenschauernd: Ich liebe die Toten nicht.
Luka geht auf die Tür zu: Warum sollte man sie auch lieben? Die Lebenden muß man lieben … die Lebenden …
Pepeclass="underline" Ich gehe mit dir …
Luka: Fürchtest dich wohl?
Pepeclass="underline" Ich liebe sie nicht … Geht hastig mit Luka hinaus. Die Bühne bleibt eine kurze Weile leer. Hinter der Tür zum Hausflur vernimmt man ein dumpfes, wirres, seltsames Geräusch, dann tritt der Schauspieler ein.
Der Schauspieler bleibt, ohne die Tür zu schließen, auf der Schwelle stehen und schreit, während er sich mit den Händen an den Türpfosten festhält: Alterchen! Luka! He, wo steckst du? Jetzt ist mir's eingefallen … hör mal! Tritt schwankend zwei Schritte vor, setzt sich in Positur und deklamiert.
Und wenn die Sonne aus dem Weltenraum
Ihr Licht der Erde fürder nicht mag senden,
Dann heil dem Toren, dessen goldner Traum
Der Menschheit einen Schimmer doch wird spenden!
Natascha erscheint hinter dem Schauspieler in der Tür.
Der Schauspieler fährt fort: Alter … hör zu!
Und sollt einmal die Welt aus ihrer Bahn
Auf ihrem Weg zur Wahrheit auch entgleisen,
So wird ein Tor mit seinem lichten Wahn
Der Irrenden die rechten Pfade weisen …
Natascha lacht: seht doch die Vogelscheuche! Hat der wieder mal 'nen Affen …
Der Schauspieler dreht sich nach ihr um: A-ah, du bist es! Und wo ist denn unser Alter? Unser liebes, gutes Alterchen? Kein Mensch scheint … zu Hause zu sein … Natascha, leb wohl! Leb wohl - ja!
Natascha tritt näher: hast mich noch nicht mal begrüßt, und nimmst schon Abschied …
Der Schauspieler tritt ihr in den Weg: Ich geh fort von hier … ich verreise … Sobald der Frühling ins Land kommt - geh ich auf und davon …
Natascha: Laß mich gehen … Wohin verreist du denn?
Der Schauspieler: Eine Stadt will ich suchen gehen …kurieren will ich mich … Auch du geh hier fort … Ophelia … geh in ein Kloster! … Es gibt nämlich, verstehst du, eine Heilanstalt für Organismen … für Trunkenbolde sozusagen …eine ausgezeichnete Heilanstalt … alles Marmor …marmorner Fußboden! Licht … Sauberkeit … Kost - alles umsonst! Und marmorner Fußboden, ja! Ich werde sie finden, diese Stadt, werde mich auskurieren lassen und … ein neues Leben beginnen … Ich bin auf dem Wege zur Wiedergeburt … wie König Lear sagt! Weißt du auch, Natascha … wie ich mit meinem Bühnennamen heiße? Swertschkow-Sawolschskij heiß ich … kein Mensch weiß das hier, kein Mensch! Hier bin ich namenlos … begreifst du wohl, wie kränkend das ist - seinen Namen zu verlieren? Selbst Hunde haben ihre Namen … Natascha geht leise an dem Schauspieler vorüber, bleibt an Annas Lager stehen und blickt auf die Tote.