Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Gut,« versetzte Sainte-Maline, »wir haben unsern Schwur, und Herr von Carmainges ist so gewissenhaft in der Mannszucht, daß er ihn nicht wird verletzen wollen; wir dürfen den Degen nicht gegeneinander ziehen; leuchtet, Montcrabeau, leuchtet!«
Montcrabeau ging hinab und kam fünf Minuten nachher mit einer Kerze zurück, die er Sainte-Maline übergeben wollte.
»Nein, nein,« sagte dieser, »behaltet sie, ich werde vielleicht meine Hände nötig haben.«
Und er machte einen Schritt vorwärts, um in das Türmchen zu dringen.
»Ich nehme Euch alle zum Zeugen,« sagte Ernauton, »daß man mich unwürdig beleidigt und mir ohne Grund Gewalt antut, und daß ich folglich (er zog rasch seinen Degen) diesen Degen dem ersten in die Brust stoße, der noch einen Schritt vorwärts tut.«
Wütend wollte Sainte-Maline auch den Degen in die Hand nehmen, doch er hatte noch nicht zur Hälfte vom Leder gezogen, als er auf seiner Brust die Degenspitze Ernautons glänzen sah.
Da nun Sainte-Maline in diesem Augenblick einen Schritt vorwärts machte, so fühlte er, ohne daß Herr von Carmainges ausgefallen war oder mit dem Arm zu stoßen nötig gehabt hätte, die Kälte des Eisens aus der Brust und wich wahnsinnig wie ein verwundeter Stier zurück. Ernauton machte denselben Schritt vorwärts, den Sainte-Maline rückwärts gemacht hatte, und der Degen fand sich abermals drohend auf der Brust des letzteren. Sainte-Maline erbleichte; wenn Ernauton ausgefallen wäre, hätte er ihn an die Wand gespießt. Er schob langsam seinen Degen in die Scheide.
»Ihr verdientet tausend Tode für Eure Unverschämtheit,« sagte Ernauton; »doch der Schwur, von dem Ihr spracht, bindet mich, und ich werde Euch nicht mehr berühren; laßt mir den Weg frei!«
Er machte einen Schritt rückwärts, um zu sehen, ob man ihm gehorchte, und sagte dann mit majestätischer Gebärde: »Gebt Raum, meine Herren; kommt, Madame, ich stehe für alles.«
Man sah sodann auf der Schwelle des Türmchens eine Frau erscheinen, deren Kopf mit einem Kapuchon bedeckt, deren Gesicht mit einem Schleier verhüllt war, und die ganz zitternd Ernautons Arm nahm. Dann steckte der junge Mann seinen Degen in die Scheide, und als wäre er sicher, daß er nichts mehr zu fürchten habe, durchschritt er stolz das von seinen unruhigen und doch neugierigen Kameraden erfüllte Vorzimmer.
Sainte-Maline, dessen Brust das Eisen leicht gestreift hatte, war, beinahe erstickend an der Schmach, die er vor seinen Kameraden und vor der unbekannten Dame erlitten hatte, bis auf den Ruheplatz der Treppe zurückgewichen. Er begriff, daß er alles gegen sich hatte, Lacher und ernsthafte Menschen, wenn die Dinge blieben, wie sie waren, und diese Überzeugung trieb ihn zum Äußersten an.
Er zog seinen Dolch in dem Augenblick, als Carmainges an ihm vorüberging. Hatte er die Absicht, ihm einen Stoß zu versetzen, oder beabsichtigte er nur zu tun, was er tat? Das ließe sich unmöglich aufklären, ohne in dem finstern Geiste dieses Menschen gelesen zu haben, worin er selbst vielleicht in seinen Augenblicken des Zornes nicht lesen konnte.
So viel ist gewiß, daß sein Arm auf das Paar niedersank und, statt Ernautons Brust zu verletzen, die seidene Haube der Herzogin schlitzte und eine von den Schnüren der Maske durchschnitt, so daß diese zu Boden fiel.
Die Bewegung Sainte-Malines war so rasch gewesen, daß im Schatten niemand sich davon hatte Rechenschaft geben oder widersetzen können. Die Herzogin stieß einen Schrei aus. Ihre Maske fiel, und sie hatte ihren Hals entlang den runden Rücken der Klinge gleiten gefühlt, doch ohne daß sie verwundet worden war.
Sainte-Maline hatte also, während sich Ernauton über den von der Herzogin ausgestoßenen Schrei beunruhigte, Zeit, die Maske aufzuheben und sie ihr zurückzugeben, so daß er bei dem Scheine der Kerze Montcrabeaus das unbedeckte Gesicht der jungen Frau sehen konnte.
