Nachtasyl
- Автор: Горький Максим
- Язык: немецкий
- Переводчик: August Scholz
- Жанр: Прочая поэзия
Электронная книга - «Nachtasyl». Краткое содержание книги:
Der Schauspieler: Namenlos … ausgestrichen aus dem Buch des Lebens …
Natascha: Sieh doch … die Ärmste … sie ist tot …
Der Schauspieler kopfschüttelnd: Nicht möglich …
Natascha tritt zur Seite: Bei Gott … sieh doch …
Bubnow in der Tür: Was gibt's denn da zu sehen?
Natascha: Anna … ist gestorben!
Bubnow: Hat also aufgehört zu husten. Tritt an Annas Bett, schaut eine Weile auf die Tote und geht dann an seinen Platz. Man muß es Kleschtsch sagen … ihn geht's an …
Der Schauspieler: Ich geh … will's ihm sagen … Auch die ist jetzt namenlos! Ab.
Natascha mitten im Zimmer, halb für sich: Auch ich werde … einmal so … ganz unversehens enden …
Bubnow breitet auf seiner Pritsche eine zerlumpte alte Decke aus: Was ist? Was brummst du da?
Natascha: Nichts … nur so für mich …
Bubnow: Erwartest wohl den Wasjka? Nimm dich in acht, dieser Wasjka … schlägt dir noch mal den Schädel ein …
Natascha: Ist's nicht gleich, wer ihn mir einschlägt? Dann mag er's schon lieber tun …
Bubnow legt sich nieder: Wie du willst … was geht's mich an?
Natascha: 's ist wohl das Beste für sie … daß sie gestorben ist … Kann einem wirklich leid tun … Du lieber Gott! … Warum lebt man nun?
Bubnow: Das ist mal 'ne Frage - man lebt eben! Man wird geboren, lebt eine Zeitlang und stirbt. Auch ich werde sterben … auch du wirst sterben … was heißt da leid tun? Luka, der Tatar, Schiefkopf und Kleschtsch treten ein. Kleschtsch geht, in gedrückter Haltung, zögernd hinter den anderen her.
Natascha: S-ßt! Anna …
Schiefkopf: Wir haben schon gehört … Gott habe sie selig …
Der Tatar zu Kleschtsch: Sie muß rausgebracht werden! In 'n Hausflur muß sie geschafft werden! Hier ist kein Platz für Tote, nur Lebende dürfen hier schlafen …
Kleschtsch leise: Wir bringen sie gleich raus … Alle treten an das Bett. Kleschtsch betrachtet seine Frau über die Schultern der anderen hinweg.
Schiefkopf zum Tataren: meinst, sie wird riechen? Die riecht nicht … Die ist schon bei Lebzeiten ganz ausgetrocknet …
Natascha: Du lieber Gott! Habt doch Erbarmen … wenn doch jemand ein Wort sagen wollte! Ach, ihr seid wirklich …
Luka: Nimm's nicht für ungut, meine Tochter … hat nichts zu sagen! Wie sollen wir mit den Toten Erbarmen haben? Wir haben's doch nicht mal mit den Lebenden … nicht mal mit uns selbst, meine Liebe! Was denkst du?!
Bubnow gähnt: Ein Wort sagen … wenn sie tot ist - hilft ihr kein Wort mehr … Gegen Krankheit gibt's gewisse Worte, gegen den Tod nicht!
Der Tatar zur Seite tretend: Der Polizei muß man's melden …
Schiefkopf: Natürlich - das ist Vorschrift! Kleschtsch! Hast du's schon gemeldet?
Kleschtsch: Nein … Nun kommt das Begräbnis, und ich hab nur vierzig Kopeken in der Tasche …
Schiefkopf: So borg doch … oder wir machen 'ne Sammlung … jeder gibt, was er kann, der so viel, der so viel … Aber nu rasch zur Polizei, melde es! Sonst denken sie am Ende, du hast dein Weib totgeschlagen … oder sonst was . Geht nach der Pritsche, auf der bereits der Tatar liegt, und schickt sich an, sich neben diesen zu legen.
Natascha tritt an Bubnows Pritsche heran: Nun werde ich von ihr träumen … ich träume immer von Toten …Ich fürcht mich allein … im Hausflur ist's so dunkel …
Luka folgt ihr mit den Augen: Vor den Lebenden fürchte dich, das sag ich dir …
Natascha: Begleite mich, Großväterchen …
Luka: Komm … komm … ich begleite dich. Beide ab. Pause.
