Sand
- Автор: Herrndorf Wolfgang
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Sand». Краткое содержание книги:
Während in München Palästinenser des Schwarzen September das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)
Folgendermaßen stütze man sich ab, sprach er, und folgendermaßen nicht. Die Gelenke A, B und C seien in diesen und jenen Winkeln anzuordnen, um bei geringstmöglicher Ermüdung maximale Ausdauerwerte zu erzielen. In logarithmisch verkürzten Intervallen habe sodann ein Wiegen und Schaukeln zu erfolgen, auf welches wiederum das modifizierte Stützen … und so weiter und so fort. Auch der letzte Student hatte sein Cahier geöffnet und schrieb mit. Man befand sich ein wenig im Orchideengarten der Physiologie, aber die Vorlesungen des Professors zum idealen Stützen waren so fesselnd, dass selbst Kollegen sie besuchten. Auch die Dauer der Vorlesung war ungewöhnlich. Sie dauerte Stunden und Tage, Wochen und Monate und viele Semester lang, und immer saß in der hintersten Reihe kaugummikauend eine blonde, großbrüstige Studentin mit eigenartiger Mimik.
In einem seiner klareren Momente fand Carl sich ab mit seinem Tod, und erst dieser Gedanke brachte ihn darauf, dass er nicht allein war in der Finsternis. Sie wussten — mussten wissen — , dass ein Mensch in seiner Lage in kürzester Zeit ertrinken und sein Wissen mit sich nehmen würde. Also war da noch jemand, der ihn beobachtete, belauschte und im Dunkeln seine schützende Hand über ihn hielt. Einer von den vieren. Carl hatte ihre Stimmen und Schritte leiser werden hören, er hatte das Licht verlöschen sehen, aber er hatte nicht darauf geachtet, ob es wirklich die Schritte vierer Personen waren, die davongegangen waren.
Er verhielt sich ganz still, und auch die Gegenseite hielt den Atem an. Doch er war sich ganz sicher. Hinter einem Grabstein aus Nacht ein blondes Lockenbündel.
Er hatte schon hin und wieder vor sich hin geredet, jetzt hob er die Stimme. Er sprach mit seinen Angehörigen, beklagte sein trauriges Schicksal, nahm Abschied von Vater und Mutter und versank mit einem theatralischen Schluchzer. Dramatisches Blubbern unter Wasser. Er schlug mit Armen und Beinen, hörte auf, mit Armen und Beinen zu schlagen, und hob lautlos den Kopf. Und atmete. Es kostete ihn ungeheuer viel Kraft, nicht zu stöhnen, nicht zu schnaufen und sich nicht zu bewegen. Sein Zittern versetzte das Wasser in leise Bewegung. Er hörte das Plätschern und das Echo des Plätscherns und das Echo des Echos. Und sonst nichts. Niemand erschien. Er wiederholte das Experiment noch einige Male und vergaß, dass es ein Experiment war. Er sprach jetzt wirklich mit seinem Vater, und sein Vater legte ihm die Hand in den Nacken und führte ihn einen langen, gekachelten Gang hinunter, in dem es nach Chlor roch. Ein weißes Frotteehandtuch lag zusammengefaltet auf der Heizung. Zwei Mädchen in blauen Badeanzügen standen am Geländer des Sprungturms und sahen ihn mit größtmöglicher Gleichgültigkeit an. Die eine ging in die achte Klasse und war die Liebe seines Lebens. Er spuckte Wasser in die Gegend, kam kurz zur Besinnung und schrie und prustete, er wisse, was sie wissen wollten. Er habe es immer gewusst, und die Kapseln aus dem Kugelschreiber seien ihm nicht gestohlen worden, er trage sie in einem hohlen Zahn bei sich, sie müssten nicht warten bis morgen.
«Bis morgen!», leierte das Echo.
63. RÄUMLICHE VORSTELLUNGEN
Und verrichte das Gebet an den beiden Tagesenden und in den Stunden der Nacht, die dem Tage näher sind. Wahrlich, die guten Taten tilgen die bösen. Das ist eine Ermahnung für die Nachdenklichen.