Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Die Dämonen». Краткое содержание книги:

Die Dämonen
1 ... 94 95 96 97 98 99 100 101 102 ... 230
Перейти на страницу:

»Für Geld! Sie, sie sagt: ›Für Geld!‹« jammerte Stepan Trofimowitsch schmerzerfüllt.

»Aber was ist denn dabei? Was willst du denn? Das habe ich zu deiner Verteidigung angeführt. Das ist ja der einzige Weg, um deine Handlungsweise zu entschuldigen. Sie sieht das selbst ein, daß du Geld brauchtest, wie jeder Mensch, und daß du von diesem Gesichtspunkte aus am Ende recht getan hast, so zu verfahren. Ich habe ihr mathematisch bewiesen, daß ihr von eurem Zusammenleben alle beide Vorteil gehabt habt: sie als Kapitalistin und du als ihr sentimentaler Hausnarr. Übrigens ist sie des Geldes wegen nicht weiter ärgerlich, obgleich du sie gemolken hast wie eine Ziege. Sie ist bloß darüber wütend, daß sie dir zwanzig Jahre lang geglaubt hat, und daß du sie mit deiner vornehmen Gesinnung so betrogen und sie gezwungen hast, so lange zu lügen. Daß sie von selbst gelogen hat, wird sie nie eingestehen; aber du sollst jetzt doppelt dafür gestraft werden. Ich begreife nicht, daß du dir nicht gesagt hast, es müsse doch notwendigerweise einmal zur Abrechnung mit dir kommen! Du hattest ja doch immer einigen Verstand. Ich habe ihr gestern geraten, dich in ein Armenhaus zu geben; beruhige dich, in ein anständiges; darin wird für dich keine Beleidigung liegen; ich glaube, sie wird es auch tun. Erinnerst du dich an den letzten Brief, den du mir vor drei Wochen nach dem Gouvernement Ch*** schriebst?«

»Hast du ihr den wirklich gezeigt?« rief Stepan Trofimowitsch und sprang erschrocken auf.

»Na, aber selbstverständlich! Vor allen Dingen! Das ist derselbe Brief, in dem du mitteiltest, sie beute dich aus und beneide dich um dein Talent; na, und dann schriebst du darin von ›fremden Sünden‹. Nun, mein Lieber, apropos, was besitzt du doch für eine Eitelkeit! Ich habe so darüber gelacht! Im ganzen sind deine Briefe allerdings langweilig; du hast einen schauderhaften Stil. Ich habe sie oft gar nicht gelesen, und einer liegt bei mir noch jetzt uneröffnet umher; ich werde ihn dir morgen zuschicken. Aber dieser, dieser dein letzter Brief, das war das Nonplusultra! Wie habe ich gelacht, wie habe ich gelacht!«

»Du Unmensch, du Unmensch!« jammerte Stepan Trofimowitsch.

»Pfui Teufel, aber mit dir kann man auch gar nicht reden! Hör mal, du fühlst dich wohl wieder beleidigt wie vorigen Donnerstag?«

Stepan Trofimowitsch richtete sich drohend auf.

»Wie kannst du es wagen, mir gegenüber eine solche Sprache zu führen?«

»Was denn für eine Sprache? Ich rede schlicht und deutlich.«

»Aber sage mir doch endlich, du Unmensch, bist du mein Sohn oder nicht?«

»Das mußt du besser wissen als ich. Allerdings neigt jeder Vater in diesem Punkte zur Selbstverblendung ...«

»Schweig, schweig!« rief Stepan Trofimowitsch, am ganzen Leibe zitternd.

»Siehst du, du schreist und schimpfst gerade wie vorigen Donnerstag, wo du sogar den Stock gegen mich erheben wolltest; ich suchte damals ein Dokument. Aus Neugier kramte ich den ganzen Abend über in deinem Koffer umher. Allerdings habe ich nichts Zuverlässiges gefunden; du kannst dich trösten. Es war nur ein Briefchen meiner Mutter an jenen Polen da. Aber nach ihrem Charakter zu schließen ...«

»Noch ein Wort, und ich gebe dir ein paar Ohrfeigen!«

»So sind die Menschen!« wandte Peter Stepanowitsch sich auf einmal zu mir. »Sehen Sie, das schreibt sich bei uns noch vom vorigen Donnerstag her. Ich freue mich, daß Sie wenigstens heute hier sind und sich ein Urteil darüber bilden können. Zuerst eine Tatsache: er macht es mir zum Vorwurf, daß ich so über meine Mutter spreche; aber hat er mich nicht selbst darauf hingestoßen? Hat er mich nicht in Petersburg, als ich noch Gymnasiast war, oft zweimal in der Nacht aufgeweckt, mich umarmt und wie ein altes Weib geweint, und was meinen Sie, was er mir da in der Nacht erzählt hat? Eben diese unsauberen Geschichtchen von meiner Mutter! Er ist der erste gewesen, von dem ich sie gehört habe.«

