Sophiechen und der Riese
- Автор: Даль Роальд
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:
Sophiechen sagte sich, daß der Blutschlucker sehr bald zurückkommen und dann unweigerlich die Tischplatte genauestens absuchen würde. Aber herunterspringen konnte sie unmöglich: der Tisch war nämlich vier Meter hoch. Da würde sie sich ja die Knochen brechen. Die Kotzgurke, die war zwar so dick wie eine Mülltonne, aber dahinter konnte Sophiechen sich nicht verstecken, falls der Blutschlucker sich das Gurkenende grapschen würde. Sie sah sich die angebissene Stelle genauer an. Da waren in der Mitte große Kerne, jeder etwa so groß wie eine Melone. Diese Kerne waren eingebettet in eine glibschige schleimige Fruchtfleischmasse. Um nur ja nicht entdeckt zu werden, angelte Sophiechen ganz, ganz vorsichtig mit dem Arm um die Ecke und holte ein halbes Dutzend von diesen Samenkernen heraus. Auf diese Weise entstand mitten im Fleisch der Kotzgurke ein Loch, das gerade groß genug war, so daß Sophiechen, wenn sie sich ganz eng zusammenrollte, darin Platz fand. Huschhusch krabbelte sie hinein. Das war aber ein matschiges und glitschiges Versteck! Doch das war jetzt egal. Hauptsache, daß sie nicht aufgefressen wurde.
Der Blutschlucker kam jetzt mit dem GuRie an den Tisch zurück. Der GuRie wurde fast ohnmächtig vor Angst, weil ja doch Sophiechen in jeder Sekunde gefunden und dann sofort aufgegessen werden konnte.
Da griff sich der Blutschlucker die angebissene Kotzgurke. Der GuRie starrte entsetzt auf die leere Tischplatte. Wo war Sophiechen geblieben? Sophiechen, dachte er verzweifelt, du kannst doch unmöglich von diesem hohen Tisch heruntergesprungen sein! Wo bist du, Sophiechen?
«Huahhh! Das ist also der eklige faulige Schweinefraß, den du immer in dich reinrüsselst!» krakeelte der Blutschluk-ker und fuchtelte mit der halbgegessenen Kotzgurke durch die Luft. «Du bist ein Schweineferkel, daß du so einen Gammelschleimdreck in den Mund nimmst!» Einen Augenblick schien es so, als ob der Blutschlucker ganz vergessen hätte, weiter nach Sophiechen zu suchen. Der GuRie wollte ihn natürlich sofort noch mehr ablenken. «Oh, das ist meine schleckerleckerste Kotzgurke», sagte er. «Ach, das ist mein Delikatessichgern, den lutsch ich jeden Tag und jede Nacht. Hast du noch nie Kotzgurke gekostet, Blutschlucker?»
«Leberwesen sind viel saftiger, voll mit Blut», sagte der Blutschlucker.
«Du redest Firlefanz», sagte der GuRie, der von Sekunde zu Sekunde mutiger wurde. Er dachte nämlich, wenn er den Blutschlucker dazu bringen könnte, auch nur einen einzigen Bissen von dem widerlichen Gemüsezeug in den Mund zu nehmen, dann würde ihn der magenumstülpende Kotzgurken-Geschmack sofort schreiend aus der Höhle rennen lassen. «Es ist mir ein Vergnügen, dich ein Stückchen probieren zu lassen», sprach der GuRie weiter. «Aber eine Bitte: Wenn du geschmeckt hast, wie umwerfend gut das schmeckt, dann verschling nicht gleich die ganze köstliche Frucht, sondern laß mir noch ein Häppchen übrig.» Der Blutschlucker glotzte mißtrauisch mit seinen kleinen Schweinsäuglein auf die Kotzgurke.
Sophiechen kauerte in dem angebissenen Gurkenstück und zitterte am ganzen Leib.
«Du vergackeierst mich doch nicht, oder?» sagte der Blutschlucker drohend.
