Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Wie ist er gestorben?« fragte die Name; »sprecht, mein Freund!« – »Gnädige Frau, der Herr Baron, der seinen Lehnstuhl nicht mehr verließ, ist vor acht Tagen von einem dritten Schlage getroffen worden. Er konnte ein letztes Mal Euren Namen stammeln, dann hörte er auf zu sprechen und starb in der Nacht.«
Die Name machte dem alten Diener eine Gebärde des Dankes und ging dann, ohne ein einziges Wort zu äußern, wieder in ihr Zimmer hinauf.
»Endlich ist sie frei,« murmelte Remy, der bleicher und düsterer war als sie; »kommt, Grandchamp, kommt!«
Das Zimmer der Dame lag im ersten Stock, hinter einem Kabinett, das die Aussicht auf die Straße hatte, wahrend dieses Zimmer selbst sein Licht nur von einem kleinen Fenster erhielt, das nach einem Hofe ging. Die Ausstattung dieses Zimmers war düster, aber reich; Tapeten aus den Webereien von Arras stellten die verschiedenen Augenblicke der Leidensgeschichte dar. Ein Betpult von geschnitztem Eichenholz, ein Lehnstuhl von demselben Stoff und derselben Arbeit, ein Bett mit gewundenen Säulen und Vorhängen, den Tapeten der Wände ähnlich, ein Teppich von Brügge, dies war die ganze Ausschmückung des Zimmers.
Keine Blume, kein Juwel, keine Vergoldung; Holz und poliertes Eisen ersetzten überall das Silber und Gold; ein Rahmen von schwarzem Holz umschloß das Porträt eines Mannes, worauf das Licht des Fensters fiel, das man offenbar zur Beleuchtung ausgebrochen hatte.
Vor diesem Porträt kniete die Dame mit wundem Herzen, aber trockenen Augen nieder.
Sie heftete auf dieses leblose Antlitz einen langen, unbeschreiblichen Liebesblick, als ob das edle Bild sich beleben sollte, um ihr zu antworten.
Die Dame streckte den Arm nach dem Bilde aus und sprach zu ihm wie zu Gott: »Ich hatte dich gebeten zu warten, obgleich deine gereizte Seele nach Rache dürsten mußte,« sagte sie; »und da die Toten alles sehen, mein Geliebter, so hast du gesehen, daß ich das Leben nur ertrug, um nicht eine Vatermörderin zu werden; als du tot warst, hätte ich sterben müssen, doch indem ich starb, tötete ich meinen Vater.
»Und dann hatte ich, wie du weißt, auf deinen blutigen Leichnam ein Gelübde getan, ich hatte geschworen, den Tod durch Tod, das Blut durch Blut zu sühnen; doch dann lud ich ein Verbrechen auf das weiße Haupt des ehrwürdigen Greises, der mich sein unschuldiges Kind nannte.
»Du hast gewartet, ich danke dir, mein Vielgeliebter, du hast gewartet, und nun bin ich frei, das letzte Band, das mich an die Erde fesselte, ist durch den Herrn zerrissen worden, – Dank sei dem Herrn ... Ich gehöre dir; kein Schleier, kein Verstecken mehr, ich kann am hellen Tage handeln, denn nun werde ich niemand mehr auf der Erde zurücklassen, und ich habe das Recht, von ihr zu scheiden.«
Sie erhob sich auf ein Knie und küßte die Hand, die aus dem Rahmen herabzuhängen schien.
»Du verzeihst mir, Freund, daß ich trockene Augen habe,« sagte sie; »indem ich auf deinem Grabe weinte, sind meine Augen vertrocknet, diese Augen, die du so sehr liebtest. In wenigen Monaten werde ich zu dir kommen, und du wirst mir endlich antworten, teurer Schatten, mit dem ich so viel gesprochen, ohne je eine Antwort zu erhalten.« Hierauf erhob sich Diana ehrfurchtsvoll und setzte sich auf ihren eichenen Stuhl.
»Armer Vater,« flüsterte sie mit einem kalten Tone und mit einem Ausdruck, der keinem menschlichen Geschöpf anzugehören schien. Dann versank sie in eine tiefe Träumerei, die sie scheinbar das gegenwärtige Unglück und die vergangenen Leiden vergessen ließ.
