Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
Er begann den »poetischen Augenblick« zu analysieren, der, sowie Sachar davon zu sprechen begonnen hatte, plötzlich die Farben verlor. Oblomow betrachtete jetzt die Kehrseite der Sache, wälzte sich gequält von einer Seite auf die andere, legte sich auf den Rücken, sprang plötzlich auf, machte drei Schritte durch das Zimmer und legte sich wieder hin.
Es wird dabei nichts Gutes herauskommen! dachte Sachar erschrocken im Vorzimmer, warum hab' ich's nur gesagt!
»Woher wissen sie das?« sprach Oblomow, »Oljga hat geschwiegen, ich habe mich nicht einmal getraut, laut daran zu denken, und im Vorzimmer ist alles, alles schon entschieden worden! Das kommt von den Begegnungen unter vier Augen, von der Poesie des Morgen- und Abendrots, von den leidenschaftlichen Blicken und dem berückenden Gesang! Oh, diese Liebespoeme enden nie gut! Man muß zuerst zur Trauung gehen, und dann kann man in einer rosigen Atmosphäre schwimmen ... Mein Gott! Mein Gott! Ich müßte zur Tante hinlaufen, Oljgas Hand ergreifen und sagen: ›Das ist meine Braut!‹ Es ist aber nichts fertig; ich habe aus dem Dorfe keine Antwort, kein Geld und keine Wohnung! Nein, ich muß zuerst diesen Gedanken Sachar aus dem Sinn schlagen, den Klatsch wie ein Feuer auslöschen, damit er sich nicht verbreitet, damit es weder Flammen noch Rauch gibt ... Die Hochzeit! Was ist eine Hochzeit? ...«
Er wollte lächeln, als ihm seine frühere poetische Vorstellung von der Hochzeit einfieclass="underline" der lange Schleier, der Orangenblumenzweig, das Flüstern der Menge ... Doch es waren nicht mehr dieselben Farben: In der derselben Menge befand sich der rohe, schmutzige Sachar, Iljinskys Dienstboten, eine Reihe von Kutschern, fremde, kalte, neugierige Gesichter. Jetzt schwebte ihm nur Langweiliges und Schreckliches vor ...
Ich muß Sachar diesen Gedanken aus dem Sinn schlagen, damit er ihn für Unsinn hält! beschloß er, bald in krampfhafte Aufregung und bald in qualvolles Sinnen versinkend. Nach einer Stunde rief er Sachar. Sachar gab sich den Anschein, nichts zu hören, und wollte sich schon heimlich in die Küche hinausschleichen. Er hatte schon geräuschlos die Tür geöffnet, konnte aber mit der Seite nicht in die eine Türhälfte hineinfinden und schlug mit der Schulter so gegen die zweite an, daß beide Türhälften sich donnernd öffneten.
»Sachar!« rief Oblomow gebieterisch.
»Was wünschen Sie?« antwortete Sachar aus dem Vorzimmer.
»Komm her!«
»Soll ich auftragen? Sagen Sie nur, dann bringe ich's herein«, antwortete er.
»Komm her!« sagte Oblomow langsam und beharrlich.
»Ach, warum nur der Tod nicht kommt!« krächzte Sachar, ins Zimmer tretend.
»Nun, was wollen Sie?« fragte er, an der Tür stehenbleibend.
»Komm her!« sagte Oblomow mit feierlicher und geheimnisvoller Stimme, Sachar den Platz anweisend, auf dem er stehen bleiben sollte; doch dieser befand sich so nahe, daß er sich fast auf den Schoß des Herrn hätte setzen müssen.
»Wo soll ich denn hingehen? Es ist dort eng, ich höre auch von hier aus«, suchte Sachar nach Ausreden und blieb eigensinnig an der Tür stehen.
»Komm her, sagt man dir!« wiederholte Oblomow drohend.
Sachar machte einen Schritt und blieb wie ein Monument stehen, indem er durch das Fenster auf die herumirrenden Hühner schaute und dem Herrn den bürstenähnlichen Backenbart zuwandte. Ilja Iljitsch hatte sich in der einen Stunde vor Aufregung verändert, sein Gesicht erschien abgemagert, seine Augen irrten unstet herum. Nun, jetzt wäre es genug! dachte Sachar und wurde immer düsterer.
»Wie konntest du an deinen Herrn eine so sinnlose Frage richten?« fragte Oblomow.
Jetzt geht's los! dachte Sachar, in der bangen Erwartung von »traurigen Worten« blinzelnd.
»Ich frage dich, wie dir ein solcher Unsinn einfallen konnte?« wiederholte Oblomow.
Sachar schwieg.
»Hörst du, Sachar? Wieso erlaubst du dir, nicht nur zu denken, sondern sogar zu sprechen? ...«
»Erlauben Sie, Ilja Iljitsch, ich werde lieber Anissja rufen ...« antwortete Sachar und wollte sich zur Tür wenden.
