Sophiechen und der Riese
- Автор: Даль Роальд
- Год: 1990
- Язык: немецкий
- Жанр: Детская проза
Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:
«Du bist widerlich», sagte der GuRie. «Und du? Du bist eine Schande für das ganze Riesenvolk!» schnauzte der Blutschlucker. «Du schaffst es einfach nicht, ein richtiger Riese zu sein! Ein quietschiges Stinktier! Ein dreckleckerer Schlammschlürfer bist du! Weißt du, was du bist? Du bist ein Schlotz - du bist ein schlotzrotziger Pup-sernickel, das bist du, und wie!»
Mit diesen starken Worten trollte sich der grausliche Blutschluckerriese aus der Höhle hinaus. Der GuRie eilte zum Höhleneingang und wälzte den Stein wieder davor. «Sophiechen?» flüsterte er. «Sophiechen? Wo bist du, Sophiechen?»
Sophiechen wühlte sich unter dem Saum des schwarzen Mantels hervor. «Hier bin ich», sagte sie.
Der GuRie hob sie hoch und trug sie behutsam in der
Hand. «Ach, ich bin ja so glücksig, daß ich dich ganz heil wiedergefindet habe und nicht kaputt», sagte er. «Ich bin in seinem Mund gewesen», sagte Sophiechen. «Wo bist du gewesen?» schrie der GuRie. Da erzählte ihm Sophiechen, was mit ihr passiert war. «Und ich sag ihm auch noch, er soll die olle Kotzgurke essen, wo du die ganze Zeit da drinnen gehockt hast!» stöhnte der GuRie.
«Witzig war das nicht gerade», sagte Sophiechen. «Aber wie siehst du denn aus, du armes Kind!» klagte der GuRie. «Du bist ja von oben bis unten voll Kotzgurke und Riesenspucke.» Und er begann sie sauberzumachen, so gut er es vermochte.
«Jetzt hasse ich die anderen Riesen noch viel mehr als sonst», sagte er. «Weißt du, was ich jetzt gern tun täte?» «Na was?» fragte Sophiechen.
«Ich würde sie am liebsten alle verschwundibus gehen lassen, einen nach dem andern.»
«Dabei würde ich dir aber von Herzen gerne behilflich sein», sagte Sophiechen. «Laß mich mal nachdenken, ob mir nicht etwas einfällt, wie man das hinkriegen könnte.»
Blubberwasser und Furzelbäume
Inzwischen war Sophiechen nicht nur sehr, sehr hungrig geworden, sondern auch sehr, sehr durstig. Zu Hause im Waisenhaus hätte sie nämlich um diese Zeit schon längst gefrühstückt gehabt.
«Weißt du eigentlich ganz genau, daß es hier nichts anderes zu essen gibt als diese widerlichen, übelriechenden Kotzgurken?» fragte sie.
«Nicht das kleinste Krümelchen», antwortete der Gute Riese.
«Wenn das so ist, könnte ich dann bitte etwas Wasser bekommen?» fragte sie.
«Wasser? Einfach nur Wasser?» fragte der GuRie und legte das Gesicht in tausend Falten. «Wozu Wasser?» «Das trinken wir», sagte Sophiechen. «Was trinkt ihr denn?»
«Blubberwasser», verkündete der GuRie. «Alle Riesen trinken nur Blubberwasser.»
«Schmeckt das auch so scheußlich wie Kotzgurke?» fragte Sophiechen.
«Scheußlich?» rief der GuRie. «Nie und nimmer schmeckt das scheußlich! Blubberwasser ist süß und schluckerlut-schig!» Er stand von seinem Stuhl auf und ging zu einem zweiten großen Schrank hinüber. Den machte er auf und holte eine Flasche daraus hervor, die war aus Glas und an die hundert Zentimeter hoch. Diese Flasche war zur Hälfte mit einer grünlichen Flüssigkeit gefüllt. «Das ist Blubberwasser!» rief er und hielt die Flasche stolz in die Höhe, als ob es sich um einen kostbaren alten Wein handelte. «Ahh, dieses köstliche, zischbizzelige Blubberwasser!» schwärmte er. Dabei schüttelte er die Flasche, und der grüne Saft bizzelte los wie verrückt. «Aber schau dir das an! Es bizzelt falsch herum!» stieß Sophiechen aufgeregt hervor. Und das stimmte genau: Die Silberbläschen stiegen nicht nach oben und zersprühten an der Oberfläche, sondern sie rieselten nach unten und zergingen beim Aufprall auf dem Flaschenboden. «Was meinst du denn mit falsch herum?» fragte der GuRie.