«Niemals!» rief der GuRie theatralisch. «Nimm mal einen Happen, und ich bin sicher, du schreist gleich begeistert los, was für ein schleckerlecker Delikatessichgern dieses Zaubergemüse ist.» Der GuRie konnte sehen, wie dem Blutschlucker vor lauter Gier das Wasser im Maul zusammenlief, weil jetzt eine Extramahlzeit in Aussicht stand. «Gemüse ist ja soo gesund», sagte der GuRie. «Es ist nicht gut für dich, wenn du immer nur Fleisch ißt.» «Nur dieses eine Mal», sagte der Blutschlucker, «will ich deinen vergammelten Fraß probieren. Aber ich warne dich: Wenn das Zeug ein Mist ist, dann knall ich dir das Ding mitten auf deine blöde kleine Matschbirne!» Jetzt hob er die Kotzgurke hoch. Es war ein weiter Weg durch die Luft bis hinauf zu seinem Maul - immerhin irgendwo da oben in fünfzehn, sechzehn Meter Höhe. Sophiechen war drauf und dran, «NEIN!!!» zu schreien. Aber das hätte nur noch todsicherer ihren Tod zur Folge gehabt. Zusammengekrümmt zwischen den glitschigen Gurkenkernen fühlte sie, wie sie immer höher und höher gehoben wurde.
Plötzlich machte es KRACH!, und der Blutschlucker hatte ein gewaltiges Stück abgebissen. Sophiechen sah die gelben Hauerzähne direkt neben ihrem Kopf zusammenschlagen. Und dann wurde es stockdunkel ringsherum. Sie war jetzt in seiner Mundhöhle drin und rang nach Atem in dem ekelhaften Gestank, der dort herrschte. Es stank nach verfaultem Fleisch. Gleich mußten die Hauerzähne noch einmal knirschen und krachend alles zermalmen. Darauf wartete Sophiechen jetzt und betete, es möge doch bitte recht schnell mit ihr zu Ende gehen.
«Uuaachch!» gurgelte der Blutschlucker. «Grroaatsch! Iigittigittigitt! Pfui Teufel!» Und spuckte alles in hohem Bogen wieder aus.
Die Kotzgurkenbrocken, die er im Maul hatte, flogen -zusammen mit der kleinen Sophie - quer durch die ganze Höhle.
Wenn Sophiechen gegen die Felswand geprallt wäre, hätte sie das nicht überlebt. Aber zum Glück wurde sie gegen das weiche Tuch von GuRies schwarzem Mantel geschleudert, der an der Wand hing. So schnell sie konnte, krabbelte sie unter den Saum des Mantels und verkroch sich irgendwo in den dunklen Falten.
«Du Schweinigel, du!» grölte der Blutschlucker. «Du elender kleiner Dreckfresser, du!» Damit sprang er auf den GuRie zu und haute ihm den Rest der Kotzgurke über den Schädel. Die Trümmer der alten Stinkgurke spritzten und flitzten durch die ganze Höhle.
«Schmeckt dir das etwa nicht?» fragte der GuRie scheinheilig und rieb sich den Kopf.
«Schmecken?» kreischte der Blutschlucker. «Das ist der al-lerekelafterlichste Geschmack, der mir jemals zwischen die Zähne gekommen ist. Du hast ja 'ne Ameise, daß du Schweißdreck wie das da runterwürgst. Dabei kannst du jeden Abend losgaloppieren und frank und frei wie Frankenstein die saftigsten Leberwesen vernaschen!» «Menschliche Leberwesen darf man aber nicht essen», sagte der GuRie.
«Das schmeckt doch wunderwunder und ersteklasse-klasse!» schmetterte der Blutschlucker. «Und heute abend galoppiere ich nach Norden und knabber da ein paar menschliche Leberwesen. Willst du wissen, warum ich nach Norden geh?»
«Nein, davon möchte ich gar nichts wissen», sagte der GuRie voller Würde.
«Nach Norden geh ich», sagte der Blutschlucker, «weil ich den Geschmack von Eiskimos satt habe. In diesem Affenhitzewetter muß man möglichst viel kalte Sachen essen. Und wenn man Eiskimos nicht mehr ausstehen kann, dann muß man sich einen von den großen Kühlen aus dem Norden holen, der tut so richtig gut.»
«Pfui Deibel», sagte der GuRie. «Du solltest dich schämen.»
«Die andern Riesen sagen alle, sie galoppieren heute abend nach Schrottland, um da in den Schulen ein paar menschliche Lehrerwesen abzustauben», sagte der Blutschlucker. «Schrottländische Lehrerwesen mag ich ja auch so gerne. Die schmecken so lecker nach Wandtafelkreide - hmm! Vielleicht geh ich doch lieber mit nach Schrottland.»