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Sophiechen und der Riese

Электронная книга - «Sophiechen und der Riese». Краткое содержание книги:

Das Waisenkind Sophiechen beobachtet eines Nachts im Waisenhaus eine seltsame Szene: Ein Riese mit großen Ohren bläst mit einer Trompete in ein Kinderzimmer. Schlimmerweise bemerkt er, daß er beobachtet wurde und nimmt Sophiechen mit ins Land der Riesen. Dort muß Sophiechen Schreckliches entdecken: Während sie mit dem GuRie, dem Guten Riesen unterwegs ist, sind die andereren neun Riesen weniger nett: Jede Nacht ziehen sie auf der Suche nach Menschenfleisch aus und schlagen sich den Bauch voll. Sophiechen ist klar, daß etwas geschehen muß, doch was soll ein kleines Mädchen gegen riesige Monster ausrichten?
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«Es gilt als äußerst unanständig», sagte Sophiechen. «Aber manchmal mußt du doch selber auch furzeln oder etwa nicht?» fragte der GuRie.

«Furzeln, oder wie du das nennst, müssen alle», sagte Sophiechen. «Könige müssen furzeln, und Königinnen müssen auch furzeln. Staatspräsidenten müssen furzeln. Berühmte Filmstars müssen furzeln. Und die kleinen Babies müssen auch furzeln. Aber in meinem Heimatland ist es ungezogen, darüber zu reden.»

«Ist ja krächerlich!» sagte der GuRie. «Wo doch alle ihre Furzelbäume in die Luft gehen lassen, warum darf man dann nicht darüber reden? Jetzt trinken wir erst mal einen anständigen Schluck von diesem köstlichen Blubberwasser, und dann wirst du sehen, was dabei herauskommt.» Und nun schüttelte der GuRie kräftig die Flasche, daß der grünliche Inhalt nur so blubberte und bizzelte, dann zog er den Korken heraus und tat einen gewaltigen glucksenden Schluck.

«Das schlotzt nur so runter!» sagte er. «Ich mag das so gerne.»

Ein paar Augenblicke lang verharrte der Gute Riese im Stehen, immer deutlicher zeichnete sich auf seinem langgezogenen Faltengesicht so etwas wie ein seliges Lächeln ab. Plötzlich tat sich ihm das Himmelreich auf, und er ließ eine Folge von Tönen ab, wie sie Sophiechen so laut und so unanständig noch nie in ihrem Leben gehört hatte. Das Donnergrollen brach sich an den Höhlenwänden und ließ die Gläser auf den Regalen klirren. Was aber am stärksten war: die Explosionen rissen den baumlangen, stämmigen Riesen aus dem Stand in die Lüfte wie eine Rakete. «Juhuu!» jauchzte er, als er wieder auf dem Boden landete. «Da siehst du mal, wie schön ein Furzelbaum ist.»

Sophiechen prustete vor Lachen. Sie konnte es einfach nicht unterdrücken.

«Trink du auch mal was!» rief der GuRie und hielt ihr den gewaltigen Flaschenhals hin.

«Könntest du mir bitte einen Becher geben?» bat Sophiechen.

«Becher nein. Nur Flasche.»

Sophiechen sperrte den Mund auf, und der GuRie hielt die Flasche schön schräge und tröpfelte ihr ein wenig von dem tollen Blubberwasser ein. Und das schmeckte vielleicht gut! So süß und erfrischend! Nach Vanille schmeckte es und nach Sahne mit einem zarten Hauch von Himbeeren. Aber das schönste waren die Blubberbläschen. Sophiechen fühlte, wie sie in ihrem Bauch sprudelten und sprühten -ein wahnsinnig komisches Gefühl. Es war ein Gefühl, als ob Hunderte von winzigen Tänzern Hopsasa tanzen und sie von innen mit ihren noch viel winzigeren Füßchen kitzeln würden. Und das war herrlich. «Herrlich ist das!» rief sie.

«Abwarten!» sagte der GuRie und wedelte mit den Segelohren.

Sophiechen spürte, wie die Bläschen in ihrem Bauch immer tiefer nach unten rieselten, immer weiter nach unten, bis es plötzlich und unvermeidlich losknallte. Die Posaune erscholl, und auch bei Sophiechen gab es ein Echo in der Höhle - teils Orgelgetön, teils Donnergedröhn. «Ja bravo!» rief der GuRie und schwenkte die Flasche. «Für einen Anfänger kannst du das ausgezeichnet! Komm, wir nehmen noch mal einen Schluck!»

