Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Da er so laut lachte und von der Norddeutschen Wanderb�hne sprach, eilten von allen Tischen die Kollegen herbei: Man wu�te, da� nun Anekdoten kommen w�rden, und zwar keine abgestandenen alten, sondern neue, und wahrscheinlich ziemlich gute - es geschah selten, da� Hendrik sich wiederholte.
Es wurde ein reizender Abend. H�fgen war blendend in Form. Er bezauberte, er brillierte. Als h�tte er ein gro�es Publikum vor sich, anstatt nur die paar geringen Kollegen, verschwendete er, gro�m�tig-�berm�tig, Witz, Charme und Anekdotenschatz. Was war nicht alles an dieser Wanderb�hne passiert, wo er die V�terrollen hatte spielen m�ssen! Die Motz bekam schon Atemn�te vor Lachen. �Kinder, ich kann nicht mehr!� schrie sie, und da Bonetti ihr drollig-galant mit dem T�chlein f�chelte, �bersah sie, da� Petersen sich schon wieder Schnaps bestellte. Als H�fgen aber dazu �berging, mit schriller Stimme, flatternden Gesten und unheimlich schielenden Augen die jugendliche Sentimentale der Wanderb�hne nachzuahmen, da verzog sogar Vater Hansemann die.starre Miene, und Herr Knurr mu�te sein Grinsen hinter dem Taschentuch verbergen. Mehr Triumph war nicht herauszuholen aus der Situation. H�fgen brach ab. Auch die Motz wurde ernst, da sie feststellte, wie besoffen Petersen war. Kroge gab das Zeichen zum Aufbruch. Es war zwei Uhr morgens. Zum Abschied schenkte die Mohrenwitz, die immer originelle Einlalle hatte, Hendrik ihre lange Zigarettenspitze, ein dekoratives, �brigens wertloses St�ck. �Weil du heute abend so enorm am�sant gewesen bist, Hendrik.� Ihr Monokel blitzte sein Monokel an. Man sah, da� Angelika Siebert, die neben Bonetti stand, vor Eifersucht eine wei�e Nase bekam, und dazu Augen, die tr�nenvoll und gleichzeitig ein wenig t�ckisch waren.
Frau von Herzfeld hatte Hendrik aufgefordert, noch eine Tasse Kaffee mit ihr zu trinken. Im leeren Lokal machte Vater Hansemann schon die Lampen aus. F�r Hedda war das Halbdunkel vorteilhaft: Ihr gro�es, weiches Gesicht mit den sanften, klug beseelten Augen erschien nun j�nger, oder doch alterslos. Dieses war nicht mehr das betr�bte Antlitz der alternden, intellektuellen Frau. Die Wangen wirkten nicht mehr flaumig, sondern glatt. Das L�cheln um die orientalisch tr�gen, halbge�ffneten Lippen war nicht mehr ironisch, sondern fast verf�hrerisch. Still und z�rtlich schaute Frau von Herzfeld auf Hendrik H�fgen. Sie dachte nicht daran, da� sie selber reizvoller aussah als sonst; nur da� Hendriks Gesicht mit dem angestrengten Leidenszug an den Schl�fen und dem edlen Kinn bla� und deutlich in der D�mmerung stand, merkte sie und geno� sie.
Hendrik hatte seine Ellenbogen auf den Tisch gest�tzt und die Fingerspitzen seiner ausgestreckten H�nde gegeneinander gelegt. Diese anspruchsvolle Haltung leistete er sich wie einer, der besonders sch�ne, gotisch spitze H�nde hat. H�fgens H�nde waren aber keineswegs gotisch; vielmehr schienen sie den Leidenszug der Schl�fen durch ihre unsch�ne Derbheit widerlegen zu wollen. Die Handr�cken waren sehr breit und r�tlich behaart; breit waren auch die ziemlich langen Finger, die in eckigen, nicht ganz sauberen N�geln endeten. Gerade diese N�gel waren es wohl, die den H�nden ihren unedlen, beinah unappetitlichen Charakter gaben. Sie schienen aus minderwertiger Substanz zu sein: br�ckelig, spr�de, ohne Glanz, ohne Form und W�lbung.
Diese Schadhaftigkeiten und M�ngel aber verbarg die vorteilhafte D�mmerung. Hingegen lie� sie das tr�umerische Schielen der gr�nlichen Augen r�tselhaft und reizend wirken.
�Woran denken Sie, Hendrik?� fragte die Herzfeld, nach langem Schweigen, mit einer innig ged�mpften Stimme.
Ebenso leise antwortete H�fgen: �Ich denke daran - da� Dora Martin unrecht hat�� Hedda lie� ihn, �ber seine aneinandergelegten H�nde hinweg, ins Dunkel reden, ohne zu fragen oder zu widersprechen. �Ich werde mich nicht beweisen�, klagte er in die D�mmerung. �Ich hahe nichts zu beweisen. Niemals werde ich erstklassig sein. Ich bin provinziell.� Er verstummte, pre�te die Lippen aufeinander, als erschr�ke er selber vor den Erkenntnissen und Bekenntnissen, zu denen die sonderbare Stunde ihn brachte.
