Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Was wünschen Sie?«
»Wo ist denn unser ganzes Geld? Wir haben ja keines mehr!«
Sachar begann in den Taschen zu suchen, nahm einen halben Rubel und zehn Kopeken heraus und legte sie auf den Tisch.
»Da, ich habe vergessen, es Ihnen zurückzugeben; das ist vom Umzug zurückgeblieben!« sagte er.
»Was legst du mir das Kleingeld her? Sag mir lieber, wo die achthundert Rubel hingekommen sind!«
»Wie kann ich das wissen? Weiß ich denn, wie Sie das Geld ausgeben, was Sie den Droschkenkutschern zahlen?«
»Ja, die Wagen haben viel gekostet,« erinnerte sich Oblomow, indem er Sachar anblickte. »Weißt du nicht mehr, wieviel wir dem Droschkenkutscher auf dem Lande gezahlt haben?«
»Wie sollte ich mich daran erinnern? Einmal haben Sie mich dreißig Rubel zahlen lassen, das weiß ich.«
»Wenn du alles aufschreiben könntest!« warf Oblomow ihm vor. »Es ist schlimm, so ungebildet zu sein!«
»Ich habe mein Leben, Gott sei Dank, auch ohne Bildung nicht schlimmer als die andern verbracht!« entgegnete Sachar, zur Seite blickend.
Stolz hat recht: Man muß im Dorfe eine Schule einrichten! dachte Oblomow.
»Bei Iljinskys soll ein Gebildeter gewesen sein, wie die Leute erzählen,« fuhr Sachar fort, »und der hat das Silber aus der Kredenz gestohlen!«
Na, ich danke! dachte Oblomow ängstlich. Diese Gebildeten sind wirklich ganz demoralisiert; sie treiben sich in den Schenken herum, kaufen sich Harmonikas und Tee ... Nein, es ist zu früh, Schulen einzuführen! ... ...
»Nun, wofür haben wir noch Geld ausgegeben?« fragte er.
»Wie kann ich das wissen? Sie haben noch Michej Andreitsch auf dem Lande Geld gegeben ...«
»Wirklich!« sagte Oblomow erfreut, eine neue Ausgabe zu entdecken. »Also dreißig Rubel dem Kutscher und ich glaube fünfundzwanzig Rubel Tarantjew ... Was noch?«
Er blickte Sachar sinnend und fragend an, während Sachar ihn finster von der Seite ansah.
»Vielleicht weiß es Anissja?« fragte Oblomow.
»Wie sollte es diese Närrin wissen? Was weiß denn ein Frauenzimmer?« sagte Sachar verächtlich.
»Mir fällt nichts ein!« schloß Oblomow verzweifelt. »Vielleicht waren Diebe da?«
»Wenn Diebe dagewesen wären, hätten sie alles genommen!« sagte Sachar und ging.
Oblomow setzte sich in den Lehnstuhl und sann nach. Wo soll ich denn das Geld hernehmen? dachte er, bis ihm der kalte Schweiß kam. Wann bekomme ich etwas vom Gut und wieviel?
Er sah auf die Uhr; es war zwei Uhr, die Stunde, da er zu Oljga fahren sollte. Heute war der Tag, an dem er dort speiste. Er wurde nach und nach heiterer, ließ eine Droschke holen und fuhr auf die Morskajastraße.
Viertes Kapitel
Er sagte Oljga, er hätte mit dem Bruder der Hausbesitzerin gesprochen, und fügte unter anderem hinzu, er hoffe, die Wohnung noch diese Woche an den Mann zu bringen.
Vor dem Essen machte Oljga mit der Tante einen Besuch, während Oblomow in der Nähe Wohnungen suchte. Er war in zwei Häusern; in dem einen fand er eine Wohnung, die aus vier Zimmern bestand und viertausend Rubel kostete, und im zweiten Hause verlangte man für fünf Zimmer sechstausend Rubel.
»Entsetzlich, entsetzlich!« sagte er, sich die Ohren zuhaltend und von den erstaunten Hausbesorgern fortlaufend. Nachdem er zu diesen Summen über tausend Rubel hinzugefügt hatte, die er der Pschenizin bezahlen mußte, hatte er vor Angst keine Zeit, zu addieren, beschleunigte seine Schritte und lief zu Oljga. Dort war Gesellschaft. Oljga war angeregt, sie sprach, sang und machte Furore. Nur Oblomow hörte zerstreut zu, und sie sprach und sang nur für ihn, damit er die Nase nicht hängen ließ und die Lider nicht senkte, damit alles in ihm unaufhörlich redete und sang.
»Komm morgen ins Theater, wir haben eine Loge«, sagte sie.
Abends bei diesem Schmutz und so weit! dachte er, als er ihr aber in die Augen blickte, beantwortete er ihr Lächeln mit einem Lächeln der Beistimmung.
»Abonniere dich auf einen Parkettsitz«, fügte sie hinzu. »Nächste Woche kommen die Majewskys; ma tante hat sie in unsere Loge eingeladen.«
Und sie sah ihm in die Augen, um zu erfahren, wie sehr er sich freute.
Mein Gott! dachte er entsetzt. Und ich habe nur dreihundert Rubel.
»Bitte den Baron darum, er ist dort mit allen bekannt und wird dir gleich morgen einen Sitz besorgen.«
Und sie lächelte wieder; auch er blickte sie lächelnd an und bat ebenfalls lächelnd den Baron. Dieser willigte ebenfalls lächelnd ein, die Karte holen zu lassen.
