Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Wohl! so hört, Carmainges,« sagte die Herzogin mit einer süßen Vertraulichkeit, die das Herz des jungen Mannes mit Freude erfüllt, »sooft Ihr frei zu sein glaubt, benachrichtigt die Wirtin durch ein Billett; jeden Tag wird einer von meinen Leuten zu ihr kommen.« – »Oh! mein Gott! das ist zu viel Güte, Madame.«
»Wartet doch,« sagte die Herzogin und legte ihre Hand auf Ernautons Arm. – »Was ist das für ein Geräusch?«
Es drang in der Tat ein Geräusch von Sporen, von Stimmen, von zugeworfenen Türen, von Freudenrufen aus dem untern Saal herauf.
Ernauton streckte seinen Kopf durch die Tür, die ins Vorzimmer ging, und antwortete: »Es sind meine Kameraden, die hier den Urlaub feiern, den ihnen Herr von Loignac gegeben hat.«
»Aus welchem Zufall gerade in dem Wirtshaus, wo wir uns befinden?« – »Weil wir bei unserer Ankunft in Paris gerade in den ›Kühnen Ritter‹ beschieden worden waren, weil meine Kameraden seit dem glückseligen Tage ihres Eintritts in die Hauptstadt eine Vorliebe für den Wein und die Pasteten des Meisters Fournichon und zum Teil auch für seine Türmchen gefaßt haben.«
»Oh!« versetzte die Name mit einem boshaften Lächeln, »Ihr sprecht sehr erfahren von diesen Türmchen, mein Herr.« – »Bei meiner. Ehre, es ist das erstemal, daß ich in eines komme, Madame.«
»Aber mein Gott, wie geräuschvoll sind Eure Kameraden?«
Der Lärm unten wurde inzwischen zu einem höllischen Orkan; die Prahlereien über die Taten am vorhergehenden Tage, das Klingen der Goldtaler und das Klirren der Gläser weissagten einen vollständigen Sturm. Plötzlich hörte man ein Geräusch von Tritten auf der kleinen Treppe, die nach dem Türmchen führte, und Frau Fournichons Stimme rief von unten: »Herr von Sainte-Maline! Herr von Sainte-Maline!«
»Nun, was soll's,« erwiderte die Stimme des jungen Mannes.
»Geht nicht da hinauf, Herr von Sainte-Maline, ich bitte Euch.«
»Gut! und warum nicht, liebe Frau Fournichon, gehört nicht das ganze Haus diesen Abend uns?«
»Das ganze Haus, ja; aber nicht die Türmchen.«
»Bah! die Türmchen gehören zum Haus,« riefen fünf bis sechs andere Stimmen, unter denen Ernauton die von Perducas von Pincorney und von Eustache von Miradoux erkannte.
»Nein, die Türmchen machen eine Ausnahme, die Türmchen gehören mir, belästigt also meine Mietsleute nicht!«
»Madame Fournichon,« erwiderte Sainte-Maline, »ich bin auch Euer Mietsmann, belästigt mich also nicht!«
»Sainte-Maline!« murmelte Ernauton unruhig, denn er kannte die schlimmen Neigungen und die Keckheit dieses Menschen.
»Aber ich bitte Euch!« wiederholte Madame Fournichon.
»Madame Fournichon,« sagte Sainte-Maline, »es ist Mitternacht; um neun Uhr müssen alle Feuer ausgelöscht sein, und ich sehe ein Feuer in Eurem Türmchen; nur die schlechten Diener des Königs überschreiten seine Verfügungen; ich will wissen, wer diese schlechten Diener sind.«
Sainte-Maline ging mit mehreren Gaskognern weiter.
»Mein Gott!« rief die Herzogin, »mein Gott! sollten diese Leute wagen, hier hereinzukommen?«
»In jedem Fall, Madame, bin ich hier, wenn sie es wagen, und ich kann Euch zum voraus sagen, habt keine Furcht!«
»Oh! sie sprengen die Türen.«
Sainte-Maline, der zu weit vorgerückt war, um zurückzuweichen, stieß wirklich so heftig an die Tür, daß sie entzweibrach.
Sainte-Malines Eindringen und dessen Folgen.
Es war Ernautons erste Sorge, als er die Tür des Vorzimmers unter Streichen Sainte-Malines sich spalten sah, daß er die Kerze ausblies, die das Türmchen erhellte.
Diese Vorsicht diente jedoch nur für den Augenblick und beruhigte keineswegs die Herzogin, als plötzlich die Wirtin, die alle Quellen ihres Geistes erschöpft hatte, zu einem letzten Mittel Zuflucht nahm und dem Gaskogner zurief: »Herr von Sainte-Maline, ich sage Euch, daß die Personen, die Ihr beunruhigt, zu Euren Freunden gehören; die Notwendigkeit zwingt mich, es Euch zu gestehen.«
»Das ist ein Grund mehr, daß wir ihnen unser Kompliment machen,« sagte Perducas von Pincorney mit einer weingrünen Stimme und hinter Sainte-Maline auf der letzten Stufe der Treppe stolpernd.
