Sand
- Автор: Herrndorf Wolfgang
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Sand». Краткое содержание книги:
Während in München Palästinenser des Schwarzen September das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)
Was also wollte sie noch? Sie parkte den Wagen an der bekannten Stelle, stieg über den Grat und sah auf der gegenüberliegenden Seite des Berges den Stolleneingang, das Windrad und die Fässer. Die Hütte sah sie nicht. Nur einen tiefschwarzen Fleck. Während sie durch das Tal ging, wehte ihr schwacher Brandgeruch entgegen.
Sie nahm die Waffe aus der Tüte, schwenkte die Trommel heraus, hielt ihren Finger in den Rahmen, schaute durch den Lauf, schob die Trommel zurück, steckte sich Waffe und Taschenlampe in den Gürtel und erstieg vorsichtig das kleine Felsplateau.
Die verkohlten Balken der Hütte waren zu einem Haufen zusammengefallen. In der Mitte rauchte es schwach. Helen sah sich um. Die einzige Erklärung, die ihr einfiel, war, dass Cockcroft und Carthage versucht hatten, Spuren zu beseitigen. Sie waren die Letzten vor Ort gewesen. Aber sehr wahrscheinlich erschien ihr das nicht. Sie spannte den Hahn.
Es war ein schwüler, wolkenverhangener Spätnachmittag, und ihr graute ein wenig vor dem Abstieg in der Dämmerung — wegen der Dämmerung. Zwar war es im Grunde gleichgültig, zu welcher Tageszeit man in stockdunkle Höhlen hinabstieg, ob am Tag, in der Dämmerung oder bei Nacht; aber die Vorstellung, dass Finsternis sich über das Land senkte, während sie im Dunkeln unter der Erde umherging, und dass sie nicht ins Licht zurückkommen würde, sondern in sternenlose Nacht, eine Nacht wie unter tiefster Erde, beunruhigte sie auf eine Weise, dass auch ein sehr viel einfältigerer Mensch als Helen sich zu fragen begonnen hätte, ob hier nicht Scham- und Schuldgefühle in harmlosen Landschaften und Lichtverhältnissen Verstecken spielten.
«Unsinn», sagte sie zu sich selbst und folgte dem künstlichen Lichtstrahl in den Stollen hinab. Ab und zu schwenkte sie die Seitenwände ab, um die Markierungen der rußigen Handflächen zu studieren, und Schritt für Schritt legte sich ihre Aufregung. Schon vor dem Eintritt in die unterste Höhle rief sie Carls Namen. Keine Antwort. Nur Dunkel und Stille und der brackige Geruch des Tümpels.
Fast das Erste, was sich im Scheinwerferkegel verfing, war ein schlammiges, verknotetes Kleiderbündel, das auf dem Bolzenschneider auf den Felsen lag, umgeben von einem Kreis von Feuchtigkeit. Helen wusste sofort, was hier versucht worden — und Versuch geblieben — war.
Fast eine Minute lang stand sie am Ufer vor dem Tümpel und hielt den Atem an. Noch einmal rief sie seinen Namen. Sie hörte das leiernde Echo ihrer Stimme, und ein Schauder lief ihr über den Rücken. Aber es war nicht der Gedanke daran, was sich unter der spiegelglatten Wasseroberfläche verbergen mochte, der ihr die Härchen auf dem Rücken aufstellte, es war der Klang ihrer eigenen Stimme. Genauer gesagt, die Erinnerung an den Abscheu vor ihrer eigenen Stimme, der sich seit ihrer Jugend sonderbar in ihr erhalten hatte. Die Fremdheit, die Verunsicherung und der kleine Gedanke: Wie viel Zeit vergangen ist. Wie jung ich einmal war. Und wie sinnlos das alles.
Warum das ausgerechnet in diesem Moment einen so starken Eindruck auf sie machte, wusste sie nicht. Und es ging auch rasch vorüber.
Lange Minuten saß sie im Auto, ohne den Zündschlüssel herumzudrehen. Sie rauchte zwei Zigaretten und betrachtete eine Fliege auf der Windschutzscheibe. Dann startete sie den Motor und schaltete das Fernlicht ein.
65. DAS WEITERE GESCHEHEN
Ach, die Unentzifferbarkeit des Vorhersehbaren!