»Ah! ah!« sagte er mit seinem höhnischen, frechen Tone, »es ist die schöne Dame der Sänfte; ich mache Euch mein Kompliment, Ernauton, Ihr seid rasch vorwärts gekommen.«
Ernauton blieb stehen und hatte schon seinen Degen wieder halb aus seiner Scheide gezogen, als die Herzogin ihn die Stufen hinabzog und ihm zuflüsterte: »Kommt, kommt, ich bitte Euch, Herr von Carmainges.«
»Ich werde Euch wiedersehen, Herr von Sainte-Maline,« sagte Ernauton, sich entfernend, »und seid unbesorgt, Ihr sollt mir diese Feigheit mit anderen bezahlen.«
»Gut, gut!« erwiderte Sainte-Maline, »haltet Eure Rechnung, ich halte die meinige; wir werden sie eines Tages ordnen.«
Carmainges hörte, wandte sich aber nicht um, denn er konnte die Herzogin nicht im Stich lassen. Als er unten an die Treppe kam, stellte sich ihm niemand in den Weg; die von den Fünfundvierzig, die nicht mit die Treppe hinaufgestiegen waren, tadelten ohne Zweifel im Innern die Gewalttat ihrer Kameraden.
Ernauton führte die Herzogin an ihre von zwei Dienern bewachte Sänfte. Sobald sie sich hier befand und sich in Sicherheit fühlte, drückte sie Carmainges die Hand und sagte: »Herr Ernauton, nach dem, was vorgefallen ist, nach der Beleidigung, vor der Ihr mich trotz Eures Mutes nicht beschützen konntet, und die sich unfehlbar erneuern würde, können wir nicht mehr hierherkommen; ich bitte Euch, sucht in der Umgegend ein Haus, das zu verkaufen oder ganz zu mieten ist; seid unbesorgt, binnen kurzem werdet Ihr Nachricht von mir erhalten.«
»Muß ich von Euch Abschied nehmen, Madame?« sagte Ernauton, indem er sich zum Zeichen des Gehorsams gegen die für seine Eitelkeit so schmeichelhaften Befehle verbeugte.
Die Herzogin reichte Ernauton ihre Hand zum Kuß und entfernte sich sodann.
»Das ist in der Tat seltsam,« sagte der junge Mann, als er wieder zurückkehrte, »diese Frau findet Geschmack an mir, daran kann ich nicht zweifeln, und sie fragt nicht im geringsten danach, ob ich von diesem Strauchdieb Sainte-Maline getötet werde.«
Eine leichte Bewegung seiner Schultern bewies, daß der junge Mann diese Gleichgültigkeit zu ihrem wahren Werte anschlug. Dann kam er auf jenes erste Gefühl zurück, das für seine Eitelkeit durchaus nichts Schmeichelhaftes hatte, und fuhr fort: »Oh! sie war sehr beunruhigt, die arme Frau, und die Furcht kompromittiert zu werden, ist bei Prinzessinnen das stärkste von allen Gefühlen.«
»Denn,« fügte er, sich selbst zulächelnd, hinzu, »sie ist Prinzessin.«
Und da dieses letzte Gefühl für ihn das schmeichelhafteste war, so trug es auch den Sieg davon.
Noch es konnte die Erinnerung an die Beleidigung nicht verwischen, die ihm angetan worden war; er kehrte daher geradenwegs in das Wirtshaus zurück, damit niemand das Recht hätte zu vermuten, er habe Furcht vor den Folgen, gehabt, die diese Sache nach sich ziehen könnte.
Er war natürlich entschlossen, alle Befehle und alle Eide zu übertreten und mit Sainte-Maline bei dem ersten Worte, das er sagen, oder bei der ersten Gebärde, die er sich erlauben würde, zu Ende zu kommen.
Durch einen Schlag verletzt, verliehen ihm die Liebe und die Eitelkeit wütenden Mut, der ihm sicher in dem Zustande der Erregung, in dem er sich befand, mit zehn Männern zu kämpfen erlaubt hätte. Dieser Entschluß funkelte in seinen Augen, als er die Schwelle des Gasthofes »Zum kühnen Ritter« berührte.
Frau Fournichon stand ganz zitternd auf der Schwelle.
Bei Ernautons Anblick trocknete sie sich die Tränen ab, als ob sie reichlich geweint hätte, schlang ihre Arme um den Hals des jungen Mannes und bat ihn um Verzeihung, trotz aller Einwendungen ihres Gatten, der behauptete, da sie kein Unrecht getan, so brauche seine Frau auch nicht um Verzeihung zu bitten.
Währenddessen saßen alle wieder bei Tische, und man sprach sehr warm von dem Ereignis, das ohne Widerspruch den Höhepunkt des Abends bildete.
Bei Ernautons Anblick, der wie eine Erscheinung wirkte, fühlte jeder einen Schauer durch seinen ganzen Körper laufen, Ernauton ging gerade auf Sainte-Maline zu, ohne eine, wirkliche Herausforderung, aber mit einer Festigkeit, die mehr als ein Herz zittern ließ.