Schiefkopf gähnt. Oh - oh - ach! Zum Tataren. Nu wird's bald Frühling, Hassan … Da gibt's wieder 'n bißchen Sonne für uns. Jetzt bringen die Bauern ihre Pflüge und Eggen in Ordnung … bald geht's aufs Feld hinaus … hm - ja! Und wir … Hassan? Er schnarcht ja schon! Mohammed verdammter!
Bubnow: Die Tataren haben 'nen gesunden Schlaf …
Kleschtsch steht mitten im Quartier und starrt dumpf vor sich hin. Was soll ich jetzt anfangen?
Schiefkopf: Leg dich hin und schlaf! … Weiter nichts …
Kleschtsch leise: Und … sie? Was soll … mit ihr geschehen? Niemand antwortet ihm. Satin und der Schauspieler treten ein.
Der Schauspieler schreit: Alterchen! Zu mir, mein getreuer Kent!
Satin: Miklucha-Maclay … ho ho!
Der Schauspieler: Die Sache ist abgemacht! Alter, wo liegt die Stadt … wo bist du?
Satin: Fata Morgana! Der Alte hat dich beschwindelt … Es gibt keine solche Stadt! Keine Städte gibt's, keine Menschen gibt's … gar nichts gibt's überhaupt!
Der Schauspieler: Das lügst du, Kerl …
Der Tatar springt auf: Wo ist der Wirt? Ich will zum Wirt! Wenn man hier nicht schlafen kann, soll er auch kein Geld verlangen … Tote … Betrunkene … Rasch ab. Satin pfeift hinter ihm her.
Bubnow verschlafen: Legt euch schlafen, Kinder, macht keinen Lärm … Die Nacht ist zum Schlafen da …
Der Schauspieler: Richtig … wir haben ja hier … eine Tote! »Einen Toten haben wir gefischt mit unsern Netzen …« heißt es in einem … Chanson … von B-Béranger!
Satin schreit: Die Toten hören nicht! Die Toten fühlen nicht! Schrei … brülle, soviel du willst … kein Toter hört dich! … In der Tür erscheint Luka.
Dritter Aufzug
Ein öder Platz zwischen Gebäuden, der mit allerhand Rumpelkram angefüllt und mit Unkraut bewachsen ist. Im Hintergrunde eine hohe, aus Ziegelsteinen errichtete Brandmauer, die den Himmel verdeckt. Neben ihr Holundergebüsch. Rechts eine dunkle, aus Balken gefügte Wand, die zu einem Hofgebäude, einem Schuppen oder Stall gehört. Links die graue, hier und da Reste von Kalkbewurf aufweisende Wand des Hauses, in dem Kostylews Herberge sich befindet. Die letztere steht schräg, so daß ihre hintere Ecke bis fast in die Mitte des Platzes vorspringt. Zwischen ihr und der roten Wand ein schmaler Durchgang. In der grauen Wand zwei Fenster - das eine in gleicher Höhe mit dem Boden, das andere etwa anderthalb Meter höher und näher nach der Brandmauer zu. Neben der grauen Wand liegt, mit den Kufen nach oben, ein großer Schlitten und ein etwa drei Meter großer Balken. Rechts neben der Wand ein Haufen alter Bretter und behauener Balken. Es ist Abend, die Sonne geht unter und wirft ein rötliches Licht auf die Brandmauer. Der Frühling hat eben erst begonnen, der Schnee ist kaum geschmolzen. Das schwarze Geäst der Holunderbüsche zeigt noch keine Knospen. Auf dem Balken sitzen nebeneinander Natascha und Nastja. Auf dem Holzhaufen Luka und der Baron. Kleschtsch liegt auf einem Holzhaufen neben der rechten Wand. Aus dem unteren Fenster schaut Bubnow in den Hof.
Nastja mit geschlossenen Augen, bewegt den Kopf im Takt zu ihrer Erzählung, die sie in singendem Ton vorträgt: In der Nacht also kommt er in den Garten, in die Laube, wie wir es verabredet hatten … und ich warte schon längst und zittre vor Angst und Kummer. Auch er zittert am ganzen Leibe und ist kreideweiß , in der Hand aber hat er einen Revolver …