Nachtasyl
- Автор: Горький Максим
- Язык: немецкий
- Переводчик: August Scholz
- Жанр: Прочая поэзия
Электронная книга - «Nachtasyl». Краткое содержание книги:
Natascha: Diebe?
Luka: J. Sie schleichen also näher, und ich nehme meine Büchse und trete ins Freie … Ich sehe: es sind zwei Mann … eben steigen sie in ein Fenster ein und sind so eifrig bei der Sache, daß sie mich gar nicht sehen. Ich schrei auf sie los: Heda! … Macht, daß ihr fortkommt … Und sie stürzen, denkt euch, auf mich mit 'nem Beil los … Ich warne sie - Halt! Ruf ich, sonst geb ich Feuer! … Und dabei leg ich bald auf den einen, bald auf den andern an. Sie fallen auf die Knie, das sollte heißen: Verschone uns! Na, ich war mächtig tückisch … wegen des Beils, weißt du! Ihr Waldteufel, sag ich, ich hab euch fortjagen wollen - und ihr seid nicht gegangen! … Und jetzt, sag ich, mag mal einer von euch im Busch drüben Ruten holen! Sie tun's. Und nun befehl ich: Einer von euch lege sich hin und der andre - mag ihn prügeln! Und so haben sie, auf mein Geheiß, sich gegenseitig durchgeprügelt. Und wie sie jeder ihre Tracht Prügel weg haben, da sagen sie zu mir: Großväterchen, sagen sie, gib uns ein Stück Brot, um Christi Willen! Nicht 'nen Bissen haben wir im Leibe. Das waren nun die Diebe, meine Tochter … lacht … die mit 'nem Beil auf mich losgegangen waren! Ja … ein paar prächtige Jungen waren's … Ich sage zu ihnen: Ihr Waldteufel, hättet doch gleich um Brot bitten sollen! Da meinten sie: 's war uns schon über … man bittet, bittet und kein Mensch gibt was … Da geht einem die Geduld aus! Na, und so blieben sie also bei mir, den ganzen Winter. Der eine - Stepan hieß er - nimmt gern mal die Büchse und geht in de Wald. Und der andre, Jakow mit Namen, war immer krank, hustete immer … Zu dreien, heißt das, bewachten wir so das Landhaus. Und wie der Frühling kam - da sagten sie: Leb wohl, Großväterchen! Und machten sich auf … nach Rußland …
Natascha: Es waren wohl Sträflinge, die fortgelaufen waren?
Luka: Ja, das waren sie … Flüchtlinge … hatten ihren Ansiedelungsort verlassen … ein paar prächtige Jungen … Hätt ich kein Erbarmen mit ihnen gehabt - wer weiß, wie's gekommen wäre! Vielleicht hätten sie mich erschlagen … Dann wären sie vor Gericht gekommen und ins Gefängnis und nach Sibirien zurück … wozu das? Das Gefängnis lehrt dich nichts Gutes, und auch Sibirien lehrt dich's nicht … Aber ein Mensch - der kann dich das Gut lehren … sehr einfach! Pause.
Bubnow: Hm-ja! … Und ich … kann nicht mal lügen! Warum sollt ich's tun? Immer raus mit der Wahrheit, das ist meine Meinung, ob sie euch gefällt oder nicht! Wozu sich genieren?
Kleschtsch springt jäh empor, als wenn ihn etwas gestochen hätte; schreiend: Was für eine Wahrheit? Wo ist die Wahrheit? Klopft mit den Händen auf seine zerfetzten Kleider. Da ist die Wahrheit - da! Keine Arbeit … keine Kraft in en Gliedern - das ist die Wahrheit! Keinen Winkel, in dem man zu Hause ist! Krepieren muß man … das ist sie, deine Wahrheit! Teufel noch eins! Was … was soll sie mir, diese - Wahrheit?! Laß mich nur einmal frei aufatmen … aufatmen laß mich! Was hab ich denn verbrochen? … Wozu die Wahrheit, zum Teufel? Ich kann nicht leben … nicht leben … das ist die Wahrheit!
Bubnow: Hört mal … den hat's aber gepackt …
Luka: Herr Jesus … sag doch, mein Lieber, du …
Kleschtsch zitternd vor Erregung: Ihr sagt nur immer - die Wahrheit! Du, Alter - du tröstest alle … Und ich sage dir: ich hasse alle! Und auch diese Wahrheit, diese verdammte … verflucht soll sie sein! Hast verstanden? Merk dir's! Verflucht soll sie sein! Geht eilends um die Ecke, während er dabei zurückschaut.
Luka: Ei, ei, ei! Ist der aber außer sich geraten … Und wo ist er denn hingerannt?
