Shades of Grey - Geheimes Verlangen
- Автор: Джеймс Эрика Леонард
- Серия: Shades of Grey #1
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Shades of Grey - Geheimes Verlangen». Краткое содержание книги:
»Gute Nacht, Christian.«
»Gute Nacht, Ana.«
Ich falle in einen tiefen, erschöpften Schlaf und träume von einem vierjährigen Jungen mit grauen Augen an einem düsteren, beängstigenden, schrecklichen Ort.
EINUNDZWANZIG
Das Licht ist überall – warmes, gleißend helles Licht. Verzweifelt versuche ich, mich ihm noch für ein paar kostbare Minuten zu entziehen. Ich will mich verstecken. Nur noch ein paar Minuten. Aber es ist zu grell, deshalb ergebe ich mich in mein Schicksal und schlage die Augen auf. Ein strahlend schöner Morgen begrüßt mich – die Sonne scheint durch die raumhohen Fenster herein und taucht das Schlafzimmer in allzu helles Licht. Wieso haben wir bloß die Jalousien nicht heruntergelassen? Ich liege in Christian Greys breitem Bett, nur von ihm ist nichts zu sehen.
Einen Moment lang blicke ich auf die Skyline von Seattle, die sich vor dem Fenster erstreckt. Das Leben so hoch in den Wolken fühlt sich surreal an, eine Phantasie – ein Schloss, so weit über den Dingen, dass die harten Tatsachen des Lebens es nicht erreichen können, fernab von Vernachlässigung, Hunger und cracksüchtigen Müttern. Erschaudernd denke ich daran, was er durchgemacht haben muss. Inzwischen verstehe ich, weshalb er hier lebt, isoliert, nur umgeben von all diesen wunderschönen, kostbaren Kunstschätzen. Lichtjahre von jenem Ort entfernt, wo er hergekommen ist. Trotzdem erklärt all das nicht, wieso ich ihn nicht berühren darf.
Ironischerweise überträgt sich dieses Lebensgefühl in seinem Turm hoch oben in den Wolken auch auf mich. Die Realität ist weit, weit weg. Ich liege im Bett in dieser Phantasie-Wohnung, habe Phantasie-Sex mit meinem Phantasie-Freund, wohingegen die knallharte Wirklichkeit ganz anders aussieht: Christian will ein sehr spezielles Arrangement mit mir, auch wenn er beteuert, er bemühe sich, mir mehr zu geben. Was bedeutet das? Ich muss diesen Punkt klären, um zu wissen, ob wir uns immer noch an den entgegengesetzten Enden der Wippe befinden oder uns mittlerweile in Richtung Mitte vorarbeiten.
Ich stehe auf, steif und – in Ermangelung einer treffenderen Bezeichnung – durchgevögelt. Tja, muss wohl an dem vielen Sex liegen. Mein Unterbewusstsein schürzt missbilligend die Lippen. Ich verdrehe die Augen, heilfroh, dass der Kontrollfreak mit den juckenden Fingern nicht in der Nähe ist. Mein Entschluss steht fest – der Personal Trainer muss her. Das heißt, falls ich unterschreibe. Meine innere Göttin ringt verzweifelt die Hände. Natürlich wirst du unterschreiben. Ich ignoriere sie, gehe kurz auf die Toilette und mache mich auf die Suche nach Christian.
Im Wohnzimmer ist er nicht. Dafür laufe ich einer elegant aussehenden Frau mittleren Alters in die Arme, die die Küche saubermacht. Sie hat kurzes, blondes Haar und klare blaue Augen, trägt eine weiße Bluse und einen dunkelblauen, schmal geschnittenen Rock. Als sie mich sieht, lächelt sie breit.
»Guten Morgen, Miss Steele. Möchten Sie vielleicht etwas frühstücken?« Ihr Tonfall ist freundlich, wenn auch geschäftsmäßig. Ich starre sie fassungslos an. Wer ist diese attraktive Blondine in Christians Küche? Und ich stehe mit nichts als Christians T-Shirt bekleidet vor ihr, sprich, praktisch nackt. Am liebsten würde ich vor Scham im Boden versinken.
»Ich fürchte, Sie haben mich kalt erwischt«, stammle ich verlegen.
»Oh, bitte entschuldigen Sie vielmals. Ich bin Mrs. Jones, Mr. Greys Haushälterin.«
Ah.
»Wie geht es Ihnen?«, presse ich mühsam hervor.
»Würden Sie gern frühstücken, Ma’am?«
Ma’am?
