Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
�Heute fr�h, auf der Probe, hast du wieder ganz zum F�rchten ausgesehen�, sprach die Efeu besorgt. �So schwarze, tiefe L�cher in den Backen! Und der Husten! Dumpf hat der geklungen - zum Erbarmen!�
Miklas konnte es nicht ausstehen, wenn man ihn bemitleidete; nur die Gaben, in die solches Mitleid sich umsetzte, nahm er gerne, wenngleich wortkarg entgegen. Das klagende Gerede der Efeu �berh�rte er einfach. Hingegen wollte er von Bock wissen: �Stimmt es, da� der H�fgen sich heute den ganzen Abend in seiner Garderobe hinter dem Paravent versteckt hat?�
Bock konnte es nicht in Abrede stellen. Miklas fand H�fgens Betragen derartig albern, da� es ihn geradezu in Heiterkeit versetzte, �fch sage doch, ein kompletter Narr!� Dabei lachte er triumphierend. �Und das alles wegen einer J�din, der der Kopf bis dahin zwischen den Schultern steckt!� Er machte sich bucklig, um anzudeuten, wie die Martin aussehe: die Efeu am�sierte sich herzlich. �Und so etwas will ein Star sein!� Mit seinem h�hnischen Ausruf konnte er ebensowohl die Martin meinen wie H�fgen. Beide geh�rten, nach seinem Urteil, in dieselbe bevorzugte, Undeutsche, tief verwerfliche Clique. �Die Martin!� redete er weiter, das b�se, leidende, reizvolle junge Gesicht in die mageren, nicht ganz sauberen H�nde gest�tzt. �Sie soll ja auch immer diese salonkommunistischen Phrasen dreschen, mit ihren tausend Mark jeden Abend. Eine Bande ist das! Aber es wird aufger�umt werden mit denen - der H�fgen wird auch noch dran glauben m�ssen!�
Das enge Lokal war voll Rauch. �Die Luft ist ja dick zum Schneiden�, klagte die Motz. �Das h�lt doch der st�rkste Mann nicht aus. Und meine Stimme! Kinder, morgen k�nnt ihr mich wieder beim Halsarzt sitzen sehen.� Niemand hatte Lust, sie sitzen zu sehen. Rahel Mohrenwitz machte sogar ironisch: �Huch, unsere Koloraturs�ngerin!� - wof�r sie einen f�rchterlichen Blick von der Motz bekam, die sowieso etwas gegen Rahel hatte: Petersen wu�te, warum. Erst gestern wieder hatte man ihn in der Garderobe des d�monischen M�dchens gefunden, und die Motz hatte weinen m�ssen. Heute aber schien sie entschlossen, sich keinesfalls die Stimmung verderben zu lassen von einer dummen Gans, die sich vielleicht auf ihr Monokel und ihre l�cherliche Frisur noch was einbildete. Vielmehr faltete sie die H�nde vor dem Bauch und markierte gem�tliche Stimmung. �Aber nett ist es hier�, sagte sie herzlich. �Was, Vater Hansemann?� Sie blinzelte dem Wirt zu, dem sie noch 27 Mark schuldete und der deshalb nicht zur�ckblinzelte. Gleich danach entsetzte sie sich, weil Petersen sich ein Beefsteak servieren lie�, noch dazu mit Spiegelei. �Als ob ein Paar W�rstchen nicht gen�gt h�tten!� Ihr standen Tr�nen des Zorns in den Augen. Zwischen Motz und Petersen gab es viel Streit und Hader, weil der V�terspieler, nach dem Daf�rhalten seiner Freundin, zur Verschwendungssucht neigte. Immer bestellte er sich teure Sachen, und die Trinkgelder, die er spendierte, waren auch zu hoch. �Nat�rlich: Steak mit Ei mu� es sein!� jammerte die Motz. Petersen murmelte, da� ein Mann sich doch anst�ndig ern�hren m�sse. Die Motz aber, ganz au�er Fassung, fragte pl�tzlich mit zornigem Sarkasmus die Mohrenwitz, ob Petersen ihr vielleicht eine Flasche Sekt angeboten habe. �Veuve Cliquot, extrafein!� schrie die Motz und sprach, bei aller Geh�ssigkeit, den Namen der Sektmarke mit jener Delikatesse aus, welche sie als Salondame legitimierte. Hier�ber war die Mohrenwitz nun ernsthaft beleidigt. �Ich mu� doch sehr bitten!� rief sie schrill. �Soll das ein Witz sein?!� Das Monokel fiel ihr aus dem Auge, ihr pausb�ckiges, vor �rger rot gewordenes Gesicht sah pl�tzlich gar nicht mehr d�monisch aus. Kroge blickte schon venvundert auf; Frau von Herzfeld l�chelte ironisch. Der sch�ne Bonetti aber klopfte der Motz auf die Schulter; gleichzeitig auch der Mohrenwitz, die kampfeslustig n�her getreten war. �Zankt euch nicht, Kinder!� riet er ihnen, um den Mund besonders m�de und angewiderte Falten. �Dabei kommt doch nichts raus. Spielen wir lieber Karten.�
In diesem Augenblick wurden ged�mpfte Rufe laut, und alles drehte sich der T�re zu, die sich ge�ffnet hatte. Dora Martin stand auf der Schwelle. Hinter ihr dr�ngte sich, wie auf der B�hne das Gefolge hinter der K�nigin, das Ensemble, mit dem sie reiste.