»Oh, ich verfolgte damals damit eine höhere Absicht! Oh, du hast mich nicht verstanden. Nichts, nichts hast du verstanden!«

»Aber doch kommt es bei dir gemeiner heraus als bei mir; das mußt du selbst zugeben. Siehst du, mir kann es ja ganz egal sein. Ich redete von deinem Gesichtspunkte aus. Von meinem Gesichtspunkte aus mache ich meiner Mutter keine Vorwürfe, da kannst du unbesorgt sein; ob du mein Vater bist oder der Pole, ist mir ganz egal. Ich kann nichts dafür, daß es bei euch in Berlin so dumm herging. Und es hätte freilich bei euch etwas verständiger hergehen können. Na, muß man unter diesen Umständen nicht sagen, daß ihr lächerliche Menschen seid? Und ist es dir nicht ganz gleichgültig, ob ich dein Sohn bin oder nicht? Hören Sie,« wandte er sich wieder zu mir, »sein ganzes Leben lang hat er auch nicht einen Rubel für mich ausgegeben; bis zu meinem sechzehnten Lebensjahre hat er mich überhaupt nicht gekannt; dann hat er mich hier ausgeplündert; und jetzt schreit er, das Herz habe ihm sein ganzes Leben lang um mich weh getan, und gebärdet sich vor mir wie ein Schauspieler. Aber ich bin ja doch nicht Warwara Petrowna; ich bitte dich!«

Er stand auf und griff nach seinem Hute.

»Ich verfluche dich!« rief Stepan Trofimowitsch, blaß wie der Tod, und streckte den Arm gegen ihn aus.

»Auf was für Dummheiten der Mensch doch verfällt!« bemerkte Peter Stepanowitsch sehr erstaunt. »Na, leb wohl, Alter; ich werde nun nie mehr wieder zu dir kommen. Das Manuskript zu der Vorlesung schick mir nur recht bald vorher; vergiß es nicht; und wenn du kannst, so gib dir Mühe, daß kein Unsinn darin steht: Tatsachen, Tatsachen, nichts als Tatsachen, und, was die Hauptsache ist, kurz. Adieu!«

Fußnoten

1 Von dem Nihilisten Tschernyschewski, erschienen im Jahre 1863.

Anmerkung des Übersetzers.

III.

Übrigens spielten hier auch noch andere Gründe mit. Peter Stepanowitsch hatte allerdings gegen seinen Vater einen bestimmten Anschlag im Kopfe. Meiner Ansicht nach beabsichtigte er, den alten Mann zur Verzweiflung zu bringen und ihn dadurch in einer gewissen Art zu einem offenen Skandal zu treiben. Daran war ihm um weiterer, andersartiger Ziele willen gelegen, von denen später die Rede sein wird. Ähnliche Pläne und Absichten mannigfacher Art hatten sich damals in großer Menge in seinem Kopfe angesammelt, allerdings hatten sie fast alle etwas Phantastisches. Außer Stepan Trofimowitsch hatte er noch einen anderen zum Märtyrer bestimmt. Überhaupt machte er nicht wenige Menschen zu Märtyrern, wie sich das in der Folge herausstellte; aber diesen hatte er besonders ins Auge gefaßt, und das war Herr v. Lembke selbst.