»Ein Tee wäre wunderbar. Danke. Wissen Sie, wo ich Mr. Grey finde?«
»In seinem Arbeitszimmer.«
»Danke.«
Ich kann einen Anflug von Gekränktheit nicht leugnen. Wieso arbeiten ausschließlich attraktive Blondinen für Christian? Sind sie etwa alle ehemalige Subs? Ich sträube mich entschieden gegen diesen abscheulichen Gedanken. Vorsichtig linse ich in Christians Büro. Er steht, in schwarzer Hose und einem weißen Hemd, am Fenster und telefoniert. Sein Haar ist noch feucht vom Duschen. Auf einen Schlag sind all meine negativen Gedanken wie fortgewischt.
»Wenn sich die Bilanz dieser Firma nicht massiv verbessert, bin ich nicht interessiert, Ros. Wir können keinen Klotz am Bein gebrauchen. Und ich habe keine Lust, mir noch länger diese lahmen Ausreden anzuhören … Sagen Sie Marco, er soll mich anrufen. Entweder hopp oder top … Ja, und sagen Sie Barney, der Prototyp sieht gut aus, allerdings bin ich mir bei der Schnittstelle nicht ganz sicher … Nein, irgendetwas fehlt … Ich will heute Nachmittag mit ihm darüber reden … Und mit seinem Team. Wir machen ein Brainstorming … Okay. Verbinden Sie mich nochmal mit Andrea …« Er sieht aus dem Fenster, während er wartet, wie der Herrscher eines Universums, der von seinem Wolkenschloss auf die umherwuselnden Ameisen hinunterblickt. »Andrea …«
Er hebt den Kopf und sieht mich im Türrahmen stehen. Ein sexy Lächeln breitet sich langsam auf seinem Gesicht aus. Völlig hingerissen stehe ich da, während ich innerlich dahinschmelze. Er ist der attraktivste Mann auf diesem Planeten, daran besteht kein Zweifel. Zu schön für all die Ameisen dort unten und viel zu schön für mich. Nein, schimpft meine innere Göttin, er ist nicht zu schön für mich. Er gehört mir. Na ja, in gewisser Weise. Der Gedanke versetzt mir einen Kick, und meine idiotischen Selbstzweifel sind vergessen.
Er spricht weiter, ohne den Blick von mir zu lösen.
»Sagen Sie all meine Termine für heute Vormittag ab, aber richten Sie Bill aus, er soll mich anrufen. Ich komme um zwei. Ich muss heute Nachmittag noch mit Marco reden. Das wird mindestens eine halbe Stunde dauern … Vereinbaren Sie einen Termin mit Barney und seinem Team nach dem Gespräch mit Marco oder von mir aus auch morgen. Und sorgen Sie dafür, dass ich die ganze Woche über eine Lücke für Claude habe, jeden Tag … Sagen Sie ihm, er soll warten … Nein, für Darfur will ich keine Publicity … Sagen Sie Sam, er soll sich darum kümmern … Nein … Welche Veranstaltung? … Das ist nächsten Samstag? … Moment.« Er nimmt den Hörer vom Ohr.
»Wann kommst du aus Georgia zurück?«, fragt er.
»Am Freitag.«
Er hebt den Hörer wieder ans Ohr. »Ich brauche eine zweite Karte, weil mich jemand begleitet … Ja, Andrea, ganz genau, ihr Name ist Miss Anastasia Steele … Das ist vorläufig alles.« Er legt auf. »Guten Morgen, Miss Steele.«
»Mr. Grey.« Ich lächle schüchtern.
Mit seiner gewohnten Eleganz umrundet er den Schreibtisch, tritt vor mich und streichelt zärtlich mit der Rückseite seiner Finger meine Wange.
»Ich wollte dich nicht wecken. Du hast so friedlich ausgesehen. Hast du gut geschlafen?«
»Ich fühle mich sehr ausgeruht, danke. Ich wollte nur kurz Hallo sagen, bevor ich unter die Dusche gehe.«
Ich betrachte sein Gesicht. Ich kann mich einfach nicht an ihm sattsehen. Er beugt sich vor und küsst mich zärtlich. Ich kann mich nicht länger beherrschen und schlinge ihm die Arme um den Hals. Ich dränge mich ihm entgegen, erwidere voller Leidenschaft seinen Kuss. Ich will ihn. Offenbar hat er nicht mit meiner stürmischen Reaktion gerechnet, trotzdem reagiert er sofort und küsst mich noch intensiver. Ein leises Stöhnen dringt aus seiner Kehle. Seine Hand wandert über meinen Rücken zu meinem nackten Hinterteil, während seine Zunge weiter meine Mundhöhle erkundet. Nach einem Moment löst er sich und sieht mich mit vor Lust verschleiertem Blick an.
»Aha, eine anständige Mütze voll Schlaf bekommt dir offensichtlich«, bemerkt er trocken. »Ich schlage vor, du gehst duschen. Oder soll ich dich lieber gleich auf meinem Schreibtisch vögeln?«
»Ich nehme den Schreibtisch«, erwidere ich keck. Das Verlangen rauscht durch meine Venen und elektrisiert jede einzelne Zelle in meinem Körper.