«In unserer Brause», sagte Sophiechen, «gehen die Bläschen immer nach oben und zerplatzen dann.» «Völlig falsch!» betonte der GuRie. «Die Blubberblasen darfst du niemals nach oben steigen lassen. Das ist doch der falschflunkerigste Umpfsinn, den ich jemals gehört habe!»
«Wie kommst du denn darauf?» fragte Sophiechen. «Wie ich darauf komm?» fragte der GuRie zurück und fuchtelte dabei mit der Flasche herum wie ein Dirigent vor einem Symphonieorchester. «Du willst doch wohl nicht behaupten, du weißt nicht, warum es völliger Quatsch und Quark wäre, wenn man die Blubberblasen nach oben statt nach unten gehen läßt.»
«Erst sagst du, das ist falschflunkerig. Und jetzt sagst du, es ist völliger Quatsch und Quark. Was ist es denn nun?» fragte Sophiechen höflich.
«Beides!» antwortete der GuRie triumphierend. «Es ist falschflunkerig und völliger Quatsch und Quark, die Blubberbläschen nach oben steigen zu lassen. Wenn du nicht mal das kapierst, mußt du blind sein wie eine Fleder-laus! Ach du meine Tüte, dein Kopf hat ja ein Rad ab. Ich kriege das große Zittern, wenn ich höre, daß du dir so was überhaupt ausdenken kannst.»
«Und warum dürfen denn die Bläschen nicht nach oben steigen?» fragte Sophiechen.
«Das will ich dir sagen», verkündete der GuRie. «Aber sag du mir erst mal, wie heißt Blubberwasser denn bei euch?»
«Das heißt bei uns Cola», sagte Sophiechen, «oder Selters oder Limo oder Brause. Das ist ganz verschieden.» «Und bei allen steigen die Blubberblasen nach oben?» «Ja, bei allen», sagte Sophiechen.
«Knatterstrofal!» stöhnte der GuRie. «Aufsteigende Blubberblasen sind eine einzige Knatterstrofe!» «Und warum, bitte?» fragte Sophiechen. «Wenn du gut zuhörst, will ich es dir verklären», sagte der GuRie. «Aber du hast ja Gips statt Grips im Kopf. Deshalb kannst du das wohl kaum verstehen.» «Ich werde mich bemühen», sagte Sophiechen geduldig. «Na gut. Dann also. Wenn du euern Colasaft da trinkst», sagte der GuRie, «dann gluckert der doch direkt nach unten in deinen Bauch. Stimmt's oder hab ich recht?» «Genau», sagte Sophiechen.
«Und diese Blubberblasen, die gehen doch mit nach unten in deinen Magen. Stimmt's oder hab ich recht?» «Genau», sagte Sophiechen.
«Und die Blubberblasen bizzeln nun nach oben?» «Natürlich tun sie das», antwortete Sophiechen.
«Das heißt ja», sagte der GuRie, «sie zischprickeln im Hals nach oben und raus aus dem Mund und machen dabei einen ekelmäßigen rüpelrülpshaften Bröpp!» «Das kann schon mal vorkommen», sagte Sophiechen. «Aber ab und zu ein kleines Rülpserchen ist doch nichts Schlimmes. Das ist doch lustig.»
«Brüllpsen ist schweinlich», sagte der GuRie. «Wir Riesen tun so was nie und Null.»
«Aber was ihr immer trinkt», sagte Sophiechen, «wie war noch der Name?» «Blubberwasser», sagte der GuRie.
«Also, wenn man euer Blubberwasser trinkt», sagte Sophiechen, «dann gehen doch die Bläschen im Bauch nach unten, und das könnte ja noch viel peinlichere Folgen haben.»
«Wieso peinlich?» wollte der GuRie wissen. «Weil», sagte Sophiechen und wurde ein bißchen rot, «wenn sie nach unten gehen statt nach oben, dann kommen sie an einer ganz anderen Stelle heraus, und das klingt wesentlich lauter und unanständiger.» «Ein Furzelbaum!» rief der GuRie und strahlte vor Freude. «Wir Riesen lassen dauernd Furzelbäume sausen. Furzeln ist ein Zeichen von Zufriedenheit. In unseren Ohren ist das Musik! Du willst doch wohl nicht behaupten, daß so ein kleines Furzelbäumchen verboten ist bei den menschlichen Leberwesen.»