Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #2
- Год: 2005
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 3-404-20505-7
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Paladin der Seelen [Paladin of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Das Auge des dämonenbesessenen Offiziers fiel auf Goram, weitete sich für einen Moment, verengte sich dann nachdenklich. Oder war es ein Wiedererkennen? Die Miene des Mannes war nachdenklich, nicht aber verwirrt. Er sieht Gorams verwüstete Seele. Doch es überrascht ihn nicht. Sein Blick wanderte weiter zu Arhys, und diesmal riss er staunend den Mund auf.
»Mutter, sie strahlt in furchtbarem Licht, und ihr Wächter ist ein Toter!«, sagte er in Roknari zu der Frau neben ihm. Er musterte Ista genauer. Sein Blick wurde furchtsam, als würde er sich fragen, ob sie Arhys’ scheinbares Wunder der Wiederbelebung bewirkte. Als würde er sich ausmalen, dass sie noch weitere untote Leibwächter verborgen hielt, die jederzeit aus dem Schmutz der Straße zu ihren Füßen hervorbrechen konnten.
Das muss die Fürstinnenwitwe Joen selbst sein, erkannte Ista voller Schrecken. Und Fürst Sordso. Der aufrechte, schlanke junge Mann sah im Augenblick gar nicht nach einem Säufer aus. Und doch — war dieser aufmerksame Krieger überhaupt Sordso? Das dämonische Licht schien die vollständige Herrschaft über ihn zu haben. Er tat einen Schritt zurück. Die Frau packte seinen Arm, ihre Finger gruben sich wütend ein.
»Sie trägt einen Gott in sich! Wir sind verloren!«, schrie er entsetzt und starrte Ista verschreckt an.
»Sie tut nichts dergleichen«, zischte die Frau ihm ins Ohr. »Das sind Rückstände. Sie ist kaum in der Lage, ihr zweites Gesicht aufrechtzuerhalten. Ihre Seele ist voller Narben und Störungen. Sie hat Angst vor dir.«
Da hatte sie Recht. Istas Mund war trocken; sie fühlte ein Pochen im Kopf und trieb auf einer wogenden See der Angst.
Die blauen Augen der Frau wurden schmal und glühten vor Triumph. »Sordso, schau sie an! Das ist Ista selbst, genau wie sie uns beschrieben wurde! Die Hälfte der Beute, für die wir gekommen sind, wurde uns jetzt schon in die Hände gespielt! Das ist ein Geschenk von den Göttern selbst!«
»Es tut weh, sie anzuschauen!«
»Nein, sie ist nichts. Du wirst mit ihr fertig. Ich werde es dir zeigen. Tu es jetzt!« Sie hielt den Arm des jungen Mannes im klauenartigen Griff ihrer Hand und schüttelte ihn. »Überwältige sie.« Eine der sich windenden Lichtschnüre krümmte sich aus dem dunklen Innern ihres Leibes, schien heller zu werden, aufzulodern. Ihr anderes Ende mündete in Sordsos Leib wie eine obszöne Nabelschnur.
Der junge Mann befeuchtete seine Lippen. Das violette Licht kehrte bis an die Ränder seines Körpers zurück und wurde stärker. Er hob eine Hand und nutzte die Dichte seines stofflichen Körpers, um eine Kraft zu lenken, die nichts mit Materie zu tun hatte. Ein purpurnes Strahlen brodelte aus seiner Handfläche und wand sich wie eine Schlange um Ista.
Ihre Knie gaben nach, und sie fiel in den Staub. Ihr angerissener Schorf platzte vollends auf, und sie fühlte das Blut hervorrinnen, glitschig zwischen den schweißnassen und sich lösenden Verbänden. Als Nächstes schien ihre Wirbelsäule sich auszuhängen, Knochen für Knochen, und hilflos sank sie nach vorn. Grässliche, krampfhafte Schmerzen unter beiden Schulterblättern setzten ein. Sie hatte das scheußliche Gefühl, ihre Eingeweide würden sich auflösen, doch es war wohl nur eine Wirkung ihrer Furcht. Sie sah noch, wie Arhys’ Lippen sich öffneten und sein Blick sich vor Bestürzung verdunkelte. Dann sank sie vor allen Versammelten zu Boden, ohne einen Grund, den fleischliche Augen hätten erkennen können. Sie streckte die Hände aus, um sich aufzufangen, dann aber wurden ihre Arme ebenfalls schlaff. Ihr Kopf wurde schwerer und schwerer; sie konnte ihn gerade noch zur Seite drehen, sodass ihre weiche Wange und nicht ihr offener Mund zwischen die scharfkantigen Steine und den Straßendreck glitt.
