Die Geheimnisse von Paris
- Автор: Сю Эжен
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die Geheimnisse von Paris». Краткое содержание книги:
Ihre Clemence von Harville, geb. Orbigny.«
Nachschrift. »Noch eins, was ich Ihnen längst schon hätte mitteilen sollen! Im Gefängnisse Saint-Lazare, wo ich zufolge Ihrer Weisung die Gefangenen besuchen sollte, habe ich ein unglückliches Mädchen angetroffen, für das Sie sich ehedem interessierten. Die Unglückliche wird Ihnen, wenn Sie sich weiterhin für Sie interessieren, selbst erzählen, auf welche Weise, durch welches Zusammentreffen widriger Umstände sie der freundlichen Stätte entrissen worden ist, wohin Sie sie geführt hatten, und wie sie den Weg in das Gefängnis gefunden hat, wo sie als milder Engel ihren segensvollen Einfluß geltend zu machen verstanden hat ...«
»Ich verstehe nicht,« sagte Rudolf bei sich, »wie das alles zusammenhängen mag ... welch neues Unglück mag über die arme Marienblume hereingebrochen sein? Schicke auf der Stelle einen reitenden Boten nach Bouqueval, lieber Murph, und schreibe der Frau Georges, daß sie sofort nach Paris kommen möge ... Sage auch Graun, er solle mir die Erlaubnis zum Besuche des Gefängnisses Saint-Lazare verschaffen. Wie mir Frau von Harville mitteilt, ist das Mädchen dort eingesperrt; doch nein! Lachtaube teilt mir doch eben mit, sie habe sie mit einer älteren Frau aus dem Gefängnisse gehen sehen... Sollte das etwa Frau Georges gewesen sein? Wer weiß! Und wohin mag die Arme dann geraten sein?«
»Geduld, Hoheit, Geduld!« sagte Murph, »ehe es Abend wird, soll alles offenbar sein. Wir werden morgen das Verhör mit dem Schurken Polidori anstellen, der, wie er jagt, Ihnen wichtige Aufschlüsse zu geben hat, sie aber niemand als Ihnen selbst geben will.« – Rudolf machte eine abwehrende Gebärde ... »Warum sollten Sie mit dem Manne nicht reden wollen? Drohen Sie ihm mit der Polizei und den Gerichten Frankreichs ... die Angst vor dem Bagno wird ihm die Zunge am ehesten lösen.« –
Es wurde geklopft, Murph ging hinaus und kam mit zwei Briefen wieder, deren einer für Rudolf bestimmt war ... Ihn schnell überfliegend, rief er: »Also wie ich ahnte, das Mädchen ist einer neuen Niederträchtigkeit zum Opfer gefallen! Am selben Abend, an dem sie von Bouqueval verschwunden, ist ein reitender Bote zur Frau Georges gekommen mit der Nachricht, ich sei von dem Verbleib des Mädchens unterrichtet und würde sie nach einigen Tagen persönlich zurückbringen. Frau Georges ist aber trotzdem über das Ausbleiben jeder weiteren Nachricht in Sorge und schreibt mir nun, ich möchte sie doch aus dieser Ungewißheit befreien.« – »Seltsam!« – »Aus welcher Ursache mag man das Mädchen aus Bouqueval gebracht haben?« – »Ich vermute, Königliche Hoheit, daß die Gräfin Sarah diesem Vorgange nicht fremd ist,« bemerkte plötzlich Murph. – »Sarah? Und warum denkst du das?« – »Setzen wir den letzten Vorgang in Konnex mit den Verleumdungen, die sie über die Marquise ausgestreut hat ...« – »Du hast recht, Murph,« antwortete Rudolf, dem nun mancherlei klar wurde, das ihm bisher dunkel gewesen war. »ja, ich verstehe jetzt – Sarah hält hartnäckig an dem Wahne fest, daß sie dadurch, daß sie alle Liebesbande, die mich ihrer Meinung nach fesseln, zerreißt, mich wieder an sich ziehen werde ... Schicke auf der Stelle Graun zu ihr und lasse ihr sagen, ich hätte von dem Anteil, den sie an dem Raube des Mädchens habe, genaue Kenntnis und würde, wenn sie mir nicht sofort gestände, wohin sie das Mädchen habe schaffen lassen, mich unverzüglich an die Polizei wenden.« – »Sogleich, Königliche Hoheit! Zuvor aber gestatten Sie wohl, daß ich schnell noch sehe, was mir mein Marseiller Agent über das Fortkommen Schuris meldet, dem er nach Algier verhelfen sollte.« »Und was wird dir mitgeteilt?« fragte Rudolf nach einer kleinen Weile. –
»Schuri hat in Marseille geraume Zeit auf ein Schiff nach Algier warten müssen und dann, als ihm die Zeit zu lang wurde, erklärt, er wolle nach Paris zurückreisen.« – »Nun, warten wir ab, was uns weiter von ihm bekannt wird,« erwiderte Rudolf, »schicke sofort Graun zur Gräfin oder erkundige dich selbst in Saint-Lazare, was aus dem armen Kinde geworden ist.«
