Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
Die Antwerpener schauten indessen den feindlichen Vorkehrungen des Herzogs von Anjou nicht ruhig zu, und Joyeuse täuschte sich nicht, wenn er ihnen allen möglichen schlimmen Willen zuschrieb. Antwerpen war wie ein Bienenkorb, wenn der Abend kommt: ruhig, und verlassen außen, Gesumm und Bewegung im Innern.
Die bewaffneten Flamländer patrouillierten in den Straßen, verrammelten ihre Häuser, verdoppelten die Ketten und schlossen Brüderschaft mit den Bataillonen des Prinzen von Oranien, von denen schon ein Teil in Antwerpen in Garnison lag, während ein anderer Teil in Gruppen zurückkehrte, die, sobald sie herein waren, sich in der Stadt zerstreuten.
Als alles zu einem kräftigen Widerstand bereit war, kam der Prinz von Oranien an einem finsteren, mondlosen Abend, ohne alles Gepränge, aber mit der Ruhe und Entschiedenheit in die Stadt, die stets bei Ausführung seiner Entschlüsse, wenn diese einmal gefaßt waren, herrschten.
Er stieg im Stadthause ab, wo seine Vertrauten alles zu seiner Aufnahme bereithielten.
Hier empfing er alle Viertelsherren und Hauptleute der Stadt, ließ die besoldeten Truppen die Revue passieren und versammelte sodann die vornehmsten Offiziere um sich, um ihnen seine Pläne mitzuteilen. Unter seinen Plänen stand obenan, das Unternehmen des Herzogs von Anjou gegen die Stadt zu benützen, um mit ihm zu brechen. Der Herzog von Anjou tat, was der Schweigsame gewünscht hatte, und dieser sah zu seiner großen Freude den neuen Bewerber um die souveräne Gewalt im Lande sich wie die anderen zugrunde richten.
An demselben Abend, an dem der Herzog von Anjou sich, wie wir gesehen, zum Angriff anschickte, hielt der Prinz von Oranien, der seit zwei Tagen in der Stadt war, eine Beratung mit dem Kommandanten des Platzes.
Bei jedem Einwurf, den der Gouverneur gegen den Offensivplan des Herzogs von Oranien machte, schüttelte der Prinz den Kopf wie ein Mensch, der über eine solche Unsicherheit erstaunt ist.
Doch bei jedem Kopfschütteln erwiderte der Kommandant des Platzes: »Prinz, Ihr wißt, daß es ausgemacht ist, daß Monseigneur kommen muß; erwarten wir ihn also.«
Dieses magische Wort machte, daß der Schweigsame die Stirn faltete; doch während er die Stirn faltete und vor Ungeduld an den Nägeln kaute, wartete er. Dann heftete jeder seinen Blick auf eine Uhr mit schweren Schlägen und schien das Werk zu bitten, die Ankunft der so ungeduldig erwarteten Person zu beschleunigen.
Es schlug neun Uhr; die Ungewißheit war zu wirklicher Angst geworden; einige Wachen behaupteten, eine Bewegung im französischen Lager bemerkt zu haben.
Eine kleine Barke war auf der Scheide abgeschickt worden; unruhiger über das, was auf der Seeseite, als über das, was auf dem Lande vorging, wünschten die Antwerpener genaue Nachricht über die französische Flotte zu erhalten, aber die kleine Barke war nicht zurückgekehrt.
Der Prinz von Oranien stand auf, biß vor Zorn auf seine büffelledernen Handschuhe und sagte zu den Antwerpenern: »Monseigneur wird euch so lange warten lassen, meine Herren, daß Antwerpen genommen und verbrannt ist, wenn er ankommt; die Stadt wird dann darüber urteilen können, welcher Unterschied in dieser Hinsicht zwischen den Spaniern und den Franzosen stattfindet.«
Diese Worte waren nicht geeignet, die Herren bürgerlichen Offiziere zu beruhigen; sie schauten sich auch mit großer Bewegung an.
In diesem Augenblick kam ein Spion, den man auf die Straße nach Mecheln geschickt hatte, und der bis Saint-Nicolas geritten war, zurück und meldete, er habe weder etwas gesehen noch gehört, was die Ankunft der erwarteten Person verkündigt hätte.
»Meine Herren,« rief der Schweigsame bei dieser Nachricht, »ihr seht, wir würden vergebens warten; gehen wir selbst vorwärts, die Zeit drängt. Es ist gut, Vertrauen auf höhere Talente zu haben, aber ihr seht, daß man sich vor allem auf sich selbst verlassen muß. Beraten wir also.«
Er hatte noch nicht vollendet, als der Türvorhang aufgehoben wurde; ein Diener der Stadt trat ein und sprach das einzige Wort, das in diesem Augenblick tausend andere wert zu sein schien: »Monseigneur!«
In dem Tone dieses Mannes, in der Freude, die er bei Erfüllung seiner Pflicht als Huissier offenbarte, vermochte man die Begeisterung des Volkes und sein ganzes Vertrauen auf den zu lesen, den man mit dem unbestimmten und ehrfurchtsvollen Namen: Monseigneur! nannte.
