Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Ilja Iljitsch stand des Morgens um neun Uhr auf, sah manchmal am Gitter des Zaunes das Paket unter dem Arm des ins Amt gehenden Bruders vorüberhuschen und begann zu frühstücken. Der Kaffee war noch immer so schmackhaft, der Rahm noch immer so dick, die Semmeln ebensogut ausgebacken und knusprig. Dann nahm er eine Zigarre und hörte aufmerksam zu, wie laut die Bruthenne gackerte, wie die Küchlein piepsten und wie die Kanarienvögel und die Zeisige sangen. Er ließ sie nicht forttragen. »Sie erinnern an das Dorf, an Oblomowka«, sagte er. Dann setzte er sich hin und las die auf dem Lande begonnenen Bücher zu Ende, manchmal legte er sich mit dem Buche bequem auf das Sofa hin. Es herrschte eine ideale Stille, nur manchmal ging irgendein Soldat oder ein Häufchen Bauern mit Hacken im Gürtel vorüber. Sehr selten kam ein Hausierer in die abgelegene Straße und begann, vor dem Gitterzaun stehend, eine halbe Stunde lang: »Äpfel, Astrachaner Melonen« auszurufen, so daß man ihm wider Willen etwas abkaufte. Manchmal kam zu ihm die Tochter der Hausfrau, Mascha, und richtete aus, die Mutter ließ ihm sagen, man hätte Pfefferschwämme und Brätlinge gebracht, ob man ihm nicht ein Körbchen voll kaufen sollte; oder er rief ihren Sohn Wanja zu sich, fragte ihn, was er lernte, ließ ihn vorlesen oder schreiben und paßte auf, ob er gut las oder schrieb. Wenn die Kinder die Tür nicht schlossen, sah er den nackten Hals und die sich fortwährend bewegenden und an ihm vorbeihuschenden Ellbogen und den Rücken der Hausfrau. Sie war immer bei der Arbeit, sie bügelte, stieß oder rieb immer etwas auf dem großen Tische. Er trat manchmal mit dem Buche an die Tür heran, schaute zur Hausfrau hinein und knüpfte mit ihr ein Gespräch an.
»Sie sind immer bei der Arbeit!« sagte er ihr einmal.
Sie lächelte und begann wieder eifrig den Griff der Kaffeemühle zu drehen, wobei ihr Ellbogen so schnelle Kreise beschrieb, daß es Oblomow vor den Augen flimmerte.
»Sie werden ja müde werden«, fuhr er fort.
»Nein, ich bin es gewohnt«, antwortete sie, mit der Mühle rasselnd.
»Und was machen Sie, wenn Sie keine Arbeit haben?«
»Wieso, wenn ich keine Arbeit habe? Es gibt immer zu tun; vormittags muß ich das Mittagessen vorbereiten, nachmittags nähe ich und abends muß man an das Abendbrot denken.«
»Essen Sie denn Abendbrot?«
»Wie könnte man denn ohne Abendbrot auskommen? Vor einem Feiertag gehen wir zur Abendmesse.«
»Das ist gut«, lobte Oblomow, »in welche Kirche gehen Sie?«
»Zu Christi Geburt. Das ist unsere Pfarre.«
»Und lesen Sie etwas?«
Sie blickte ihn stumpf an und schwieg.
»Haben Sie Bücher?« fragte er.
»Der Bruder hat welche, er liest sie aber nicht. Wir nehmen im Gasthaus Zeitungen, dann liest der Bruder manchmal vor ... und Wanitschka hat viele Bücher.«
»Ruhen Sie denn nie aus?«
»Bei Gott, niemals!«
»Gehen Sie auch nicht ins Theater?«
»Der Bruder geht an den Feiertagen hin.«
»Und Sie?«
»Wann sollte ich denn? Was würde dann aus dem Abendbrot werden?« fragte sie, ihn von der Seite anblickend.