Natascha: Wie ein Verrückter tobt er davon …
Bubnow: Der hat ordentlich losgelegt! Wie im Theater … 's kommt öfter vor, so was … Hat sich noch nicht gewöhnt ans Leben …
Pepel kommt langsam hinter der Ecke vor: Guten Abend allerseits! Na, Luka, alter Luchs - erzählst wieder mal Geschichten?
Luka: Hättest hören sollen, wie hier ein Mensch geschrien hat!
Pepeclass="underline" Der Kleschtsch, meinst du, hm? Was ist denn mit ihm los? Rennt an mir vorbei, als wenn er verbrüht wäre …
Luka: Wirst auch davonrennen, wenn's dir mal so … ans Herz geht …
Pepel setzt sich: Ich kann den Menschen nicht leiden … zu bös ist er mir und zu eingebildet. Ahmt Kleschtsch nach. »Ich bin ein Mensch, der arbeitet …« Also ob die andern weniger wären als er … Arbeite doch, wenn's dir Vergnügen macht … was brauchst du da groß stolz zu sein? Wenn man die Menschen nach der Arbeit schätzen sollte … dann wär ja ein Pferd besser als jeder Mensch … das zieht den Wagen - und hält's Maul dazu! Natascha … sind deine Leute zu Hause?
Natascha: Sie sind auf den Friedhof gegangen … dann wollten sie zur Abendmesse gehen …
Pepeclass="underline" Hast also mal 'ne freie Stunde … Das kommt selten vor!
Luka nachdenklich zu Bubnow: Du sagst - die Wahrheit … Die Wahrheit ist aber nicht immer gut für den Menschen … nicht immer heilst du die Seele mit der Wahrheit … Zum Beispiel folgender Falclass="underline" ich kannte einen Menschen, der glaubte an das Land der Gerechten.
Bubnow: An wa-s?
Luka: An das Land der Gerechten. Es muß, sagte er, auf der Welt ein Land der Gerechten geben … in dem Lande wohnen sozusagen Menschen von besonderer Art … gute Menschen, die einander achten, die sich gegenseitig helfen, wo sie können … alles ist bei ihnen gut und schön! Dieses Land der Gerechten also wollte jener Mensch immer suchen gehen … Er war arm, und es ging ihm schlecht …und wie's ihm schon gar zu schwer fiel, daß ihm nichts weiter übrigblieb, als sich hinzulegen und zu sterben - da verlor er noch immer nicht den Mut, sondern lächelte öfters vor sich hin und meinte: Hat nichts zu sagen - ich trag's! Noch ein Weilchen wart ich - dann werf ich dieses Leben ganz von mir und geh in das Land der Gerechten … Seine einzige Freude war es - dieses Land der Gerechten …
Pepeclass="underline" Na, und …? Ist er hingegangen?
Bubnow: Wohin? Ha ha ha!
Luka: Nun wurde nach eben jenem Ort - die Sache ist nämlich in Sibirien passiert - ein Verbannter gebracht, ein Gelehrter Mensch … mit Büchern und mit Plänen und mit allerhand Künsten … Und jener Mensch spricht zu dem Gelehrten: Sag mir doch gefälligst, wo liegt das Land der Gerechten, und wie kann man dahin gelangen? Da schlägt nun der Gelehrte gleich seine Bücher auf und breitet seine Pläne aus … und guckt und guckt - aber das Land der Gerechten findet er nirgends! Alles ist sonst richtig, alle Länder sind aufgezeichnet - nur das Land der Gerechten nicht!
Pepel leise: Nanu? War's wirklich nicht drauf? Bubnow lacht laut auf.
Natascha: Was lachst du denn? Sprich weiter, Großväterchen!
Luka: Der Mensch - will ihm nicht glauben … Es muß drauf sein, sagt er … such nur genauer! Sonst sind ja, sagt er, alle deine Bücher und Pläne nicht 'nen Pfifferling wert, wenn das Land der Gerechten nicht drin verzeichnet ist … Mein Gelehrter ist beleidigt. Meine Pläne, sagt er, sind ganz richtig, und ein Land der Gerechten gibt's überhaupt nirgends. - Na, da wurde nun der andere ganz wütend. Was? Sagt er, da habe ich nun gelebt und gelebt, geduldet und geduldet und immer geglaubt, es gebe solch ein Land! Und nach deinen Plänen gibt es keins! Das ist Raub … und zu dem Gelehrten sagt er: Du nichtsnutziger Kerl! Ein Schuft bist du und kein Gelehrter! Und gab ihm eins übern Schädel, und noch eins … Schweigt ein Weilchen. Und dann ging er nach Hause … und hängte sich auf … Alle schweigen. Luka blickt stumm auf Pepel und Natascha.