»Siehst du? So werden sich ganz Chalion und Ibra vor uns beugen.« Joens Stimme triefte Befriedigung. Ista konnte ihre leichten grünen Seidenschuhe sehen, die unter den Röcken hervorlugten, und Sordsos polierte Stiefel. Die Stiefel bewegten sich unruhig. In einiger Entfernung vernahm Ista Gorams leises, tränenersticktes Schluchzen. Gnädigerweise waren die Schreie des verwundeten Pferdes verstummt. Vielleicht hatte irgendeine mitleidige Seele ihm die Kehle durchgeschnitten. Vielleicht wird irgendeine mitleidige Seele auch mir die Kehle durchschneiden.
»Ich muss zugeben«, sprach Fürstin Joen über Istas Kopf hinweg weiter, »ich verstehe nicht, was es mit dem toten Mann auf sich hat.« Ihre Schritte schlurften durch den Schotter, näherten sich Arhys. Ista war nicht einmal zu einem Stöhnen fähig. Sie konnte kaum blinzeln. Ein Tropfen löste sich von ihrem Augenlid und fiel in den Staub.
Plötzlich ertönten Schreie vom Abhang her. Ista schaute über den Rand der Straße in das Tal dahinter. Um sie her und hinter ihr scharrten plötzlich die Stiefel der Männer. Sie hörte das metallische Singen eine Armbrust, und vor Sorge um Arhys stockte ihr der Atem. Hufschläge. Viele Hufschläge. Sie hämmerten, drängten, rutschten vom Kamm über ihnen herab. Ein wildes Jauchzen in einer vertrauten Stimme.
Sordso keuchte. Seine Stiefel knirschten auf dem Kies. Mit einem Ächzen hob er die leichten grünen Seidenschuhe, dass sie aus dem Blickfeld verschwanden. Seine Stiefel taumelten vor Istas Gesicht. Nahebei scharrten Hufe. Ista gelang es, den Kopf ein wenig weiter zu drehen. Es war das Pferd des Fürsten. Joen in ihrem kunstvollen Kleid klammerte sich unbeholfen an den Sattel, während sie von einem rennenden Träger in ruckartigem Trab hinterhergezogen wurde. Immer wieder warf der Mann angstvolle Blicke über die Schulter und sah den Hang hinauf.
Ein dumpfer Knall war zu vernehmen. Die unsichtbare Last, die Ista wie eine gewaltige Hand zu Boden drückte, verlor plötzlich an Kraft. Sie hörte das schneidende Geräusch, als Sordsos Schwert aus der Scheide gezogen wurde, und zuckte zusammen. Endlich gelang es ihr, den Kopf ganz herumzuwerfen. Ein Armbrustschütze war unvorsichtig genug gewesen, seine Blicke für einen Augenblick von Arhys abzuwenden, und jetzt befand sich der Graf im Nahkampf mit ihm. Einige dabeistehende Schützen hatten ihre Bolzen in die Luft sirren lassen und spannten nun verzweifelt die Waffen nach. Arhys riss einen Dolch aus einer Scheide am Gürtel des Mannes, mit dem er rang, und stieß ihn zur Seite, gerade rechtzeitig, um Sordsos Streich zu parieren. In Sordsos anderer Hand jedoch sammelte sich ein violettes Licht. Er stieß es nach vorn.
Die sengende, purpurfarbene Linie schnitt durch Arhys’ Körper, ohne Wirkung zu erzielen, und grub sich in den Boden dahinter. Sordso schrie überrascht auf und wich hastig zurück, als ein Gegenstoß des Dolches ihm beinahe das Schwert aus der Hand prellte. Aus dem Zurückweichen wurde eine Flucht.
Ein wahrer Erdrutsch aus Pferden überwältigte sie. Die jokonischen Armbrustschützen wurden zur Seite gestoßen und niedergeritten. Schwerter klirrten, Speere zuckten, geführt von wild schreienden Männern in graugoldenen Wappenröcken. Vor Istas Gesicht erschienen plötzlich Hufe, die so groß wie Teller zu sein schienen. Drei der langen Pferdebeine waren weiß und seidig, das vierte rot von Blut.
»Ich habe dir das Pferd mitgebracht, nach dem du gefragt hattest«, erklang Illvins keuchende Stimme von oben. Hinter den riesigen Hufen knirschten und rutschten vier weitere Pferdebeine. Dann der Ausruf: »Bei den fünf Göttern! Ist sie verletzt?«
»Verhext, glaube ich«, gab Arhys keuchend zurück. Er kniete neben Ista nieder und hob sie mit kühlen, leblosen, willkommenen Händen auf und legte sie in die Arme seines Bruders.