Die Reise ins Traumland

Als die ausgeflippte Blubberwasserparty vorbei war, ließ Sophiechen sich wieder auf dem kolossalen Tisch nieder. «Geht's dir jetzt besser?» fragte der GuRie. «Ja, danke: viel besser», sagte Sophiechen. «Immer wenn ich mich ein bißchen schrottig fühle», sagte der GuRie, «laß ich mir ein paar Schluck Blubberwasser reingluckern, und schon bin ich wieder quietschmopsfidel.»

«Ich finde auch: das muß man einfach erlebt haben», sagte Sophiechen.

«Das ist so was Ratzfetziges!» sagte der GuRie. «So was Klassegeiles!» Damit drehte er sich um und klabasterte durch die Höhle, um sein Traumfangnetz zu holen. «Ich galoppier jetzt mal los», sagte er, «und fang mir ein paar neue Schickerschocker Träume für meine Traumothek. Das tu ich jeden Tag. Hast du Lust zum Mitkommen?» «Oh, nein danke: ich doch nicht», sagte Sophiechen. «Draußen lauern doch die anderen Riesen auf mich!» «Ich verkuschel dich ganz, ganz gemütlich in meiner Westentasche», sagte der GuRie. «Dann sieht dich keiner.»

Sophiechen konnte sich gar nicht dagegen wehren, so schnell hatte der Gute Riese sie von der Tischplatte geholt und in seine Westentasche geschoben. Da gab es schön viel Platz. «Hast du Lust auf ein kleines Linse-Loch zum Hinauslinsen?» fragte er sie.

«Ich habe schon eins gefunden», sagte sie. Tatsächlich hatte sie in der Tasche ein winziges Loch entdeckt, durch das sie mit einem Auge sehr gut hinauslinsen konnte. Sie sah, wie der GuRie sich bückte und seinen Koffer mit leeren Gläsern vollpackte. Dann klappte er den Deckel zu, ergriff mit der einen Hand den Koffer, mit der anderen Hand die Stange mit dem Fangnetz und ging zum Höhlenausgang.

Sobald er unter freiem Himmel war, trabte er über das weite, heiße, gelbe Wüstenland mit seinen blauen Felsen und abgestorbenen Bäumen, wo die anderen Riesen herumlungerten.

Sophiechen hockte in der Tasche der Lederweste und preßte ihr eines Auge gegen das kleine Loch. So konnte sie die Horde der kolossalen Riesen in einer Entfernung von ungefähr dreihundert Metern erkennen. «Jetzt halt die Luft an!» flüsterte ihr der GuRie zu. «Drück uns die Flaumen! Jetzt wird's aber hoppla! Denn jetzt gehen wir haarscharf an diesen Riesen vorbei. Siehst du den einen rasend Großen da, der am nächsten ist zu uns?» «Ja, den seh ich», flüsterte Sophiechen zurück, wobei sie zitterte.

«Das ist der Schlimmste von allen. Und der Größte. Er heißt Fleischfetzenfresser.»

«Von dem will ich kein Sterbenswörtlein hören!» sagte Sophiechen.

«Er ist sechzehn Meter dreiundzwanzig groß», murmelte der GuRie, während er weiterzockelte. «Und der putzt menschliche Leberwesen weg, wie andre Leute Würfelzucker essen: immer gleich zwei oder drei auf einmal.»

«Du machst mich nervös», sagte Sophiechen. «Nervös bin ich auch», wisperte der GuRie. «Ich kriege immer das große Hopsen wie eine Heuschrecke, wenn der Fleischfetzenfresser in der Gegend ist.» «Laß ihn bloß nicht zu nahe kommen!» flehte Sophiechen.

«Geht nicht», sagte der GuRie. «Der galoppiert nämlich lässig doppelt so schnell wie ich.» «Und wenn wir umkehren?» bat Sophiechen. «Umkehren ist noch schlimmer», sagte der GuRie. «Wenn die mich wegrennen sehen, dann machen sie erst recht Hetzjagd auf mich und schmeißen mit Felsbrocken.» «Aber fressen würden sie dich nicht, oder?» wollte Sophiechen wissen.

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