»Ich will mit dir und nicht mit Anissja sprechen. Warum denkst du dir solche Dummheiten aus?«
»Ich habe mir nichts ausgedacht, die Iljinskyschen Dienstboten haben es mir gesagt!«
»Und wer hat es ihnen gesagt?«
»Woher soll ich denn das wissen! Katja hat es Sjemjon erzählt, Sjemjon Nikita, Nikita Wassilissa, Wassilissa Anissja und Anissja mir ...«
»O Gott, o Gott! Alle!« sagte Oblomow entsetzt. »Das ist alles Unsinn, Lüge und Verleumdung - hörst du?« sagte Oblomow, mit der Faust auf den Tisch schlagend. »Das kann nicht sein!«
»Warum kann denn das nicht sein?« unterbrach Sachar ihn gleichgültig, »eine Hochzeit ist doch etwas Gewöhnliches! Nicht nur Sie allein, alle heiraten ...«
»Alle!« sagte Oblomow. »Du möchtest mich immer mit anderen, mit allen vergleichen. Das kann nie möglich sein. Eine Hochzeit soll etwas Gewöhnliches sein? Was ist eine Hochzeit?«
Sachar versuchte es, Oblomow anzublicken, sah aber wütend auf ihn gerichtete Augen und wandte sich nach der Ecke rechtsum.
»Höre zu, ich werde dir erklären, was das ist. ›Hochzeit, Hochzeit‹, sagen die müßigen Leute, die Frauen und Kinder in den Gesindestuben, in den Geschäften und auf den Märkten. Der Mensch hört auf, Ilja Iljitsch oder Pjotr Petrowitsch zu heißen, und wird ›Bräutigam‹ genannt. Gestern hat ihn niemand auch nur anblicken wollen, und morgen glotzen ihn alle wie einen Hanswurst an. Er hat weder im Theater noch auf der Straße Ruhe. ›Da, da ist der Bräutigam!‹ flüstern alle. Und alle Menschen, die an ihn im Laufe des Tages herankommen, machen ein möglichst dummes Gesicht, so wie du jetzt« (Sachar wandte seinen Blick schnell wieder dem Hofe zu), »und bestreben sich, möglichst dumm zu sprechen«, fuhr Oblomow fort. »So sieht der Anfang aus! Dann muß man jeden Tag wie ein Verdammter des Morgens zur Braut hinfahren, immer strohgelbe Handschuhe und nagelneue Kleider tragen, darf nie gelangweilt ausschauen, darf nie ordentlich essen und trinken, sondern muß nur von der Luft und von Blumen leben! Das geht drei, vier Monate so fort! Siehst du? Wie kann ich denn das?«
Oblomow schwieg eine Weile und beobachtete, ob diese Darstellung der Unbequemlichkeiten einer Heirat Sachar überzeugt hatte.
»Kann ich vielleicht jetzt gehen?« fragte Sachar, sich zur Tür wendend.
»Nein, warte noch! Du verstehst dich darauf, falsche Gerüchte zu verbreiten, erfahre also, warum sie falsch sind.«
»Was soll ich denn da erfahren!« sagte Sachar, die Wände betrachtend.
»Du hast vergessen, wieviel sowohl der Bräutigam als auch die Braut herumlaufen und besorgen müssen; und wirst du vielleicht zu den Schneidern, den Schustern und zum Möbelhändler laufen? Ich kann mich doch nicht zerreißen. Und alle in der Stadt werden es erfahren. ›Oblomow heiratet - haben Sie gehört? Ist's möglich? Wen denn? Wer ist sie? Wann ist die Hochzeit?‹ « sagte Oblomow, die verschiedenen Stimmen nachahmend. »Man spricht von nichts anderem! Ich werde von Kräften kommen und davon allein bettlägerig werden, und du sprichst von der Hochzeit!«
Er blickte Sachar wieder an.
»Soll ich nicht Anissja rufen?« fragte Sachar.
»Wozu denn Anissja? Du und nicht Anissja hast diese unüberlegte Vermutung ausgesprochen.«
»Wofür straft mich der Herr heute?« flüsterte Sachar und seufzte so auf, daß sich sogar seine Schultern hoben.
»Und was das kostet!« fuhr Oblomow fort, »wo soll ich das Geld hernehmen? Hast du gesehen, wieviel Geld ich habe?« fragte Oblomow fast drohend. »Und wo soll ich eine Wohnung bekommen? Ich muß hier tausend Rubel und für die andere Wohnung dreitausend Rubel zahlen, und was die Einrichtung alles kostet! Dann ein Wagen, ein Koch, die Wirtschaft! Wo soll ich das hernehmen?«
»Wieso heiraten denn andere, die dreihundert Seelen haben?« entgegnete Sachar und bereute es sofort, denn sein Herr wollte vom Sessel aufspringen und nahm schon einen Anlauf dazu.