Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
Doch war dies ihr einziges Raumschiff? Wohin hatten sich die anderen gerettet? Wo hatten die verwaisten Bewohner des Planeten Asyl gefunden? Auch das wird einmal erforscht werden.
Eines der Raumschiffe hatte jedenfalls die Venus erreicht und war nun entdeckt worden. Seine Erbauer hatten sehr wohl gewußt, daß ihr Heimatplanet nicht die einzige von vernunftbegabten Wesen bewohnte Welt war. Sie glaubten fest daran, daß früher oder später die Bewohner anderer Planeten auf der Venus erscheinen würden. Sie wußten auch, daß ihr Raumschiff Jahrtausende überdauern konnte, und glaubten, daß der Verstand der ihnen noch unbekannten Weltraumfahrer dem ihren gleichen würde. Und da sie dies alles wußten und glaubten, hatten sie sich auf die Ankunft jener vorbereitet, die das von ihnen hinterlassene Wissenserbe in der endlosen Abfolge der Entwicklung des Geistes empfangen, erweitern und weiterentwickeln sollten.
Wissen und Technik werden nicht nur in den Grenzen eines Planeten von Generation auf Generation vererbt. Sie können als Beweis der engen Verbundenheit aller denkenden Wesen auch von einem Planeten auf den anderen übergehen.
Jene, die mit dem ringförmigen Raumschiff zur Venus gefahren waren, hatten das gewußt.
Das erste, was Melnikow und Wtorow sahen, als sie die dritte Abteilung des Raumschiffes betraten, war ein Schema des Sonnensystems, das ihnen genau gegenüber an der Wand hing. Es war ein großer Bogen bläulichen Papiers, jedenfalls sah es genauso wie Papier aus.
Die beiden Raumfahrer bemerkten sofort eine Besonderheit dieses Schemas, die es von analogen Schemata der irdischen Astronomie unterschied, und sie begriffen, daß es eigens für sie aufgehängt worden war.
Hier erhielten sie den ersten Hinweis auf das — wie sich bald herausstellen sollte — gewaltige Erbe, das ihnen die Wissenschaft eines aus dem Weltall verschwundenen Planeten hinterlassen hatte.
Das Schema zeigte die Umlaufbahnen von zehn Planeten.
Zehn, nicht neun! Jeder Planet war als kleiner Kreis im richtigen Größenverhältnis und mit den Umlaufbahnen seiner Trabanten dargestellt.
Schon von der Tür aus erblickten Melnikow und Wtorow den „überzähligen“ Planeten, und sie wußten sofort Bescheid.
„Da haben wir endlich den untrüglichen Beweis, daß tatsächlich ein fünfter Planet existiert hat“, sagte Melnikow. „Und von dort sind sie gekommen.“
„In unserer Astronomie wird er ja wohl Phaeton genannt?“ fragte Wtorow.
„Ja, den Namen gibt es.“ Sie traten näher. Diese Abteilung war bedeutend kürzer als die beiden anderen, rund fünfzehn Meter lang. Vor Aufregung achteten sie nicht auf die eigenartige Ausstattung und bemerkten nicht einmal, daß sich die Tür wieder hinter ihnen schloß.
Die Entdeckung des fünften Planeten nahm ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Das war eine Neuigkeit von ungeheurer wissenschaftlicher Bedeutung.
Aus der Nähe erkannten sie, daß die Darstellung außer den Planetenbahnen, wenn auch viel schwächer, noch die Bahnen von drei Asteroiden zeigte. Das Schema bestand nicht aus Papier, sondern aus einer Art von farbigem Plexiglas. Und es hing nicht an der Wand, sondern davor, als sei es überhaupt nicht befestigt.
Was sie jetzt erlebten, übertraf alles Bisherige an Bedeutung und Erstaunlichkeit. Aus dem Dunkel ferner Zeiten „berichteten“ die Herren des Raumschiffes von allem, was ihnen auf der Venus und zuvor widerfahren war. Das konnte als ein erneuter Beweis dafür gelten, daß sie die Vorbereitungen für die Ankunft von Bewohnern anderer Planeten bewußt getroffen hatten und daß sie bestrebt gewesen waren, ihnen soviel Wissen wie möglich zu hinterlassen. Im voraus eingestellte, programmgesteuerte Automatik hatte die Gäste bis hierher, in diesen Raum „geführt“. Nirgendwo sonsthin hätten sie gelangen können, weil die Türen verschlossen geblieben wären. Das erkannten sie, nachdem alles vorüber war. Hier aber sollten sie sich einen knappen, doch aufschlußreichen Bericht anhören, um vieles, was bis dahin unter dem Schleier des Geheimnisses verborgen gewesen war, besser zu verstehen. Was dennoch unverständlich blieb, würde sich in der Folge aufklären, denn man gab ihnen deutliche Hinweise, wo der Schlüssel zu den Geheimnissen zu rinden sei. Die Herren des Raumschiffes hatten alles vorausgesehen!
