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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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«Ich muß immer auf und immer zu an deine arme Mutter denken», sagte der GuRie. «Und an deinen armen Vater. Die werden jetzt im ganzen Haus herumrennen und rufen und rufen: <Sophiechen, wo bist du? Sophiechen, wo bist du?>»

«Ich habe aber gar keine Mutter und auch keinen Vater», sagte Sophiechen. «Die sind beide gestorben, als ich noch ein Baby war.»

«Ach, du armes kleines Dingelchen!» rief da der GuRie. «Und fehlen sie dir nicht schrecklich?» «Nein, eigentlich nicht», sagte Sophiechen. «Ich hab sie ja gar nicht gekannt.»

«Das macht mich so traurig», sagte der GuRie und rieb sich die Augen.

«Sei nicht traurig», sagte Sophiechen. «Um mich macht sich kein Mensch große Sorgen. Das Haus, aus dem du mich mitgenommen hast, ist nämlich ein Waisenhaus. Die Kinder in dem Haus sind alles Waisenkinder.»

«Weise Kinder? Bist du auch ein weises Kind?»

«Ja, ich bin auch ein Waisenkind.»

«Wie viele seid ihr da in dem weisen Haus?»

«Zehn», sagte Sophiechen. «Zehn Mädchen.» «Bist du da gern gewesen?» fragte der GuRie. «O nein, sehr ungern!» sagte Sophiechen. «Die Heimleiterin heißt Frau Hauerbatz. Und wenn die einen erwischt bei etwas Verbotenem - zum Beispiel wenn man nachts aus dem Bett aufsteht oder wenn man seine Anziehsachen nicht schön ordentlich zusammenlegt -, dann bekommt man eine Bestrafung.»

«Und was hast du gekriegt, wenn du von ihr eine Bestrafung bekommen hast?»

«Sie hat uns für einen Tag und eine Nacht eingesperrt in den stockdunklen Keller, und wir bekamen dann nichts zu essen oder zu trinken.» «So eine gemeine Hexe!» rief der GuRie. «Das war wirklich grausam», sagte Sophiechen. «Wir hatten schreckliche Angst davor. Da unten gibt es nämlich Ratten! Man konnte hören, wie sie da herumhuschten.»

«Diese dreckigen Ekelflitzviecher!» rief der GuRie aus. «Das ist das Widerlichste, was ich seit Jahren gehört habe. Du machst mich so traurig, wie ich noch nie gewesen bin.» Als er das sagte, kullerte ihm eine riesige Träne, die einen ganzen Eimer gefüllt hätte, über die Backe und fiel mit einem Platsch auf den Boden, wo sich eine richtige Pfütze bildete.

Sophiechen sah das mit Verwunderung. Was für ein komischer Riese das doch ist, dachte sie, und wie schnell seine Laune sich ändert. Eben sagt er noch zu mir, ich hätte Gips statt Grips im Kopf und rede Quatsch und Quark, und nun weint er dicke Tränen um mich, weil Frau Hauerbatz mich in den Keller eingesperrt hat. «Was mir am meisten Sorgen macht», sagte Sophiechen, «ist, daß ich in dieser schaurigen Höhle nun anscheinend mein ganzes Leben bleiben soll. Das Waisenhaus war ja schlimm genug, aber da mußte ich ja nicht für immer bleiben, verstehst du?»

«Das ist meine Schuld», sagte der GuRie. «Denn ich habe dich ja mitgenommen.» Dabei quoll ihm eine neue eimerfüllende Träne aus dem Auge und platschte zu Boden. «Aber jetzt fällt mir ein, daß ich ja gar nicht so lange hierbleiben werde», sagte Sophiechen. «Doch, das geht leider nicht anders», sagte der GuRie. «Doch, das geht leider ganz und gar anders», sagte Sophiechen. «Die Muskelprotze da draußen werden mich ja doch einmal erwischen und zum Kaffeetrinken vernaschen.» «Das laß ich niemals zu!» sagte der GuRie. Für eine Weile war es mucksmäuschenstill in der Höhle. Dann sagte Sophiechen: «Darf ich dich etwas fragen?» Der GuRie wischte sich mit der Hand die Tränen aus den Augen und schaute Sophiechen aufmerksam an. «Schieß los!» sagte er.