Kaum war der Ton der bebenden Stimme erloschen, als ein Mann von hoher, gebieterischer Gestalt, der mit der höchsten Anmut den Mantel trug, der ihn ganz umhüllte, in den Saal trat und die Anwesenden höflich grüßte.
Doch mit dem ersten Blick fand sein stolzes, durchdringendes Auge den Prinzen mitten unter den Offizieren heraus. Er ging gerade auf ihn zu und reichte ihm die Hand.
Der Prinz drückte diese Hand herzlich und beinahe ehrfurchtsvoll. Beide nannten einander Monseigneur.
Nach diesem kurzen Austausch von Höflichkeiten legte der Unbekannte seinen Mantel ab. Er trug ein Wams von Büffelleder, tuchene Beinkleider und lange lederne Stiefel. Bewaffnet war er mit einem langen Degen, der einen Teil nicht seines Kostüms, sondern seiner Glieder zu bilden schien, so leicht spielte er an seiner Seite; ein kleiner Dolch stak in seinem Gürtel, neben dem eine mit Papieren gefüllte Ledertasche hing.
In dem Augenblick, als er seinen Mantel abwarf, konnte man seine langen Stiefel ganz von Staub und Kot befleckt und seine Sporen blutgerötet sehen.
Er nahm an der Ratstafel Platz und fragte: »Nun, wie weit sind wir, Monseigneur?« – »Monseigneur,« antwortete der Schweigsame, »Ihr mußtet, als Ihr hierherkamt, sehen, daß die Straßen verrammelt sind.«
»Ich habe das bemerkt.« – »Und die Häuser mit Schießscharten versehen,« sagte ein Offizier.
»Was konnte ich nicht sehen, doch es ist eine gute Vorsichtsmaßregel.« – »Und die Ketten verdoppelt,« sagte ein anderer.
»Vortrefflich,« – »Monseigneur billigt diese Vorkehrungen zur Verteidigung nicht?« fragte eine Stimme, der Unruhe und Verdruß leicht anzumerken waren.
»Doch, doch,« sagte der Unbekannte; »aber ich glaube nicht, daß sie zur Zeit sehr nützlich sind; sie ermüden die Soldaten und beunruhigen die Bürger. Ich denke, Ihr habt einen Angriffs- und Verteidigungsplan?« – »Wir erwarteten Monseigneur, um ihn mitzuteilen,« antwortete der Bürgermeister.
»Sprecht, meine Herren, sprecht!« – »Monseigneur ist ein wenig spät gekommen, und mittlerweile mußte ich handeln lassen,« fügte der Prinz hinzu.
»Und Ihr habt wohlgetan, Monseigneur; man weiß überdies, daß Ihr, wenn Ihr handelt, gut handelt. Glaubt mir, ich habe meine Zeit auf dem Wege auch nicht verloren.«
Dann wandte er sich zu den Bürgern.
»Wir wissen, daß sich eine Bewegung im Lager der Franzosen vorbereitet,« sagte der Bürgermeister; »sie treffen Anstalten zu einem Angriff; doch da wir nicht wissen, von welcher Seite der Angriff stattfinden wird, so haben wir unsere Kanonen so aufgepflanzt, daß sie gleichmäßig auf der ganzen Ausdehnung des Walles verteilt sind.«
»Das ist weise,« erwiderte der Unbekannte mit leichtem Lächeln, wobei er verstohlen den Schweigsamen anschaute, der, obgleich ein Kriegsmann, schwieg und die Bürger reden ließ.
»Dasselbe ist mit unsern bürgerlichen Truppen geschehen,« fuhr der Bürgermeister fort; »sie sind in doppelten Posten auf der ganzen Ausdehnung der Mauern verteilt und haben Befehl, auf der Stelle zum Angriffspunkte zu eilen. Übrigens handelt es sich sicher nur um eine Finte, um uns zu einem Vergleich geneigt zu machen.«
»Ei! meine Herren,« entgegnete der Unbekannte, »ihr seid in einem völligen Irrtum; es ist keine Finte, was bevorsteht, sondern ein regelrechter Angriff, den ihr auszuhalten habt.« – »Wahrhaftig?«
»Eure Pläne sind unvollständig.« – »Aber, Monseigneur...« erwiderten die Bürger.
»Unvollständig, insofern, als ihr einen Angriff erwartet und alle eure Maßregeln dafür genommen habt.« – »Allerdings.«