»Die Köchin könnte ja ohne Sie ...«
»Akulina!« entgegnete sie erstaunt, »wie wäre das möglich? Wie sollte sie ohne mich fertig werden! Ich habe auch alle Schlüssel.«
Sie schwiegen. Oblomow bewunderte ihre vollen runden Arme.
»Wie schön Ihre Arme sind«, sagte er plötzlich, »man könnte sie sofort malen!«
Sie lächelte und schämte sich ein wenig.
»Es ist unbequem, in Ärmeln zu arbeiten«, rechtfertigte sie sich, »man trägt ja jetzt solche Kleider, daß man sich bei der Arbeit die ganzen Ärmel beschmutzt.«
Sie schwieg. Oblomow auch.
»Ich mahle nur den Kaffee fertig«, murmelte die Hausfrau, »dann werde ich Zucker hacken. Daß ich nur nicht vergesse, Zimt holen zu lassen.«
»Sie sollten heiraten«, sagte Oblomow, »Sie sind eine gute Hausfrau!«
Sie lächelte und begann den Kaffee in einen großen gläsernen Behälter zu schütten.
»Wirklich!« fügte Oblomow hinzu.
»Wer heiratet mich denn mit den Kindern?« antwortete sie und begann etwas im Geiste auszurechnen.
»Zwei Dutzend ...« sagte sie sinnend, »wird sie denn das alles verbrauchen?« Sie stellte den Kaffee in den Schrank und lief in die Küche. Und Oblomow ging in sein Zimmer und begann zu lesen.
»Was für eine frische und gesunde Frau das ist, und wie gut sie zu wirtschaften versteht! Sie sollte wirklich heiraten ...« sprach er zu sich selbst und vertiefte sich in den Gedanken ... an Oljga.
Bei schönem Wetter setzte Oblomow den Hut auf und besichtigte die Gegend; dabei geriet er oft in den Straßenkot oder machte die unangenehme Bekanntschaft von Hunden und kehrte nach Hause zurück. Dort fand er schon einen gedeckten Tisch und schmackhafte, appetitlich servierte Gerichte vor. Manchmal erschien in der Tür eine Hand mit einem Teller, und man bat ihn, die Piroge der Hausfrau zu kosten. »Es ist hier still und angenehm, aber langweilig!« sagte Oblomow, während er in die Oper fuhr.
Als er eines Tages aus dem Theater spät nach Hause kam, klopfte er mit dem Kutscher fast eine Stunde lang am Tor. Der Hund verlor vom Bellen und Zerren an der Kette die Stimme. Oblomow war ganz erfroren und zornig und erklärte, er würde gleich am nächsten Tag ausziehen. Doch es vergingen zwei, drei Tage und dann eine Woche, ohne daß er seine Drohung verwirklichte. Er langweilte sich sehr, wenn er an den festgesetzten Tagen Oljga nicht sah, ihre Stimme nicht hörte, in ihren Augen nicht die gleiche, unveränderliche Liebe, Zärtlichkeit und das gleiche Glück las. Dafür lebte er an den von ihr bestimmten Tagen wie im Sommer, konnte sich an ihrem Gesang nicht satt hören oder sah ihr in die Augen; und vor Zeugen genügte ihm ein einziger Blick von ihr, der allen anderen gleichgültig war, ihm aber tief und bedeutungsvoll erschien. Je näher aber der Winter kam, desto seltener wurden ihre Zusammenkünfte unter vier Augen. Zu Iljinskys kamen Gäste, und es gelang Oblomow oft tagelang nicht, mit ihr auch nur zwei Worte zu wechseln. Sie tauschten Blicke aus. Oljgas Blicke waren manchmal von Müdigkeit und Ungeduld erfüllt.
Sie blickte alle Gäste mit gerunzelten Brauen an. Oblomow langweilte sich sogar ein paarmal und ergriff einmal nach dem Essen seinen Hut.
»Wohin?« fragte Oljga erstaunt, sogleich neben ihm auftauchend und versuchte seinen Hut an sich zu reißen.
»Lassen Sie mich nach Hause ...«
»Warum?« fragte sie. Ihre eine Braue war höher als die andere. »Was haben Sie vor?«