In das Schema kam „Leben“. Langsam bewegten sich die Planeten mit ihren Trabanten von der Stelle und kreisten auf ihren Bahnen. Die Sonne in der Mitte blitzte auf wie ein kleiner Brillant. Zugleich mit allen anderen setzte sich auch der Planet Phaeton in Bewegung. Ihn umkreiste ein winziger Trabant.
Plötzlich löste sich ein leuchtender kleiner Punkt vom fünften Planeten. Für einen Augenblick vergrößerten sich seine Proportionen, und die Raumfahrer erkannten drei Ringe, die miteinander verbunden waren. Das war eine Darstellung des Raumschiffes, in dem sie sich befanden. Nachdem es wieder zum Punkt geworden war, flog es auf den Mars zu, verschmolz für eine Sekunde mit ihm und bewegte sich dann weiter zur Erde.
So wurde ihnen der in sagenhafter Vorzeit unternommene Flug des Weltraumschiffes demonstriert.
Gerade als der Punkt mit der Erde verschmolz, was auf die Darstellung einer Landung schließen ließ, flammte an der Stelle, wo sich der Planet Phaeton befand, ein greller Blitz auf, als habe sich Magnesium entzündet. Der blendende Feuerschein erlosch sofort wieder, doch der Phaeton war aus dem Schema verschwunden. Auch sein Trabant war nicht mehr da. Über die Bahn des Planeten huschten winzige Funken. Dann erloschen auch sie, und gleich darauf zeichneten sich die Bahnen der Asteroiden ab.
Melnikow und Wtorow stockte buchstäblich der Atem. Soeben hatte sich vor ihren Augen noch einmal jene Katastrophe abgespielt, die den fünften Planeten vernichtete, war das Geheimnis der Asteroiden im Sonnensystem gelüftet worden. Sie waren „Zeugen“ des tragischen Schicksals der Raumschiffbesatzung geworden, die den Untergang ihres Heimatplaneten zweifellos mit angesehen hatte. Was war weiter mit ihr geschehen?
Was war die Ursache der schrecklichen Katastrophe des Phaeton?
Die Vorführung ging weiter. Der Punkt — das Raumschiff vom Phaeton — löste sich wieder von der Erde und steuerte auf eines der Bruchstücke des einstigen Planeten zu. Er umkreiste es, wandte sich dann dem zweiten und schließlich dem dritten zu. Ein stummes und doch so beredtes Bild! Die beiden Menschen glaubten die Gesichter der Raumschiffbesatzung deutlich vor sich zu sehen, wie sie mit Tränen in den Augen auf die Überreste ihres Heimatplaneten und die Trümmer all dessen starrten, was sie beim Abflug zurückgelassen hatten.
Das Raumschiff der Phaetonen schoß auf die Venus zu und verschmolz mit ihr. Das Schema erlosch, und die beiden Menschen hatten nur noch eine leere glatte „Plexiglasfläche“ vor sich.
Dann rollte das Ganze erneut in derselben Reihenfolge vor ihnen ab.
Diesmal vergaß Wtorow nicht, zu fotografieren. Er knipste Bild auf Bild und legte dann in fieberhafter Eile einen neuen Film ein. Jeden Augenblick konnte sich wieder irgend etwas ereignen.
Dieses Irgendetwas ließ nicht lange auf sich warten. Sie wußten schon, was kommen würde, als die „Plexiglasfläche“ plötzlich verschwand und in dem entstandenen leeren Raum das Gesicht eines Phaetonen auftauchte.
Es folgte ein Bericht über den Raumflug der letzten Überlebenden des untergegangenen Planeten.
Nicht nur Melnikow, auch Wtorow, Fachmann auf dem Gebiet der Fototechnik, vermochte hinterher nicht zu erklären, was technisch vor sich gegangen und wie dieser erstaunliche „Film“ aufgenommen und vorgeführt worden war.
Der „Film“ lief bei dem hellblauen Licht, das die Abteilung füllte, doch das beeinträchtigte die Erkennbarkeit des Bildes nicht. Er war plastisch und farbig. Es gab keine Leinwand. Eine Szene nach der anderen rollte, verblüffend real und wie echtes Leben wirkend, an jener Stelle ab, wo die „Plexiglasfläche“ geschwebt hatte.