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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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Als man dies sah, rief man von allen Seiten Herrn von Carmainges zu: »Kommt hierher, Carmainges; kommt daher, Ernauton, es ist ein Platz bei mir.«

»Ich danke,« antwortete der junge Mann, »ich will mich zu Herrn von Sainte-Maline setzen.«

Sainte-Maline stand auf; aller Augen waren auf ihn gerichtet. Noch während er aufstand, veränderte sich der Ausdruck seines Gesichtes völlig, und er sagte ohne Zorn: »Ich will Euch den Platz einräumen, den Ihr zu haben wünscht, und indem ich Euch Platz mache, spreche ich meine offenherzige und aufrichtige Entschuldigung wegen des albernen Angriffs aus, den ich mir vorhin gegen Euch habe zuschulden kommen lassen; ich war trunken, Ihr habt es selbst gesagt, verzeiht mir!«

Diese unter dem tiefsten Stillschweigen vorgebrachte Erklärung befriedigte Ernauton durchaus nicht, obgleich offenbar nicht eine Silbe für die dreiundvierzig Gäste verloren gegangen war, die voll Angst warteten, wie diese Szene endigen wurde.

Doch bei Sainte-Malines letzten Worten zeigten Ernauton die Freudenrufe seiner Kameraden, daß er befriedigt sein müsse, und daß er vollkommen gerächt sei. Sein gesunder Verstand nötigte ihn also zu schweigen. Zugleich zeigte ihm aber ein Blick, den er auf Sainte-Maline warf, daß er ihm mehr als je mißtrauen müsse.

»Der Elende hat doch Mut,« sagte Ernauton zu sich selbst, »und wenn er in diesem Augenblick nachgibt, so geschieht es infolge einer abscheulichen Absicht, die ihm mehr einleuchtet.«

Sainte-Malines Glas war voll, er füllte Ernautons.

»Ruhe, Friede, Friede!« riefen alle Stimmen, »auf die Versöhnung von Carmainges und Sainte-Maline!«

Carmainges benutzte das Zusammenstoßen der Gläser, und den Lärm aller Stimmen, neigte sich gegen Sainte-Maline und sagte zu ihm, ein Lächeln auf den Lippen, damit niemand den Sinn der Worte, die er an ihn richtete, erraten könnte: »Herr von Sainte-Maline, das ist das zweitemal, daß Ihr mich beleidigt, ohne mir Genugtuung zu geben, nehmt Euch in acht, bei der dritten Beleidigung schlage ich Euch tot wie einen Hund.«

»Tut das, wenn Ihr es recht findet,« erwiderte Sainte-Maline, »denn so wahr ich ein Edelmann bin, ich würde dasselbe tun.«

Und die beiden Todfeinde stießen die Gläser zusammen, wie es nur die besten Freunde hätten tun können.

Was in dem geheimnisvollen Haufe vorfiel.

Während dieser Ereignisse im » Kühnen Ritter« fand eine ungewöhnliche Bewegung in dem geheimnisvollen Hause statt, das unsern Lesern bisher nur von außen bekannt ist.

Der Diener mit der kahlen Stirn ging von einem Zimmer in das andere und holte gepackte Gegenstände, die er in eine Reisekiste verschloß. Sodann lud er eine Pistole und ließ einen breiten Dolch in seiner Scheide spielen, worauf er ihn mittels eines Ringes an die Kette, die ihm als Gürtel diente, hing, und an der er noch seine Pistole, einen Bund Schlüssel und ein Gebetbuch in schwarzem Thagrin befestigte.

Während er hiermit beschäftigt war, streifte ein Tritt, so leicht wie der eines Schatten, den Boden des zweiten Stockes und glitt die Treppe hinab. Plötzlich erschien eine Frau, bleich und einem Gespenste ähnlich unter den Falten ihres weißen Schleiers, auf der Türschwelle, und eine Stimme, so sanft und traurig wie der Gesang eines Vogels in der Tiefe des Waldes, machte sich hörbar.

»Remy,« sagte diese Stimme, »seid Ihr bereit?« – »Ja, gnädige Frau, und ich erwarte zu dieser Stunde nur noch Eure Kassette.«

»Glaubt Ihr, diese Kassetten werden sich leicht unseren Pferden aufladen lassen?« – »Ich stehe dafür, gnädige Frau. Wenn Euch dies übrigens nur im geringsten beunruhigt, so können wir die meinige hier lassen; habe ich denn dort nicht alles, was ich brauche?«

»Nein, Remy, nein, unter keiner Bedingung darf Euch das Nötigste auf der Reise fehlen, und dann, wenn wir auch dort sind, werden alle Bedienten, da der arme Greis krank ist, um diesen beschäftigt sein. Oh! Remy, es drängt mich, zu meinem Vater zu kommen; ich habe traurige Ahnungen, und es ist mir, als hätte ich ihn seit einem Jahrhundert nicht gesehen.« – »Ihr habt ihn doch erst vor drei Monaten verlassen, und der Zwischenraum zwischen dieser Reise und der letzten ist nicht größer als der zwischen den andern.«