Dora Martin lachte und winkte allen Mitgliedern des Hamburger K�nstlertheaters zu; dabei rief sie mit ihrer heiteren Stimme, auf jene ber�hmte Alt, die von tausend jungen Schauspielerinnen im ganzen Lande kopiert wurde, in jedem Satz einige Worte zerdehnend: �Kinder, wir sind eingeladen, ein ganz langweiliges Bankett, furchtbar schade, aber wir m�ssen hingehen!� Sie schien ihre eigene Sprechweise parodieren zu wollen, so eigenwillig verfuhr sie mit der L�nge der Silben. Aber allen klang es lieblich in den Ohren, auch denen, welche die Martin nicht leiden konnten, zum Beispiel dem jungen Miklas. Es war nicht zu leugnen: Ihr Auftritt hatte gro�en Effekt gemacht.
Da geschah es, da� jemand hinter ihr sich durchs Gefolge dr�ngte. Es war Hendrik H�fgen, der unvermittelt hervorkam. Er hatte den Smoking an, den er in mon-d�nen1 Rollen auf der B�hne trug und der, aus der N�he betrachtet, schon recht abgetragen und fleckig wirkte. �ber den Schultern lag ihm ein wei�es Seidentuch. Sein Atem flog; Wangen und Stirne waren hektisch ger�tet. Einen recht beunruhigenden Eindruck machte das nerv�se Lachen, das ihn sch�ttelte, w�hrend er sich in gehetzter Eile, umflattert vom Seidentuch, tief �ber die Hand der Diva b�ckte, und das nicht ohne eine gewisse irrsinnige Herzlichkeit schien. �Entschuldigen Sie�, brachte er hervor. �Es ist ja phantastisch: ich bin viel zu sp�t - was m�ssen Sie von mir denken - eine phantastische Sache�� Das Lachen beutelte ihn, sein Gesicht wurde immer r�ter. �Aber ich wollte Sie doch nicht gehen lassen�, dabei richtete er sich endlich auf, �ohne Ihnen gesagt zu haben, wie sehr ich diesen Abend genossen habe - wie wundersch�n es gewesen ist!� Pl�tzlich schien die ungeheuer komische Angelegenheit, �ber die er fast zersprungen war vor Lachen, nicht mehr zu existieren; er zeigte nun ein ganz ernstes Gesicht.
Daf�r war es jetzt an Dora Martin, ein wenig zu lachen, und das tat sie denn auch, besonders heiser und zauberhaft.