Andrei Antonowitsch v. Lembke gehörte zu jenem von der Natur begünstigten Volksstamme, von dem man in Rußland laut den Angaben des Kalenders einige Hunderttausende zählt, und der, vielleicht ohne es selbst zu wissen, bei uns in seiner ganzen Masse einen streng organisierten Bund bildet. Dieser Bund ist natürlich nicht planmäßig ausgedacht und ersonnen; aber er besteht in dem ganzen Volksstamm von selbst ohne Worte und Verabredungen als eine Art von moralischer Verpflichtung zu gegenseitiger Unterstützung aller Mitglieder dieses Volksstammes, immer und überall und unter allen Umständen. Andrei Antonowitsch hatte die Ehre gehabt, in einem jener vornehmen russischen Lehrinstitute erzogen zu werden, die von den Söhnen der reichsten und mit den besten Verbindungen ausgestatteten Familien besucht werden. Die Zöglinge dieser Anstalt wurden fast unmittelbar nach Absolvierung des Kursus dazu bestimmt, ziemlich bedeutende Ämter in einem Ressort des Staatsdienstes zu bekleiden. Andrei Antonowitsch hatte einen Onkel, welcher Ingenieuroberst, und einen andern, welcher Bäcker war; aber er drängte sich auf die vornehme Schule und traf dort eine Anzahl von Stammesgenossen ähnlicher Art. Er war ein munterer Kamerad; das Lernen fiel ihm ziemlich schwer; aber alle hatten ihn gern. Als er schon in den oberen Klassen war, hatten viele seiner Mitschüler, meist Russen, schon gelernt über sehr bedeutsame Fragen der Gegenwart zu disputieren, mit einer Miene, welche besagte, sowie sie würden abgegangen sein, würden sie alle diese Probleme erledigen; aber Andrei Antonowitsch fuhr immer noch fort, sich mit den unschuldigsten Schülerstreichen zu beschäftigen. Er brachte durch seine allerdings nicht sehr schlauen, mitunter nur derben Späße alle zum Lachen; aber eben dies hatte er sich zur Aufgabe gemacht. So zum Beispiel schneuzte er sich mit erstaunlichem Geräusche, wenn der Lehrer sich beim Unterrichte mit einer Frage an ihn wandte, wodurch er seine Mitschüler und den Lehrer erheiterte; oder er gab auf dem Schlafsaal ein lebendes Bild zum Besten, indem er irgendeine zynische Haltung annahm, die ein allgemeines Händeklatschen hervorrief; oder er spielte lediglich mit der Nase (und zwar recht geschickt) die Ouvertüre zu Fra Diavolo. Er zeichnete sich auch durch absichtliche Unsauberkeit aus, da er dies seltsamerweise für geistreich hielt. Im letzten Jahre begann er russische Verse zu schreiben. In seiner Muttersprache beging er zahlreiche grammatische Fehler, wie viele Angehörige dieses Volkes in Rußland. Diese Neigung zur Poesie brachte ihn in Verkehr mit einem mürrischen, schüchternen Klassengenossen, dem Sohne eines armen russischen Generals, der auf der Anstalt für einen zukünftigen großen Schriftsteller galt. Dieser übernahm ihm gegenüber die Rolle eines Gönners. Aber es begab sich, daß nach dem Abgange von der Anstalt, ungefähr drei Jahre nachher, dieser mürrische Kamerad, der seine dienstliche Laufbahn um der russischen Literatur willen aufgegeben hatte und infolgedessen schon in zerrissenen Stiefeln umherstolzierte und im Spätherbst im Sommerüberzieher vor Kälte mit den Zähnen klapperte, zufällig bei der Anitschkow-Brücke seinen früheren Protégé »Lembka« traf, wie diesen alle auf der Schule genannt hatten. Er erkannte ihn beim ersten Blick gar nicht wieder und blieb erstaunt stehen. Vor ihm stand ein tadellos gekleideter junger Mann, mit einem vorzüglich gepflegten Backenbarte von rötlicher Farbe, mit einem Pincenez, Lackstiefeln, ganz neuen Handschuhen, einem von Scharmer angefertigten stattlichen Überzieher und mit einer Aktenmappe unter dem Arme. Lembke sprach mit dem Schulkameraden freundlich, gab ihm seine Adresse an und lud ihn ein, ihn abends einmal zu besuchen. Dabei stellte sich auch heraus, daß er nicht mehr »Lembka« war, sondern v. Lembke. Dennoch ging der Schulkamerad zu ihm hin, vielleicht nur aus Bosheit. Auf der Treppe, die ziemlich häßlich und ganz und gar nicht prunkvoll, aber mit rotem Tuch belegt war, begegnete ihm der Portier, fragte ihn, zu wem er wolle, und zog dann eine nach oben führende Klingel, die laut ertönte. Aber statt der Reichtümer, die der Besucher zu sehen erwartete, fand er seinen »Lembka« in einem sehr kleinen Seitenzimmerchen, das ein dunkles, altes Aussehen hatte und durch einen großen dunkelgrünen Vorhang in zwei Teile geteilt war; möbliert war es mit zwar weichen, aber sehr alten dunkelgrünen Möbeln; an den schmalen, hohen Fenstern hingen dunkelgrüne Vorhänge. Herr v. Lembke wohnte bei einem sehr entfernten Verwandten, einem General, der ihn protegierte. Er empfing den Gast freundlich und benahm sich ernst und mit auserlesener Höflichkeit. Es wurde auch über Literatur gesprochen, aber in anständigen Grenzen. Ein Diener mit weißer Krawatte brachte dünnen Tee mit kleinen, runden, trockenen Küchelchen. Der Schulkamerad bat aus Bosheit um Selterwasser. Es wurde ihm gereicht, aber mit einiger Verzögerung, da Lembke darüber verlegen zu sein schien, daß er den Diener noch einmal rufen und ihm einen Befehl geben mußte. Übrigens fragte er selbst seinen Gast, ob er nicht einen Imbiß zu sich nehmen wolle, und war offenbar zufrieden, als dieser dankte und endlich wegging. Kurz gesagt: Lembke hatte seine Karriere begonnen und wohnte bei einem Stammesgenossen, der aber ein angesehener General war.

1 ... 94 95 96 97 98 99 100 101 102 ... 230
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)