»Remy, habt Ihr, der Ihr Arzt seid, nicht selbst zugestanden, als wir ihn das letzte Mal verließen, mein Vater habe nicht mehr lange zu leben?« – »Ja, allerdings, doch dies war keine Weissagung, sondern ich drückte damit nur eine Furcht aus; Gott vergißt zuweilen die Greise, und sie leben – es klingt seltsam – durch die Gewohnheit zu leben; mehr noch, zuweilen ist der Greis wie ein Kind heute krank, morgen wieder völlig munter.«

»Ach! Remy, und wie das Kind ist auch der Greis heute munter und morgen tot.« –

Remy erwiderte nichts, denn es konnte keine beruhigende Antwort aus seinem Munde kommen, und ein düsteres Schweigen folgte einige Minuten lang auf das mitgeteilte Gespräch.

»Auf welche Stunde habt Ihr die Pferde bestellt, Remy?« fragte nach einer Weile die geheimnisvolle Dame. – »Auf zwei Uhr nach Mitternacht.«

»Ein Uhr hat geschlagen?« – »Ja, gnädige Frau.«

»Niemand lauert draußen, Remy?« – »Niemand.«

»Nicht einmal der unglückliche junge Mann?« – »Nicht einmal er.«

»Ihr sagt mir das so seltsam, Remy?« – »Weil er auch einen Entschluß gefaßt hat.«

»Welchen?« fragte die Name bebend. – »Den, Euch nicht mehr zu sehen oder es wenigstens nicht mehr zu versuchen, Euch zu sehen.«

»Und wohin geht er?« – »Wohin wir alle gehen, zur Ruhe.«

»Gott verleihe ihm die ewige Ruhe,« erwiderte die Name mit einer Stimme, so ernst und kalt wie eine Totenglocke, »und dennoch ...« sie hielt inne. – »Dennoch?« versetzte Remy. »hat er nichts auf dieser Welt zu tun?« – »Er hätte zu lieben, wenn man ihn geliebt hätte.«

»Ein Mann von seinem Namen, von seinem Rang und seinem Alter müßte auf die Zukunft rechnen.«–»Zählt Ihr darauf, die Ihr ihn Eurem Alter, Eurem Rang und Eurem Namen nach um nichts zu beneiden habt?«

Die Augen der Dame gaben einen düstern Schimmer von sich. »Ja, Remy, ich zähle darauf, da ich lebe; doch wartet ...«

Sie horchte.

»Ist es nicht der Trab eines Pferdes, was ich höre?« – »Es scheint mir.«

»Sollte es unser Führer sein?« – »Es ist möglich; doch in diesem Fall käme er beinahe eine Stunde früher, als verabredet ist.«

»Man hält vor der Tür, Remy.« – »In der Tat.«

Remy ging rasch hinab und kam unten an die Treppe in dem Augenblick, als sich drei hastige Schläge hörbar machten.

»Wer ist da?« – »Ich,« antwortete eine schwache, gebrochene Stimme; »ich, Grandchamp, der Kammerdiener des Barons.«

»Ah! mein Gott! Ihr, Grandchamp, in Paris; wartet, ich will Euch öffnen; doch sprecht leise!«

Und er öffnete die Tür.

»Woher kommt Ihr denn?« fragte Remy mit leiser Stimme. – »Von Meridor. Ach!«

»Tretet rasch ein! Oh! mein Gott!«

»Nun, Remy?« rief die Stimme der Dame oben von der Treppe herab; »sind es unsere Pferde?« – »Nein, nein, gnädige Frau, sie sind es nicht.«

»Remy, Remy,« rief die Stimme, »Ihr sprecht mit jemand, wie mir scheint.« – »Ja, gnädige Frau, ja.«

Da erschien auch schon die Dame am Ende des Ganges.

»Wer ist da?« fragte sie, »es scheint fast, als wäre es Grandchamp.« »Ja, gnädige Frau, ich bin es,« erwiderte ehrfurchtsvoll und traurig der Greis, indem er sein weißes Haupt entblößte.

»Grandchamp, du, oh! mein Gott! meine Ahnungen haben mich nicht getäuscht, mein Vater ist tot.« – »In der Tat, gnädige Frau, Meridor hat keinen Herrn mehr.«

Bleich, in Eis verwandelt, aber unbeweglich und fest, ertrug die Dame den Schlag, ohne sich zu beugen. Als Remy sie so ergeben und so düster sah, ging er auf sie zu und nahm sacht ihre Hand.

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