Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Die Frequenzen - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die Frequenzen

Электронная книга - «Die Frequenzen». Краткое содержание книги:

Walter und Alexander waren Freunde, als sie noch Kinder waren — nun kreuzen sich ihre Wege wieder
Dies ist die Geschichte von Walter, dem Sohn eines Architekten mit Einfluss. Er will Schauspieler werden — oder will es nur sein Vater? Walter bekommt seine Chance, als ihn Valerie, eine Psychotherapeutin, die bessere Tage gesehen hat, engagiert, um in Gruppensitzungen fiktive Patientenrollen zu spielen. Doch er geht zu sehr in seiner Rolle auf.
Dies ist die Gechichte von Alexander. Er ist Altenpfleger, ein junger Mann mit ausufernder Phantasie, die sich im Schatten einer einsamen Kindheit entwickelt hat. Alexander kündigt seinen Job, und er will seine Freundin loswerden, um mit Valerie zusammenzuleben. Doch die wird eines Tages brutal zusammengeschlagen…
Nach Söhne und Planeten, seinem Debüt, das ihm einhelliges Lob der Kritik einbrachte, legt Clemens J. Setz ein Werk vor, das alle Erwartungen sprengt: atemberaubend kraftvoll, bunt, sprachgewaltig und zart.
1 ... 95 96 97 98 99 100 101 102 103 ... 139
Перейти на страницу:

Ein kleiner, roter VW war bis obenhin voll Platzangst. Messerschmidt schnürte es beinahe die Kehle zu, als er daran vorbeiging, denn es war jene Spielart von Angst, in der ein Mensch zu allem fähig ist, sogar auf sein brennendes Haus zurückzuschauen und sich vorzustellen, wie gerade alle verbrannten: seine Frau, seine Großmutter im Dachzimmer und sein Sohn, der im Rollstuhl saß und sich einbildete, das nächste Jahr noch zu erleben; zuviel ist zuviel.

Ein Mercedes, an manchen Stellen unheilbar zerkratzt. Ein eifersüchtiger Ex-Ehemann hatte mit seinem Wohnungsschlüssel, der nicht mehr sperrte, weil das Schloss ausgetauscht worden war, einen kleinen Eiskunstlauf vollführt, eine lange, elegante Gerade, die an Geschwindigkeit zunahm, dann eine Pirouette um das Schlüsselloch. Sie hatte ihn auf frischer Tat ertappt, und sie hatten sich beschimpft und bespuckt, und hinterher waren sie zusammen ins Gras gesunken, weinend und wild, verwegene Entschuldigungen zischend. Beide hatten sie im selben Augenblick daran gedacht, den anderen zu ermorden, und der Drang, es zu tun, hatte sich aufgelöst.

Ein völlig verfallener Wagen mit unbestimmbarem Baujahr. Er hatte viel gesehen. Zum Beispiel eine Tour in den Süden, ohne Geld, ohne Papiere. Einfach so drauflos. Dann wurde jemandem schlecht, dem jüngsten, der gerade erst die Matura hinter sich hatte, er erbrach sich mitten auf der Autobahn, direkt auf das große YU, das von einem X aus Klebestreifen durchgestrichen war.

Messerschmidt versuchte ein wenig schneller zu gehen, denn die Hündin schien unruhig, und vielleicht würde sie wieder fortlaufen und er bliebe hier hängen, in diesem zähen Gelee aus Zusammenhängen.

Das Auto eines Zahnarztes. Sein Leben war vorbei, schon seit dreizehn Jahren. Er hasste seine Familie, seine Arbeit, sein Gesicht beim Rasieren am Morgen. Er hasste seine Patienten, die mit offenem Maul auf seinem Stuhl saßen. Er hasste auch den Stuhl. Er hasste die Instrumente, mit denen er anderen Menschen wehtun musste. Er vermutete, das wäre die Hauptursache für seine Verzweiflung. (Messerschmidt wollte den Rest gar nicht wissen, er versuchte, sich loszureißen, aber er steckte fest.) Seine natürliche Unfähigkeit, anderen Leuten Schaden zuzufügen. Ein Defekt, mit dem er geboren worden war und der nun sein Leben vergiftete. Er musste seine Kinder anschreien, er musste seiner leichtsinnigen Frau verbieten, sein schwer verdientes Geld für jeden hirnlosen Unsinn auszugeben, er musste sie zum Weinen bringen. Und er musste Betäubungsmittel verabreichen, in die Wange oder direkt ins Zahnfleisch, damit die Leute nicht merkten, wie sehr er ihnen wehtat.

Der Wagen einer Lehrerin. Sie löste gerne Kreuzworträtsel, in denen lateinische Begriffe vorkamen. Und in der Windschutzscheibe hing ein Affe mit Saugnäpfen auf Pfoten und Lippen. Das war alles. Mehr gab es nicht. Sie war vollkommen leer.

Das war die Chance — Messerschmidt löste sich. Lange genug hatte es gedauert, aber nun war das Ende da. Er spürte, wie Wärme in ihm aufstieg. Er hörte weit entferntes Trommeln und wusste, dass ihm nicht viel Zeit blieb.