�Schwindler!� rief sie, und von dem eigensinnig gedehnten �i� kam sie gar nicht mehr weg. �Sie sind gar nicht im Theater gewesen! Sie haben sich ja versteckt!� Dabei schlug sie ihn leicht mit dem gelben, schweinsledernen Handschuh. �Aber das macht nichts�, strahlte sie ihn an. �Sie sollen ja so begabt sein.�
�ber diese Eeststellung, die �berraschend kam, erschrak H�fgen zun�chst so stark, da� die helle R�te von seinem Gesicht wich, welches fahl wurde. Dann aber sagte er, mit einer Stimme, die schmelzend klang: �Ich? Begabt? Das ist doch ein ganz unbewiesenes Ger�cht��
Die Vokale konnte auch er zerdehnen, nicht nur Dora Martin brachte dies fertig. Seine Sprachkoketterie hatte eigenen Stil, er war keineswegs darauf angewiesen, irgend jemanden zu kopieren. Dora Martin girrte; er aber sang vor Manieriertheit. Dabei zeigte er jenes L�cheln, das er auf den Proben den Damen vorzumachen pflegte, wenn sie verf�ngliche Szenen zu spielen hatten: Es entbl��te die Z�hne und war ziemlich gemein. Er bezeichnete es als das �aasige� L�cheln. (�Aasiger - verstehst du, meine Liebe? -, aasiger!� mahnte er auf den Proben Rahel Mohrenwitz oder Angelika Siebert, und er machte es vor.)
Ihre Z�hne zeigte auch Dora Martin; er w�hrend der Mund �baby-talk� sprach und der Kopf kokett zwischen den hochgezogenen Schultern steckte, forschten ihre gro�en, klugen, unbetr�gbaren und traurigen Augen in H�fgens Gesicht. �Sie werden es schon noch beweisen, Ihr Talent!� sagte sie leise, und eine Sekunde lang war nicht nur ihr Blick ernst, sondern auch ihr Gesicht. Ernsten Gesichtes, beinah drohend, nickte sie ihm zu. H�fgen, der sich noch vor einer Viertelstunde hinterm Para-vent versteckt hatte, hielt ihren Blick aus. Dann lachte die Martin wieder; girrte: �Wir sind viel zu sp�t!�; winkte und entschwand mit Gefolge. H�fgen war in die Kantine getreten.
Die Begegnung mit Dora Martin hatte ihn auf wunderbare Art aufgeheitert; er schien jetzt in einer geradezu festlichen Laune zu sein. Von seinem Antlitz kam ein gn�diger Glanz. Alle schauten auf ihn, nun beinah ebenso bezwungen, wie sie vorhin auf die Berliner Diva geschaut hatten. - Ehe H�fgen Direktor Kroge und Frau von Herzfeld begr��te, war er zu Garderobier Bock getreten. �H�r mal, mein B�ckchen�, sang er und stand verf�hrerisch da: H�nde in die Hosentaschen vergraben, Schultern hochgezogen, und auf den Lippen das aasige L�cheln. �Du mu�t mir mindestens sieben Mark f�nfzig leihen. Ich will anst�ndig zu Abend essen, und ich habe so ein Gef�hclass="underline" V�terchen Hansemann verlangt heute Barbezahlurig.� Aus den schillernden Edelsteinaugen warf er einen mi�trauisch schiefen Blick auf Hansemann, der mit blauroter Nase unbewegt hinter der Theke sa�. Bock war aufgesprungen; aus Schreck �ber H�fgens einerseits ehrenvolles, andererseits grausiges Ansinnen waren seine Augen noch w��riger, seine Wangen dunkelrot geworden. W�hrend er stumm erregt in den laschen w�hlte und Hans Miklas mit geh�ssig gespanntem Blick den ganzen Vorfall beobachtete, war die kleine Angelika eilig hinzugetreten. �Aber Hendrik!� sagte sie schnell und sch�chtern. �Wenn du Geld brauchst - ich kann dir doch f�nfzig Mark bis zum Ersten leihen!� Sofort bekam H�fgen fischig kalte Augen. Er sagte hochm�tig �ber die Schulter: �Mische dich nicht in unsere M�nnergesch�fte, meine Kleine. Bock gibt gerne.� Der Garderobier nickte aufgeregt, w�hrend sich die Siebert mit nassen Augen zur�ckzog. H�fgen lie�, ohne sich zu bedanken, Bocks Silberm�nzen nachl�ssig in seine Tasche gleiten. Miklas, Knurr und die Efeu schauten finster, Bock fassungslos und Angelika weinend hinter ihm drein, w�hrend er wiegenden Ganges, immer noch das wei�e Seidentuch �ber den Schultern, das Lokal durchschritt. �V�terchen Schmilz l��t mich n�mlich verhungern�, erkl�rte er, das sieghaft l�chelnde Gesicht dem Direktorentisch zugewandt.