Plötzlich richtete sie sich auf, stützte die Hand auf einen Arm des Lehnstuhls und sagte: »Das ist es, und so wird alles besser gehen, Remy!«
Der treue Diener horchte ohne Zweifel an der Tür, denn er erschien sogleich und erwiderte: »Hier bin ich, gnädige Frau.«
»Mein würdiger Freund, mein Bruder, Ihr, das einzige Geschöpf, das mich auf dieser Welt kennt, nehmt von mir Abschied!« – »Warum dies, gnädige Frau?«
»Weil die Stunde, uns zu trennen, gekommen ist, Remy.«–»Uns trennen!« rief der junge Mann mit einem Ausdruck, der seine Gefährtin beben ließ; »was sagt Ihr, gnädige Frau?«
»Ja, Remy. Dieser Racheplan schien mir edel und rein, solange noch ein Hindernis zwischen ihm und mir lag, solange ich ihn nur am Horizont erblickte. Nun, da ich der Ausführung nahestehe, nun da das Hindernis verschwunden ist, weiche ich nicht zurück, Remy, aber ich will nicht eine edle, fleckenlose Seele hinter mir auf den Weg des Verbrechens ziehen; somit werdet Ihr mich verlassen, mein Freund.«
Remy hatte die Worte der Frau von Monforeau mit einer finsteren, beinahe stolzen Miene angehört.
»Gnädige Frau,« erwiderte er, »glaubt Ihr denn mit einem zitternden, durch den Gebrauch des Lebens abgenutzten Greis zu sprechen? Gnädige Frau, ich bin sechsundzwanzig Jahre alt und stehe im vollen Saft der Jugend, der in mir vertrocknet zu sein scheint, in mir, einem dem Grabe entrissenen Leichnam; wenn ich noch lebe, so ist es, um eine furchtbare Handlung zu vollbringen, um eine tätige Rolle in dem Werke der Vorsehung zu spielen; trennt also meinen Geist nicht von dem Eurigen, da diese beiden finsteren Geister so lange unter demselben Dache gewohnt haben; wohin Ihr geht, werde ich auch gehen; was Ihr tun möget, ich werde Euch dabei unterstützen, und wenn Ihr trotz meiner Bitten auf Eurem Entschluß, mich fortzujagen, beharrt...«
»Oh! Euch fortjagen! Welches Wort habt Ihr da gesagt, Remy?« – »Wenn Ihr auf Eurem Entschluß beharrt,« fuhr der junge Mann fort, als ob sie nicht gesprochen hätte, »so weiß ich, was ich zu tun habe, und alle unsere unnütz gewordenen Studien werden für mich auf zwei Dolchstiche auslaufen; der eine trifft das Herz dessen, den Ihr kennt, der andere das meinige.«
»Remy! Remy!« rief Diana, indem sie einen Schritt gegen den jungen Mann tat und gebieterisch ihre Hand über seinem Haupte ausstreckte, »Remy, sagt das nicht; das Leben dessen, den Ihr bedroht, gehört mir, mir, die ich es teuer genug bezahlt habe, um es ihm selbst zu nehmen, sobald der Augenblick, wo er es verlieren soll, gekommen sein wird; Ihr wißt, was geschehen ist, Remy, und das ist kein Traum, ich schwöre es Euch; an dem Tage, an dem ich zu dem kalten Leibe von diesem niederkniete...«
Und sie deutete auf das Porträt.
»An diesem Tage, sage ich, näherte ich meine Lippen dieser Wunde, die Ihr offen seht, und diese Wunde zitterte und sprach zu mir: 'Räche mich, Diana, räche mich!'« – »Gnädige Frau.«
»Remy, ich wiederhole dir, es war keine Einbildung, es war kein Lallen meines Fieberwahnsinns: die Wunde hat gesprochen, sie hat gesprochen, sage ich dir, und ich höre sie noch murmeln: 'Räche mich, Diana, räche mich!'«
Der Diener neigte das Haupt.
»Mir also und nicht Euch kommt die Rache zu,« fuhr Diana fort; »überdies für wen und durch wen ist er gestorben? Für mich und durch mich.« – »Ich muß Euch gehorchen, gnädige Frau, denn ich war auch tot wie er. Wer hat mich aus der Mitte dieser Toten, mit denen der Boden bedeckt war, wegbringen lassen? Ihr. Wer hat meine Wunden geheilt? Ihr. Wer hat mich verborgen? Ihr, Ihr, die Hälfte der Seele dessen, für den ich so freudig gestorben war; befehlt also, und ich werde gehorchen, wenn Ihr mir nur nicht befehlt, daß ich Euch verlassen soll.«
»Es sei, Remy, folgt also meinem Schicksal, Ihr habt recht, nichts soll uns mehr trennen.« – Remy deutete auf das Porträt und sagte voll Tatkraft: »Wohl, er ist durch Verrat getötet worden, durch Verrat muß er auch gerächt werden. Ah! Ihr wißt eines nicht, Ihr habt recht,, die Hand Gottes ist mit uns; Ihr wißt nicht, daß ich in dieser Nacht das Geheimnis der Aqua tolana, dieses Giftes der Medici, dieses Giftes von René, dem Florentiner, gefunden habe.«
»Oh! sprichst du wahr?« – »Kommt und seht, edle Frau!«