Ein an mehreren Stellen vollkommen durchgerostetes Fahrrad brachte ein wenig Abkühlung (die Lenkstange hatte dermaßen viele Löcher, dass der Wind darauf am Abend manchmal Flöte spielte). Es stand seit Jahrzehnten hier herum, ohne dass es von seinem Besitzer je abgeholt worden wäre. Messerschmidt genoss die Stille, die von dem Rad ausging. Bald würde diese Stille ganz ihm gehören.

Aber noch nicht jetzt.

Da der Hürdenlauf nun hinter ihm lag, konnte er sich endlich ganz der Hündin widmen. Aber die schien ihn gar nicht bemerkt zu haben, sondern schaute einfach an ihm vorbei. Er drehte sich um. Häuserfronten, Fenster, Fernsehantennen. Was war da? Was hatte sie entdeckt? Ihr Blick ging hin und her, sie suchte irgendwas. Noch hatte sie es nicht gefunden. Aber es war nicht er, nach dem sie suchte.

Spiel

Ein kühler Luftzug weht über das Spielfeld. Mein Körper ist erhitzt, trotz der abendlichen Frische, meine Beine zittern vor Anspannung und Nervosität, meine Handflächen schwitzen, mein Nacken, meine Fußsohlen, mein Kinn. Meine Sportkleidung sitzt nicht richtig und ich hinterlasse peinlich winzige Fußabdrücke, wie die Spuren eines Fuchses auf der Flucht.

Der Arzt steht ein paar Meter (oder Yards?) entfernt und macht rätselhafte Zeichen mit der freien Hand, seltsam somnambule Gesten, so wie die eines schlafenden Gehörlosen, der in Gebärdensprache träumt. Ein großer, bleicher Wurfball liegt in seiner anderen Hand, rund und bereit. Eine apfelgroße Miniatur des Mondes. Ich trete unsicher von einem Fuß auf den anderen. Ich möchte es nicht zugeben, aber ich hoffe, dass er an meiner Körpersprache sieht, wie unbehaglich diese ganze Situation für mich ist, wie sehr ich leide. Ich will, dass er Mitleid mit mir bekommt und mich schonend behandelt. Aber dafür steht er viel zu weit weg. Er lässt den Ball in seiner Hand hüpfen.

Er beginnt, mir den Ball zuzuspielen:

— Wir haben eine leichte Schädelfraktur feststellen können … die zu einer Blutung hier …

Wieder das seltsame Gestikulieren. Sein Zeigefinger ist so winzig klein. Ich muss mich sehr anstrengen, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Er deutet auf eine schwarze Fensterscheibe, auf der eine Art dreidimensionaler Rorschachtest zu sehen ist; sie schwebt zwischen uns wie ein Tennisnetz. Außerdem weht ein starker Wind. Meine Bälle werden stark abgelenkt und schwirren unbemerkt in die Nacht davon.

Seine Würfe sind exakt und fast unsichtbar, so schnell kommen sie auf mich zu.

— … noch unsicher, ob bleibende Schäden zu erwarten sind. Mit Sicherheit kann man das allerdings nicht ausschließen. Aber um einen Augenblick Klartext mit Ihnen zu reden: Bei einer Verletzung dieser Art wäre es wirklich … na ja, zumindest nicht unwahrscheinlich, dass eine Beeinträchtigung bestehen bleibt, sei es motorischer Art oder …

Er deutet auf seine Baseballkappe und macht kleine kreisende Bewegungen mit seinem Zeigefinger, als wollte er sagen: Plemplem.

Dann wieder unverständliche Zeichen aus seinem Fingeralphabet. Ein Ball kommt direkt auf mich zu, trifft mich direkt in den Solarplexus, meine Beine knicken ein, mir wird schwindlig. Ich lalle irgendetwas, halte den Kopf gesenkt, sodass er mein schmerzverzerrtes Gesicht nicht sehen kann und vielleicht davon ausgeht, dass ich noch nicht bereit bin für seinen nächsten Schlag.

Aber stattdessen wirft er.

— Sie wird in Zukunft bestimmt, das traue ich mich zu sagen, auf Ihre Hilfe und die ihrer Familie angewiesen sein.

Der Ball streift mich an der Schläfe, und kalter Schweiß bricht mir aus. Der Arzt macht große, eigentümliche Bewegungen mit seinem Handschuh, als würde er ein unsichtbares Kind wickeln. Ich strenge mich sehr an, ihm zu folgen, aber ich gebe dabei keine gute Figur ab. Im Park wird es immer dunkler. Mir ist ein wenig schwindlig, ich schwitze und ich will nach Hause. Der Wind übertönt meine Stimme. Es ist sinnlos, überhaupt sprechen zu wollen.

Glücklicherweise kommt mir der Arzt zuvor:

— Ach, Entschuldigung, aber könnten Sie das eventuell …?

— Bitte?

— Könnten Sie … Dieses Ding macht mich nervös.

Ich folge neugierig und kooperativ seinem Blick, dann fange ich das Jojo ein, das sich in meiner Hand selbstständig gemacht hat, und verwickle es in seiner eigenen Schnur, bis es sich nicht mehr rühren kann.

1 ... 95 96 97 98 99 100 101 102 103 ... 139
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)