�Und weiter?� fragte Frau von Herzfeld mit sanftem Vorwurf. �Und weiter denken Sie nichts? Immer nur daran?� Da er stumm blieb, dachte sie: Ja - dieses ist wohl das einzige, was ihn wirklich besch�ftigt. Das mit dem politischen Theater vorhin und sein Enthusiasmus f�r die Revolution - das war also auch nur Kom�die.' Diese Entdeckung erf�llte sie mit Entt�uschung; irgendwo f�hlte sie sich aber auch auf eine merkw�rdige Art von ihr befriedigt. Er lie� mysteri�s die Augen schillern; eine Antwort hatte er nicht.
�Merken Sie denn nicht, wie Sie die kleine Angelika qu�len?� fragte die Frau neben ihm. �Sp�ren Sie denn nicht, da� Sie - andere leiden machen? Irgendwo m�ssen Sie doch f�r all das bezahlen.� Sie lie� den klagenden und suchenden Blick nicht von ihm. �Irgendwo m�ssen Sie doch b��en - und lieben.�
Nun war es ihr doch peinlich, da� sie dies gesagt hatte. Es war entschieden zuviel, sie hatte sich gehen lassen. Schnell entfernte sie ihr Gesicht von seinem. Zu ihrem Erstaunen bestrafte er sie durch kein b�ses Grinsen, durch kein h�hnisches Wort. Vielmehr blieb sein Blick schielend, schillernd und starr, ins Dunkel gerichtet, als suchte er dort Antwort auf dringliche Fragen, Stillung seiner Zweifel und das Bild einer Zukunft, deren eigentlicher Sinn es war, ihn gro� zu machen.
II Die Tanzstunde
F�r den n�chsten Tag hatte Hendrik den Beginn der Probe auf halb zehn Uhr angesetzt. P�nktlich versammelte sich das Ensemble, soweit es in �Fr�hlings Erwachen� besch�ftigt war, teils auf der zugigen B�hne, teils im sp�rlich beleuchteten Parkett. Nachdem man etwa eine Viertelstunde lang gewartet hatte, entschlo� sich Frau von Herzfeld dazu, H�fgen aus dem B�ro zu holen, wo er sich seit neun Uhr mit den Direktoren Schmilz und Kroge besprach.
Gleich bei seinem Eintritt waren sich alle dar�ber klar, da� er sich heute in der ungn�digsten Stimmung befand - der strahlende Causeur1 vom vorigen Abend war nicht wiederzuerkennen. Die Schultern auf nerv�se Art hochgezo-gen, die H�nde in den Hosentaschen vergraben, ging er eilig durch das Parkett und bat, mit einer vor Gereiztheit fast tonlosen Stimme, um ein Exemplar des Textbuches. �Ich habe meines zu Hause liegenlassen.� Er hatte einen bitter gekr�nkten Ton, der gleichsam allen Anwesenden einen leisen, aber intensiven Vorwurf ans dem Umstand machte, da� er, Hendrik, beim Weggehen verge�lich und zerstreut gewesen war. �Nun, darf ich bitten?� Es gelang ihm, zugleich wegwerfend ged�mpft und sehr schneidend zu sprechen. �Hat denn niemand so ein Heftchen f�r mich?�
Die kleine Angelika reichte ihm das ihre. �Ich brauche mein Buch nicht mehr�, sagte sie err�tend. �Ich kann meinen l ext.�
Hendrik, anstatt sich zu bedanken, bemerkte kurz: �Das will ich auch hoffen!� - und wandte sich von ihr ab.
�ber dem roten Seidenschal, den er statt eines Hemdes trug - oder der doch das Hemd, falls er ein solches anhatte, versteckle -, wirkte sein Gesicht besonders fahl. Das eine Auge schaute, unter halb gesenktem Lid, ver�chtlich und b�se; vor dem anderen blitzte das Monokel. Als er mit einer pl�tzlich ganz hellen, durchdringenden und etwas klirrenden Kommandostimme rief: �Anfangen, Herrschaften!� - zuckte alles zusammen.
Er rannte im Zuschauerraum umher, w�hrend auf der B�hne gearbeitet wurde. Den Moritz Stiefel - die Rolle, welche er sich selber vorbehalten hatte - lie� er von Mi-klas, dem seine eigene Partie nur sehr wenig zu tun gab, markieren. Darin konnte man eine besondere Bosheit sehen, da der arme Miklas doch seinerseits den Moritz, f�r sein Leben gerne gespielt h�tte. �brigens schien H�fgen, mit provokantem Hochmut, den Kollegen andeuten zu wollen, da� er seinerseits es keineswegs n�tig habe, irgend etwas zu probieren oder vorzubereiten: er war der Regisseur, stand �ber dem Ganzen; seine Routine war so gro� wie sein Genie, die eigene Rolle erledigte er nebenbei; erst auf der Generalprobe w�rde man es von ihm zu sehen und zu h�ren bekommen, wie Moritz Stiefel, der d�stere Gymnasiast, der verzweifelt liebende, der Selbstm�rder aufzufassen und zu spielen sei.