Sand
- Автор: Herrndorf Wolfgang
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Sand». Краткое содержание книги:
Während in München Palästinenser des Schwarzen September das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)
«Jetzt mal der Reihe nach», sagte er halblaut zu sich selbst, und weil der Klang seiner eigenen Stimme einen beruhigenden Eindruck auf ihn machte, den Eindruck einer übergeordneten Vernunft, die deutlich weniger angegriffen wirkte als seine eigene, setzte er sein Selbstgespräch noch lauter fort.
«Legen wir erst mal den Pullover hierhin», sagte er und legte sich den Pullover auf die Schulter. Dann tastete er die Umgebung ab. Er konnte die Hose aber noch immer nicht finden und sagte: «Kein Problem. Gar kein Problem. Wenn sie hier nicht ist, dann ist sie hier. Oder hier. Oder hier.»
Er legte sich so flach wie möglich auf den Bauch, spannte die Kette und grapschte mit beiden Händen vor sich im Schlamm herum. Er tauchte unter und machte Schwimmbewegungen.
«Jetzt nicht in Panik geraten», sagte er. Er streckte ein Bein nach vorn und kroch, den Fuß wie einen Haken herumzirkelnd, einmal ganz um die Eisenstange. Tatsächlich verfing sich ein langes Stück Stoff an seinem Knöchel, und sofort vergewisserte er sich, dass der Pullover noch auf seiner Schulter lag. Er lag noch da.
«Bestens», sagte er, «alles bestens.» Er knotete den Pullover an ein Hosenbein.
Dann maß er die Länge des Wurfgeräts und war enttäuscht. Es war kaum anderthalbmal seine Spannweite. Das Zusammenknoten verbrauchte viel zu viel Stoff. Aber er wagte auch nicht, den Knoten noch viel sparsamer anzulegen. Wenn die Stücke sich voneinander lösten und eines davonflog, war er verloren.
Bevor er den ersten Wurfversuch unternahm, legte er eine kurze, feierliche Pause ein. Dann Konzentration und die bewährte Kugelstoßtechnik: Mit dem gewohnt schlappen Geräusch klatschte der nasse Stoff auf die Felsen.
Aber er hatte die Orientierung nun völlig verloren. Den zweiten Wurfversuch setzte er neunzig Grad weiter rechts an: dasselbe nasse Klatschen. Der dritte Wurfversuch war ein Versehen, er hatte vergessen, sich weiterzudrehen. Wieder gab es ein nasses Klatschen … und diesmal vermischt mit einem leicht metallischen Klingeln. Starr vor Schreck hielt er den Wurfarm sekundenlang ins Dunkel ausgestreckt, bevor er wagte, das Lasso langsam einzuholen. Langsam, noch langsamer. Er hörte ein Scharren von Metall auf Fels. Einen Zentimeter, zwei, fünf. Dann verlor das Schleifgeräusch die metallische Komponente.
Carl füllte ein wenig mehr Schlamm als Gewicht in die Hose und warf erneut. Diesmal verfehlte er den Bolzenschneider. Aber das war kein Problem. Seine Schmerzen waren verstummt. Sonderbare, bis zum letzten Moment vom Körper zurückgehaltene Botenstoffe wurden in seinem Gehirn ausgeschüttet.
Mit neuer Kraft und Zuversicht stieß Carl das Gewicht ins Dunkel und spürte im letzten Moment, wie der Ärmel des Pullovers, den er hätte festhalten sollen, seinen klammen Fingern entglitt. Ein Augenblick der Stille. Dann hörte er am fernen Ufer einen Schwall nasser Textilien niederrauschen, begleitet von einem letzten höhnischen Klingeln.
Diesmal brauchte Carl keine zehn Sekunden, um sich zu vergewissern, dass Hose und Pullover vollkommen außerhalb seiner Reichweite lagen, weder mit Händen noch mit Füßen zu angeln, in unendlicher, dunkler Felsenferne, weiter entfernt als das Ufer, weiter entfernt als sein eigenes Leben.
Er spürte, dass er bis zu diesem Moment geglaubt hatte, unsterblich zu sein. Er schlang sich die Kette um den Hals. Er drückte das Gesicht in den Schlamm. Er schlug die Stirn gegen die Eisenstange. Mit einem Schrei tauchte er wieder auf. Er schrie den Namen, der ihm schon die ganze Zeit auf der Zunge gelegen hatte. Jetzt hallte er von den Wänden wider ins Nichts.
64. AÉROPORT DE LA LIBERTÉ
Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und die Schwarzhaarigen und die Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein.