Oblomow
- Автор: Гончаров Иван Александрович
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Oblomow». Краткое содержание книги:
»Du fängst wieder von den anderen an? Nimm dich in acht!« sagte er, mit dem Finger drohend, »die anderen wohnen in zwei, höchstens in drei Zimmern. Das Speisezimmer und der Salon sind zusammen; manche schlafen sogar dort; die Kinder sind daneben, das ganze Haus wird von einem Mädchen bedient. Die Gnädige selbst geht auf den Markt! Wird denn Oljga Sjergejewna auf den Markt gehen?«
»Auf den Markt könnte ich ja gehen«, bemerkte Sachar.
»Weißt du, wieviel Oblomowka jetzt trägt?« fragte Oblomow. »Hörst du, was der Dorfschulze schreibt? Das Einkommen ist ›um zweitausend geringer‹! Und man muß außerdem eine Straße bauen, Schulen einrichten, nach Oblomowka fahren: Man kann dort nicht wohnen, es ist noch kein Haus da ... Was hast du dir dabei für eine Hochzeit ausgedacht?«
Oblomow schwieg. Dieses furchtbare, trostlose Bild hatte ihn selbst entsetzt. Die Rosen, die Orangenblüten, das glanzvolle Fest, das bewundernde Flüstern der Menge - alles erlosch plötzlich. Er wechselte die Farbe und sann nach. Dann kam er allmählich zur Besinnung, schaute sich um und erblickte Sachar.
»Was willst du?« fragte er düster.
»Sie haben mir ja dazustehen befohlen!«
»Geh!« sagte ihm Oblomow mit einer ungeduldigen Handbewegung. Sachar schritt rasch zur Tür hin.
»Nein, warte!« befahl ihm Oblomow plötzlich.
»Bald soll ich gehen und warten!« brummte Sachar, sich an der Tür festhaltend.
»Wie konntest du es wagen, solche sinnlose Gerüchte über mich zu verbreiten?« fragte Oblomow, erregt flüsternd.
»Wann habe ich es denn getan, Ilja Iljitsch? Nicht ich, sondern die Iljinskyschen Dienstboten haben erzählt, daß unser Herr um das Fräulein angehalten hat ...«
»Pst! ...« zischte Oblomow, drohend die Hand schwenkend, »nie mehr ein Wort davon, hörst du?«
»Ich höre«, antwortete Sachar schüchtern.
»Wirst du diesen Unsinn nicht mehr verbreiten?«
»Nein«, antwortete Sachar leise, ohne auch nur die Hälfte der Worte zu verstehen, von denen er bloß wußte, daß sie »traurig« waren.
»Also, gib acht: Sowie man dich fragt oder sowie du darüber sprechen hörst, sage, daß es ein Unsinn ist, daß so etwas nie sein konnte und sein kann!« fügte Oblomow flüsternd hinzu.
»Zu Befehl«, sagte Sachar kaum hörbar.
Oblomow wandte sich um und drohte ihm mit dem Finger. Sachar blinzelte mit seinen erschrockenen Augen und wollte sich auf den Fußspitzen der Türe nähern.
»Wer hat zuerst davon gesprochen?« fragte Oblomow, ihn einholend.
»Katja hat es Sjemjon gesagt - Sjemjon - Nikita«, flüsterte Sachar, »Nikita - Wassilissa ...«
»Und du hast es allen ausgeplaudert! Wart nur!« zischte Oblomow drohend. »Du verleumdest deinen Herrn! He!«
»Warum quälen Sie mich mit traurigen Worten?« sagte Sachar. »Ich werde Anissja rufen, die weiß alles ...«
»Was weiß sie? Sprich, sprich sofort! ...«
Sachar schritt augenblicklich durch die Tür und erreichte mit ungewöhnlicher Schnelligkeit die Küche.
»Stell die Pfanne hin und geh zum Herrn!« sagte er zu Anissja, ihr mit dem Daumen auf die Tür hinweisend.
Anissja übergab die Pfanne Akulina, zog den Saum des Kleides aus dem Gürtel heraus, schlug sich mit den Händen auf die Schenkel, wischte sich mit dem Zeigefinger die Nase ab und ging zum Herrn. Sie beruhigte Ilja Iljitsch in fünf Minuten, indem sie ihm sagte, niemand hätte von seiner Hochzeit gesprochen. Sie könnte es beschwören und sogar das Heiligenbild von der Wand herabnehmen, sie hörte es zum ersten Male; man hätte im Gegenteil von etwas ganz anderem gesprochen, nämlich daß der Baron das Fräulein heiraten wolle ...
»Wieso der Baron?« fragte Ilja Iljitsch, plötzlich aufspringend, und ihm erstarrten außer dem Herzen die Hände und die Füße.
»Auch das ist ein Unsinn!« beeilte sich Anissja zu sagen, als sie sah, daß sie aus dem Regen in die Traufe geraten war. »Das hat Katja nur Sjemjon gesagt, Sjemjon - Marfa, Marfa hat alles verdreht und es Nikita erzählt, und Nikita hat gesagt, daß es gut wäre, wenn euer Herr, Ilja Iljitsch, um das Fräulein anhielte ...«
»Was für ein Dummkopf dieser Nikita ist!« bemerkte Oblomow.
»Es ist wahr, daß er ein Dummkopf ist«, bestätigte Anissja. »Er sieht sogar dann, wenn er hinten auf der Kutsche sitzt, schläfrig aus. Wassilissa hat ihm ja auch nicht geglaubt«, sprach sie schnell weiter; »sie hätte ihr noch am Himmelfahrtstag gesagt, und Wassilissa hätte es von der Kinderfrau selbst erfahren, daß das Fräulein gar nicht ans Heiraten denke, und daß es ganz unmöglich wäre, daß unser Herr sich nicht schon längst eine Braut gefunden hätte, wenn er heiraten wollte; sie hätte noch vor kurzem Samojlo gesehen, der hätte sogar darüber gelacht, daß da eine Heirat herauskommen könnte! Es sähe gar nicht nach einer Hochzeit, sondern eher nach einer Beerdigung aus, die Tante hätte immer Kopfschmerzen, und das Fräulein weinte und schwiege immer; man bereite im Hause auch gar keine Mitgift vor; das Fräulein hätte eine Menge ungestopfter Strümpfe, man nehme sich aber nicht einmal die Zeit, sie zu stopfen; man hätte auch vorige Woche das Silber versetzt ...«
Man hat das Silber versetzt? Sie haben also auch kein Geld! dachte Oblomow, die Wände entsetzt mit den Augen streifend und sie auf Anissjas Nase richtend, da sie nichts anderes hatte, auf das er seinen Blick richten konnte. Sie schien das alles nicht mit dem Munde, sondern mit der Nase zu sagen.
»Gib also acht, daß kein Unsinn gesprochen wird!« bemerkte Oblomow, ihr mit dem Finger drohend.
»Wie sollte ich denn über so was sprechen? Ich denke nicht einmal daran!« schnatterte Anissja, daß es klang, als spaltete sie Holzspäne. »Es wird auch gar nicht darüber gesprochen, ich hörte es heute zum erstenmal, oder ich soll vor dem Antlitz des Herrn in die Erde sinken! Ich habe mich gewundert, als der Herr es mir gesagt hat, es hat mich erschreckt, und ich habe sogar am ganzen Leibe gezittert! Wie ist denn das möglich? Was für eine Hochzeit? Niemand ist im Traum so etwas eingefallen. Ich spreche mit niemand über etwas, ich sitze immer in der Küche. Ich habe die Iljinskyschen Dienstboten seit einem Monat nicht gesehen und habe vergessen, wie sie heißen. Und mit wem sollte ich hier plaudern? Mit der Hausfrau spreche ich nur von der Wirtschaft; mit der Großmutter kann man nicht sprechen; sie hustet und hört schlecht. Akulina ist sehr dumm, und der Hausbesorger ist ein Trunkenbold; es bleiben also nur die Kinder übrig. Worüber soll man mit ihnen sprechen? Ich habe sogar vergessen, wie das Fräulein aussieht ...«
»Gut, gut!« sagte Oblomow ungeduldig und winkte ihr mit der Hand, sie sollte gehen.
»Wie kann man etwas sagen, wenn es nicht wahr ist!« sprach Anissja beim Fortgehen weiter. »Nikita hat ja vielleicht etwas gesagt; aber für Narren gibt es eben kein Gesetz. Ihr selbst fiele so etwas gar nicht ein; sie rackert sich den ganzen Tag ab, denkt man denn dann an so was? Gott weiß, was man sich da ausgedacht hat! Da hing ja ein Heiligenbild an der Wand ...« Und gleich darauf verschwand die sprechende Nase hinter der Tür, man hörte aber noch einige Zeit sprechen.
»So ist es also! Sogar Anissja sagt, daß es etwas ganz Unmögliches ist!« flüsterte Oblomow, die Hände faltend. »Das Glück, das Glück!« sagte er dann bitter. »Wie zerbrechlich und unverläßlich bist du! Der Schleier, der Kranz, die Liebe, die Liebe! Und wo ist das Geld? Und wie soll man leben? Auch dich muß man kaufen, o Liebe, dich, das reine, natürliche Glück!«
Von diesem Augenblick verließen Oblomow die Träume und die Ruhe. Er schlief schlecht, aß wenig und blickte alles zerstreut und düster an. Er hatte Sachar erschrecken wollen und erschrak mehr als er, nachdem er in die praktische Seite der Frage betreffs der Hochzeit eingedrungen war und gesehen hatte, daß es zwar ein poetischer, aber zugleich auch ein realer, offizieller Schritt in die eigentliche, ernste Wirklichkeit und in die Reihe der strengen Pflichten war. Und er hatte sich ja das Gespräch mit Sachar ganz anders vorgestellt; er erinnerte sich, wie feierlich er das Sachar mitteilen wollte, wie Sachar vor Freude aufschreien und sich ihm zu Füßen werfen sollte; er würde ihm dann fünfundzwanzig und Anissja zehn Rubel geben ...