«Erzähl mir doch bitte, was du letzte Nacht bei uns im Dorf gemacht hast. Warum hast du das lange Trompetendings bei den Gantings ins Kinderzimmer hineingehalten und dann durchgepustet?»

«Aber hoppla!» rief der GuRie und richtete sich in seinem Stuhl auf. «Da ist aber jemand neugierig wie ein Naseweisenkind!» «Und der Koffer, den du bei dir hattest?» fragte Sophiechen. «Wozu hast du den gebraucht?» Der GuRie musterte argwöhnisch das kleine Mädchen, das im Schneidersitz vor ihm auf der Tischplatte hockte. «Du fragst mich aber nach den allergeheimsten Sachen aus», sagte er. «Das sind Geheimnisse, die noch nie jemand gehört hat.»

«Ich erzähl's auch keinem weiter», sagte Sophiechen. «Keiner Menschenseele! Ehrenwort! Ich könnte es ja auch gar nicht verraten. Weil ich doch mein ganzes Leben lang hier bei dir sein muß.»

«Aber vielleicht erzählst du es den andren Riesen.» «Auch nicht», sagte Sophiechen. «Du hast selber gesagt, sie fressen mich auf, sowie sie mich entdeckt haben.» «Das tun sie auch», sagte der GuRie. «Du bist ja auch ein menschliches Leberwesen, und menschliche Leberwesen schmecken den Riesen wie Erdbeeren mit Sahne.» «Aber wenn die mich auffressen, sobald sie mich entdeckt haben, dann hätte ich doch gar keine Zeit mehr, ihnen irgendwas zu verraten, oder?» sagte Sophiechen. «Das stimmt», sagte der GuRie.

«Warum sagst du dann aber, ich könnte es ihnen doch verraten?»

«Weil ich bis oben hin voll bin von Quarkkäsequatschkram», sagte der GuRie. «Wenn du dir alles anhörst, was ich sage, bekommst du bestimmt bald Ohrenschmerzen.» «Bitte, bitte, sag mir, was du bei uns im Dorf gemacht hast», bettelte Sophiechen. «Ich schwöre, du kannst dich auf mich verlassen.» «Kannst du mir mal verraten, wie man einen Edelfant macht?» fragte der GuRie.

«Wie kommst du denn darauf?» fragte Sophiechen. «Ich wünsch mir so, so sehr einen Edelfant, auf dem ich reiten kann», sagte der GuRie sehnsuchtsvoll. «Ich würde ja so gerne einen schönen dicken großen Jumboedelfanten haben. Auf dem würde ich dann durch den schönen dichten großen Urwald reiten und den ganzen Tag schöne dicke rote Pfirsiche pflücken. Wo wir hier leben, das ist ein glutheißes, staubtrocknes, furchtbar unfruchtbares Land. Hier wächst nichts außer Kotzgurken. Ich würde gern woandershin gehen, wo ich morgens auf meinen Edelfant steige, in den Urwald reite und dicke rote Pfirsiche pflücke.»

Diese seltsame Rede des Riesen ging Sophiechen zu Herzen.

«Eines Tages finden wir vielleicht einen Elefanten für dich», sagte sie. «Und schöne dicke rote Pfirsiche. Aber jetzt erzähl mir doch, was du in unsrem Dorf gemacht hast.»

«Wenn du wirklich wissen willst, was ich in eurem Dorf gemacht habe», sagte der GuRie, «ich habe in das Kinderzimmer einen Traum gepustet.» «Einen Traum gepustet?» fragte Sophiechen. «Was meinst du damit?»

«Ich bin der Traum-Riese», sagte der GuRie. «Wenn die anderen Riesen losbrausen, um menschliche Leberwesen zu fressen, schleiche ich mich still und leise woandershin und puste Träume in die Zimmer, wo die Kinder schlafen.

Schöne bunte Träume, die den, der sie träumt, glücklich machen.»

«Langsam, langsam», sagte Sophiechen. «Und woher hast du diese Träume?»

«Die sammel ich», sagte der GuRie und zeigte dabei auf seine vielen, vielen Glasgefäße an den Wänden. «Es gibt Millionen und aber Millionen!»

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