»Jetzt sitzest du im Parkett, und später, wenn du alles erledigt hast«, fügte Oljga hinzu, »wirst du schon das Recht haben, einen Platz in unserer Loge einzunehmen.«
Jetzt lächelte sie so, wie sie es tat, wenn sie ganz glücklich war. Ach, welch ein Glück lächelte ihn plötzlich an, als Oljga den Schleier der berückenden Ferne, die mit ihrem Lächeln wie mit Blumen geschmückt war, lüftete! Oblomow vergaß sogar das Geld; erst als er am nächsten Morgen das Paket des Bruders an den Fenstern vorbeihuschen sah, erinnerte er sich an die Vollmacht und bat Iwan Matwejewitsch, dieselbe behördlich bestätigen zu lassen. Dieser las das Dokument, erklärte, dasselbe enthalte einen undeutlichen Punkt, und schlug vor, denselben zu erläutern. Das Dokument wurde umgeschrieben, endlich bestätigt und auf die Post geschickt. Oblomow teilte es triumphierend Oljga mit und beruhigte sich für lange Zeit. Er freute sich, daß er bis zum Eintreffen der Antwort keine Wohnung zu suchen brauchte, und daß er das Geld nach und nach ausgeben konnte. Man könnte ja auch hier wohnen, dachte er, aber es ist von allem so weit, sonst herrscht ja allerdings strenge Ordnung, und die Wirtschaft wird ausgezeichnet geführt ...
Die Wirtschaft wurde in der Tat ausgezeichnet geführt. Trotzdem Oblomow besondere Küche führte, wachte doch das Auge der Hausfrau auch über seinem Essen. Als Ilja Iljitsch eines Tages in die Küche trat, traf er Agafja Matwejewna fast in einer Umarmung mit Anissja an. Wenn es eine Sympathie der Seelen gibt, wenn verwandte Herzen schon aus der Ferne wittern, wurde das noch nie so augenscheinlich bewiesen wie durch die Sympathie von Agafja Matwejewna und Anissja füreinander. Sie hatten sich gegenseitig gleich beim ersten Blick, beim ersten Wort und bei der ersten Begegnung begriffen und abgeschätzt, Agafja Matwejewna hatte aus Anissjas Handgriffen, als sie mit einem Schürhaken und einem Fetzen bewaffnet, mit aufgestreiften Ärmeln die seit einem halben Jahre nicht geheizte Küche in Ordnung brachte, daraus, wie sie auf einen Ruck mit dem Besen die Wände, die Küchenbretter und den Tisch abstaubte, wie weit sie mit dem Kehrbesen auf dem Fußboden und den Bänken ausholte, und daraus, wie schnell sie den Ofen von Asche reinigte, ersehen, was Anissja wert war, und was für eine große Hilfe sie ihr in ihren häuslichen Arbeiten sein konnte. Sie schloß sie in dem Augenblick in ihr Herz ein. Und als Anissja nur einmal gesehen hatte, wie Agafja Matwejewna in der Küche herrschte, wie sie mit ihren Falkenaugen ohne Brauen jede ungeschickte Bewegung der plumpen Akulina auffing, wie sie ihr die Befehle, herauszunehmen, hinzustellen, zu wärmen, zu salzen, zudonnerte, wie sie auf dem Markt auf den ersten Blick und höchstens bei der Berührung mit dem Finger, ohne sich zu irren, entschied, wieviel Monate ein Huhn alt war, ob der Fisch lange tot war, und wann die Petersilie oder der Salat vom Beet gepflückt wurde, erhob Anissja zu ihr erstaunt und voll ehrfurchtsvoller Angst die Augen und sah ein, daß sie selbst ihren Beruf verfehlt habe, daß das Feld ihrer Tätigkeit sich nicht in Oblomows Küche befand, wo ihre Schnelligkeit, die stets rastlose, fieberhafte Nervosität ihrer Bewegungen nur darauf gerichtet war, einen von Sachar herabgeworfenen Teller oder ein Glas im Fluge aufzufangen, und wo ihre Erfahrenheit und die Feinheit ihrer Kombination durch den finsteren Neid und den rohen Hochmut ihres Mannes unterdrückt wurden. Die beiden Frauen hatten einander erkannt und wurden unzertrennlich. Wenn Oblomow außer Hause speiste, blieb Anissja in der Küche der Hausfrau und stürzte sich aus Liebe zur Kunst aus einer Ecke in die andere, stellte die Töpfe hin und nahm sie heraus, öffnete fast in ein und demselben Augenblick den Schrank, nahm etwas heraus und schloß ihn wieder, ehe noch Akulina zu begreifen Zeit hatte, worum es sich handelte. Dafür wurde Anissja durch ein Mittagessen, durch sechs Tassen Kaffee des Morgens und ebenso viele Tassen des Abends, durch ein offenherziges langes Gespräch und manchmal durch ein vertrauliches Geflüster der Hausfrau belohnt. Wenn Oblomow zu Hause aß, half die Hausfrau Anissja, das heißt, sie zeigte ihr mit Worten und mit dem Finger, ob es Zeit oder noch zu früh sei, den Braten herauszunehmen, ob man der Sauce ein wenig Rotwein oder Rahm beimengen sollte, und ob der Fisch so oder anders zu kochen war ... Und o Gott, was für Kenntnisse tauschten sie nicht nur auf dem Gebiete der Kochkunst, sondern auch in wirtschaftlichen Fragen aus, was die Behandlung der Leinwand, des Zwirns, das Nähen, das Waschen der Wäsche und der Kleider, das Putzen der Blonden, der Spitzen und Handschuhe, das Entfernen von Flecken aus verschiedenen Stoffen, sogar den Gebrauch verschiedener Hausmittel und Kräuter betraf, sie teilten einander alles mit, was die Beobachtung, der Verstand und die Erfahrungen von Jahrhunderten in einer gewissen Sphäre des Lebens angehäuft haben.