Nach Verlauf einer Stunde kam Graun von dem Gange wieder, völlig außer Fassung ... »Was ist Ihnen denn, Graun?« rief Rudolf ihm entgegen, »haben Sie die Gräfin gesprochen?« – »Königliche Hoheit, etwas Entsetzliches ... – »Sprechen Sie! Sprechen Sie!« drängte ihn Rudolf. – »Die Gräfin ist niedergestochen worden, Königliche Hoheit!« – »Graun! Sind Sie von Sinnen?« – »Noch lebt sie, aber der Arzt zweifelt an ihrem Aufkommen,' erwiderte Graun. – »Und wer hat dies Verbrechen begangen?« rief Rudolf, »es läßt sich ja kaum fassen!« – »Man weiß nichts näheres,« berichtete Graun, »aber es hat sich jemand ins Zimmer der Gräfin geschlichen und viel Juwelen geraubt ...« – »Ziehen Sie sofort nähere Erkundigungen ein, Graun, und halten Sie sich stündlich auf dem Laufenden!«
Murph kam bald darauf von Saint-Lazare wieder ... »Vernimm, ehe du mir mitteilst, was du erfahren,« sagte Rudolf, »daß Sarah einem Raubmorde erlegen ist ... und daß ihr Leben in der äußersten Gefahr schwebt ...« – »Entsetzlich, königliche Hoheit,« rief Murph und setzte nach einer kleinen Pause hinzu: »Sie hat wohl viel verschuldet, Hoheit, aber solches Ende wäre doch zu schrecklich!« – »Und wie steht's mit dem Mädchen?« fragte Rudolf gespannt. – »Sie ist gestern, wie es heißt, auf Verwenden der Marquise von Harville, in Freiheit gesetzt worden.« – »Das kann doch nicht sein,« versetzte Rudolf, »die Marquise schreibt mir ja, daß ich die weiteren Schritte tun solle, die dem Mädchen zu seiner Freiheit verhelfen könnten.« – »Und doch ist es so, wie ich sage. Das Mädchen ist seit gestern nicht mehr im Gefängnisse. Eine ältere Frau ist mit dem Freilassungsbefehl dagewesen, und mit ihr hat das Mädchen das Gefängnis verlassen.« – »Das hat mir allerdings auch Lachtaube schon gesagt. Aber wer kann diese ältere Frau sein? Und wohin mögen sie zusammen gegangen sein? ... Es häuft sich wirklich Geheimnis auf Geheimnis ... Vielleicht könnte Gräfin Sarah uns den Schlüssel dazu geben. Nun setzt sie aber der Zustand, in dem sie sich befindet, außer Möglichkeit, irgendwelche Aussage zu machen ... Wenn sie bloß das Geheimnis nicht mit in das Grab nimmt!«
Achtes Kapitel.
Cecily.
Es ist Nacht, und die tiefe Stille, die in Ferrands Hause herrscht, wird nur durch das Geheul des Windes und den in Strömen niederfallenden Regen unterbrochen. In einem neu eingerichteten Schlafzimmer steht ein junges Weib vor einem Kamine, in welchem ein helles Feuer brennt. Eine Lampe verbreitet ein mattes Licht in dem rot tapezierten Räume. In die Wohnung des Notars ist seit einiger Zeit überhaupt ein Luxus eingezogen, den man früher dort nicht für möglich gehalten hätte. Ihn bei dem geizigen Manne durchzusetzen, ist das Werk jenes Weibes, das in der vollsten Blüte steht, das eine hervorragende Schönheit ist, um so bestechender, als sie einen ausländischen Typus darstellt. Ihr Gesicht gehört zu jenen, die niemand vergißt, der sie einmal gesehen hat ... Ueber einem reinen Gesichtsoval wölbt sich eine kühne, leicht hervorstehende Stirn. Die fast übergroßen Augen sind von eigentümlichem Ausdruck, ihr tiefes Schwarz läßt an den beiden Winkeln der Lider mit den langen Wimpern kaum das bläuliche, durchsichtige Weiß erkennen; das Kinn tritt scharf hervor, der Mund ist lebhaft gerötet, und die feine gerade Nase endigt in zwei beweglichen Nüstern, die sich bei der geringsten Erregung weiten und dehnen. Sie ist von schlanker Figur und doch üppig, kräftig und doch geschmeidig, von prickelnder Schärfe des Geistes und von bestechender Liebenswürdigkeit, kurz, der reinste Typus südlicher Sinnlichkeit ... Durch den Baron von Graun ist sie über die schändlichen Mittel unterrichtet, durch die Morels unglückliche Tochter in seine Hände geraten ist. Ihre Aufgabe ist es, den Notar in Elend und Verderben zu stürzen ... Sie hat es in unglaublich kurzer Zeit verstanden, den sinnlichen Mann in Kettenbanden zu schlagen, und nichts ist Ferrand schrecklicher als der Gedanke, daß ihm dieses Weib entrinnen oder genommen werden könnte.