»Und wer sind diese Freunde, sprecht?«
»Ja, wir wollen sie sehen,« rief Eustache von Miradoux.
In der Hoffnung, einem Streite zuvorzukommen, trat die gute Wirtin mitten unter die gedrängten Reihen der Edelleute und flüsterte dem Angreifer ganz leise den Namen Ernauton ins Ohr.
»Ernauton!« wiederholte mit lauter Stimme Sainte-Maline, bei dem diese Offenbarung Öl statt Wasser ins Feuer goß; »Ernauton! das ist nicht möglich.«
»Und warum?«
»Ja, warum?« wiederholten mehrere Stimmen.
»Ei! bei Gott, weil Ernauton ein Muster der Keuschheit, ein Beispiel der Enthaltsamkeit, eine Sammlung aller Tugenden ist. Nein, nein, Ihr täuscht Euch, Frau Fournichon, Herr von Carmainges ist nicht hier drin.«
Und er näherte sich der zweiten Tür, um hier dasselbe zu tun, was er bei der ersten getan hatte; da öffnete sich plötzlich diese Tür, und Ernauton erschien auf der Schwelle mit einem Gesicht, das keineswegs verkündigte, die Geduld sei eine von seinen Tugenden.
»Mit welchem Rechte hat Herr von Sainte-Maline diese erste Tür zerschmettert?« fragte er, »und mit welchem Rechte will er nun auch die zweite zerschmettern?«
»Ei! er ist es wirklich, es ist Herr Ernauton!« rief Sainte-Maline; »ich erkenne seine Stimme, denn was seine Person betrifft, so soll mich der Teufel holen, wenn ich in der Dunkelheit zu sagen vermöchte, von welcher Farbe sie ist.« »Ihr antwortet nicht auf meine Frage,« sagte Ernauton.
Sainte-Maline brach in ein geräuschvolles Gelächter aus, was die von den Fünfundvierzig tröstete, die bei Ernautons drohender Stimme es für klug erachtet hatten, auf jeden Fall zwei Stufen hinabzusteigen.
»Mit Euch spreche ich, Herr von Sainte-Maline, hört Ihr mich?« rief Ernauton. – »Ja, mein Herr, vollkommen.«
»Was habt Ihr dann zu sagen?« – »Ich habe zu sagen, mein teurer Kamerad, daß wir wissen wollten, ob Ihr diesen Gasthof der Liebschaften aufsucht?«
»Wohl, mein Herr; doch nun, da Ihr Euch versichern konntet, daß ich es bin, da ich mit Euch spreche und Euch zur Not berühren könnte, laßt mich in Ruhe!« – »Cap de Biou, Ihr seid doch nicht Eremit geworden und seid hier nicht allein?«
»Was das betrifft, mein Herr, erlaubt mir, Euch im Zweifel zu lassen.« – »Ah! bah!« fuhr Sainte-Maline fort, während er in das Türmchen zu dringen trachtete, »solltet Ihr wirklich allein sein? Ah! Ihr seid ohne Licht, bravo!«
»Hört, meine Herren,« sagte Ernauton stolz, »ich will glauben, daß Ihr trunken seid, und ich verzeihe Euch; doch es gibt auch ein Ziel für die Geduld, die man Menschen schuldig ist, die ihrer Sinne beraubt sind; es war Spaßes genug, nicht wahr? Macht mir also das Vergnügen, Euch zu entfernen.«
Zum Unglück hatte Sainte-Maline gerade einen von seinen Anfällen neidischer Bosheit.
»Oh! oh! uns entfernen,« rief er, »wie Ihr uns das sagt, Herr Ernauton!«
»Ich sage Euch das so, daß Ihr Euch nicht in meinem Wunsche täuscht, Herr von Sainte-Maline, und ich wiederhole, wenn es sein muß: Entfernt Euch, meine Herren, ich bitte Euch.« – »Oh! nicht eher, als bis Ihr uns die Ehre gegönnt habt, die Person zu begrüßen, der zu Liebe Ihr unsere Gesellschaft flieht.« Bei dieser Beharrlichkeit Sainte-Malines bildete sich der Kreis wieder um ihn, der sich eben zu lösen im Begriffe war.
»Herr von Montcrabeau,« sagte Sainte-Maline, »geht hinab und kommt mit einer Kerze herauf!«
»Herr von Montcrabeau,« rief Ernauton, »wenn Ihr das tut, so erinnert Euch, daß Ihr mich persönlich beleidigt.«
Montcrabeau zögerte, so viel Drohung lag in der Stimme des jungen Mannes.